Gastbeitrag: Silvester mit Hund – Teil 3

Silvester mit Hund

Da sind wir doch tatsächlich schon bei Teil 3 unserer Silvester mit Hund – Reihe! Ich freue mich ganz besonders, denn heute erzählt uns Silvana vom Kalte Schnauze Blog, was bei ihr und Cabo dazu führte, dass Silvester plötzlich nicht mehr entspannt war – und wie die beiden heute Silvester verbringen. Ich verspreche euch: Es wartet eine spannende Geschichte! Viel Spaß!

Silvester: Für meinen Hund ein Tag wie jeder andere

 

Ich mag Silvester. Zum einen nutze ich den 31. Dezember gerne, um das Jahr noch mal Revue passieren zu lassen. Zum anderen freue ich mich auf das Neue, das Unbekannte, das in den nächsten zwölf Monaten auf mich wartet. Dazu gehört für mich ein Feuerwerk, mit dem ich mich symbolisch vom alten Jahr verabschiede und das neue willkommen heiße.

Für meine Hunde war Silvester nie ein Problem. Besonders vorbereitet hab ich sie auf dieses Ereignis nie. Mit Cabo hingegen wollte ich alles anders machen.

Bei seinem ersten Silvester war er zehn Monate alt. Der kleine Kerl vertraute mir blind. Und so stand für mich fest, dass ich bei den ersten Feuerwerkskörpern, die in die Luft gehen, mit ihm in den Garten gehe und Spaß haben werde. Die Knallerei sollte er von Anfang an mit etwas Gutem verbinden.

Der Plan ging auf. Und so war auch das zweite Silvester für Cabo und mich eine runde Sache.

Doch dann kam Silvester Nummer 3

Feuerwerk

Und alles sollte anders werden. Mit meinen Eltern und Cabo verbrachte ich einen schönen Urlaub im Allgäu am Hopfensee. Das Jahr ließen wir bei einem italienischen Buffet ausklingen. Cabo war wie immer dabei.

Kurz vor Mitternacht gingen wir alle raus, um auf das neue Jahr anzustoßen. Schon auf dem Weg zum See hörte ich die Leute sagen: „Der arme Hund! Das ist doch viel zu laut für den. Was macht die da bloß?! Das kann die dem Hund doch nicht antun!“ Und dann ging das Feuerwerk auch schon los.

Wir stießen auf das neue Jahr an. Und wieder: „Der Hund muss doch total Angst haben bei dem Lärm! Das ist unverantwortlich!“ Mein Vater merkte sofort, dass ich mich plötzlich unter Druck gesetzt und unwohl fühlte. Was für mich und Cabo vollkommen normal war, wurde auf einmal infrage gestellt. Das verunsicherte mich total. Hatte ich nicht sehen wollen, was die Leute jetzt um mich rum deutlich vorgaben zu beobachten? „Geh doch schon mal mit Cabo nach Hause, dann lassen dich die Leute auch in Ruhe“, sagte mein Vater.

Das Unheil nahm seinen Lauf

Cabo Guck mal

Cabo schaute zu mir hoch. Und plötzlich schnürte es mir den Hals zu und Panik stieg in mir auf. Ich musste dort weg. Sofort. Ich rannte – vollkommen kopflos, wie auf der Flucht.

Neben uns knallten die Böller und Feuerwerksraketen stiegen lautstark in den schwarzen Himmel auf. Als ich vollkommen aus der Puste endlich am Hotel ankam, öffnete ich panisch die schwere Holztür. Ein Schrei ging durch die Nacht, der mich bis ins Mark traf. Ich hatte Cabos Pfoten in der Tür eingeklemmt… Frohes neues Jahr!

Zwölf Monate später sollte ich die Quittung für mein idiotisches Verhalten bekommen. Cabo hatte auf einmal panische Angst vor dem Feuerwerk. Und auch meine Vorfreude hielt sich zum ersten Mal in Grenzen. Also beschloss ich, mit meinem zitternden Krummfuß dieses Silvester im abgedunkelten Raum unter der Bettdecke zu verbringen. Ein toller Plan.

Wir trainierten fleißig

Silvana & Cabo

Das ist mittlerweile vier Jahre her. Noch immer findet Cabo Silvester und Feuerwerk nicht prickelnd. Aber er zittert nicht mehr und reagiert auch nicht mehr panisch, wenn ein Böller in unserer Nähe hochgeht. Heute weiß ich, dass ich mit meinem Fehlverhalten Cabos Angst ausgelöst habe — hochgeschaukelt durch die Leute um mich herum.

Wir trainierten. Jedes Jahr nach unserem verhängnisvollen Erlebnis ging ich mit Cabo am 31. Dezember wandern. Mindestens vier Stunden. Um ihn auszupowern. Bei den ersten Feuerwerkskörpern in der Dämmerung setzte ich mich mit dem Krummfuß raus auf die Wiese und beobachtete mit ihm das Treiben. Ganz in Ruhe, ohne Worte, Körper an Körper.

Es dauerte eine Weile, bis sich meine ruhige Haltung auch auf Cabo übertrug. Es klappte, weil ich jetzt weiß, dass Cabo mein Verhalten spiegelt. Dass er müde von der Wanderung war, war ein positiver Nebeneffekt. Beim eigentlichen Feuerwerk nahm ich ihn nicht mehr mit raus, sondern ließ ihn in Ruhe. Er kommt auch nicht mehr mit zum Essen. Er fühlt sich Zuhause wohler.

