Wie viel Nähe braucht ein Hund?

Wie viel Nähe braucht ein Hund

Sich gemütlich ankuscheln, das Köpfchen ablegen, sich die Arme umlegen lassen und ganz dicht beieinander liegen – das war lange Zeit eine Wunschvorstellung. Moe hat sich schon immer gerne streicheln lassen, aber so richtig kuscheln wollte er nicht.

Ein Hund nimmt sich, was er braucht. Auch Kuscheleinheiten.

Es war schwer für mich. Schwer zu akzeptieren, dass dieser Hund, in den ich so gerne reinkriechen würde, den ich so kuschelig und niedlich und flauschig fand, es nicht mochte, von mir „erdrückt“ zu werden. Nähe ja – aber zu seinen Bedingungen. Moe wollte gestreichelt werden. Vor allem am Bauch und am Hals. Manchmal auch am Poschi und am Kopf.

Ich wollte gerne, dass er sich zu mir / zu uns auf die Couch legt und „Kontaktliegen“ macht. Das war Moe aber meist 1. zu warm oder 2. ihm war es einfach zu viel.

Ins Bett kam Moe trotzdem. Aber: Der Mindestabstand musste eingehalten werden. Manchmal drückte er uns im Schlaf die Pfoten in den Rücken – das war aber auch schon alles, was es an „Kontakt“ und Kuscheln gab. Wenn wir ihm beim Kuscheln zu Nahe kamen, flüchtete er.

Das war beispielsweise der Fall, wenn ich meinen Kopf auf seinem Körper ablegen wollte, wenn er lag. Oder wenn das Herrchen seine Arme um Moe legte, wenn dieser sich ausnahmsweise mal auf ihn drauf gelegt hatte.

Braucht der Hund menschliche Nähe?

Braucht der Hund menschliche Nähe

Ich bin sicher, dass JEDER Hund menschliche Nähe braucht. Allerdings jeder auf seine Art und Weise. Leider ist es oft so, dass wir Menschen uns dem Hund aufdrängen und ihn damit eher verunsichern als ihm etwas Gutes zu tun.

Beispiel 1:

Der Hund liegt entspannt in seinem Körbchen und möchte gerade schlafen. Der Besuch kommt und findet den Hund so niedlich. „Den kann man doch mal streicheln!“ Die meisten gut sozialisierten Hunde werden das über sich ergehen lassen. Vielleicht gibt es auch mal einen Hund, der das ganz klasse findet.

Aber mal ehrlich: Wenn ich gerade schlafen möchte und dann kommt da jemand, der mich streichelt; vielleicht noch jemand Fremdes: Hey, das finde ich nicht so wirklich prickelnd! Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, dass in so einer Situation auch immer das Frauchen / Herrchen gefragt ist, die diesem Treiben ein Ende setzt und den Besucher mal den Kopf wäscht. 🙂

Beispiel 2:

Draußen unterwegs. Während des Spaziergangs streicheln wir unserem Hund unbewusst über den Kopf. Sicher, dass er das gerade wollte? Moe möchte draußen, wenn wir unterwegs sind, eigentlich nie gestreichelt werden. Für ihn ist es auch keine Form der Belohnung, die ein Leckerchen oder ein Spielzeug ersetzen würde. Bei einem anderen Hund kann das natürlich anders aussehen.

Die einzige Situation, die Moe entspannend und angenehm findet, ist das Streicheln im eigenen Garten. Denn dort kann er sich entspannen, während er unterwegs vor allem seine Umgebung wahrnehmen und nicht abgelenkt werden möchte.

Hunde suchen menschliche Nähe.

Aber jeder Hund tut das in anderer Form. Der eine folgt seinem Besitzer vielleicht auf Schritt und Tritt, ohne dabei wirklich Körperkontakt herzustellen. Denn man kann jemandem auch nah sein OHNE körperlich zu werden.

Der andere Hund stupst seinen Besitzer vielleicht zwischendurch während des Spazierganges mal an der Hand an. Kurze Kontrolle, kurzes Hallo-Sagen. Moe macht das immer mal wieder, vor allem, wenn wir ganz harmonisch neben einander her gehen.

Andere Hunde drängen sich förmlich auf: Wenn der Mensch auf der Couch liegt, schmeißen sie sich oben drauf, suchen die Nähe, fordern Streicheleinheiten ein.

Ob ein Hund beispielsweise wirklich gestreichelt werden möchte, ist relativ leicht zu beobachten. Versucht er der Hand auszuweichen, dreht sich weg, leckt sich die Schnauze – solltet ihr das Streicheln lieber lassen.

Drückt der Hund sich aber euch entgegen und hat mandelförmige Augen, könnt ihr euch ziemlich sicher sein, dass dieser Hund das Streicheln genießt. Es gibt auch ein wunderbares Video zu diesem Thema, über das ich auch schon einmal geschrieben habe (zum Beitrag hier klicken).

