Too much love will kill you – Wie viel Liebe braucht ein Hund?

Wie viel Liebe braucht ein Hund

Hormongesteuert und mit akutem Milcheinschuss. Manchmal habe ich das Gefühl, so werde ich von meiner Umwelt wahrgenommen, wenn ich mit Moe unterwegs bin und uns andere beobachten.

Ich verheimliche es nicht: Ich liebe meinen Hund. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass er einen wichtigen Teil in meinem Leben einnimmt, für ihn würde ich alles tun. Nur: Tue ich manchmal zu viel?

Beispiel 1: Hör auf, ihn zu bemuttern!

Wir sind unterwegs, gehen spazieren. Moe läuft frei. Zum Pieschern geht er an ein Gebüsch. Als er wieder zu mir zurück kommt, sehe ich, dass ihm Kletten an den Ohren und an der Seite hängen. Ich rufe ihn also ran und entferne diese Kletten, zurück zur Natur, denke ich mir.

Dass das bei meinem Mit-Spaziergänger komisch ankommt, bemerke ich erst gar nicht. Ein bisschen später kommt dann aber der Satz: „Findest du nicht, dass du Moe ganz schön bemutterst?“

Ich musste erst einmal nachfragen, was damit wohl gemeint wäre. „Na, der Hund ist draußen. Er ist ein Hund, er darf sich dreckig machen. Warum machst du ihn denn sauber?“

Irgendwie fühlte ich mich ertappt, denn ja: Wenn Moe Sabber im Gesicht hängen hat, mache ich das weg. Wenn der Schlaf im Auge hängt, mache ich das weg. Auch wenn ein Tier auf ihm landet. Und so weiter.

Ich habe das bisher nicht als schlimm empfunden, im Gegenteil. Mir ist es so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich es nicht einmal bemerke! Denn dreckig machen darf er sich doch – aber Sabber im Gesicht ist echt mal eklig.

Ist es zu viel „Liebe“ wenn ich Moe unterwegs sauber mache – oder was ist das?

Beispiel 2: Der Hund hat mehr Süßkram und Futter als wir!

Ich gebe es zu: Ich verwöhne Moe sehr gerne. Sein Schrank mit den Leckerchen ist immer voll, Moe musste nie Hunger leiden. Es gab Zeiten, da war in unserem Kühlschrank nicht so viel Essen, wie Moe Futter und Leckerlies hatte…

Meine Begründung dafür ist einfach: Ich habe für Moe die volle Verantwortung übernommen. Das bedeutet auch, ihn an keinem Tag seines Lebens Hungern zu lassen. Nie! Hat für mich aber nichts mit Liebe zu tun, sondern, wie gesagt, mit Verantwortung. Oder?

Beispiel 3: Der Hund darf im Bett schlafen. Und auf der Couch.

Und wenn er sich für mich unbequem unter meinem Schreibtisch hingelegt hat, dann ist das eben mein Problem. Ich quetsche dann meine Beine irgendwo in die Ecke, um ihn bloß nicht zu wecken. Ist das richtig so? Oder sollte ich meinen Platz beanspruchen?

Too much love will kill you
Too much love will kill you

Too much love will kill you – wie viel Liebe kann eine Hund-Mensch-Beziehung ertragen?

Moe ist definitiv kein Partner- oder Kinderersatz, auch wenn manche schon auf die merkwürdigsten Theorien gekommen sind. Ich sehe Moe ganz objektiv als Hund.

Dafür spricht, dass ich gewisse Dinge durchgehen lasse, von denen ich weiß: Würde ich jetzt schimpfen, würde es ihn sowieso nicht interessieren. Der Unsinn ist verzapft, die Geschichte ist durch. Ich fühle mich damit aber nicht beleidigt oder habe das Gefühl, dass Moe mich nicht respektiert.

Denn ich denke, diese menschlichen Kompetenzen hat Moe definitiv nicht, bzw. ist es ihm sowieso egal, ob ich die beleidigte Leberwurst bin oder nicht.

Moe wird von der Couch geschickt, wenn er sich nicht benimmt. Moe hat gewisse Regeln zu befolgen, die ich durchsetze und bei denen ich nicht diskutiere: Es wird nicht gejagt, (fremde) Menschen werden nicht angesprungen, wenn draußen gerufen wird, muss Moe zurück kommen.

