Welche Stellung hat dein Hund?

Leithund oder Wächter?
Leithund oder Wächter?

Von Zeit zu Zeit werden immer wieder sogenannte Hundespezialisten in den Himmel gelobt, die den Menschen zeigen, wie sie ihren Hund zu erziehen haben. Ich interessiere mich sehr für diese Konzepte, da ich als „Hundeanfänger“ gerne neuen Input bekomme.

Erst war da Martin Rütter, der gewisse Ansätze verfolgt, die ich teile. Ich mag die Art, wie er mit Hunden umgeht– es sei denn, sie werden permanent mit Leckerchen vollgestopft um sich ablenken zu lassen. Die Idee, eine schlechte Angewohnheit durch eine Gute zu ersetzen, indem man dem Hund ein Alternativverhalten beibringt, finde ich gut. Dann Cesar Millan, der fragwürdige Methoden an den Tag legt und oft mehr als ruppig mit den Hunden umgeht, den Menschen aber zeigt, wie sehr sie ihren Hund vermenschlichen und das zum Nachteil der Hunde. Gewisse Formen der Korrektur, wie er sie durchführt, finde ich kritisch. Leinenruck geht in meinen Augen gar nicht. Konsequenz, wie er sie predigt, finde ich gut.

Und dann gab es da noch die Maja Nowak. Diese hat ihr Konzept der Rudelstellungen angeblich von wilden Hunden übernommen- in Wahrheit gab es diese Theorie schon vorher. Barbara Ertel hat diese Theorie vorher schon angewendet und gelehrt und sie wiederum hat die Theorie der Rudelstellungen von einem Züchter namens Karl Werner erlernt.

Rudelstellung – was ist das eigentlich?

Laut der Theorie von Maja Nowak gibt es im Wurf sieben unterschiedliche Rudelstellungen. Mit dieser wird der Hund geboren, sie ist festgesetzt und lässt sich nicht verändern. Die Hunde teilen sich auf in Leithunde, (vordere und hintere) Wächter, Kundschafter und Zentralhunde. Jeder Hund hat also seine Aufgabe im Rudel. Wenn der Mensch nicht weiß, welche Stellung der Hund im Rudel hat, kann er ihm nicht gerecht werden und der Hund wird unglücklich.

Die Theorie an sich fand ich spannend, also begann ich zu analysieren, welcher Typ Moe sein könnte. Ein Leithund, weil er Dinge für sich entscheidet? Könnte sein. Er ist aber nicht souverän genug. Vielleicht ein vorderer Wächter? Er warnt uns vor Gefahren, stimmt. Oder vielleicht auch ein Kundschafter? Schließlich läuft er immer vor und kundschaftet das Gelände aus. Ehrlich gesagt, weiß ich bis heute nicht, welcher Typ Moe ist. Ist das nachteilig für den Hund? Anhänger dieser Theorie werden sagen, ja.

Überlagert die Rudelstellung den Charakter?

Kritisch finde ich die Aussage, dass Welpen von Anfang an nicht in Kontakt mit anderen Welpen kommen dürfen, deren Stellungen nicht zueinander passen. Oder das solche Hundetrainer wie Frau Ertel meinen, dass zwei Hunde die in einem Haushalt leben, getrennt werden müssen, da sie ja von der Rudelstellung auf gar keinen Fall zusammen passen – selbst wenn sie friedlich miteinander leben. Außerdem würden Rudelstellungen alle anderen Eigenschaften wie Charakter und Rasse überlagern.

Ich teile das Konzept der Rudelstellungen nicht. Vielmehr denke ich, dass Hunde durch Charakter, Erfahrung und vor allem durch Prägung zu den Tieren werden, die sie sind – ähnlich wie wir Menschen. Hunde sind Spezialisten in der Anpassung, aber auch im Menschen lesen. Natürlich gibt es Hunde, die gelernt haben, ihre Menschen auf die ein oder andere Art und Weise zu manipulieren. Das hat meines Erachtens aber nichts mit der Rudelstellung zu tun, sondern das der Hund für sich gelernt hat, wie er zum Ziel kommt. Und ein Hund ist lernfähig: wenn der Mensch sein Verhalten ihm gegenüber ändert, ändert sich auch das Verhalten des Hundes. Das passiert meiner Meinung nach aber nicht dadurch, dass ich weiß, welche Stellung mein Hund in einem Rudel hätte und ihn entsprechend behandle.

Zu Frau Ertel haben die Krautreporter einen interessanten Bericht geschrieben, den ihr hier finden könnt.
Habt ihr euch mit der Rudelstellung auseinander gesetzt, lebt ihr vielleicht sogar danach? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht und wie setzt ihr das um?

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