Stadtköter vs. Landpomeranze: Welchem Hund geht es besser?

Stadtköter vs. Landpomeranze: Welchem Hund geht es besser?

Stadt oder Land – Wo ist der Hund besser aufgehoben und vor allem: Wo geht es unserem Vierbeiner besser? Liebt er die Abwechslung in der Stadt, die vielen Gerüche, den Trubel oder ist das Landleben das Beste für einen Hund?

Stadtköter vs. Landpomeranze: Wo lebt es sich besser?

Wir haben mit Moe beides mitgemacht: Ganz am Anfang wohnten wir zentral in Kiel, nicht weit weg vom Hauptbahnhof, in einer Drei-Zimmer-Wohnung ohne Aufzug. Die Bushaltestelle direkt vor der Haustür, der Aldi und Lidl „umme Ecke“. Gleichzeitig ein Wald und eine Hundewiese in der Nähe, kam es uns eine Zeitlang relativ ideal vor.  Moe war zufrieden mit seinen Patrouille-Runden, er traf immer wieder neue Leute und neue Hunde, wir konnten das Busfahren üben.

Aber nicht nur das: Die Innenstadt war auch immer wieder ein Erlebnis, und die war für uns fußläufig ohne Probleme zu erreichen. An der Kiellinie ließ es sich entspannt spazieren, Moe und wir konnten uns die großen Schiffe, wie zB. die Stena Line anschauen. So ein Rummel in den frühen Mittagsstunden ist eine gute Trainingsmöglichkeit und ich bin sicher: Da wir immer wieder Situationen gesucht haben, die eher anstrengend für Hunde sind, ist Moe relativ gelassen geworden. Wahrscheinlich auch deswegen war unser erstes Jahr Silvester wunderbar entspannt, Moe kannte laute Geräusche und Gewusel und es machte ihm nichts aus.

Die Stadt, der Hund und die Vorteile

Ganz in der Nähe haben wir gewohnt: Der Kieler Hafen
Ganz in der Nähe haben wir gewohnt: Der Kieler Hafen

In der Stadt mit Hund zu wohnen hatte für uns also wirklich viele Vorteile. Moe war alles gewöhnt und erschrak nicht bei lauteren Geräuschen. Er wusste genau, dass man an Bordsteinkanten „Sitz“ macht, wenn die kurze Leine „dran“ war, gab es keinen Hundekontakt, etc. Zum Spielen mit anderen Hunden traf man sich im Wald oder im Park. Bei Hundebegegnungen auf der Straße war eines ganz klar: Die Hunde gingen sich aus dem Weg, waren meist angeleint. Die Fußgängerzone war ein toller Ort, um das „An-der-Leine-laufen“ zu perfektionieren.  Also alles prima, oder?

Die Stadt, der Hund und die Nachteile

Eine ganz große Einschränkung für uns war das „Keinen-Garten-haben“. Unsere Idealvorstellung war, der Hund kann immer mal wieder raus, es kann im Garten trainiert werden. Man muss nicht erst 10 – 15 Minuten laufen um einen Platz zu erreichen, an dem man mal ungestört Ball spielen kann. Moe könnte sich endlich mal austoben.

Weitere Nachteile: Die Straßen waren teilweise sehr dreckig, die Verletzungsgefahr durch herumliegendes Glas enorm. Vor dem Dönermann war das „Fressparadies“ für Moe und für uns eigentlich die perfekte Möglichkeit, Moe anzugewöhnen, nichts vom Boden aufzunehmen. Aber manchmal kann man gar nicht so schnell gucken, wie der Hund etwas in der Schnute hat – und wenn das mal menschliches Erbrochenes ist, kann das echt eklig sein…

Auch die Stufen bis in den dritten Stock waren für Moe auf Dauer wegen seiner HD nichts, was wir beibehalten wollten. Und da ich wusste, dass ich ihn nicht immer würde tragen wollen, musste eine Alternative her.

Hauptsache Strand, oder?
Hauptsache Strand, oder?

Wir zogen weiter, nach Friedrichsort. Und dieses Mal direkt in die Innenstadt. Allerdings ist das ein so beschauliches Städtchen, dass dort nach 20 Uhr die „Bürgersteige hochgeklappt“ werden. Eine Treppe zur Wohnung gab es immer noch, allerdings nur noch in den ersten Stock. Das war schon eine große Erleichterung. Leider wieder kein Garten, sondern nur eine Stadtwohnung, wieder 3 Zimmer. Die nächste Hundeauslauffläche sehr weit weg, allerdings fanden wir schnell eine Alternative: Ein meist ungenutzter Bolzplatz, 10 Minuten entfernt. Dort konnten wir ungestört spielen und trainieren.

Hundebegegnungen war auch in Friedrichsort meist kein Problem, denn dort in der Stadt waren die Hunde meist angeleint. Man ging sich aus dem Weg, alles entspannt. Nur Moe, der wurde immer unentspannter draußen.