Das sind Richtlinien, die mir zeigen, dass ich Moe vertrauen kann und umgekehrt. Hat aber nichts mit Liebe zu tun.

Wenn ein Mensch seinen Hund wirklich als Partnerersatz sieht, dann ist es zu viel Liebe. Wenn der Hund bemuttert wird, im Kinderwagen herum gefahren wird obwohl er laufen kann, ist das zu viel Liebe.

Wenn der Hund mehr Aufmerksamkeit bekommt, als alle anderen in der Familie, und nicht zur Ruhe kommen darf: Dann ist das zu viel Liebe!

Moe darf Hund sein. Er bekommt unsere vollste Zuneigung und hat seinen Platz auf Lebenszeit bei uns. Und trotzdem vergesse ich nicht, was er ist: Ein Hund, der meine Streicheleinheiten und Belohnungen wohl genießt, aber trotzdem ein Recht darauf hat, sich zurück zu ziehen, wenn er es braucht.

Nicht tot gequatscht werden möchte und eigentlich am zufriedensten damit ist, einfach nur dabei zu sein, ohne großes Gewese.

Zu viel Liebe?
Zu viel Liebe?

Wie ist es bei euch: Ist es (zu viel) Liebe? ♥

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14 Gedanken zu „Too much love will kill you – Wie viel Liebe braucht ein Hund?“

  1. Klar gibt es krankhafte Mensch-Hund Beziehungen.
    Wo wirklich der Hund Kindersatz ist, wo die Liebe keine Grenzen kennt usw…. aber darunter leidet der Hund.
    Ein Hund braucht auch mal Grenzen, gewisse Richtlinien und es muss EINE gemeinsame Sprache gesprochen werden, die der Hund zu verstehen weiß.

    Ich finde nicht das du Moe zuviel Liebe gibst.
    Auch ich entferne die Schlafreste an den Augen, lasse (wenn ich es will) Deco und Pippa aufs Sofa, Bett etc.

    Mach dir keine SOrgen Nicole – bei euch läufts Rund oder soll ich sagen in guter Herzform 😉
    Gruß, Carola mit Deco und Pippa




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  2. Guten Morgen!

    Puhh, ich bin gerade erleichtert! 😀 bei uns ist das genauso. Eigentlich kann ich dem ganzen nichts mehr hinzu fügen. Ein schöner Beitrag 🙂

    Liebe grüße Diana und Jessi




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  3. Den ersten Punkt hätte ich wohl genauso schreiben können! Da bin ich wie du und hätte mir nie wirklich genauer Gedanken darüber gemacht ob mein Verhalten eigentlich bemutternd wirkt oder nicht.

    Aber dadurch, dass Aoki generell sehr selbstständig und wenig liebesbedürftig ist (Kuscheln findet er einfach nur doof und anstrengend) wäre ich eigentlich nie auf die Idee gekommen, ihn zu sehr zu vermenschlichen. Ich lasse ihm zwar sehr viele Freiheiten aber, wie auch bei euch, gibt es eben gewisse Regeln, an die er sich halten *muss*.
    Im Bett schlafen darf er hauptsächlich aus dem Grund, weil es fast unsere einzige Möglichkeit ist, etwas Nähe mit ihm genießen zu können. Da darf er sich dann auch mal breit machen und mir die Decke streitig machen 😉

    Und da wir generell versuchen, sehr reduziert zu leben, wird auch nicht viel gekauft – auch nicht für den Hund.




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  4. Kann deinen Text zu 1000% unterschreiben.
    Klar dürfen meine Hunde viel, aber vor allem dürfen sie Hunde sein.
    Finde das immer sehr schade, wenn da dann kommt von wegen du bemutterst deinen Hund oder dein Hund darf nicht mehr Hund sein, weil zum Beispiel Iggy im Winter einen Mantel trägt.
    Das sie sonst eine Blasenentzündung nach der anderen bekommen würde interessiert da nicht.
    In unserer Gesellschaft ist es leider so, dass man viel zu schnell über Dinge urteilt, die einen 1. nichts an gehen und von denen man 2. gar keine Ahnung hat.

