Rezension: Team Dog – Hundeerziehung nach der SEAL-Methode

Mike Rittland: Team Dog Hundeerziehung nach der SEAL-Methode
Mike Rittland: Team Dog Hundeerziehung nach der SEAL-Methode

Selten war ich bei einem Buch schon so voreingenommen, BEVOR ich es überhaupt anfing zu lesen. Hundeerziehung nach der SEAL- Methode? Das stellte ich mir vor wie auf dem Hundeplatz, wenn unqualifizierte Trainer die Hunde anbrüllen.

Ich war trotzdem gespannt, was mir das Buch bieten würde.

Team Dog – Hundeerziehung nach der SEAL-Methode von Mike Rittland

Mike Rittland war bei den Navy-SEALs, einer US-Eliteeinheit. Zur Erklärung: Das Wörtchen SEAL ist ein Akronym und abgeleitet von den Worten: Sea, Air und Land. Damit habt ihr auch schon die Einsatzorte der Navy SEALs.

Die Ausbildung soll eine der anspruchsvollsten und härtesten der Welt sein, denn nach einer 26-wöchigen Kampfschwimmerausbildung wird noch eine fünfwöchige Sprung- und Fallschirmschule angehängt. Wenn die Anwärter dies überstehen, erhalten sie ihre spezielle Marinekampfklassifikation. Danach müssen zukünftige SEALs das SEAL Qualification Training bestehen; diese dauert 15 Wochen.

Wer das übersteht, erhält sein SEAL-Abzeichen. Die Durchfallquote beträgt 70 bis 80 Prozent, wobei ein großer Teil schon in der „Höllenwoche“ ausscheidet, in der die Anwärter mit Schlafentzug und Training bis an ihre Leistungsgrenzen gebracht werden.

Ihr seht: Navy-SEALs sind richtig harte Hunde. Und wie bringt man das jetzt in Einklang mit dem Hundetraining?

Ich bin kein harter Hund.
Ich bin kein harter Hund.

Der Autor Mike Rittland ist nicht nur Navy-Seal, sondern auch sehr hundebegeistert. Seit jeher gehören Hunde bei ihm zur Familie. Als er verletzungsbedingt nach einem Einsatz nicht mehr aktiv bei den SEALs sein konnte, beschloss er, sich dort als Hundetrainer einzubringen.

Er beschäftigte sich mit Verhaltensforschern, Psychologen und Hundetrainern. Rittland wollte wissen: Wie bringe ich einem Hund Gehorsam und Manieren bei und wie bilde ich Militärdiensthunde aus, welche Fähigkeiten bringen Hunde mit, die den größten Nutzen für den Menschen haben?

Ich möchte jetzt gar nicht groß in die einzelnen Kapitel des Buches einsteigen, das würde den Rahmen definitiv sprengen. Der Autor verfolgt einige Ansätze, denen ich durchaus zustimmen kann, andere sind für mich nicht so wertvoll.

Ein guter Ansatz ist beispielsweise wenn es darum geht, sich als „Teamleiter“ zu etablieren. Ich finde die Bezeichnung super, da ich mit Rudeloberhaupt, Chef, etc. nicht wirklich etwas anfangen kann. Ein Team zu leiten, dass aus Mensch und Hund besteht, das gefällt mir. Denn es impliziert, das man obwohl einer „das Sagen“ hat, als Team zusammen arbeitet, um an ein Ziel zu kommen. Das Ziel ist natürlich im weitesten Sinne (oder sollte es sein) ein harmonisches Zusammenleben zwischen Mensch und Tier.

Mike Rittland differenziert in seinem Buch sehr genau zwischen dem Hund als Haustier und dem Hund als „Arbeitskraft“. Er ist der Meinung, das es trotzdem in der Erziehung viele Gemeinsamkeiten gibt, da man sich in beiden Fällen Regeln und Abläufe erarbeitet um ein gutes Miteinander zu gewährleisten. Trotzdem sollte ein Hund, der zum Beispiel als Sprengstoff-Suchhund ausgebildet werden soll, natürlich andere Qualitäten mitbringen als ein „Haus- und Familienhund“, der meist eine deutlich geringere Auslastung hat.

Kurz gesagt: In dem Buch „Team Dog – Hundeerziehung nach der SEAL-Methode*“ werden Tipps zum Umgang miteinander, zur Erziehung, zur Schulung, zur Pflege der Beziehung zum Hund und Fitness & Spaß gegeben.

Was habe ich aus dem Buch mitnehmen können?

Meine anfängliche Skepsis dem Buch gegenüber ist gewichen, wobei ich auch definitiv, wie bei vielen anderen Erziehungsbüchern auch, einige Sachen nicht auf uns beziehen möchte bzw. ich weiß, dass einige Erziehungsmethoden nicht zu uns passen.

Gut gefallen hat mir das Thema „Eigene Körperbeherrschung“. Ich würde mich als impulsiven, leicht nervösen und manchmal auch sehr ungeduldigen Menschen bezeichnen, der vieles (mit Sicherheit) auf den eigenen Hund überträgt. Das ist immer dann gut, wenn ich Moe motivieren und pushen möchte. Und das ist immer dann schlecht, wenn er in Ruhe eine Aufgabe ausführen soll (Fährten, neue Tricks) bzw. sich in Stresssituationen (es klingelt an der Tür) ruhig verhalten soll.