Da er kaum noch lauten Geräuschen ausgesetzt war, erschrak er plötzlich bei den kleinsten Sachen. Ein Motorrad, das vorbei fuhr: Echt angsteinflößend! Oder das Fahrrad, das plötzlich neben uns an der Ampel anhielt – auch das war schon gruselig. Eine Mülltonne, die plötzlich im Weg stand, das Rascheln eines gelben Sacks. Wir hatten plötzlich einen Hund, der sich beim kleinsten Geräusch umschaute und wachsam war.

Wären wir doch bloß in der Stadt geblieben! Oder doch nicht? Schließlich waren wir in Friedrichsort unabhängig, mussten weniger Bus fahren, kaum Auto, konnten zu Fuß einkaufen gehen. Es war fast, wie auf dem Land zu leben. Und trotz der Innenstadt war der Strand nah! Allerdings hatten wir wieder keinen Garten.

Eine unserer Lieblingsecken in Friedrichsort: Die Lindenauwerft
Eine unserer Lieblingsecken in Friedrichsort: Die Lindenauwerft

Das Land und seine Hunde(-besitzer)

Im Juni zogen wir dann richtig aufs Land. HIER IST DER HUND GLÜCKLICH! So dachten wir. Menschen auf dem Land sind schließlich entspannter. Wenn der Hund mal bellt, ist das kein Drama. Raus aus der Drei-Zimmer-Wohnung ohne Balkon, rein in den Liegestuhl im Garten. Mehr Platz, mehr Glück.

Mitnichten. Ja, das Landleben ist schon ein Traum. Die Pferde vor dem Zaun entlang laufen zu sehen, den Strand trotzdem fußläufig zu haben, ist großartig. Aber:

Auf dem Land sind die Hundebesitzer auch nur Menschen.

Und das macht sich vor allem im Umgang mit den Hunden bemerkbar. Auch hier gibt es die unterschiedlichsten Hundebesitzer, bzw. die unterschiedlichsten Hundespezies: Den Zwingerhund, der gut aufpasst (natürlich ein Schäferhund). Den Hofhund, der frei herum läuft und, na klar, Haus und Hof bewacht. Den Gartenhund, eine neue Spezies, die wir hier kennen gelernt haben, der nur in den Garten darf. Und den gemeinen Haushund, wie es ihn auch in der Stadt gibt: Mit normalen Gassirunden, morgens, mittags, abends.

Die Vorteile vom Landleben mit Hund

Ich behaupte mal: Auf dem Land sind die Hunde freier. Man lässt sie öfter ohne Leine laufen, hier fahren schließlich weniger Autos. Es gibt mehr Felder und Wiesen. Die Menschen sind mit Hunden groß geworden, kaum einer hat ernsthaft Angst vor einem Hund.  Nicht jeder mag Hunde, diese gehen den Hundebesitzern einfach aus dem Weg. Bisher habe ich keine einzige negative Begegnung mit einem Hundehasser gehabt, im Gegenteil.

Man ist ruhiger, gelassener. Das überträgt sich wiederum auf die Hunde. Lauter Krach? Nur wenn der Nachbar seinen Laubbläser oder die Kreissäge anwirft. Die Hunde haben mehr Bewegungsfreiheit, wenn sie denn nicht nur im Haus gehalten werden. Es gibt mehr zu Schnüffeln, viele Mauselöcher, die erkundet werden können, man fühlt sich als Mensch sicherer, wenn der Hund mal vor dem Bäcker angeleint werden muss. Hier kennt jeder jeden, alles ist entspannt.

Was meine persönlichen Vorstellungen vom Landleben waren im Bezug auf den Hund: Ich dachte, hier könnten die meisten Menschen ihren Hund lesen und einschätzen. Und wären respektvoller, wenn ihnen ein angeleinter Hund entgegenkommen würde. Doch da wurde ich enttäuscht.

Die Nachteile vom Landleben mit dem Hund

Sollen wir wirklich wieder umziehen?
Sollen wir wirklich wieder umziehen?

„Wie, du hast eine Leine? Na, die braucht ihr hier nicht!“ – So ähnlich lauteten die ersten Worte, die wir hier von anderen Hundebesitzern hörten. „Hier geht kaum einer mit Leine Gassi.“ Yeah. Ich sah mich schon wieder Kofferpacken und umziehen.

Fakt ist: Überdurchschnittlich viele Menschen auf dem Land lassen ihren Hund frei laufen. Überdurchschnittliche viele Landhunde sind sehr sozial und aufgeschlossen gegenüber anderen. Nützt aber nichts, wenn der eigene Hund andere Hunde nicht leiden kann! 

Wir haben es in der Nachbarschaft ziemlich schnell zu zweifelhaftem Ruhm gebracht, da Moe eben zu 90 % an der Leine ist. Einerseits wegen des Jagdtriebs, an dem wir arbeiten und andererseits natürlich auch wegen der Unverträglichkeit gegenüber anderen Hunden.

