Reisen mit dem Seniorhund: Gesundheitsprobleme

Reisen mit altem Hund

Die Gesundheit und Moe. Ein Thema, über das ich grundsätzlich nicht gerne spreche und vor allem auf Social Media gern ausklammere. Es gibt nur selten Momente, in denen ich mal darüber schreibe, wie es Moe geht und welche Weh Wehchen ihn plagen.

Das hat natürlich Gründe. Einerseits weiß ich, dass viele Menschen traurige/anstrengende Geschichten nicht gerne lesen. Dazu kommt noch, dass ich selbst mich nicht noch mehr davon herunter ziehen lassen möchte, wie es Moe geht – ich verdränge viel lieber.

Zudem gibt es leider haufenweise Experten im Internet. Und hier meine ich nicht diejenigen, die uns mit vielen, wertvollen Tipps versorgen, die (zu Recht) Kritik äußern und die mit höflichen, sachlichen Argumenten schreiben oder uns ganz lieb trösten – nein, ich meine diejenigen, die grundsätzlich zu allem eine Meinung haben, andere Meinungen nicht akzeptieren und mir das Gefühl geben, der größte Tierquäler der Welt zu sein.

Reisen mit altem Hund
Reisen mit altem Hund

Ich weiß, dass meine Meinung zu einigen Dingen nicht unbedingt eine besonders harmonische Betrachtung ist und das ich sicherlich für den einen oder anderen zu hart bin. Vielleicht gehe ich dem einen viel zu selten zum Tierarzt und dem anderen viel zu häufig.

Ich fühle mich manchmal nicht stark genug, um mich mit den Meinungen anderer auseinander zu setzen- und das ist der Grund, warum dieser Blogartikel erst jetzt kommt.

Moe ist doch noch gar nicht alt!

Moe ist ein Senior. Mit 10 Jahren ist das so, Punkt. Auch wenn viele immer wieder zB bei Instagram kommentieren, dass ich ihn doch bitte nicht Opi nennen soll oder sich nicht daran gewöhnen möchten „weil er doch noch so agil aussieht“ – Moe ist das alles nicht.

Er ist kein agiler Jungspund, schon lange nicht mehr. Und wenn ich ihn in den 10 Minuten, die er alle paar Wochen mal hat, in denen er herum rast, sich ein Loch in den Bauch freut und über alle Backen grinst, fotografiere, ja, dann vermittelt das einen falschen Eindruck. Aber einen, den ich gerne in Kauf nehme.

Reisen mit altem Hund
SO sehe ich Moe. Jeden Tag vor meinem inneren Auge.

Ich habe natürlich auch andere Fotos von Moe, aber die zeige ich nicht. Weil sie mir selbst unter die Haut gehen. Ich möchte, dass ihr Moe so seht, wie ich ihn sehe: Voller Leben, gut gelaunt. Macht ihr Fotos von euch, wenn ihr so richtig eklig drauf seid oder wenn es euch schlecht geht? Und stellt die online? Ich denke nicht.

Das bedeutet aber nicht, das es diese Tage nicht gibt. Und: Das sie seit langem die guten Tage überwiegen. Moe hat viele „Durchhänger“ wie ich sie nenne. Tage, an denen er nicht sonderlich motiviert ist, Tage, an denen er vielleicht Schmerzen hat, müde ist, vor allem ruht oder futtert. Er ist 10 Jahre alt! Hey, da darf das so sein.

Also: Moe ist ein Opi. Selbst wenn er an manchen Tagen trotz Schmerzen lieber Primaballerina spielt.

Moe und seine HD

Die größte Baustelle ist natürlich Moes Hüftgelenksdysplasie (HD). Sie begleitet uns nun schon so lange, dass sie kein Schreckgespenst mehr ist, sondern eher ein ständiger Begleiter. Einen, den man nicht besonders schätzt, der aber bleibt.

Moe hat Arthrose in beiden Knien. Das hat der Arzt das letzte Mal mehr als deutlich gemacht, in dem er Moe auf fieseste Art zum Schreien gebracht hat. Wir haben die Arthrose nicht verhindern können.

Die HD, die Arthrose – beides sorgt für Einschränkungen. Durch die HD hat Moe nie ein normales Hundeleben gehabt, einerseits. Andererseits haben wir ihn immer alles machen lassen, was er gern wollte – inklusive springen. Wir haben es nicht gefördert, haben es beim Spielen immer versucht zu vermeiden, aber haben ihn machen lassen.

Reisen mit altem Hund
Wenn er rennen möchte, soll er rennen.

Ein Leben ist doch nur dann etwas wert, wenn man es lebt, oder? Und so durfte Moe mehr oder weniger ein normaler Hund sein – mit den Einschränkungen, die für uns aber kaum welche waren.

Wäre Moe ohne HD weniger schwimmen gegangen? Definitiv nicht. Hätte Moe ohne HD ein Agility-Meister werden können? Vielleicht. Die Wahrscheinlichkeit ist aber eher gering, bei meiner Aversion gegen Hundeplätze und Meisterschaften.

Es ist, wie es ist. Moe knickt häufiger weg. Wir haben die Gassirunden angepasst, keine riesigen Runden auf einmal, keine Wandertouren mehr. Dafür viele kleinere Spaziergänge über den Tag verteilt (mittlerweile sind wir bei 4-5 Runden) in seinem Tempo.

Reisen mit altem Hund
Und wenn er Pausen braucht, bekommt er die.

Moe hat sicherlich manchmal Schmerzen. Wir haben uns dafür entschieden, bei unser Rückkehr mit dem Arzt über eine dauerhafte Gabe von Schmerzmitteln (gering dosiert) zu sprechen. Eventuell rauben wir ihm damit Lebenszeit, das ist mir absolut bewusst. Dennoch: Lieber ein kürzeres Leben ohne, als ein längeres unter ständigen Schmerzen. Das hat er nicht verdient.

