Tierarzt Dr. Google

Tierarzt Dr. Google

Pfote hoch: Wer von euch hat noch nie etwas gegoogelt, was den Hund betrifft? Und jetzt ehrlich? Genau. Ich denke, jeder von uns hat sich schon mal irgendwelche Gedanken zum Vierbeiner gemacht und dann Dr. Google befragt, was denn andere damit für Erfahrungen gemacht haben.

Ich mache das auch gelegentlich. Nicht immer, denn in den meisten Fällen werden Krankheiten so überdramatisiert, das man sich selber nachher definitiv Krebs diagnostiziert und nur noch 1-2 Monate zu Leben hat. Mit Glück. Da mir mein, aber auch Moes, Seelenheil am Herzen liegt, google ich eher andere Dinge.

So wie neulich: Die Erinnerung, wie genau man einen Pfotenverband anlegt, war nicht mehr ganz frisch. Also suchte ich, schaute mir ein Erklär-Video von einer Tierärztin auf youtube an und war wieder schlauer. Für solche Dinge ist das Internet super praktisch.

Aber es gibt ja leider auch die anderen Fälle. Wenn mir die bei der Suche begegnen, kann ich mir im besten Fall nur an den Kopf packen. Ich frage mich: Wer startet denn erst einmal bei Google oder Facebook eine Suchanfrage, statt zum Tierarzt zu fahren oder diesen anzurufen? Wie bescheuert kann man denn sein?

Was hat mein Hund?
Was hat mein Hund?

Also dachte ich mir: Das ist wieder Stoff für einen neuen Blogartikel und ich trage mal die (für mich) absurdesten Suchanfragen rund um den Hund zusammen. Übrigens: Es gibt durchaus einen Moment, in dem es für mich berechtigt wäre zu googeln.

Nämlich in diesem Fall: Eine junge Dame schrieb neulich (mitten in der Nacht) in eine Facebook Gruppe, ob jemand mal ganz schnell die Telefonnummer des Tiernotrufs parat hätte. Sie wollte wissen, welcher Tierarzt in ihrem Ort Notdienst hätte.

Mal davon abgesehen, dass ich finde, so eine Nummer ist einen Eintrag ins Handy-Telefonbuch wert, warum sucht man nicht im Internet nach dieser Nummer?? Alles ist schneller, als bei Facebook mitten in der Nacht so eine Frage zu stellen. Da kann ich mich nur wundern.

Aber andere Suchanfragen sind genauso merkwürdig, teilweise kann man nur hoffen, dass die Hunde wieder ganz gesund geworden sind und vielleicht mittlerweile auch ein neues Zuhause haben. Hier kommen meine traurigen Top 10 der Google Suchanfragen zum Thema: Mein Hund ist krank/verhält sich merkwürdig/hat was gefressen, was sagt Google dazu.

Dr. Google, was tun?