„Das regeln die schon unter sich.“ Nee. Tun sie nicht. „Mach‘ mal die Leine ab, meiner tut nichts.“ „Keine Sorge, wir hatten schon schlimmere Unfälle.“

Ja, die Landmenschen sind entspannter. Und können es absolut nicht nachvollziehen, warum so ein Stadtköter kein Benehmen hat. Warum unser Hund andere nicht höflich in seinen Garten bittet. Ja, Freunde findet man hier nicht so schnell, vor allem, wenn man die freilaufenden Hunde immer wegschicken muss, bis der Besitzer es kapiert:

Bitte, lass deinen Hund nicht zu unserem!

Weitere Nachteile sind für mich ganz klar die Reizarmut: Was einerseits für Entspannung sorgt (die allgemeine Ruhe) hat den großen Nachteil, dass Hunde vom Land meist wenig mit der großen Stadt anfangen können. Moe soll sich aber auch dort wohlfühlen, denn ich würde ihn in Zukunft bei unseren Urlauben ungern unterbringen müssen. Das bedeutet also: immer mal wieder Stadttraining, Busfahren, laute Geräusche, Gewusel.

Außerdem gefällt mir hier teilweise die Einstellung zum Hund nicht: In der Stadt ist der Hund gefühlt mehr Familienmitglied, während er auf dem Land doch eher noch „das Tier“ ist, dass auch mal „ein paar Stunden alleine im Garten“ verbringen kann. Vielleicht bin ich da auch zu weich, aber ich bin sehr traurig, wenn ich sehe, dass manche Hunde bei Regen und Ekelwetter stundenlang ungeschützt draußen liegen müssen.

Trotzdem war es für uns drei die richtige Entscheidung, aufs Land zu ziehen. Wenn ich sehe, wie glücklich Moe durch „seinen Garten“ rennt, weiß ich: Das war eine gute Idee. Und mit den Einschränkungen, die wir dadurch haben, kann ich bisher wunderbar leben.

Was Hundebesitzer auf dem Land und aus der Stadt gemein haben:

Bei schlechtem Wetter wird kein Fuß vor die Tür gesetzt. Keine Ahnung, was die Menschen in der Stadt dann mit ihren Hunden machen, wenn die mal müssen. Hier auf dem Land wird der Hund alleine in den Garten geschickt und fertig. Reicht ja. Faulheit gibt es überall, egal ob Stadt oder Land. So viel haben wir zumindest schon einmal gelernt. 😉

Fazit

Das Land- und Strandleben ist super!
Das Land- und Strandleben ist super!

Es gibt Hunde, die wunderbar in der Stadt leben können – für Moe wäre es jedenfalls kein Problem gewesen. So lange genug Auslauf und (geistige) Beschäftigung da ist, kommt (fast) jeder Hund auch mit einer kleinen Wohnung zurecht.

Sicherlich muss man dabei immer die rassespezifischen Eigenschaften & den Charakter des Hundes im Kopf haben: Einen Kangal in einer Wohnung zu halten, fällt beispielsweise klar unter: „Keine gute Idee.“. Und aus der Stadt auf’s Land ziehen stellt wohl für kaum einen Hund ein Problem dar.

Andererseits stelle ich mir den umgekehrten Fall sehr schwierig vor: Ein Landhund, der sich plötzlich in der Stadt zurecht finden soll?! Kann gut gehen. Aber gerade wenn die Prägungsphase als Welpe eher reizarm und auf dem Land statt gefunden hat, kann es für so einen Hund schwierig werden.

Wenn dieser Hund vom Land dann auch noch täglich wesentlich mehr Auslauf hatte, durch den Garten streifen konnte und plötzlich nur noch 3 Mal am Tag mit Leine rauskommt – vielleicht ein Extremfall, aber auch extrem schwierig für den Hund. Natürlich gibt es auch dort Fälle, bei denen es absolut kein Problem ist.

Eben weil sie oft mit in die Stadt gekommen sind und den Trubel kennen. Da ist man sicher auch als Hundebesitzer gefragt, die Eingewöhnung im neuen Revier so einfach und schön für den Hund wie möglich zu machen. Denn eines steht fest: Unsere Hunde sind sehr anpassungsfähig.

Jedenfalls bin ich ganz gespannt, was Sabrina von Die tut nichts bald zu berichten hat. Denn Queen hat genau diesen Umzug hinter sich gebracht: Vom Land in die Stadt. Und wer weiß, vielleicht zieht es uns ja irgendwann auch wieder in die Stadt, wenn wir genug vom Landleben haben? 🙂

Zurück in die Stadt? Erst mal nicht!
Zurück in die Stadt? Erst mal nicht!

Habt ihr auch schon so einen Umzug hinter euch gebracht? Was seid ihr lieber: Stadtköter oder Landpomeranze? 🙂

*Fotolia: Kieler hafen  #78074849 ©Marco2811

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