Was ich am Bloggen hasse.

Was ich am Bloggen hasse

Jedes Jahr wieder gibt es so eine Zeit, in der denke ich mir: Braucht die Welt wirklich noch einen weiteren Hundeblog? Muss ich das alles öffentlich niederschreiben – oder kann ich es auch einfach sein lassen, den Blog auf privat stellen und fertig?

Ja, manchmal habe ich diese Phasen. Zeiten, in denen ich nicht weiß, was ich schreiben soll. Oder wie. Denn Ideen, die habe ich eigentlich.

Aber es gibt auch Zeiten, da habe ich einen Lauf. Die Themen sprudeln, die Worte auch. Trotzdem gibt es immer wieder Dinge, die ich am Bloggen so absolut nicht mag. Dinge, die ich gerne einfach abgeschafft wissen würde.

Und damit ihr mal wisst, womit ich mich eigentlich so herumärgere und was mich wie Rumpelstilzchen stampfend am Schreibtisch sitzen lässt, erkläre ich mich.

Was ich am Bloggen hasse
Ich lese und lese und lese. Und schreibe trotzdem Mist.

Was ich am Bloggen am meisten hasse: Die Textanfänge.

Stephen King hat mal sinngemäß so etwas gesagt wie: Der erste Satz eines Buches ist der Wichtigste. Wenn du dort deinen Leser nicht einfängst, schaffst du es nie.

„Here is Edward Bear, coming downstairs now, bump, bump, bump, on the back of his head, behind Christopher Robin. It is, as far as he knows, the only way of coming downstairs, but sometimes, he feels that there really is another way, if only he could stop bumping for a moment and think of it.

And then he feels that perhaps there isn’t. Anyhow, here he is at the bottom, and ready to be introduced to you. Winnie-the-Pooh.“ ( A. A. Milne – Winnie-the-Pooh)

Viele Bücher haben mich eingefangen. Viele Texte ebenso. Ich lese gerne und viel. Und trotzdem: So ein richtig cooler Anfang ist mir bisher nie gelungen. Immer habe ich das Gefühl, ich schreibe zu wenig. Oder zu viel?

Jedenfalls: Nie kurz und knapp, präzise. Immer ist es irgendein Gelaber. So wie jetzt gerade. Meinem großen Vorbild, Mr. Stephen King, werde ich damit wohl nie nahe kommen.

„Schmieriger kleiner Scheißkerl, dachte Jack Torrance. Er maß einen Meter sechzig und bewegte sich mit der eilfertigen Gewandtheit, die offenbar allen kurzen Dicken eigen ist.“ (Stephen King – Shining)

Textanfänge sind eine Kunst, die ich definitiv nicht beherrsche. Und egal, wie viel ich lese, wie viele Bücher ich anhäufte, wie viele Anfänge ich recherchierte – ein richtig epischer Anfang wird wohl nie auf Moe & Me stehen.

Mich deswegen einfach begnügen? Nein, das kann ich nicht. Also ärgere ich mich weiterhin jedes Mal darüber, dass meine Textanfänge eine Katastrophe sind.

Die Füllwörter.

Texte schreiben, so, dass sie gut klingen und ich nicht ins Fabulieren abschweife – so konnte ich damals schreiben, als dieser Blog noch frisch und unberührt war. Die erste Zeit gab es 300 Wort-Texte. Da stand dann ein Mini-Bericht unseres Urlaubs. Musste ja fix fertig gestellt sein.

Heute schreibe und tippe ich, bis die Finger glühen. An manchen Tagen schaffe ich gleich 2 Artikel, weil es flutscht. Und dann lese ich die Artikel Korrektur. Nicht unbedingt wegen der Rechtschreibfehler – normalerweise schafft mein Programm es ganz gut, mich während des Tippens auf jene aufmerksam zu machen – sondern wegen der Füllwörter.

„Füllwörter haben einen geringen Aussagewert. Sie dienen dazu, einen Inhalt emotional zu färben oder einen Vers zu glätten.“ (Wikipedia)

Aber. Mal. Natürlich. Selbstverständlich. Wirklich. Ehrlicherweise. Wieder. Lieblings-Füllworte! Wenn ein Text fertig ist, mache ich mir manchmal den Spaß und räume auf.

Lösche diese Worte, wo sie eigentlich gar nicht richtig passen. Und doch schummeln sie sich immer wieder rein. Ich höre sie fies kichern, während ich sie ausschreibe. Sie winken mir zu, mit ihrem Mittelfinger. Du ohne uns? Das geht nicht.

Und so lebe ich mit ihnen. Hasse sie von ganzem Herzen, wenn sie mir vermehrt in Texten begegnen. Und baue sie trotzdem fleißig ein. (Dieser Text enthält sie übrigens auch, die Füllwörter. Aufgabe: Nimm dir einen bunten Marker und unterstreiche sie.)

Die Pinkelpausen.

Meine Texte schreibe ich in eins durch. Danach kümmere ich mich um’s Korrekturlesen und Bilder einbauen. Den Text muss ich jedoch direkt von meinem Hirn aus irgendwie transferieren – sonst wird das nichts.

Wenn ich einen Text anfange und am nächsten Tag weiter schreibe, hat sich meine Stimmung verändert. Das, was bis zu einem Zeitpunkt lustig und unbeschwert klang, bekommt plötzlich eine andere Richtung. So weit, so gut.

Was ich am Bloggen hasse
Pipi-Pausen kennt Moe auch.

Während ich schreibe, kann ich einiges nebenbei machen. Mit dem großen Zeh wackeln, zum Beispiel. Und: Trinken. Ich trinke generell viel.