    Von daher sage ich nur -> lieb Moe weiter so wie du es tust 🙂

    Liebe Grüße
    Anna




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  5. Auf was für Sachen manche Leute kommen? Nur weil du ihm die Kletten aus dem Fell pulst, sollst du ihn zu sehr verwöhnen? Ich wische Charly auch den Sabber von der Schnauze oder den Schlaf aus den Augen. Charly ist aber trotzdem kein Kinderersatz. Ich habe drei Kinder und einen Hund. Punkt. Und um den kümmern wir uns, genau wie du um Moe. Lass dich nicht verunsicher, Nörgler gibt es überall.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly




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  6. Jetzt wo du es so schreibst, ich mache Jack draußen auch ständig sauber. Genau wie dir, fällt es auch mir gar nicht mehr wirklich auf. Es ist einfach eine Gewohnheit. Schmodder im Gesicht, Viecher oder Blätter auf dem Rücken, alles wird entfernt. Kurz im Vorbeigehen, dann darf er wieder schnüffeln. Ich finde das nicht schlimm. Ich finde außerdem nicht, dass das etwas mit Bemutterung zu tun hat.

    Bei uns darf Jack zwar nicht ins Bett, dafür aber auf der Couch liegen. Manchmal mache ich ihm Platz, damit er in Ruhe schlafen kann. Manchmal schiebe ich ihn aber auch einfach zur Seite, weil ich mal in Ruhe auf der Couch liegen will. Es hält sich die Waage.

    Selbst das mit dem Futter ist bei uns exakt genau so. Wir haben eine, eigens für Jack eingerichtete, Futterbox. Darin sind wirklich viele kleine Leckereien. Gebrauchen kann man die ja immer mal. Ich erwische mich sogar öfter mal dabei, im Tierladen einfach noch eine Tüte mehr Fisch mit Huhn zu kaufen. Dabei hat er noch welche daheim! Egal. Ich kaufe mehr Hundefutter als Menschen“futter“, dazu stehe ich. Bei Jack setzt es wenigstens nicht an, im Gegensatz zu mir. 😀

    Für mich ist mein Hund genau so wenig ein Kinderersatz, wie für dich. Er ist und bleibt ein Hund. Genau dafür liebe ich ihn! Aber das streicht nicht aus, dass ich mich um ihn kümmere. Wie ich das mache, liegt in meinem Ermessen. Wenn andere ihre Hunde gern aus Zuhause von Insekten, Blättern und Co. befreien wollen, sollen sie das so machen. Ich erledige das (meiste) gern einfach direkt, wenn es mir auffällt. 🙂




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  7. Zu 1. ich nenne das einfach Brutpflegeverhalten und finde ich gar nicht schlimm. Ist bei uns auch so. Genauso wie Nr. 2 und Nr. 3.

    Wie gut das ich mir keine Gedanken darüber mache wie viel Liebe ich meinen Hunden schenke – schließlich erwarte ich einiges von ihnen und ihre bedingungslose Liebe und Treue ist mir schließlich auch gewiss 🙂

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi




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  8. Ich finde, du hast es prima auf den Punkt gebracht. Bei uns war es anfangs schon so, das Eddie von allen Familienmitgliedern zu viel Aufmerksamkeit bekommen hat. In der Pubertät wurde es dann ganz schlimm und wir mussten auch eine Menge an uns arbeiten. Jetzt ist Eddie 2 Jahre und er ist viel entspannter geworden, wo er nicht mehr der Nabel der Welt ist.
    Ich bin auch so eine, die Sabber und co gleich entfernt. Auch Leckerliemangel besteht bei uns im Haus nicht. Sofa und Bett sind tabu, aber Eddie hat auch nie versucht, sich auf dem Sofa gemütlich zu machen. Ich denke auch, das es wichtig ist, das man dem Hund Grenzen setzt und diese auch eingehalten werden. Hat uns enorm geholfen. Ein Hund ist ein Hund und man neigt vielleicht dazu, den Hund zu vermenschlichen.
    Ganz lieben Gruß, Maren & Eddie.




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  9. Sehr interessante Gedanken, die Du da hast…..

    Ich finde es schon wichtig, dass man das Wesen der Hunde berücksichtigt und ihrer Art und Rasse gerecht wird. Daher ist Socke auch nicht mein Kind, sondern mein Hund.

