Vom Zusammenleben mit einer Behinderten

Mein Frauchen ist leider ein bisschen behindert. Das wäre natürlich nicht so schlimm, wenn es nicht immer mich treffen würde. Aber leider ist es so: Ich bin der Leidtragende.

Alles könnte so schön sein. Ich bin aus einer guten Familie ausgezogen zu einer neuen Familie. Und mein Herrchen, der hat es echt drauf. Ein richtig cooler Typ! Mein Frauchen dagegen ist eine richtige Nullnummer. Schlimmer noch: Sie leidet unter einer besonderen Form der Behinderung.

Mein behindertes Frauchen

Mein Stock und ich
Mein Stock und ich

Jetzt werdet ihr euch denken: „Spinnt der jetzt komplett? Nicole sieht doch fast normal aus?!“ JA, aber sie ist nicht normal.

Mein Frauchen kann nämlich nicht werfen. Absolut nicht. Alle Versuche, ihr das beizubringen, sind gnadenlos gescheitert. Aber neulich, da hat sie den Vogel abgeschossen (im übertragenen Sinne, den würde sie nämlich nicht mal treffen, wenn er direkt vor ihren Füßen wäre!).

Da war die Welt noch in Ordnung...
Da war die Welt noch in Ordnung…

Wir waren also auf unseren Feldern unterwegs und das Frauchen hatte meinen Bionic Stick dabei (im Folgenden immer nur Stock genannt, weil ist sonst zu schwer zum Tippen). Jedenfalls ist das einer meiner Lieblingsstöcker (oder Lieblingsstocks? Ich weiß nicht.). Ehrlich. Und das Frauchen hat mir richtig Lust auf das Spielen gemacht.

Ich hüpfte also ungeduldig neben ihr herum, freute mich auf das Spiel. Und Frauchen warf. Der erste Wurf – 50 cm vor ihre Füße. Na immerhin, dachte ich mir, wenigstens nicht auf meinen Kopf geworfen. Das macht sie nämlich auch manchmal, weil sie eben behindert ist.

Der zweite Wurf ging schon weiter aber ich hörte ein unheilvolles Geräusch: Es matschte. Kennt ihr das Geräusch, wenn der Gummistiefel eures Frauchens im Watt steckt und der dann raus gezogen wird? So ein Geräusch machte mein Stock.

Mein Stock vor dem Unglück
Mein Stock vor dem Unglück

Irgendeiner meiner Hundekumpels hatte seine braune Fährte auf unserem Feldweg hinterlassen. Und, ihr ahnt es schon, Frauchen hat getroffen. Mitten rein. Nachdem ich die erste Nase genommen hatte, wusste ich schon: Den heb ich nicht auf.

Naja, hat Frauchen auch eingesehen und meinen Stock vorsichtig mit einem Taschentuch rausgezogen und ihn sauber gemacht. Glücklicherweise war eine Pfütze in der Nähe. Wir konnten also weiterspielen, wenn auch mit ein wenig neuem Geruch an meinem Stock. Nase zusammen kneifen und weiter geht’s…

Ernsthaft, Frauchen?!
Ernsthaft, Frauchen?!

Der nächste Wurf ging ins Matschefeld. Oh man, ey! Das kann doch echt nicht wahr sein! Hattet ihr schon mal Matsche im Mund? Wisst ihr, wie das schmeckt?! Den Scheiß apportiere ich doch nicht! Warum ist mein Frauchen nur so ein Aas?

Ehrlich: links war freie Fläche. Vor uns war freie Fläche. Nur rechts war Feld. Und sie trifft genau dahin, wo man NICHT hinwirft.

Den kannst du jetzt apportieren!
Den kannst du jetzt apportieren!

Was macht man jetzt mit so einem behinderten Frauchen? Sie wird garantiert nie werfen können. Gibt es einen Ort, an dem solche Frauchens gesammelt und entsorgt werden? Und bekomme ich da ein Neues, das werfen kann?

Der Stock war so versifft und vermatscht, den hat man gar nicht mehr erkannt! Und richtig schlimm waren auch meine Pfoten: Alles verklebt, braun und eklig. Ich konnte danach noch stundenlang meine Pfoten sauber machen.

Frauchen war ja ganz pragmatisch: Nachdem sie ein Foto gemacht hat (HALLO? DAS IST EINE ERNSTE SACHE!!!) hat sie meinen Stock kurzerhand in 2 Kaka-Tüten gepackt und wollte mir das ganze in die Schuhe schieben. Ich glaub, es hagelt.

Erst einmal ist es unter meiner Würde, etwas aus Plastik in die Schnute zu nehmen. Und dann auch noch Kacketüten? Was ist, wenn mich ein Hundekumpel so sieht? Macht das Frauchen sich eigentlich mal Gedanken darüber? Nee. Tut sie nicht. Ist auch Teil ihrer Behinderung.

Das kannste jetzt selber tragen, Frauchen.
Das kannste jetzt selber tragen, Frauchen.

Jedenfalls endete der Ausflug darin, dass wir nicht mehr spielen konnten. Weil wir nichts dabei hatten. Ich hätte Frauchen am Liebsten in den Hintern gezwickt, so böse war ich auf sie.

Etwas Gutes hat die Sache ja: Ich habe mir überlegt, diesen Sommer ein Trainingscamp für verzweifelte Hunde und ihre Wurf-behinderten Frauchens zu machen. Die Liste geht noch rum, vielleicht seid ihr ja auch dabei? Oder habt ihr tatsächlich ein Frauchen, das gut werfen kann? Wenn ja, darf ich bittebittebitte bei euch einziehen?

Mit was spielen wir jetzt?!
Mit was spielen wir jetzt?!

PS: Dieser Text ist keinesfalls respektlos gegenüber körperlich / psychisch eingeschränkten Menschen gemeint und spiegelt einzig und alleine Moes Meinung wieder.

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