Wer wäre ich ohne Hund?

Wer waere ich ohne Hund

Neulich las ich einen sehr interessanten Artikel von einer lieben Bloggerkollegin. Nadine von den hundsgemeinen Drei machte sich Gedanken darüber, wer sie wohl wäre, hätte sie ihre Hunde damals nicht bei sich einziehen lassen.

Ich kann mir vorstellen, dass sich viele von euch darüber auch schon Gedanken gemacht haben. Diese Gedanken müssen überhaupt nicht in die negative Richtung gehen („Hätte ich diesen Hund nicht, könnte ich endlich mal wieder feien gehen/hätte mehr Geld/könnte in den Urlaub fahren/würde sich endlich mal nicht alles um den Köter drehen), sondern durchaus in die andere, in die positive Richtung (hätte ich diesen Hund nicht, hätte ich diese oder jene Erfahrung nicht gemacht/würde die Sonnenaufgänge nicht sehen/hätte diese Begegnung nicht gehabt).

Ganz mit Sicherheit ist es aber tagesform-abhänging, in welche Richtung diese Gedanken gehen. Wie wir uns selber dabei fühlen, in welcher Situation wir gerade sind, wenn wir dieses oder jenes denken.

Ich werde einmal versuchen, neutral an die Geschichte heran zu gehen. An meine Geschichte. Ihr seht, dieser Blogartikel wird persönlich. Vielleicht wird es sogar einer der wichtigsten Artikel. Zumindest für mich.

Am Anfang stand ein Wunsch: Ein Hund soll es sein!

Wie viele Kinder hatte ich immer den Wunsch nach einem eigenen Hund. Statt nur zu betteln, ging ich noch einen Schritt weiter. Ich informierte mich über jede, und damit meine ich wirklich jede, Rasse, die damals bekannt war und zu der ich Bücher finden konnte. Ich las spezielle Ratgeber zu den Rassen, die mich wirklich brennend interessierten (Afghanen, Chinesische Schopfhunde, Beagle, Labradore, Rottweiler, Münsterländer, Bordeaux-Dogge, Mastino Napoletano, Basset, Bloodhound und ein paar weitere).

Rassehunde - welcher darf es denn sein?
Rassehunde – welcher darf es denn sein?*

Ich las allgemeine Bücher zur Hundehaltung. Ich war mir sicher: Wären da nicht meine Eltern, ich könnte das schaffen. Naiv, weil ich dachte, ich könnte das alles allein wuppen, war ich sicher nicht. Ich war mir zumindest nicht darüber bewusst. 😉

Aber es ging natürlich nicht. Krankheitsbedingt, aber auch, weil meine Eltern und ich eine andere Vorstellung der Hundehaltung hatten. Egal, was ich tat: Es kam kein Hund. Nie. Meinen Vater versuchte ich damit zu überreden, dass seine Familie selber einen Münsterländer hatte, den er super fand. Klappte nicht.

Meine Mutter versuchte ich mit einem Beagle zu ködern, weil sie diese wunderschön fand. Klappte aber auch nicht. Beide waren zu vernünftig (was rückblickend richtig war!), um mir diesen größten Wunsch zu erfüllen.

Ob eine Bordeaux-Dogge bei uns glücklich geworden wäre und ich mit ihr? Schwer zu sagen.

Eines weiß ich aber: Viele lästern über die jungen Mädchen, die sich bei Instagram einen Account anlegen, der ähnlich klingt wie „Traum vom eigenen Vierbeiner“ und wo man direkt in der Beschreibung lesen kann: Das Mädchen ist 10-13 Jahre alt, hat einen ganz schönen Wunsch (ein eigener Hund) und versucht alles, um die Eltern zu überzeugen.

Bordeaux-Doggen liebe ich immer noch.
Bordeaux-Doggen liebe ich immer noch.*

Teilweise findet man sogar Prozentangaben, wie „Mama: 5% überzeugt, Papa: 30% überzeugt“. Manche regen sich darüber auf, aber ganz ehrlich: Ich wäre eines dieser Mädchen gewesen. Es ist vielleicht für die „ach so Erwachsenen“ unter uns nicht nachzuvollziehen. Ich kann es – denn ich hatte den Wunsch auch.

Im Studium lernte ich meinen Freund kennen, wir zogen zusammen, er machte sich selbstständig. Wir hatten wenig Geld, schafften es aber immer irgendwie, über die Runden zu kommen. Ich studierte in der Zeit. Es war eigentlich wunderbar. Wenn da nicht dieser Wunsch nach einem Hund gewesen wäre… Zugegeben, es hat mir keine Ruhe gelassen. Ich wollte es unbedingt. Mehr, als alles andere.

Weichen gestellt: Ein Hund kann einziehen!

Immer wieder diskutiert und schließlich konnte ich mich durchsetzen: Mein Freund stimmte zu! Da begann für mich der harte Teil, denn ab dem Zeitpunkt begann eigentlich wirklich meine Veränderung.