Und so gehen wir jedes Jahr einen Schritt weiter. Beim Jahreswechsel von 2014 auf 2015 traute sich Cabo sogar schon wieder zaghaft auf den Balkon, um mit uns das Feuerwerk zu sehen. Gedrängt habe ich ihn dazu nicht. Er kam von ganz alleine zu uns und wollte dabei sein.

Silvester ist schön, aber für meinen Hund nun ein Tag wie jeder andere

Silvester ist ein Tag wie jeder andere

Auch ich habe dazu gelernt. Ich mache keine große Sache mehr aus dem 31. Dezember, ich lasse mir aber auch von niemandem mehr etwas einreden. Meinen Hund kenne ich am besten.

Obwohl Silvester nach wie vor etwas Besonderes für mich ist, sorge ich dafür, dass es für meinen Hund nun ein Tag wie jeder andere ist.

Liebe Silvana, vielen Dank für das Teilen deiner Geschichte! Ich finde es interessant, dass du es durch Training geschafft hast, Cabo wieder Sicherheit und Ruhe zu geben. Dass er sich sogar raus auf den Balkon traut, ist wirklich ein großer Schritt!

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12 Gedanken zu „Gastbeitrag: Silvester mit Hund – Teil 3“

  1. Klasse wenn es so schön klappt und immer besser wird! Ich hoffe, dass dieses Jahr bei uns auch ein bisschen besser wird! An Gassigänge an Silvester ist nicht wirklich zu denken…

    Liebe Grüße Vicky
    Schlabbergrüße Bonjo




    0
  2. Danke Nicole, dass du es mir ermöglicht hast, meine Geschichte auf deinem Blog zu erzählen. Sie geht mir noch immer ziemlich nah. Aber ich bin auch positiv gestimmt, dass Cabo und ich Silvester wieder in den Griff bekommen. So bin ich schon auf dieses Jahr gespannt, wie der Spanier sich machen wird.

    Herzliche Grüße
    Silvana & Cabo




    0
  3. Wow, eine Geschichte die zu Herzen geht. Unsere Hunde beobachten uns sehr genau und reagieren leider auch sehr schnell auf ungute Gefühle. Bei Charly bemerke ich das auch immer wieder.

    Schön, dass es Cabo geschafft hat, sich von seiner Angst zu befreien und sich sogar auf den Balkon traut. Mal sehen, wie es bei uns dieses Silvester läuft …

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly




    0
  4. Das ist schon eine besondere Geschichte…Ein Hund, der keine Angst vor den Raketen hat, lernt die Angst kennen. Socke hatte im ersten Jahr auch keine Probleme, bis ein Nachbar Ihr die Rakete – am Nachmittag – ins Gesicht hielt. Ich berichtete schon davon. Leider haben wir die Angst nicht nehmen können, weil hier auch 5 Tage geknallt wird. Mir graut schon wieder vor dieser Zeit….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




    0
    • Das ist ja furchtbar, was deiner Socke passiert ist, Sabine! Da fehlen mir die Worte.

      Einen Tipp habe ich trotzdem für dich. Du schreibst, dass es dir jetzt schon vor Silvester graut. Das spürt Socke. Sie merkt, dass du angespannt bist. Ich vergleiche das immer mit mir als Kind. Wenn ich mir furchtbar weh getan hatte, ist meine Mutter die Ruhe selbst geblieben – obwohl es manchmal echt schlimm war. Das war für mich immer sehr hilfreich und der Schmerz nur noch halb so wild. Wäre sie wie ich in Panik verfallen, wäre ich kaum zu beruhigen gewesen.

      Auch wenn es total schwer ist, versuche die Tage vor Silvester und den Tag an Silvester so zu sein wie immer. Gib den Tagen nicht so viel Gewichtung. Auch wenn Socke Angst hat, du hast sie nicht. Du bist stark, an ihrer Seite und vermittelst ihr, dass alles so ist wie immer – auch wenn es knallt. Das wollte ich auch in meiner Geschichte zum Ausdruck bringen, als ich geschrieben habe, dass Silvester ein Tag wie jeder andere ist.

      Drücke euch die Daumen!

      Viele Grüße
      Silvana




      0
  5. Eine wirkliche tolle Geschichte, wenn auch ein trauriger Hintergrund.

    Da sieht man mal, wie sehr der Hund Spiegel der Seele ist.

    Ich bewunder dich, dass du es trotzdem schaffst, bei all den Situationen so ruhig zu bleiben!

    Wir fahren immer ein Stück aus Rostock raus nachmittags und gehen in eine Hundeauslaufzone. Da können die Fellnasen nicht vor Schreck über alle Berge-auch wenn Adgi die Coolnes in Person ist.

    Macht weiter so!

    Anika und Adgi




    0
    • Danke dir, Anika!

      Es war für mich ein Lernprozess. Denn ich bin nicht immer die Ruhe selbst. Aber für Cabo wollte ich das unbedingt in der Situation wieder sein. Zumal er wirklich der Spiegel meiner Seele ist.

      Es ist schon verrückt, wie sehr er auf meine Stimmungen reagiert. Als ich das festgestellt hatte, war mir klar, dass nur ich ihn wieder den Halt geben kann, den er braucht.

      Viele Grüße und einen Knuff von Cabo an Adgi
      Silvana




      0
  6. Ein ganz toller Artikel – gibt Kraft und Hoffnung! Ich hoffe auch darauf, dass unser Hund sich unserer Ruhe und Entspanntheit annimmt und die Ängstlichkeit verliert!




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  1. Neue Gastbeitragsreihe: Silvester mit Hund | Hundeblog Moe and Me

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