Umgangsformen.

Hausregeln

Im August jährt sich Moes Einzug, am 05.08. ist Moe bereits 7 Jahre ein Teil unserer kleinen Familie. Grund genug für mich, mal zurück zu blicken, durch welche Irrungen und Wirrungen wir bereits gegangen sind und was sich eigentlich so verändert hat.

Genau genommen wird es kein Rückblick im eigentlichen Sinne. Da hätte ich wohl auch einfach viel zu viel zu erzählen. Eigentlich möchte ich nur ein paar Themen kurz anreißen, manches würde ich heute wohl ganz anders machen, vieles nicht ausprobieren und das Meiste genau so wieder tun. 😉

Was hat sich also geändert, in unserem Zusammenleben?

1. Unsere Einstellung.

Oh Himmel, waren wir nervös, als dieses riesengroße und doch so kleine Tier bei uns einzog. Moe ist als Schäferhund-Mischling nicht gerade klein und sein Kopf verhältnismäßig (beeindruckend) groß. Nicht, dass mir das in den ersten Momenten aufgefallen wäre. Aber als er dann bei uns war, also so richtig mit Sack und Pack eingezogen, dachte ich: Eine Schildkröte hätte nicht so viel Platz gebraucht.

Wir waren angespannt. Rückblickend würde ich sagen, ist die richtige Entspannung erst in den letzten 2 Jahren eingetreten. Wir machen uns immer Sorgen, versuchen, nicht aufzufallen (was Moe regelmäßig sabotiert), und wenn wir auffallen, dann nur im positiven Sinne (was Moe auch regelmäßig sabotiert).

Moe ohne diverse Marken, Leuchtie, etc. am Halsband? Never. Geht gar nicht. Moe muss außerdem 1-2 x die Woche gebürstet werden, soll nach Möglichkeit nicht bellen, etc… Die Liste war elend lang. Ich kann freimütig zugeben, dass wir längst nicht auf dem Level der Zen-artigen Entspannung befinden, wo ich gerne wäre (Moe läuft niemalsnie irgendwo ohne Leine, wo ich nicht direkt einen Zugriff auf ihn hätte – Kaufhaus, Innenstadt, potentielle Jagdgebiete, Straße).

Aber ich bin auf einem guten Weg. Moe darf zum Beispiel jetzt anschlagen, wenn es klingelt. Jaha, so entspannt bin ich. 😉

2. Unsere Regeln

Als Erstes aus der Tür, vor dem Fressen ins Körbchen, geduldig warten, kein Anspringen, auch nicht während des Spiels, kein Betteln, kein Stubsen, kein unaufgefordert ins Bett/auf die Couch steigen.

Waren wir mit den ganzen Regeln glücklicher? Ganz sicher nicht. Hat es uns irgendwie weiter gebracht? Nee. Der erste Punkt macht bei uns immer noch Sinn. Aber nicht, weil wir denken, dadurch Rudelführer zu sein.

Vielmehr gehen wir (soweit möglich) als Erstes durch die Tür, um Moe nicht unkontrolliert auf die Straße rennen zu lassen. So wie wir jetzt wohnen ist das eigentlich nicht notwendig, da noch ein Zaun das Grundstück abtrennt. Trotzdem haben wir mit der Taktik schon einige fiese Situationen mit Katzen abwenden können.

Und alles andere? Haben wir nach und nach gekippt. Auch ohne strikte Regeln kann man eine Struktur haben und Moe weiß jetzt genauso wie vorher, wann was passiert. Nur eben ohne: „Du bekommst kein Futter, wenn du nicht ins Körbchen gehst.“

Unser gemeinsames Spiel ist so auch viel besser geworden. Moe traut sich mehr, ist aktiver – aber darüber werde ich an anderer Stelle noch mehr schreiben.

Es kommt alles anders als man denkt.
Es kommt alles anders als man denkt.

3. Der Umgang mit Artgenossen

Wir haben da ja wirklich einen ziemlichen Leidensweg hinter uns. Von: „Moe muss da jetzt durch“ über „Der versteht sich bald mit anderen“ zu „Wir machen einen Bogen und hoffen das Beste“ sind wir jetzt bei „Wir machen einen Bogen, ich stelle mich souverän vor / hinter Moe und wehre den anderen ab. Klappt das nicht, weil der andere beratungsresistent ist, hat der andere Vierbeiner (nicht vorhandene Leinen-Ende) das Problem – denn Moe ist an der Leine.“

Zum Glück gab es noch keinen Zwischenfall, wobei ich mir regelmäßig die Fäuste an den Kopf hämmern möchte dank so viel Dummheit.

„Der hat noch Welpenschutz.“ gleichzusetzen mit: „Er unterwirft sich immer.“
„Bacardi ist ganz lieb.“ (-Aber gleich geschüttelt und gerührt!)
„Meiner macht immer einen Bogen.“ (-Und kommt trotzdem frontal auf uns zu.)
„Ist ihrer bissig? Dann halten sie ihn mal gut fest!“ (Moe war an der Leine, ihrer nicht.)

4. Von „Muss ich haben“ zu „Kenn‘ ich schon, brauche ich nicht.“

Über den Minimalismus habe ich ja neulich schon berichtet, aber das Umdenken kam eigentlich schon früher. Mittlerweile überlege ich sehr lange, ob ich etwas haben will oder es so/in anderer Form schon kenne. Klamotten sind längst abgeschrieben und nur noch Mittel zum Zweck.

Aber auch bei Hundespielzeugen lockt mich ganz selten etwas. Das war aber nicht immer so. Schwach werde ich übrigens immer noch bei Halsbändern und Leinen. Vor allem bei Tau – ja, vielleicht kommt da demnächst noch was. 😀

5. Du magst meinen Hund nicht? Wunderbar. Da ist die Tür.

Damals habe ich es immer andersherum betrachtet: Moe muss sich anpassen, allen gefallen. So machte ich es, so sollte es sein. Wie gesagt: Nicht auffallen oder anecken. Das ist jetzt anders. Moe darf so sein, wie er ist. Will der Besuch, dass Moe einen Trick vorführt und er mag nicht, dann mag er nicht. Moe ist kein Roboter, er hat Launen, Macken, Bedürfnisse.

Das kann schwer sein. Neulich erst hatten wir Besuch von meinen Patenkindern, die ich zwischendurch bremsen musste. Ja, Moe hat flauschige Ohren und ist total niedlich – aber jetzt möchte er mal in Ruhe schlafen. Ohne betatscht zu werden. Das gehört dazu, ist wichtig.

Andere, die Angst vor Moe haben oder ihn tatsächlich nicht mögen, dürfen gehen. Solche Menschen brauche ich nicht in meinem Leben. Rücksicht ja, aber nicht um jeden Preis.

So ist es. Und nicht anders.
So ist es. Und nicht anders.

Habt ihr mit eurem Vierbeiner auch so eine Entwicklung durchlaufen?

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