Dr. Google, was tun?
Dr. Google, was tun?
  1. Hund hat sich verschluckt, was tun?
    In diesem speziellen Fall hat der Hund auf dem Spaziergang etwas gefressen und versuchte danach ständig, sich zu übergeben. Der Hund gab komische Laute von sich, als würde etwas feststecken, konnte aber noch atmen. Statt zum Tierarzt zu fahren (was sofort meine Anlaufstelle gewesen wäre) wurde lieber in einem Forum nachgefragt. Klar, Ferndiagnose ist immer besser als der Tierarzt…
  2. Hund hat rote Hoden
    Der Hund hat sich permanent geleckt, die Hoden waren wund und rot, augenscheinlich hatte der Hund Schmerzen. Trotzdem: Dr. Google wird es schon richten. Kann man da nur mit dem Kopf schütteln? Ja.
  3. Zitat: Mein Hund hat auf einmal ein blaues auge dick und lila sie kratzt sich das dauenrt heute morgen hatte sie es noch nicht. Kann das ein blaues auge sein oder was anders?? (Quelle: tierforum.de)
    Hilfe. Wie kann man da NICHT zum nächsten Tierarzt fahren? In diesem Fall hat die Person anscheinend sogar noch bis zum nächsten Tag gewartet, weil es gerade nicht passte. Ähm, geht’s noch?
  4. Hund hat offene Wunde am Bein
    In diesem Fall war es so, dass der Hund schon mehrere Wochen eine offene Wunde am Bein hatte. Diese wurde immer wieder verbunden und vom Frauchen behandelt, aber nichts half. Leider hatte diese Person wohl auch kein Geld für den Tierarzt. Und statt sich Geld zu leihen oder mit dem Tierarzt zu sprechen, durfte Dr. Google beratend tätig werden. Der arme Hund.
  5.  Mein Hund hat Rattengift gefressen.
    Zitat: „Da durch das füttern meiner Hasen ich jetzt noch Rattenbesitzer geworden bin, habe ich heute Rattenköder gekauft, die 100% ig mein Hund gefressen hat. Was kann ich tun?“ (Quelle: gutefrage.net) Ganz ehrlich: Solchen Menschen möchte ich die Tiere wegnehmen. Alle. Und lebenslang dafür sorgen, dass sie nie wieder ein Tier haben dürften. Wie kann man so unglaublich unverantwortlich sein? Ich finde da keine Worte für. Mal davon abgesehen, dass ich Rattengift furchtbar finde und es sicherlich andere Möglichkeiten gibt, die Ratten abzuhalten: Wer tippt denn so einen Text in ein Forum und sitzt nicht direkt beim Tierarzt?

    Das Internet weiß alles
    Das Internet weiß alles
  6. Hilfe! Mein Hund macht einen Buckel und läuft mit dem Kopf nach unten. Was soll ich tun?
    Der Hund lief seit 2 Tagen mit einem Buckel, sehr langsam, augenscheinlich mit Schmerzen. Immerhin wurde nicht direkt das Internet befragt, sondern die Bekanntschaft. Die rieten ihr zu Paracetamol für den Menschen – klar, was bei uns hilft, hilft wunderbar bei Tieren. *ironieaus* Natürlich hatte man den Tierarzt überhaupt nicht auf dem Zettel, aber sehr wohl das Internet und die zahlreichen Foren. Ferndiagnose, jippie! Glücklicherweise haben die Menschen dort sie alle zum Tierarzt verwiesen und nicht noch andere hilfreiche Tipps gegeben, wie „kräftig am Schwanz ziehen“ oder so was.
  7. Mein Hund will nicht mehr laufen.
    Egal wie alt der Hund ist: So etwas würde ich IMMER tierärztlich abklären. Und wenn der Tierarzt feststellt, dass der Hund eigentlich gesund ist, aber sich das Alter bemerkbar macht, habe ich wenigstens die Sicherheit. Dr. Google zu befragen nützt mir rein gar nichts. Wirklich.
  8. Mein Hund hat rohes Schweinefleisch gefressen!
    Da war allerdings nicht der Hund Schuld, sondern das Zweibein. Das hat sich nämlich mal überlegt: Ich habe den Hund jetzt 1 Woche zur Pflege, da kann ich ihn ja mal roh füttern. Leider hat die Person nicht darüber nachgedacht, was sie da eigentlich tut und so ziemlich gar keine Ahnung gehabt. Schweinefleisch kann mit dem Aujeszky-Virus belastet sein, welches tödlich für den Hund ist. Jedoch sind seit 2009 keine Fälle mehr bekannt (zumindest in Deutschland) so dass die Wahrscheinlichkeit eher gering ist. Trotzdem gilt: Kein rohes Schweinefleisch verfüttern!
  9. Hund hat draußen irgendwas gefressen, vielleicht war es ein Giftköder mit Rasierklinge?
    Mal ehrlich: Hätte ich diesen Verdacht, würde ich auch nur darüber nachdenken, wäre ich schneller beim Tierarzt als man dieses Wort aussprechen kann. Wie kann ich, wenn ich mir wirklich Gedanken darüber mache, noch ruhig dasitzen und das Internet bemühen? Wie???
  10. Darf ein Hund Alkohol trinken?
    Da weiß ich ehrlicherweise nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Angeblich hätte der Hund etwas verschütteten Wein aufgeleckt und wäre danach „sehr lustig“ gewesen. Hätte sich komisch bewegt und man hätte sich gefragt, ob der Hund denn generell ab und zu mal etwas Alkohol haben dürfte. Ob die Frage tatsächlich ernst gemeint war, kann ich nicht sagen. Aber allein die Tatsache, dass es Leute dazu verleiten könnte, es einfach mal auszuprobieren, macht mich wütend.

