Spieltrieb.

Spieltrieb

Mit einem Hund spielen – nichts ist so einfach und doch gleichzeitig so schwer.

Moe würde man auf den ersten Blick nicht unbedingt als verspielten Hund einstufen. Mit Artgenossen spielt er schon einmal gar nicht und hat es rückblickend auch selten getan. Meist hat Moe das Zusammensein mit anderen Hunden dazu genutzt, sich entweder zu behaupten oder Ringrichter zu spielen, wenn andere sich kloppten.

Im Laufe der Zeit hat Moe immer deutlicher gezeigt, dass Spielen mit Artgenossen nicht zu seinen Hobbys gehört. Im Gegenteil. Wenn der andere Hund auf Abstand blieb, war Moe entspannt. Wenn nicht, gab es großes Theater.

Das Spielen mit anderen Vierbeinern ist das Eine. Das Andere ist das gemeinsame Spiel zwischen Mensch und Hund.

Moe und ich haben mittlerweile eine richtige „Spielkultur“ entwickelt. Denn nur, weil es Spiel heißt, ist es deshalb noch lange nicht einfach.

Spielen will gelernt sein.

Als richtiger Hunde-Neuling hatte ich absolut keine Ahnung davon, wie Hunde spielen und ob sie überhaupt spielen. Mit dem Menschen zusammen, das war ja klar. Ball wird geworfen, Hund holt ihn. Klar, oder?

Das es nicht ganz so einfach ist, merkte ich, als Moe den Ball eben nicht zurück- sondern in Sicherheit brachte. Wie bitte?

Ball spielen ist nicht immer gemeinsames Spiel.
Ball spielen ist nicht immer gemeinsames Spiel.

Der Hund ist kaputt, der will nicht spielen. So drastisch habe ich das natürlich nicht gedacht. 😉 Aber es war der erste Auslöser, mich mal wirklich intensiv mit dem hündischen Spielen auseinander zu setzen. Spielt eigentlich jeder Hund? Und was spielt man? Wie geht das?

Wenn man kleinere Kinder und Hunde beobachtet (was ich in der letzten Woche ziemlich intensiv bei unseren Feriengästen tun konnte), sieht man eine sehr ursprüngliche Art des Spielens. Bis auf ein paar Kleinigkeiten kam da ein tolles Spiel zustande, von dem sich einige Erwachsene eine dicke Scheibe abschneiden können. Da wurde gerannt, getunnelt, sich auf den Bauch geworfen. Zwischendurch wurde mal gekuschelt, im nächsten Moment gesprungen und wieder gerannt – und das ganz ohne Spielzeug!

Es war einfach schön zu sehen, wie sowohl Kinder als auch Hund total entspannt aber gleichzeitig sehr respektvoll miteinander umgegangen sind, Spaß hatten und einfach die Zeit genießen konnten. Aber warum fällt das gemeinsame Spiel anderen so schwer?

Wir Menschen denken zu viel.

Ich kenne es ja von mir auch: „Oh je, jetzt bloß nicht auffallen. Die gucken schon wieder.“ „Wenn ich jetzt wie eine Bekloppte hier entlang laufe, sperren die mich doch ein!“ Letzteres mag tatsächlich passieren, aber das Risiko gehe ich gerne ein.

MEIN BALL!
MEIN BALL!

Jetzt. Weil ich mittlerweile darüber stehe und weiß, dass es Moe und mir viel besser geht, wenn ich einfach mal NICHT darüber nachdenke, was andere denken. Denn vielleicht denken die auch gar nicht so viel. 😉

Der Prozess war schwierig, denn ich musste ja erst einmal erkennen, dass ein gemeinsames Spiel nicht nur aus Apportieren besteht! Immer wieder Bällchen werfen ist nicht Spielen. Enorm weiter geholfen hat mir damals übrigens das Buch „Richtig spielen mit Hunden*“ von Ekard Lind. Das Buch war sozusagen Wegbereiter und hat mir in eindrucksvoller Weise vermittelt, wie viele unterschiedliche Arten des Spielens es eigentlich gibt, welche Rolle die Mimik spielt und das Spielen GEMEINSAM stattfindet.

Spielen ohne Spielzeug? Wie soll das gehen?

Das Spielen ohne ein Spielzeug klappt mal mehr, mal weniger gut. Moe zeigt es sehr deutlich, ob er Interesse an einem gemeinsamen Laufspiel hat – oder eben nicht. Der Test ist sehr einfach: Ich laufe langsam neben Moe los.

