Vom Tierhaar-Allergiker zum Hundebesitzer

Moe und ich sind ein perfektes Team. Ich könnte mir keinen besseren Begleiter durch mein Leben vorstellen als diesen schwarz-weißen Hund mit den kuscheligen Ohren, dem zu großen Kopf für den restlichen Körper und den riesigen Pranken.

Bis ich zu einem Hund gekommen bin, hat es allerdings ewig lange gedauert. Das lag nicht nur an meinen Eltern, für die der Hund wenn überhaupt nach draußen gehört (mein Papa) oder einfach gesundheitlich nicht möglich ist (meine Mama). Es lag auch daran, dass ich als Kind unter vererbten, allergischem Asthma und damit verbunden unter einer starken Tierhaar-Allergie litt. Die äußerte sich nicht mit Juckreiz, wie ich das von anderen Allergikern kannte.
Nein, meine Allergie war subtiler: Ich konnte jedes Tier streicheln – musste dann aber ein, zwei Stunden später mit einem ordentlichen Husten rechnen, der nicht mal richtig besser wurde nach dem Inhalieren. Trotzdem schwor ich mir: Ich werde ein Tier haben. Ich werde einen Hund haben und diese Allergie ist mir egal. Im Nachhinein betrachtet, wären meine Eltern schön blöd gewesen mir diesen Wunsch zu erfüllen. Gibt ja auch noch andere Tiere ohne Fell. Schildkröten oder so. Mein Vater hatte Fische. Die waren auch ok.

Meine Rettung: Die Hyposensibilisierung

Nachdem sich auch meine Hausstaub-Allergie nicht besserte, beschlossen meine Eltern auf Anraten meiner Ärztin, der Hyposensibilisierung eine Chance zu geben. Mit der steigenden Aufnahme von Allergenen soll es zu einer Gewöhnung kommen, um so die Reaktion des Immunsystems auf das Allergen zu verhindern. Die Hyposensiblisierung war allerdings nur für die Hausstaub-Allergie gedacht. Die Tierhaar-Allergie war nie ein Thema, denn das war für keinen (außer für mich) behandlungswert. Zudem gab es keine Garantie, ob die Therapie überhaupt anschlagen würde, denn zu dem Zeitpunkt gab es noch nicht so viele Studien zu dem Thema und ich hatte mein allergisches Asthma ja auch noch vererbt bekommen.

Spritzen oder Tropfen?

Wir hatten die Wahl: regelmäßig (alle 4-6 Wochen) Spritzen oder jeden Tag Tropfen schlucken? Die gesamte Therapie, egal für welche Form man sich entscheidet, dauert 3 Jahre. Da ich meine Zeit nicht gerne beim Arzt verbringe und auch damals so schon viel zu oft beim Arzt war, haben wir uns für die Tropfen entschieden. Das bedeutete aber im Umkehrschluss, dass ich immer, und ich meine IMMER, einen Kühlschrank oder etwas Vergleichbares brauchte, denn diese Tropfen brauchen Kühlung. Ich durfte sie nicht vergessen einzunehmen und musste genauestens Tagebuch führen. Zum Glück hatte ich in dieser Zeit nur eine Klassenfahrt und wenn wir in den Urlaub fuhren, wurde sowieso immer die elektrische Kühlbox eingepackt. Nach 3 Jahren kam dann die spannende Untersuchung und siehe da, die Hyposensibilisierung hatte angeschlagen! Meine Hausstaub-Allergie war nicht komplett weg, aber ich kann bis heute so beschwerdefrei leben, dass ich keinen Inhalator mehr brauche. Damals hing ich 3-4 mal täglich an so einem Gerät, dazu noch Kortison aus einem kleinen Inhalator. Auf Tierhaare wurde ich nicht getestet, denn das spielte ja im Grunde keine Rolle.

Und jetzt?

Einige Zeit später, ich war wegen eines Ausschlags beim Allergologen, machte der einen Prick-Test, unter Anderem auch auf Tierhaare. Und siehe da, der Test war negativ. Da ich nicht damit gerechnet hatte, war ich auch erst einmal skeptisch. Ich hatte nicht mehr viel Kontakt zu Tieren, denn in meinem Freundeskreis gab es keine Katzen- oder Hundebesitzer. Bei den Kaninchen von einer Freundin reagierte ich nach wie vor, mittlerweile denke ich, dass das an der Streu oder an dem Heu gelegen haben könnte.

Als Moe bei uns einzog, hatte ich so unglaublich viel Angst, dass meine Allergie doch noch da sein könnte. Mir hatte schließlich keiner versichern können, dass die Allergie weg ist. Aber jetzt, gute 5 Jahre später, weiß ich mit Sicherheit: Moe darf bleiben. Und ihm können irgendwann auch noch andere Fellnasen folgen, denn meine Tierhaar-Allergie ist besiegt. Die 3 Jahre Tropfen schlucken haben sich mehr als bezahlt gemacht und ich würde es immer wieder tun.

Ein Team

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4 Gedanken zu „Vom Tierhaar-Allergiker zum Hundebesitzer“

  1. Ist das eine schöne „Geschichte“ und dazu noch mit Happy End. Toll, dass die Therapie so gut angeschlagen hat. Ich könnte mir ein Leben ohne Hund nicht vorstellen. Ich saß schon als Baby neben einem Hund 🙂 Als dann Finja, der derzeitige Hund bei meinen Eltern eingezogen ist, habe ich zum ersten Mal eine allergische Reaktion gezeigt. Finja ist ein Golden Retriever (vorher hatten wir nur Doggen). Und auf die langen Haare von Finja scheine ich irgendwie allergisch zu reagieren. Fühlt sich an wie eine Erkältung, also schnupfenähnliche Symptome. Deswegen stand für uns fest, dass nur ein Kurzhaarhund bei uns einziehen wird – wobei ich da auch Angst hatte plötzlich gegen allergisch zu sein. Bin ich aber nicht. Glück gehabt, auch Lilly durfte bleiben 😉

    Liebste Grüße




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  2. Wow sehr schöner Artikel. Es macht euch zu einem wunderbaren Team, deinen Ehrgeiz und den Wunsch den Du stets festgehalten hast. Ich habe mir den Wunsch auch erfällt, auch wenn ich Gott sei Dank kein Allergiker bin. Man weiß vielleicht dadurch auch einfach noch mehr zu schätzen, was man an seiner lieben Fellnase hat 🙂
    Ich freue mich sehr für Euch, dass Ihr Euch gefunden habt.
    Alles Liebe
    Anja und Luri




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  1. Hundenachwuchs? | Hundeblog Moe and Me

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