Ich überprüfe mich regelmäßig selber, was Moe gefällt und was nicht. Und ganz ehrlich: Das ist nicht nur Tagesform-abhängig, nein, UNGLAUBLICHERWEISE verändert sich ein Hund im Laufe seines Lebens auch! 🙂 Daher heißt es, sich immer wieder selber reflektieren, schauen, ob der Hund etwas noch mag und wenn nicht: Sein lassen und akzeptieren! Auch wenn es schwer fällt.

Wir haben mittlerweile viele unterschiedliche „Stadien“ mit Moe durchgemacht. Wie eingangs beschrieben, wollte Moe schon immer unheimlich gerne gestreichelt werden und ist dabei mehr als einmal eingeschlafen. Aber Kuscheln im richtigen Sinne, nämlich mit mehr Körperkontakt als meine Hände auf seinem Bauch sollte nicht sein.

Moe hat eine Entwicklung durch gemacht.

Im Bett wollte er plötzlich immer öfter auf meine Seite und nicht ans Ende des Bettes oder in die Mitte. Manchmal auch bei Herrchen auf die Seite. Er fand es schön, dort zu liegen. Irgendwann wurde es ihm aber immer zu warm oder zu eng und er ging wieder zurück in die Mitte oder ganz raus, in sein Körbchen.

Auf der Couch fing er von einem Tag auf den anderen an, seine Schnauze hinter meinem Rücken zu verstecken. Oder unter meiner Decke. Ich dachte also daran, dass es ihm vielleicht zu hell ist – aber auch in der Dunkelheit macht er das mittlerweile.

Moe legt seinen Kopf mit Vorliebe auf meinen Knien ab, wenn ich am Schreibtisch sitze und er eine Kuscheleinheit braucht. Auch das war lange Zeit nicht so.

Witzig ist auch, dass er sich gerne mit mir zusammen in meinen Sitzsack kuschelt. Das wäre letztes Jahr noch gar nicht denkbar gewesen, spätestens nach 5 Minuten hätte Moe das Weite gesucht.

Kuscheln mit Moe - jetzt klappt es
Kuscheln mit Moe – jetzt klappt es

Aber was mich besonders glücklich macht: Moe sucht bewusst meine Nähe. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass Moe zwar auf’s Sofa oder ins Bett geht, aber wenn er bei mir ist, da nicht lange bleibt. Nun ist es so, dass er darauf wartet, dass ich ihm signalisiere: „Du darfst dich direkt neben mich legen, wenn du willst.“ – und er nimmt es an! So kommt es, dass ich meinen Arm um ihn legen und zusammen mit ihm einschlafen kann.

Moe hat lange Zeit im Bett bei uns geschlafen und macht es heute auch wieder. Es gibt aber immer wieder Phasen, in denen er das nicht möchte und lieber alleine im Wohnzimmer / Büro schläft. Das ist total merkwürdig für uns, weil man sich an Dinge gewöhnt. Aber wenn Moe das so möchte, ist es in Ordnung. Meist ist das im Sommer der Fall, wenn ihm sowieso überall zu warm ist. Warum sollten wir ihm dann das Bett aufdrängen?

Moe hat auch Tage, an denen er uns aus dem Weg geht. Gassi gehen ja, aber dann sucht er seine Ruhe und möchte auch nicht gestört werden. Und das ist ok! Ich habe das schließlich auch ab und zu. 😉

Eines steht fest: Der Mensch braucht hundliche Nähe.

Ich zumindest. Und gerne ganz viel davon. Notfalls tut es auch ein anderer Hund, der gerade gerne bekuschelt werden möchte. 😉 Ganz ehrlich: Ich bin wahnsinnig froh, dass Moe normalerweise zu den Hunden gehört, die sich gerne anfassen und streicheln lassen möchten. Ich wäre sehr traurig, wenn sich das ändern würde – aber natürlich würde ich auch das akzeptieren. Hunde haben ein Recht darauf, NEIN zu sagen, auf ihre Art.

Ja, Moe ist ein Kuschelmonster geworden, der am liebsten bei uns liegt. Ich weiß nicht, warum das passiert ist. Vielleicht weil wir die Erwartungshaltung aufgegeben haben? Weil wir weder uns noch ihn unter Druck gesetzt, sondern abgewartet haben? Mit Sicherheit. Denn Kuscheln soll ja alles sein – aber kein Stress.

Kuscheln? Sehr gerne!
Kuscheln? Sehr gerne!

Wie sieht es bei euch und euren Hunden aus – Kuschelt ihr gerne? Oder könnt ihr gut darauf verzichten?

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