Wenn er gut drauf ist und auf meine Spielaufforderung eingeht, rennt er in großen Kreisen um mich herum, stoppt, wirft sich mit einer Spielaufforderung ins Gras und lässt sich von mir jagen. Dann geht es anders herum (ohne, dass ich mich ins Gras werfe. Zumindest nicht absichtlich.), ich lasse mich jagen.

Wie gesagt: Das klappt nicht an jedem Tag, manchmal hat Moe einfach keine Lust und möchte nur in Ruhe schnüffeln. Dann ist das auch wunderbar in Ordnung. Vielleicht liegt es an manchen Tagen auch an mir, wenn ich meinen Kopf nicht abstellen kann, merkt Moe dies absolut und denkt sich dann: „Entweder ganz oder gar nicht.“ 😉

Langsames Spielen

Mittlerweile geht das wunderbar. Ein Spiel muss nämlich nicht immer action-geladen sein oder gar schnell. Moe kenne ich sehr genau. Ich weiß, dass er es liebt zu Rennen. Sich auszupowern. Letzteres geht aber auch anders, nämlich mit langsamen Spielen.

Ein Spielzeug, dass von mir im Sitzen langsam hinter den Rücken gezogen wird, vorne wieder auftaucht. Alles im äußersten Schneckentempo. Und Moe lauert. Wie eine Katze schaut er mich an, schaut sein Spielie an. Er schleicht immer näher an mich heran, beobachtet ganz genau, wann sich eine Möglichkeit zum Zuschlagen ergibt. Und dann – Zack! – ist das Spielzeug erbeutet, er darf es ins Körbchen schleppen oder es ergibt sich ein Zerrspiel.

So eine Spieleinheit dauert nicht lange, ist aber äußerst fordernd. Übrigens: Das das Beute spielen generell zu mehr Jagdtrieb führt, kann ich, zumindest bei Moe, absolut nicht bestätigen.

Ball! Ball! Ball!

Bei Moe geht nichts über seinen geliebten Ball. Die Frisbee und die Reizangel kommen zwar schon sehr nahe dran, aber ein Ball war schon immer Moes große Liebe. Trotzdem lässt er sich mittlerweile immer dazu überreden, seinen Ball abzugeben, nicht damit weg zu laufen und, oh Wunder, tauscht auch mal seinen Balli gegen ein anderes Spielzeug ein.

Das war nicht immer so und wir haben wirklich sehr lange geübt. Der größte Vorteil an Moes Ball-Liebe liegt aber tatsächlich darin, dass wir wunderbar Impulskontrolle üben konnten (Ball fliegt, Moe bleibt sitzen/liegen/stehen, bis das Kommando kommt, lässt sich unterwegs stoppen/zurück rufen) und das er sich mit dem Ball zu vielen Dingen hinreißen lässt, die ohne Ball schier unmöglich waren. Man könnte sagen, ein Ballspiel ist für ihn die absolut höchste und beste Belohnung, der Jackpot.

Nach dem Spielen kann man auch mal müde sein. ;-)
Nach dem Spielen kann man auch mal müde sein. 😉

Moe und ich haben viele Wege entdeckt, miteinander zu spielen. Ohne Spielzeug, mit Spielzeug, mit Action und ohne.

Trotzdem interessiert mich natürlich, wie andere Mensch-Hund Teams spielen. Erzählt doch mal: Welche „Spielkultur“ habt ihr?

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2 Gedanken zu „Spieltrieb.“

  1. Ich gebe offen zu, dass ich mich mit dem ausgelassenen Spiel mit Socke etwas schwer tue. Ich spiele mit Socke, aber richtig herumkaspern tut hier nur der Socke-nHalter, der so herrlich albern sein kann.

    Socke benutzt mich bzw. meine Beine gerne zum Schubbern und da schaffe ich es auch mit ihr, ohne Spielzeug zu toben. An die Qualitäten des Socke-nHalters komme ich aber wohl nicht heran.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  2. Ich spiele auch meistens mit Spielzeug mit meinen Hunden. Ball, Frisbee und alles andere, was fliegt. Da ich nicht nur einen Hund habe, toben sie auch viel miteinander. Zusätzlich gehe ich einmal in der Woche mit Enki und Luna zum Playdate. Da ist schön zu beobachten, dass neue Hunde meist erst beim 3. oder 4. Treffen auftauen und anfangen, mit dem Rest zu toben. Gerade, wenn es keine Junghunde mehr sind. Aber wenn sie sich eingewöhnt haben, ist das Playdate das Highlight der Woche.
    Liebe Grüße
    Stephie




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