Tausche: Welpe gegen alten Hund

Tausche: Welpe gegen alten Hund

Für mich war damals ganz klar: Hund ja, aber kein Welpe. Irgendwas zwischen 2 und 5 Jahren darf er alt sein, auf jeden Fall stubenrein und erzogen.

Warum ich das gerne so wollte? Nun, ich traute mir die Zeit mit einem Welpen nicht zu. Moe war 9 Monate alt, also eigentlich jünger als gewünscht. Aber er war (mehr oder weniger) erzogen, stubenrein und wir hatten wirklich wenig Probleme mit ihm. Das Allein sein haben wir geübt, obwohl er es bereits konnte, wirklich kaputt gemacht hat er nur sehr selten was.

Mittlerweile bin ich dem Charme alter Hunde immer mehr verfallen und wenn ich nun auf die Suche nach einem Hund gehen würde, dann würde ich wohl nach einem Opi Ausschau halten. Und das hat gute Gründe.

Warum ein Welpe, wenn man einen Opi haben kann?

Ich verstehe und respektiere es, wenn jemand unbedingt einen Welpen haben möchte, den er selber „verkorksen“ kann. Es ist wie mit einem Kind: Du kannst von früh an die Weichen für einen tollen Hund stellen, alles mit ihm machen, wie du es dir vorstellst. Sowohl gute als auch schlechte Erlebnisse bekommst du mit, du kennst (meistens) die Gründe für sein Handeln.

Ein richtiger Opi: Dandy.
Ein richtiger Opi: Dandy.

Ein älterer Hund (und es muss gar kein Senior sein) hat immer schlechtere Vermittlungschancen, weil es schwieriger sein könnte, ihn zu integrieren. Könnte deshalb, weil ihm nur die wenigsten tatsächlich eine Chance geben.

Ja, ein gebrauchter Hund hat definitiv Macken. Und nicht immer schafft es eine Pflegestelle oder Tiervermittlung, den Hund gut einzuschätzen. Und ja: Vielleicht passt ein Welpe immer besser, weil man ihn formen kann.

In letzter Zeit habe ich einige Senioren fotografieren dürfen. In diesen Momenten, die teilweise sehr innig sind, lernt man einen Hund gut kennen. Nicht so gut, dass ich alle Macken und Eigenheiten sehen könnte.

Aber doch so, dass man merkt, wie selbstverständlich alte Vierbeiner sich in ihrer Umgebung bewegen. Wie ruhig sie sind. Wie liebevoll. Am Anfang vielleicht noch distanziert, anders als ein Junghund. Aber dennoch meistens bereit, andere Menschen einzubeziehen.

Der wundervolle, alte Bootsmann
Der wundervolle, alte Bootsmann

Senior-Hunde, und ich rede natürlich von denen, die ich bislang kennen lernen durfte, sind wundervoll. Dandy zum Beispiel brachte mich zum Lachen, weil er so ungestüm war. Er hat ED und wackelt beim Laufen von rechts nach links. Und trotzdem kam er so schwanzwedelnd, freundlich, lieb auf mich zu, machte sich zum Clown, zeigte mir, wie toll er in seinem Alter noch Apportieren kann.

Oder Bootsmann, mit seinen 13 Jahren, fast blind, taub und trotzdem mit ordentlich Karacho. Natürlich weniger als ein Jungspund, dafür sind auch die Gelenke nicht mehr gut genug. Aber der Kopf funktionierte, und die Nase sowieso. Mit seinem Charme hatte er mich sofort um den Finger gewickelt.

Dann war da noch Sammy. 11 Jahre alt und so ziemlich der größte Gesichtskasper, den ich jemals abgelichtet habe. Wenn er mich angeschaut hat mit seiner eingeklemmten Lefze, konnte ich nicht anders, als ihn mit Keksen zu überschütten und mich über diesen wahnsinnig süßen Senior zu freuen.

Gesichtskasper Sammy
Gesichtskasper Sammy

Ich merke, wie genau diese alten Hunde mich absolut begeistern. Was sie wohl für Geschichten zu erzählen hätten, wenn sie könnten? Ein Welpe ist niedlich, tappsig. Ein alter Hund ist weise, liebevoll, zauberhaft.

Moe, mein Teilzeit-Opi.

Moe wird langsam zum Opi. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich immer mehr zu alten Hunden hingezogen fühle. Neulich hielt Moe einfach so auf einem Spaziergang an. Das macht er sonst nie. Es schien, als hätte er entweder vergessen, was er da eigentlich machte oder als würde er vor sich hin träumen. Ich merke, dass er langsamer wird.

Manchmal habe ich einen Kloß im Hals, wenn ich daran denke, was das bedeutet. Sicher, 8,5 Jahre ist noch kein Alter – zumindest bei den meisten nicht.

Mein Teilzeit-Opi
Mein Teilzeit-Opi

Nun, jeder Hund ist anders, jeder Hund ist früher oder später „alt“. Ich kenne eine 10-jährige Labrador-Dame, die niemals so alt eingeschätzt wird. Sie hat so ein Temperament, ist fit wie ein Turnschuh und zeigt auf den ersten Blick keinerlei Weh-Wehchen.

Trotzdem hockte ich mich nach dem letzten Shooting auf den Boden, zu Moe. Und flüsterte ihm ins Ohr, dass er bitte noch ganz lange bei mir bleiben soll. Das Altern ist schön. Alte Hunde sind toll. Aber bitte, bleib noch ganz lange mein Opi!

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