Die ungeplante Pause: Was war los?

Ach du liebe Zeit… Ich fühle mich gerade ein bisschen wie das Kaninchen aus Alice im Wunderland. „Zu spät! Zu spät! Ich komme zu spät!“

Den Blog hier habe ich gänzlich schleifen lassen, weil uns aktuell 100 Dinge beschäftigen – dennoch, so eine lange Pause habe selbst ich nicht kommen sehen.

Um ganz langsam wieder reinzukommen möchte ich kurz erzählen, was eigentlich in der letzten Zeit so los war. Warum unsere Reise so ein abruptes Ende gefunden hat. Und was wir in Zukunft vorhaben.

Fangen wir mit dem Reiseabbruch an.

Tschüss Finnland!

Unsere Zeit in Finnland war kurz. Sehr kurz. Wir wussten vorher, das uns dort nicht viel Zeit bleiben würde – immerhin waren wir für Ende September zu einer Hochzeit in Niedersachsen eingeladen – aber 3 Wochen hatten wir uns mindestens vorgenommen. Nun ja – daraus wurde nichts.

Das Blödeste aller Missgeschicke passierte, ein Elend, dass für mich heute immer noch schwer zu ertragen ist. Wir standen an einem schönen Fleckchen Erde, als plötzlich, ganz idyllisch, ein Rentier vor BABA* (*Name unseres Wohnmobils) entlang lief. Toll, oder?

Fand Moe überhaupt gar nicht. Und so sprang er mit einem Riesensatz von seiner Couch gegen den Tisch. Und verschüttete meine Tasse Kaffee auf meinem 4 Monate alten MacBook.

Auf der Pro-Seite steht: Rentier erfolgreich verjagt. Super!

Auf der Contra-Seite steht: Ein Flüssigkeitsschaden von 1000 €. Yeah.

Es gibt sogar ein kleines Video von der Aktion – ich wollte nämlich das Rentier filmen. Zum Glück sieht man das Dilemma nicht komplett. *Einfach auf das Bild klicken.*

Kaffee auf MacBook – das Drama.

Mir wurde speiübel. Für Selbstständige, die auf ihr Arbeitsgerät angewiesen sind, ist das einfach das absolute Worst Case Szenario. Lieber nimmt man mir mein Handy weg als das MacBook.

Nach Trockenlegen und den ersten Checks merkte ich schon, dass das MacBook nicht mehr lange mitmachen würde, erstellte schnell noch ein Backup der Dateien (immerhin!) und stellte mich auf die Reparatur ein. Wir überlegten, wo diese stattfinden soll – in Finnland?

Vorteil wäre, wir könnten noch etwas bleiben. Nachteil: Wenn der Rechner nicht bis zur Hochzeit fertig wäre, hätten wir ein ordentliches Problem. Also wieder zurück.

Die Stimmung war sowieso im Eimer, und, so toll Finnland auch war: Wir mussten unsere Wunden lecken. Manchmal ist es ja auch Bestimmung, dass etwas so kommt wie es kommt – das konnte ich schnell wieder merken, als wir zurück kehrten.

2 lange Wochen.

So lange dauerte es, bis ich den Rechner wiedersehen würde. In der Zeit arbeiteten Herrchen und ich im Schichtdienst – unbefriedigend auf beiden Seiten. Und nicht nur das: Wir alle sehnten uns wieder zurück auf die Straße.

Moe war der Erste, der es deutlich machte. Unsere Rückreise „erledigten“ wir an 2 Tagen (was für ein heftiger Ritt – über 2000 Kilometer!) und kamen um halb drei morgens total übermüdet in Laboe an. Bei Moe dachte ich, er würde freudestrahlend/müde/aber glücklich ins Körbchen fallen und sich nicht mehr bewegen – falsch gedacht.

Er ging in sein Körbchen. Schnupperte. Ging wieder hinaus und schaute uns an – so, als wollte er sagen: Ist ja alles ok hier – wollen wir wieder los?

Schön hier. Aber waren Sie mal in Finnland?

Die ersten Tage war Moe echt mies drauf, was nicht am Schlafmangel, sondern daran lag, das wir wieder zurück waren. Er wollte hier keine Runden drehen, verkrümelte sich zum Schlafen in eine Ecke. Als es dann mit dem Wohnmobil kurz in den Baumarkt ging, freute er sich ömmelig – nur um dann festzustellen, das wir doch nicht weiter fahren und es wieder heim geht.