Fazit: Lieber einmal mehr zum Tierarzt!

Ich verstehe diese oben stehenden Fragen nicht und ehrlich: Mich hat die Recherche ziemlich geschockt. Wie kann man so verantwortungslos sein und den Umweg über das Internet nehmen?! Ich nutze das Internet auch viel und gerne, aber bei solchen Themen vertraue ich nur einem, und das ist mein Tierarzt.

Ja, ich weiß. Der Tierarzt kostet Geld, und zwar nicht zu knapp. Das habe ich bei Moe gerade auch durch, mittlerweile sind wir bei insgesamt 280€ angekommen (für eine gezogene Kralle, Verbandswechsel, Medikamente, etc.). Aber dafür sollte wirklich immer Geld da sein! Und im Zweifel geht man lieber einmal mehr zum Tierarzt als einmal zu wenig. Versprochen: Der Tierarzt wird euch nicht auslachen, wenn ihr besorgt seid! Alternativ kann man vorher auch immer in der Praxis anrufen und das Problem beschreiben. Keiner wird euch den Kopf abreißen!

Lieber einmal mehr zum Tierarzt
Lieber einmal mehr zum Tierarzt

Gerade wenn ihr das Bedürfnis verspürt, das Internet könnte euch helfen, weil ihr so besorgt um euer Tier seid: Geht zum Fachmann. Der weiß, was er tut und rät euch nicht zu irgendwelchen Experimenten. Schon gar nicht empfiehlt er euch, eure Medikamente eurem Hund zu geben!

Programmiert euch die Telefonnummer eures Tierarztes und die Tiernotrufnummer ins Handy ein, schreibt sie euch am besten auch auf und habt sie immer dabei! Ihr habt eine Verantwortung übernommen und die gilt lebenslang.

Und jetzt frage ich mich: Wie und für welche Fälle nutzt ihr Dr. Google? Sehe ich das vielleicht alles zu eng?

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8 Gedanken zu „Tierarzt Dr. Google“

  1. Oh oh oh!! Wirklich erschreckend!!!
    Ich bin und denke da auch genau so wie du:
    Lieber einmal mehr zum TA, als einmal zu wenig und anstatt Google zu fragen, was man beim Verdacht auf das Verschlücken einer Rasierklinge [da wird es mir nämlich schon beim Lesen gleich ganz anders] machen soll, wäre ich
    A schon längst dort
    B statt auf Google zu recherchieren hätte ich unser TA Team schon am Telefon informiert [und höchstwahrscheinlich voll die Panik geschoben…]

    Ich hoffe, dein Beitrag erreicht möglichst viele Menschen, welche bisher so vorgegangen sind und sie sind nicht belehrungsresistent, denn ich finde es wirklich sehr erschreckend, was deine Recherche ergeben hat!!!

    Liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche wünschen euch J&C




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  2. Ein elendiges Thema, über das ich mich immer wieder aufrege und deswegen bei FB auch schon aus Gruppen ausgestiegen bin.

    Bei besagter Gruppe kam dann immer noch der Hinweis: Naja, Tierazt… Die wollen einem doch immer nur das Geld aus der Tasche ziehen.

    Aber was ich da auch schon gelesen habe.. Ich hätte es mal sammeln müssen… Auf jeden Fall ist es nur zum Kopf schütteln.

    Klar googelt man mal Kleinigkeiten, aber sobald Abby irgendwas hat, wo ich mir nicht sicher bin, was es sein könnte – dann bin ich beim Tierarzt! Ihr seht das also nicht alleine so „eng“.