Ich bin eher ruhig, introvertiert und schon gar nicht mag ich irgendwo anrufen und Dinge erfragen. Das musste ich aber tun, wenn ich wirklich einen Hund wollte. Wir wussten nämlich nicht, ob ein Hund in der Wohnung erlaubt wäre… Und so stand mir das erste Umdenken bevor. Wenn ich etwas will, muss ich selber aktiv etwas dafür tun. Das war die Auflage.

Und so rief ich mit schweißnassen Händen und einem Zittern in der Stimme den Vermieter an, bekam auch direkt die Zusage, dass ein Hund überhaupt kein Problem wäre. Glück gehabt! Was bei einer Ablehnung passiert wäre, daran mag ich gar nicht denken.

Kein Labbi, kein alter Hund (damals): Moe
Kein Labbi, kein alter Hund (damals): Moe

Die Suche nach einem Vierbeiner begann, die Wünsche waren abgesteckt, das Ziel klar: Ein schwarzer Labrador, maximal ein Labrador Mischling.

Als die Fotos von Moe bei uns ankamen und ich ihn sah, meinem Freund zeigte, kam der bereits oft zitierte Satz: „Der ist kaputt. Den nehmen wir nicht.“ – Denn es sah auf einem Foto so aus, als würde Moe schielen (aufgrund seiner manchmal vergrößerten Nickhaut).

Nun, den Rest kennt ihr, wenn nicht, könnt ihr es hier nachlesen.

Die Veränderung beginnt

Als erstes wurde mir bewusst: Es ist sehr wichtig, ein gutes Zeitmanagement zu haben, wenn man einen Hund hat. Moe hatte seine festen Futterzeiten, seine festen Spaziergang-Zeiten, er brauchte ausreichend Ansprache, Wissen, Auslauf. Ich merkte, wie ich mich veränderte, mehr zu Hause blieb.

Ich war eigentlich kein richtiger Stubenhocker bis zu dem Tag, als Moe einzog. Ich ging sehr gerne feiern, war immer gerne auf Achse. Das änderte sich, langsam, aber sicher. Mir war nicht wohl dabei, Moe allein zu lassen. Selbst, wenn ich alleine mit Freunden feiern ging, fühlte sich das nicht richtig an. Ich fragte mich, ob bei mir im Kopf vielleicht irgendetwas nicht richtig läuft, weil sich mein Denken nur noch in Richtung Moe entwickelte.

Ich wurde langsam paranoid. Mehr Kekse, mehr Spielzeug, mehr von allem. Dafür ließ ich mich immer mehr gehen. Schicke Schuhe? Unwichtig. Neue Handtasche? Brauchte ich nicht. Mein Lebensinhalt verlagerte sich, mein einziges Bestreben: bei Moe sein.

Ich ging nur noch selten in die Uni. Meinen Nebenjob machte ich weiter, beeilte mich aber, schnell nach Hause zu kommen. Denn da wartete ja meine kleine Familie auf mich!

Was brauchst du?
Was brauchst du?

Irgendwie wurde ich immer unzufriedener mit allem. Mein Studium machte mir von Anfang an keinen richtigen Spaß, der Traum, Lektorin zu werden, platze relativ schnell als ich mich mit der Arbeitsplatz-Situation auseinander setzte. Hätte ich eine Chance haben wollen, hätte ein Umzug nach Hamburg angestanden. Und das wollte ich wirklich nicht, weil ich die Stadt bis heute nicht mag.

Ich schlief mehr, als das ich wach war. Moe beschäftigte ich natürlich weiterhin, ich arbeitete auch. Aber den Rest der Zeit lag ich im Bett, in einem abgedunkelten Zimmer, zusammen mit Moe. Ich gammelte vor mich hin, versuchte irgendwie, den Sinn zu finden.

Es hat lange Zeit gedauert. Letztendlich war es wieder Moe, der mich nicht nur die ganze Zeit immer begleitet hatte und an meiner Seite stand, der es schaffte, mir in den Hintern zu treten (und natürlich auch mein Freund, der trotzdem immer da war).

Ich überlegte mir, was ich von meinem Leben eigentlich wollte. Wo wollte ich hin? Wer war ich, wer waren wir? Ich erinnerte mich daran, dass ich gerne reiste. Gerne unterwegs war. Aber zwischen vielen Menschen zu sein? Das konnte ich mir nicht mehr vorstellen. „Party machen“ war ungefähr so weit weg wie der Mars, Shoppen zu gehen war ein Krampf (ein Hoch auf Online-Shops!!!).

Der Umbruch: Moe steckt zurück, für ein höheres Ziel

Ich merkte: Wenn ich wirklich was für mich, für uns tun will, darf ich Moe nicht mehr als Ausrede nutzen. Wenn ich es schaffe, glücklich zu sein, dann wirkt sich das auch positiv auf Moe aus – selbst, wenn es weniger gemeinsame Zeit bedeutet (und mit gemeinsamer Zeit ist nicht unbedingt aktiv gemeinsame Zeit gemeint – denn wenn man nur nebeneinander pennt, hat man auch nicht viel voneinander!).

Zurückstecken? Ich?!
Zurückstecken? Ich?!