Mike Rittland ist der Überzeugung, das die Beherrschung des Körpers und der Gefühle essenziell sind, da Hunde Menschen respektieren und sie auch gezielt suchen, die Macht und Kontrolle über jede Situation haben. Dabei geht es dem Autor nicht darum, dass der Mensch sich gegenüber dem Hund mit Kraft und Stärke behauptet, sondern wirklich mit seiner Körpersprache Ruhe und Autorität ausstrahlt. Ich glaube, ich spreche da nicht nur für mich, wenn ich sage, dass das manchmal das Schwierigste im Umgang mit einem Hund sein kann…

Körperbeherrschung bei diesen schönen Augen?
Körperbeherrschung bei diesen schönen Augen?

Die körperlichen Unterschiede zwischen Mensch und Hund einmal genauestens analysiert zu haben, ist für mich auch eine große Stärke dieses Buches. Auch dadurch wird einfach erfahrbar, wie man noch besser mit seinem Hund trainieren kann, welche Stärken des Hundes sich noch wesentlich besser ausarbeiten lassen.

Und natürlich der Bereich „Nonverbale Kommunikation“, den ich auch beim Beobachten von Menschen wahnsinnig interessant finde: Wie wird denn etwas gesagt? Verhalten wir uns entsprechend zu dem, was wir sagen – oder weicht unsere Körpersprache doch komplett davon ab? Woher soll dann also der Hund wissen, was Sache ist, wenn wir uns in seinen Augen nicht „vernünftig“ artikulieren können? Diese Kapitel haben mich zur Selbstreflexion gebracht und mir sehr gefallen.

Was gefiel mir an dem Buch nicht?

Generell ist das Buch darauf ausgelegt, das man am Ende ein Team ist: Mensch und Hund. Es gab allerdings eine Stelle, bei der wollte ich das Buch einfach nur wütend in die Ecke pfeffern und sah meine Skepsis als begründet an: Mike Rittland ist der Meinung, Würgehalsbänder wären aus Sicherheitsgründen etc. nicht in Ordnung als Hilfsmittel. Klar, da stimme ich zu.

Das er aber stattdessen Stachelhalsbänder empfiehlt, wenn es die Situation erfordert – sorry, aber damit komme ich nicht klar. Auch Elektrohalsbänder werden empfohlen, zwar in Zusammenarbeit und Absprache mit einem Trainer, aber auch das kann ich absolut nicht unterschreiben.

Halsbänder, die dem Hund in irgendeiner Weise schaden oder weh tun, gehören für mich nicht zu der Hundeerziehung dazu und haben in einer Partnerschaft oder auf dem Weg zum Team Mensch-Hund in meinen Augen ABSOLUT NICHTS VERLOREN.

Fazit

Auch wenn ich gewisse Aspekte des Buches definitiv nicht teile, halte ich es dennoch für gelungen. Der Autor ist sympathisch und hat einen guten, verständlichen Sprachstil. Ich bin froh, dass ich es trotz meiner anfänglichen Skepsis gelesen habe.

Und letztendlich denke ich: Jeder muss seine eigene Methode mit seinem Hund finden. Alle Mensch-Hund-Teams sind individuell und nicht jede Methode passt für alle. Daher sehe ich auch dieses Buch als gute Anregung für das Zusammenleben mit Moe – keinesfalls ist es DAS PATENTREZEPT auf das jetzt alle gewartet haben.

Wir sind alle einzigartige Teams!
Wir sind alle einzigartige Teams!

Ich bedanke mich beim riva-Verlag, die mir das Buch kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt haben.

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Kommentieren

6 Gedanken zu „Rezension: Team Dog – Hundeerziehung nach der SEAL-Methode“

  1. Ich glaub‘ mich würden diese Halsbandsachen auch davon abhalten, dieses Buch für gut zu finden. Aber Tipps, meine eigene nervöse, hektische Art nicht auf den Hund zu übertragen, finde ich Klasse!
    Viele Grüße
    Lina




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  2. Mit Stachelhalsband oder Würgehalsband könnte ich mich auch nicht abfinden. Aber das mit der Nervösität habe ich an mir auch schon entdeckt. Charly beobachtet mich genau und übernimmt meine hektische Art sofort.

    Von daher wäre das Buch sicherlich interessant.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly




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  3. Freut mich, dass Ihnen das Buch im Großen und Ganzen gefallen hat. Ich möchte nur eine „Kleinigkeit“ anmerken: In der deutschen Ausgabe hat nicht der Autor einen „einen guten, verständlichen Sprachstil“, sondern der deutsche Übersetzer (nämlich ich … ).
    Also mein Fazit: many thanks 🙂




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  4. Hey Nicole,

    ich finde deine Rezi super. Zumindest habe ich jetzt einen guten Eindruck von dem Buch bekommen. Vor allem der Part „Eigene Körperbeherrschung“ würde mich wie dich inhaltlich am meisten interessieren. Ich gehöre nämlich auch zu den impulsiven, ungeduldigen und in der Kommunikation mit meinem Hund nicht sehr klaren Personen. Auch wenn ich dazu schon einige Seminare mitgemacht habe. *flöt*

    Dass die Amis kein Problem mit Stachelhalsbändern und Co. haben, ist bekannt und wundert mich nicht. Die ticken einfach anders als wir, was den Einsatz solcher Mittel natürlich nicht rechtfertigt.

    Insgesamt glaube ich aber, dass man aus diesem Buch doch einiges für sich mitnehmen kann. Das ist doch das Schöne, dass man sich bei jeder Methode das für sich Beste herauspicken kann.

    Liebe Grüße
    Silvana mit Cabo




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  5. Hallo,

    danke für die ausführliche Rezession. Jetzt bin ich gleich einen Schritt weiter in meiner Überlegung, ob ich mir das Buch kaufen werde oder auch nicht.

    Viele Grüße aus Nordhessen




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