    Liebe Grüße
    Diana




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  3. Natürlich kann man Dr. Google auch solange befragen, bis sich das Problem im Hintergrund erledigt hat. Auch eine Art der Konfliktbewältigung… :-(((

    Zwar renne ich nicht mit jeder Kleinigkeit sofort zum Tierarzt, aber die Suchmaschine benutzte ich im Falle von Krankheit eher, um mehr Informationen über das Krankheitsbild zu erfahren – im besten Falle NACH der Diagnose…

    LG Andrea und Linda, die aber auch denken: Im Zweifel für den krank Geklagten… 🙂




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  4. Ich habe mich bei Lucy schon stundenlang durch das Internet gegoogelt. Tatsächlich habe ich nach einem enttäuschenden Tierarztbesuch wegen des verkürzten Oberschenkels eine Frage in einem Forum verfasst und habe dort ganz tolle Tips bekommen, andere Handicaphunde gesehen und zum Schluss auch den Verweis zu unserem Orthopäden bekommen. Ich weiß gar nicht, ob ich sonst darauf gestoßen wäre.

    Auch wegen der Leishmaniose google ich heute noch viel.

    Aber bei so ernsten Sachen, bei denen jede Minute zählen wie akute Dinge wie Verletzung oder gar Gift würde ich auch nicht zögern sofort einen TA aufzusuchen.

    Ich möchte nicht wissen, wie viele Hunde unter „erst mal ins Internet“ leiden müssen…

    Liebe Grüße, Anja und Lucy




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  5. Dr. Google kommt bei mir nur sehr selten im Einsatz. Und dann auch nur bei allgemeinen Fragen über eine Krankheit, die der Tierarzt vorher festgestellt hat. Beim Verdacht einer Rasierklinge im Köder würde ich schreiend zur nächsten Tierklinik düsen. Sachen gibts …

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly




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  6. Ganz ehrlich, ich schaue nicht wirklich viel bei Google nach, denn das würde mich verrückt machen. Selbst für die Themensuch für den Blog lasse ich mich dort nicht inspirieren. Was ich wohl mache, ich lese zu den Themen uns Diagnosen von Socke nach, um es besser zu verstehen. Und so kommt es, dass ich schon mal den behandelnden Tierarzt etwas gefragt habe.

    Unser Tierarzt hat schon oft zu einem Blutergebnis gesagt, dass wenn wir im Internet nachsehen, dann würde der Wert in dieser Höhe als bedenklich angesehen wird. Man muss die Ergebnisse aber im Zusammenhang mit den Medikamenten oder der Erkrankung sehen. Wenn eine Bauchspeicheldrüse entzündet ist, dann sind die Blutwerte ebenso, aber das ist nicht schlimm.
    Daher möchte ich mich nicht durch Google verrückt machen lassen, was schnell geschehen würde.
    Fragen, die nicht die Gesundheit betreffen, wie warum Hunde gerne an der Leine gehen oder warum Hunde anhänglich werden schaue ich schon mal nach. Leider finde ich nicht die Antworten, die ich suche…

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  7. Also erstmal: Was zur Hölle?!
    Bei manchen Dingen wäre ich auch mitten in der Nacht zum T.A. gerannt aus Angst, zb das mit dem Rattengift oder dem Röcheln, als würde etwas feststecken.
    Ich bekomme schon Panik, wenn Lotte hustet.
    Das mit der offenen Wunde finde ich auch einfach nur schockierend.

    Ich habe meine Maus noch nicht so lange, aber ich habe schon gegoogelt, weil sie manchmal erbricht. (ca. 1x die Woche)
    Da sie aber ansonsten keine Symptome einer Krankheit zeigt, wollte ich das erstmal beobachten.
    Sie erbricht und dann tut sie so, als wäre nie etwas gewesen.
    Allerdings grast sie auch fleißig und dann hat sie einmal einen Aluminiumklumpen wieder ausgewürgt, den sie sich auf der Wiese im Nullkommanix einverleibt hat 🙁

    Ansonsten ist zum Glück noch nichts passiert.
    Aber da ich sehr ängstlich bin, dass mein Hund bei jedem seltsamen Geräusch gleich tot umkippt, würde ich generell sofort den TA. aufsuchen, wenn was nicht stimmt.




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