Wie du deine Schreibstimme findest.

Wie du deine Schreibstimme findest

Als ich anfing zu Bloggen, habe ich sie vergeblich gesucht: Meine Schreibstimme. Irgendwie klangen meine Texte komplett hohl. Ja, ich hatte Fakten vermittelt – aber: Sollte es in einem „Tagebuch-Blog“, wie meiner es eigentlich war, echt so sein?

Ich habe mich gefühlt wie in der Schule. Wenn ich schrieb, dann mit dem Anspruch, alles sauber und korrekt zu formulieren. Nicht anecken, nicht auffallen, höflich sein, und: Fakten, Fakten, Fakten.

Du ahnst, was jetzt kommt: Schnell hatte ich überhaupt keinen Spaß mehr an meinem Geschreibsel. Wenn ich unter Moes Namen schrieb, traute ich mich etwas.

Da wurden meine Texte frecher, ich konnte meine Gefühle viel mehr ausdrücken als unter meinem Namen, die Texte waren mehr ich (ich verstehe also gut, warum manche Autoren auch mal unter einem Pseudonym schreiben).

Jetzt, Jahre später, weiß ich, woran es lag. Ich kenne mich besser, weiß, wie und wann ich bloggen muss, damit meine Schreibstimme nach mir klingt – und nicht nach Frau Goetz, der Sekretärin mit dem Stock im Hintern.

Ich möchte dir erklären, warum es sinnvoll ist, seine Schreibstimme zu suchen und Tipps an die Hand geben, mit denen du deine Schreibstimme hervor locken kannst.

Wie du deine Schreibstimme findest
Warum brauchst du eine Schreibstimme?

Warum brauche ich eine Schreibstimme?

Denk mal nach: Welche Texte hast du in letzter Zeit gelesen, die irgendeine Emotion bei dir hervor gerufen haben? Und wie waren diese Texte geschrieben?

Wahrscheinlich war es nicht so etwas:

„Heute war ich mit meinem Hund in der Stadt. Da war es voll.
Ich habe ein Eis gegessen und dann sind wir wieder nach Hause gegangen.“

Zumindest bei mir kommt da keine wirkliche Emotion zustande – allerhöchstens ein müdes Gähnen. Trotzdem gibt es genug Leute, die genau so schreiben. Willst du wirklich dazu gehören?

Als Hundeblogger können wir doch so viel mehr Emotion reinbringen, denn wir haben etwas, was manch’ andere nicht haben: Unseren Vierbeiner. Und wenn das mal nicht Grund zu Gefühlen ist!

Wir können Geschichten erzählen, die nicht nur rein auf Fakten beruhen. Wir können Herz zeigen, Verletzlichkeit, unsere Freude, unsere Ängste. Und diese Texte liest man doch gleich viel lieber!

Wie finde ich meine Schreibstimme?

Dazu gibt es zig Methoden und jede passt sicherlich zu irgendwem. Ich möchte dir meine Art erklären, vielleicht ist die ja etwas für dich. Ausprobieren schadet sicher nicht. 😉

Ich habe dir oben ja schon erzählt, das ich am Anfang so gar keine Schreibstimme hatte. Das hat mich lange genervt und ich habe beschlossen, etwas dagegen zu tun.

Wie du deine Schreibstimme findest
Einfach machen – der Rest kommt von allein.

Das erste, was ich tat, war: Ich schrieb meinen Text unkontrolliert herunter. Ich schrieb Absätze, die nicht zueinander passten, ohne Textanfang, ohne Textende, und schon gar nicht mit Überschrift.

Irgendwann fügte sich das Kuddelmuddel zusammen und siehe da: Ich hatte einen Text geschrieben, der MIR entsprach.

Wie du deine Schreibstimme findest
Wie du deine Schreibstimme findest

Dabei blieb es aber nicht. Ich fing an, Texte zu Themen zu schreiben, die mich extrem aufregten. Durch diese hohe emotionale Beteiligung an einem Thema konnte ich Worte schreiben, die direkt aus meinem Hirn auf den Bildschirm transferiert wurden und: Die ich mich sonst vielleicht gar nicht getraut hätte, zu verwenden.