    Da ich aber ein Mensch bin, behandle ich sie so, wie ich es als Mensch mit alle meinen menschlichen Verhaltensweisen und Fähigkeiten kann. So rede ich mit Socke, tröste sie, wenn es ihr schlecht geht, pflege ihr Fell und habe Spaß mit ihr. Da ich zudem ein empathischer Mensch bin, bin ich ebenso im Umgang mit Socke.

    Dass viele Menschen denken, dass ich nicht ganz richtig ticke, ist mir egal, da ich es eh nicht allen recht machen kann. Will ich auch nicht mehr. Ich muss nur mit mir im Reinen sein und das bin ich, wenn es um das Zusammenleben mit Socke geht.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  10. Wuff,
    ich glaub bei dir möchte ich auch „Hund“ sein, denn in etwa in der Art habe ich auch meine Menschen erzogen und mir gefällt das.
    Ayka mit den schwarzen Pfoten




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  11. Mir ist gestern Abend unbewusst was ähnliches passiert.
    Wir saßen auf Adgis Geburtstag zum Grillen zusammen….Adgi lag unter dem Tisch und hat versucht, sich am Kopf zu kratzen bzw die Ohren…tja und da kam es mir über die Lippen: Na komm her, soll Mami dir helfen?
    Daraufhin stand Adgi auf legte seinen Kopf auf meinen Schoß und ich habe ihm das Ohr gekratzt…
    Meine Freundin hat sich vor Lachen nicht mehr einbekommen und ich musste direkt an deinen Artikel denken. =)

    Ganz liebe Grüße

    Anika und Adgi




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  12. Also ich kann Deinen Artikel zu 100% unterschreiben. Eine Hundetrainerin (die ich sonst für sehr gut halte) hat einmal zu uns gesagt:“Ihr Männer seid zu euren Hunden zu freundlich.“ Ich glaube, das was ich bis jetzt an Freundlichkeit in unseren Milow (Eurasierrüde, 16 Monate) investiert habe, bekomme ich jetzt schon zurück und eigentlich immer mehr. Und wenn ihn sein Ohr juckt, na dann knuddel ich es ihm halt durch und kanns mir bei der Gelegenheit gleich näher ansehen.
    Es ist halt jetzt in der Pubertät nicht immer einfach mit ihm, aber wenn so ein Pubertätsanfall vorbei ist, ist er so was von entzückend, dass ich weiß, ich machs richtig….
    Ich finde, wenn ich immer darauf schaue, dass mein Hund wirklich ein Hund sein kann, dann kann es gar nicht zu viel Liebe geben. Und was die Anderen darüber denken ist mir eigentlich piepegal…..
    Liebe Grüße,
    Erwin und Milow




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  13. Lieber zu viel Liebe als zu wenig!

    Klar, ein Hund darf einfach kein Kinderersatz sein. Aber man darf ihn doch trotzdem lieben? Okay, ich mache nicht jeden Sabberfaden weg, da Corrie auf dem Spaziergang meist noch tauchen geht 😉 Aber gerade jetzt im Sommer kann ich es gar nicht ertragen, wenn die ganzen Mücken auf ihr landen! Die will ich immer wegmachen und bin die ganze Zeit am Klopfen und Runterwischen. Geht euch das nicht auch so? Sche** Mücken xD




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  14. Da musste ich aber grinsen, als ich Deinen Artikel las – zu viel Liebe? Nein, ich handhabe bei meinen drei Hunden alles genauso. Ich habe Hunde, weil ich sie liebe. Und ich fordere (wenige) Dinge ein, die sie tun oder nicht tun sollen. Das funktioniert auch. Ansonsten geht es mir auch so: Mir schlafen eher die Füße ein, als das ich das selig schlummernde Hündchen vom Schoss kicke…quitscht eine herum, lasse ich sofort alles stehen und fallen, um nachzusehen, was die Ursache ist. Kratzt sich eine hinterm Ohr – naja, dann schießt zackzack meine Hand dahin, um zu „helfen“. Gut, ich scheine nicht allein zu sein, mit meiner „Hundeliebe“. Bin ergo beruhigt, wenn ich mir die Kommentare hier so durchlese….Grüße von Nele, Amy und Sashi-Spatz




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