Spontan musste ich noch eine Woche nach Portugal fliegen, was auch nicht unbedingt zu einem guten Allgemeinwohl führte – es war irgendwie alles zu viel. Dazu kamen noch 2 weitere Entscheidungen, die uns jetzt aktuell auch ordentlich beschäftigen und alle Planungen durcheinander purzeln lassen.

1. Entscheidung: Wir verlassen Laboe.

Nach langen Überlegungen haben wir uns dazu entschieden, Laboe, Kiel, ja sogar Schleswig Holstein, den Rücken zukehren. Das fällt uns allen extrem schwer (Ich: 12 Jahre in SH, Herrchen: 10 Jahre in SH, Moe: fast 10 Jahre), da wir alle 3 das Meer brauchen wie die Luft zum Atmen. Dennoch geht es für uns nicht anders.

In den 3 Monaten „on the road“ haben wir jeden Monat 600 € bezahlt – für eine Wohnung, die wir nicht nutzen. Untervermietung hat seine Tücken – da sind wir mittlerweile gebrannte Kinder. Vom Kopf aus eine richtige Entscheidung. Wenn nur das dumme Herz nicht wäre.

Es fühlt sich an wie ein Rückschritt, wenn man plötzlich seine Meldeadresse wieder bei den Eltern hat. Alles, was man sich aufgebaut hat, purzelt wie ein Kartenhaus zusammen. An manchen Tagen ist mir einfach nur kotzübel, wenn ich daran denke, was uns nun wieder erwartet – wovor ich weggelaufen bin. Und nun heißt es: Sich auseinander setzen. Aufräumen. Im Kopf, und sowieso.

Auf die Straße. Ohne Wohnung in Laboe.

Wir werden offiziell wieder Gifhorner. Inoffiziell wohnen wir aber in BABA, und das ist gerade das einzige, was tröstet – der Gedanke, zu reisen. Ohne das Gebunden-sein an eine Immobilie. Die Welt liegt vor uns, und wir wollen sie jetzt entdecken – ohne den Rückzugsort „eigene Wohnung“.

2. Entscheidung: Wir werden eine Familie

Verlobt sind das Herrchen und ich ja schon eine ganze Weile, aber so richtig durchringen dazu, „ernst zu machen“, konnten wir uns dann doch nicht. So viele Wenns, so viele Abers. Wir sind ja schon so eng verbunden, warum dann noch heiraten? Man verschlimmbessert doch nur. 😉 Außerdem bin ich nicht das „typische Mädchen“, auf eine klassische Hochzeit habe ich gar keine Lust. Daher heißt es nur Standesamt – und Moe ist dabei. Darauf habe ich Wert gelegt und nur so kann es gehen (zum Glück ist das Standesamt da sehr entspannt).

Wir wagen das Experiment Eheleben dann doch. Wenn wir sonst schon alles andere als konventionell sind, dann wenigstens als „echte“ Familie gemeinsam untergehen. 😉 Im September geht es los. Ganz klein und fein – aber nicht am Strand. Leider.

Spukgespenster: Überall.

Das ist also unsere Situation aktuell. Wir misten das letzte bisschen aus, verteilen unsere Möbel, Pütt und Pann. Von 120 qm auf 30 qm haben wir vor 1,5 Jahren geschafft – nu heißt es, von 30 qm auf eigentlich nichts mehr. Das ist der Plan. Kein doppelter Hausstand mehr. Kein doppelter Boden.

Moe kommt damit bisher erstaunlich gut zurecht. Er schläft einerseits viel, andererseits bringt er uns so häufig mit neuen Ideen zum Lachen (da werde ich euch noch von erzählen!). Ihm wird der endgültige Umzug in BABA am wenigsten betreffen – er freut sich wahrscheinlich einfach, das es endlich wieder an neue Orte geht. Mein kleiner Reisebär.

Moe freut sich innerlich.

Und wir? Wir machen das schon, irgendwie. Ich weiß ja, dass das Jammern auf seeehr hohem Niveau ist. Und: Irgendwann wird sich der Herzschmerz legen, ich werde nicht bei jedem Sonnenuntergang in Laboe denken: „Das ist übrigens das, was du nu zurücklässt.“ Sind dann ja auch nicht mehr da, nech.

Aber gerade, gerade tut es weh.

error: Content is protected !!