Das Problem dabei: Ich wollte mich nicht nur ständig aufregen. Schließlich wollte ich Geschichten von Moe und mir erzählen, weder reine Tatsachenberichte, noch übertriebenes Gemeckere.

Also: Was tun?

Ich fing an, mir dich vorzustellen. Also einen Leser, einen guten Freund.

Dir wollte ich erzählen, was mich bewegt – ohne Fachchinesisch, ohne, dass ich mich irgendwie verstellen muss. Moe & Me bekam eine Stimme.

Wenn ich heute einen Text schreibe, dann habe ich eine grobe Idee im Kopf – ein Thema.

Von dem Rest, den ich da zu Papier bringe, habe ich allerdings maximal einen schwachen Schimmer.

Ich setze mich hin und lege einfach los. Das Thema des Textes schreibe ich als allererstes auf und dann: Erzähle ich einfach. So, wie ich denke, bzw. so, wie ich es dir auch erzählen würde.

Wenn der Text fertig ist, lese ich ihn mir in der Vorschau noch mindestens einmal durch und beseitige die Fehler, die ich währenddessen finde (und lösche die meisten ein paar Füllwörter). Das war es auch schon.

Das Schreiben an sich dauert bei mir (je nach Textlänge) maximal eine Stunde – was daran liegt, das ich so gut wie keine Fachartikel schreibe. Da fehlt mir einfach Fachwissen und: Es passt auch nicht zu mir.

Wenn ich einen Text fertig geschrieben habe, bin ich zufrieden und glücklich, meist aber auch sehr aufgeregt und kann es kaum erwarten, den Artikel zu veröffentlichen!

Wie du deine Schreibstimme findest
Sei wer du bist und schreib, wie du denkst!

Deswegen kann ich auch nicht nach Redaktionsplan schreiben oder großartig vorplanen. Würde ich das tun, würde das meine Freiheit einschränken und ich würde genau da wieder anfangen, wo ich damals war: Bei einem Text ohne Emotion.

Es mag Menschen geben, die einen Plan abarbeiten können. Für mich ist genau das tödlich: Wenn ich schreiben MUSS, dann kann ich es unter Garantie nicht mit meiner Schreibstimme.

Wie du als Hundeblogger deine Schreibstimme findest.

Also, versuch es einfach mal! Dreh eine große Runde mit deinem Hund und finde ein Thema, dass dich schon länger beschäftigt. Egal, ob es dich aufregt, ob du es lustig findest oder du einfach Lust hast, eine Geschichte zu erzählen.

Wenn du nach Hause kommst, setzt du dich an deinen Text-Editor oder wo auch immer du deine Texte schreibst und legst los. Erzähl mir deine Geschichte! Lass nichts aus.

Sei mutig! Verwende genau die Worte, die du auch aussprechen würdest, die du gerade in diesem Moment denkst!

Denk bloß nicht an deinen Deutschlehrer, wenn du schreibst. Meiner hat mir zum Beispiel immer gesagt, ich solle bitte aufhören, Sätze mit „und“ anzufangen – das wäre schlechter Stil. Bullshit!

Schlechter Stil ist, wenn man keinen Stil hat!

Und wenn mich keiner lesen mag? Ja, die große Frage stellt man sich immer. Wenn man nämlich ehrlich ist, schreibt man eigentlich nicht nur für sich selbst, sondern mindestens für die Personen, die einem am Herz liegen.

Ich kann dich aber beruhigen: Es wird immer Menschen geben, die genau diese Schreibstimme an dir lieben, die genau das lesen möchten, was du schreibst. Genauso wird es Menschen geben, die dich wegen deines Geschreibsels nicht mögen – die kannst du aber getrost vergessen.

Schreibe, weil es dir Spaß macht, weil du über das Zusammenleben mit deinem Hund erzählen möchtest. Schreibe so, dass du dabei ein gutes Gefühl hast. Die Leser kommen dann von ganz allein.

Nächste Woche Donnerstag geht es weiter mit Teil 3 – dann verrate ich dir meine persönlichen Do’s & Don’ts zum Thema Bloggen. Und falls du es verpasst hast: Letzte Woche gab es Teil 1 meiner kleinen Reihe: Warum solltest du Hundeblogger werden?

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