Ich wollte mehr (gemeinsame) Erlebnisse. Und dafür brauchte es Geld. So suchte ich mir eine Ausbildung, egal welche. Ehrlich: Ich grenzte es nur ein, um überhaupt eine Chance zu haben. Aber ob Rechtsanwaltshilfe oder Buchhändlerin, es war mir wurscht. Hauptsache, Arbeit. Irgendwas gelernt, um damit eine Chance zu haben und nicht eine ungelernte Kraft zu sein.

Ich lernte also Bürokauffrau. Überzeugte mich und andere, dass es genau der richtige, perfekte Job wäre, selbst als Mathelegastheniker. (Wenn ich eine Rechenaufgabe gestellt bekomme und diese auf Druck ausrechnen muss, bspw. an der Kasse, habe ich nur noch einen Affen im Kopf, der trommelt. Ehrlich: Ich kann das überhaupt nicht!).

Wieder veränderte ich mich. Wurde kontaktfreudiger, offener, sicherer im Umgang mit Menschen. Wenn man sich nicht anmerken lässt, wie unsicher man ist, schafft man vieles.

Mein Freund und ich planten, wie es weitergehen könnte. Mit Moe, mit uns. Wir setzten uns damit auseinander, Deutschland zu verlassen, unser Hab und Gut zu minimieren. Wir informierten uns, fanden Gleichgesinnte. Wurden immer sicherer in unserer Entscheidung, planten. Nach meiner Ausbildung unterschrieb ich bei ihm den Arbeitsvertrag.

Seit über einem Jahr arbeiten wir nun zusammen. Erfolgreich. Wir verstehen uns gut, haben einen Traum, auf den wir hinarbeiten.

Ein Hund verändert dich. Immer.

Moe ist immer noch der wichtigste Teil in meinem Leben. Aber anders. Ich bin immer für ihn da, habe die Sicherheit, dass ich genau das auch leisten kann. Trotzdem verdiene ich Geld, habe ein (mehr oder weniger) geregeltes Leben. Ich kann Moe Sicherheit geben, einen geregelten Tagesablauf. Und das Wichtigste: Ich kann auch Zeit ohne ihn verbringen.

Ich brauche Moe. Aber es geht auch mal ohne ihn.
Ich brauche Moe. Aber es geht auch mal ohne ihn.

Durch Moe hat sich meine Sicht verändert, nur durch ihn bin ich zur Hundefotografie gekommen. Wäre er nicht, hätte ich niemals Wuschelpfoten gegründet. Hätte es Wunderdogs nicht gegeben.

Stelle ich mir die Frage: Was wäre, wenn es Moe nicht geben würde? Sicher. Und ich habe auch nicht immer eine positive Antwort.

Manchmal denke ich mir, ich hätte mehr Geld. Aber wofür? Ist es wirklich wichtig, mehr Geld zu haben, weil ich keine Tierarztkosten tragen muss?

Manchmal denke ich mir, ich hätte weniger Verantwortung zu tragen. Aber ist es nicht genau das Gefühl, dass mich auch glücklich macht?

Manchmal denke ich mir, das Haus wäre sauberer ohne ihn. Aber kümmert mich das wirklich? Oder ist es das, was andere von mir erwarten?

Ich möchte nicht ohne Moe sein. Ich bin aber stark genug, es zu können. Für die Lektionen, die mich Moe gelehrt hat, bin ich dankbar. Moe hat so vieles zum Guten geändert, hat mich als ganze Person einmal auf links gedreht. Aus einer feierwütigen, unsicheren, sich von anderen Menschen stark beeinflussbaren Person ist jemand geworden, der zwar eher introvertiert, aber sich seiner bewusst ist.

Ich weiß, was ich kann, und was nicht. Ich weiß, welche Menschen und Situationen mir gut tun und welche nicht. Und ich weiß, dass alles, was ich jetzt bin, Moe geschuldet ist.

Moe ist das Beste, was mir passiert ist. ♥

Die beste Flauschkartoffel der Welt.
Die beste Flauschkartoffel der Welt.

*Fotolia: Rassehunde Datei: #79299259 | Urheber: DoraZett
Group Bordeaux puppy dog. isolated on white background Datei: #60875288 | Urheber: Ermolaev Alexandr

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6 Gedanken zu „Wer wäre ich ohne Hund?“

  1. Ja, dein persönlicher Bericht zeigt wie viel Moe zu deinem erfolgreichen Lebensweg beigetragen hat, doch den letzten Eintrag muss ich einfach ergänzen. Das alles hast einzig alleine Du geschafft , Moe hat dich aktiv motiviert und unterstützt – doch den Weg bist du auf deinen zwei Beinen gegangen und das benötigt eine ganz besondere Würdigung.
    Machts weiter so gut – ihr Zwei
    Ayka




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  2. Das liest sich einfach wunderbar. Auch mich hat Socke verändert und mein Leben sehr stark beeinflusst. Was und wo ich ohne sie wäre. Keine Ahnung, will ich aber auch gar nicht wissen, denn so ist es gut.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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