Das bedeutet aber: Gegen Ende meiner Texte muss ich höchstwahrscheinlich irgendwann mal auf’s Klo. Da kann ich noch so diszipliniert sein – wenn das Schreibertier muss, dann muss es.

Pinkelpausen sind Mist. Denn danach habe ich häufig das gleiche Problem, wie ich es auch am nächsten Tag hätte: Die Idee ist futsch. Die Schreibstimme verändert sich. Und ich ärgere mich über meine nicht vorhandene Blase aus Stahl und frage mich: Merkt ihr das eigentlich überhaupt? Also, dass sich da zwischendrin was verändert hat, dass da ein Bruch ist?

Die Anderen.

Es gibt euch. Die freundlichen Leser. Die, die ab und zu was lesen. Vielleicht auch nur überfliegen. Die, die vielleicht nicht so nett von mir denken, dann aber trotzdem den Anstand haben und einfach weiter ziehen. Es gibt aber auch die Anderen.

Wenn ich schreibe, stelle ich mir euch vor, wie ihr da sitzt. Google sagt mir, die meisten lesen diesen Blog über das Smartphone oder Tablet.

Also stelle ich mir gerne vor, wie du da gerade sitzt, vielleicht einen kleinen Katzenbuckel machst (den mache ich übrigens immer beim Lesen, habe den eben nochmal probehalber für dich getestet) und vielleicht ein kleines Heißgetränk deiner Wahl schlürfst.

Oder es ist spät am Abend und du knabberst irgendwas vor dich hin. Das mache ich nämlich gerne, wenn ich Blogs lese. Vielleicht sitzt du aber auch gerade auf der Toilette – nein, das stelle ich mir nicht vor.

(Was mich wirklich interessieren würde: Lässt sich irgendjemand von euch auch diesen Blog vorlesen? Wenn ja, wie ist das? Ich stelle mir das ziemlich konfus und witzig vor.)

Was ich am Bloggen hasse
Machst du mein Frauchen an, mach ich dich platt.

Die Anderen sitzen auch da. Sie nicken aber nicht wohlwollend. Nein, sie wackeln abwertend mit dem Kopf. Und, nachdem sie die ersten 2 Sätze gelesen haben, fällt ihnen auch gleich die Kommentarspalte ein.

Her mit euren geistigen Ergüssen, mit den fiesen Worten! Nein, euch Andere mag ich hier nicht. Und seid gewiss: Ich lese jeden Kommentar, bevor ich ihn frei schalte.

Wenn ihr nichts Konstruktives zu sagen habt oder etwas Nettes, landet ihr auf der schwarzen Liste. Und ja: Es ist mir egal, was ihr davon denkt. Es reicht schon, dass ihr mir manchmal wirklich die Lust am Bloggen versaut.

Trends.

Auch in der Hundeblogger-Szene gibt es immer wieder Trends. Der eine schreibt etwas, der andere findet es gut und nimmt es auf. So weit, so gut.

Dann gibt es den Trend, Produkte zu testen und vorzustellen. Auch wunderbar. Und dann gibt es den aktuellen Trend: Der Blog wird zur Enzyklopädie, zur Wissenssammlung. Alles ist nützlich, jeder versucht ein Problem zu lösen.

Manche Trends mache ich gerne mit. Andere kann ich nicht mitmachen.

Ich wäre gerne nützlich. Wirklich. Ich habe aber kein Wissen, dass ich weitergeben kann. Alles, was ich zu Moe weiß, ist genau mit/auf seinen Fall kompatibel. Alles, was ich empfehle, haben wir ausprobiert. Es kann aber für dich schon wieder totaler Mist sein.

Ich mag Trends nicht, da sie begrenzen und viele sich darauf einschießen. Es gab mal den Trend, individuell zu sein – juchu, auf einmal waren wir alle individuell und doch alle gleich.

Ich versuche nicht, wie andere zu sein. Ich versuche, nicht wie andere zu sein. Ich versuche, einfach nicht darüber nachzudenken, was ich hier tue. Und damit mache ich mir das Leben ein großes Stückchen leichter.

Diesen Blog würde es nicht mehr geben, stünde dahinter meine Existenz. Hinter Moe & Me steht mein Herzblut, ich liebe diesen Blog.

Und manchmal hasse ich ihn auch, weil er mich verpflichtet, bindet, weil ich mich nackig mache, weil ich mich angreifbar mache. Weil Erinnerungen in jedem Artikel stecken. Weil er mich manchmal einholt. Weil ich wegen ihm so manche Streitigkeit hatte, weil mich manche Worte treffen.

Ein Trend ist, authentisch zu schreiben. Heute will jeder ehrlich sein. Ich auch. Diesen Trend mache ich mit. Unbewusst. Weil ich gar nicht anders kann, als so zu schreiben. Mit diesem Trend macht man es sich aber nicht unbedingt leichter.

Ich blogge, weil ich nicht anders kann.

Wie ein Süchtiger habe ich schon versucht, aufzuhören. Ich habe mir einfach einen anderen Blog gesucht, auf dem ich schreiben kann. Habe die Geschichten über Moe offline geschrieben. Die Geschichten, die mir etwas bedeuten.

Und dann kam diese fiese, kleine Stimme. Was nützen all’ diese Geschichten, wenn keiner sie liest?

Liebe Stimme in meinem Kopf: Du hast ja so Recht. Lieber 5 Leute, die meine Geschichten lesen und denken, ich wäre gestört, als gar keine Aufmerksamkeit.

Was ich am Bloggen hasse
Einhorn. Zu 99,5% grossartig. (Die können nämlich auch beißen!)

Denn, sind wir mal ehrlich: Alles ist doch nur maximal zu 99% super und großartig und ohne Nachteile. Außer Einhörner. Die erreichen sogar 99,5%. Mindestens.

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