Moe und seine Blasenprobleme

Wir hatten diese Art Problem das erste Mal im letzten Jahr. Moe hatte sich (so dachten wir) unterkühlt und konnte nicht richtig pinkeln. Egal, welche Anstrengung er unternahm, es kam einfach nichts.

Mehrfach in der Nacht machte er uns wach, wir gingen mit ihm hinaus. Irgendwann kam dann etwas, dann wurde es immer mehr – bis er wieder normal pinkelte. Für uns war das das Zeichen: Vielleicht hatte er sich etwas geklemmt oder irgendwie unterkühlt, aber nun ist alles wieder in Ordnung.

Reisen mit altem Hund
Reisen mit altem Hund – es geht.

Dann ging es für uns nach Schweden. Hier bekamen wir das Problem ein zweites Mal. Abends auf der Runde konnte er plötzlich nicht mehr pinkeln. Nichts zu machen!

Dafür gingen wir mehrere Male in der Nacht mit ihm hinaus, ohne Erfolg. Eigentlich wollten wir am nächsten Tag den Tierarzt ansteuern. Ich massierte ihm die Blase und die Hinterbeine – mit Erfolg.

Reisen mit altem Hund
Reisen mit altem Hund

Kurz darauf pinkelte er wieder ganz normal, hob sogar sein Bein.

Wir bekamen damals viele Tipps, da mich das Thema nicht in Ruhe ließ und ich beschloss, bei unserem nächsten Aufenthalt in Deutschland zum Tierarzt zu gehen – vor allem, wenn es da nochmal passieren würde.

Aber: Nichts. Keine Probleme, also ließen wir das Thema auch wieder ruhen und fragten beim Tierarzt nicht danach.

Natürlich musste es uns verfolgen. Wir hatten im Januar 2 weitere dieser Zwischenfälle, beide Male mit komplett unterschiedlichen Vorzeichen (bei dem ersten Mal hatten wir am Tag vorher lange gespielt, also vielleicht Überlastung, beim zweiten Mal war vorher kein Freilauf, kein Spiel, wenig Belastung).

Wir können das Thema nicht länger ignorieren, ich muss mich damit (und mit der Wahl eines neuen Tierarztes) beschäftigen.

Diese Woche trat es auch wieder auf. Moe konnte heute Mittag einfach nicht mehr pinkeln. Das hielt etwa eine Stunde an – danach war es wieder annähernd normal. Er hatte eine Schmerztablette bekommen.

Wir werden nun definitiv einen Tierarzttermin in Deutschland machen und sobald wir wieder zurück sind, wird Moe genauestens durchgecheckt. Ich bin gespannt, welchen Grund es für Moes Blasenprobleme gibt, denn aktuell kann ich mir keinen Reim darauf machen.

Reisen mit dem Seniorhund: Alles andere als bequem.

Wir wussten vorher sehr wohl, worauf wir uns einlassen und das wir genauso lange reisen werden, wie es für uns alle passt. Aktuell empfinde ich es noch immer als großes Glück, dass wir so leben können, wie wir es uns vorgestellt haben – und die guten Tage mit Moe geben mir Recht.

Es spielt keine Rolle, ob Moe in einer Wohnung in seinem Körbchen herum liegt oder in Portugal in unserem Wohnmobil auf der Couch – oder sogar draußen, auf seiner Matte oder im Gras. Es spielt keine Rolle ob wir fix an einem Ort leben oder nicht. Moe hätte in einer Wohnung genau die gleichen Probleme wie hier – sicher, wir würden vielleicht einmal mehr zum Tierarzt fahren. Vielleicht aber auch nicht.

Reisen mit altem Hund
Reisen mit altem Hund bedeutet Einschränkung.

Natürlich ist es anstrengend, wenn Moe Gespenster sieht. Wenn er nachts häufiger raus will und/oder nicht allein schlafen will und deswegen einer von uns auf die Couch wandert (das Familienbett ist in Planung und wird bei unserem nächsten Aufenthalt in Deutschland umgesetzt).

Ich finde es ätzend, Urin vom Teppich zu waschen, weil Moe nicht einhalten konnte. Ich finde es unheimlich traurig, Moe an manchen Tagen bedröppelt herum liegen zu sehen, weil ihm die Kraft fehlt. Ihm in die immer trüberen Augen zu blicken und wirklich den alten Moe zu sehen.

Ganz besonders schlimm sind die Momente, wenn er loslaufen will, aber die Gelenke nicht richtig mitmachen. Wenn er die Möwen doch nicht verscheuchen kann. Wenn er wegknickt. Wenn er langsam hinter uns herläuft und nicht mehr mitkommt. Ja, die schwarze Wolke hängt an manchen Tagen ganz tief.

Aber es gibt sie auch, die Lichtblicke. Tage, an denen Moe das Leben in vollen Zügen genießt. Sich nicht mehr einkriegt vor Freude, sich wälzt, hüpft, lacht, läuft. Die Augen strahlen und er mir voller Inbrunst über das Gesicht schleckt. Er uns sagt: Ich bin da! Ich bin da.

Reisen mit altem Hund
Und solange er so glücklich ist, reisen wir weiter.

Ich hoffe, ihr könnt nachvollziehen, warum ich mich mit Moes Gesundheitsproblemen und Themen zum Alter auf diesem Blog eher zurück halte. – Tipps sind gern gesehen. Mit Kritik, ist sie sachlich formuliert, kann ich umgehen. Aber ich werde mich nicht rechtfertigen, was wir wann, wie tun.

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