Motz-Bertha und ihr Hund

Motz-Bertha und ihr Hund

Ich bin ein Morgenmuffel. Vor dem ersten Kaffee geht absolut gar nichts. Ich hasse es, früh aufzustehen. Ich hasse es, morgens reden zu müssen. Und ich finde es furchtbar, wenn Menschen morgens schon gut gelaunt um mich herum tanzen.

Von zu Hause zu arbeiten, war eine der besten, wenn auch schwierigsten Entscheidungen. Nicht immer ist es leicht, oft ist es deutlich anstrengender und um 17 Uhr Feierabend gibt es schon lange nicht mehr. Freie Wochenenden? Selten. Ein Urlaub, ohne an die Arbeit zu denken? Unmöglich.

Aber ein paar Dinge haben sich gewandelt.

Lass mich in Ruhe motzen! – Vor der Selbstständigkeit

Wenn ich morgens motzig bin, meine ich das natürlich nicht böse. Es ist meine Art, wach zu werden und aufzustehen. Bevor ich nach meiner Ausbildung ins Home Office wechselte, war es echt eklig. Ich stand zwischen halb fünf und fünf auf, machte mich fertig. Die erste Zeit stieg ich in den Bus, in den Zug, dann wieder in den Bus.

Irgendwann stieg ich ins Auto und fuhr mit meiner Fahrgemeinschaft nach Hamburg. Zugegeben: Manchmal vermisse ich die Zeit. Vor allem aber wegen meiner lieben Arbeitskollegin, die morgens genauso drauf ist wie ich: Kaffee und Schnauze halten. Es tut gut, wenn man jemanden um sich hat, der genauso tickt…

Sonnenaufgang ist schön. Im Winter. Um 9.
Sonnenaufgang ist schön. Im Winter. Um 9.

Zuhause war ich oft richtig schlecht gelaunt. Ich hatte zu wenig Zeit, war ständig müde und es war einfach zum Kotzen. Freitags um 14 Uhr war zwar Feierabend, aber vor halb vier war ich trotzdem nicht zu Hause. Dann einkaufen, putzen – zack, war es Samstag. Ein paar Dinge noch erledigen, schwupps, war schon Sonntag Abend und ich um halb zehn im Bett.

Wenn es einen Rekord im Motzen über die kleinsten Dinge und Anlässe gibt: Ich glaube, den hätte ich locker gebrochen. Ich war so zickig und unzufrieden, das war echt nicht schön.

Ich schleppte mich von Urlaub zu Urlaub, von Überstunde zu Überstunde (um den Freitag frei machen zu können), und hoffte auf schlimme Krankheiten, die mich zumindest 2 Wochen von der Arbeit fern hielten.

Ja, mein Job machte mir eigentlich Spaß. Aber in Wirklichkeit waren es vor allem die Kollegen, die toll waren. Ok, manche von ihnen. 😉 Die Fahrt nach Hamburg, der Stau, die Baustelle, keine Zeit mit den Liebsten zu Hause – es war kacke.

Meine Unzufriedenheit war riesig. Vor allem, weil mein Freund zu Hause war. Den ganzen Tag. Ich war so neidisch. Er konnte alles machen, was er wollte. In Unnerbüx vor dem PC sitzen (tut er nicht. Aber er könnte es!).

Sich mit Moe beschäftigen. Den TV laufen lassen. Essen, wann er will, was er will, zu welcher Zeit er will. Oder einfach mal an den Strand gehen. So stellte ich mir seinen Tag vor.

Zwischendurch noch ein bisschen arbeiten, klar. Aber was kann schon so schwierig sein, wenn man sein eigener Chef ist?

Moe bekam meine Unzufriedenheit natürlich voll ab. Die Zeiten, in denen ich in der Berufsschule war, waren toll. Ich war früh zu Hause, konnte alles mit Moe machen, was ich gerne wollte. Ich blühte voll auf, konnte endlich wieder Hundemama sein.

Ich liebe es, Hundemama zu sein.
Ich liebe es, Hundemama zu sein.

Ich liebe es wirklich. Ich bin durch und durch Frauchen. Respektieren kann ich es, wenn jemand nicht so tickt. Aber verstehen fällt mir schwer. 😉 Als ich also mehr Zeit für Moe hatte, machten wir viel mehr.

Wir fuhren mal weg, gingen größere Runden. Ich dachte mir einiges aus, um Moe zu beschäftigen und unsere Beziehung wurde in der Schulzeit wieder deutlich besser.

Und dann ging es von vorne los. Ich musste wieder nach Hamburg. Alles war für die Katz‘, mir ging es schlecht, Moe war auch nicht wirklich glücklich und die Situation war mehr als doof.

Ich hatte also nur zwei Möglichkeiten: Mich damit abfinden und mich zusammen reißen – oder etwas ändern. Wir entschieden uns gemeinsam für letzteres.

Motz-Bertha geht in die zweite Runde – Willkommen in der Realität!

Ich wünschte, ich könnte jetzt schreiben: „Und über Nacht kam die Zauberfee. Alles war nur noch Glitzerstaub. Alle waren glücklich und lebten froh bis an ihr Lebensende.“

Nee. Die erste Zeit war zwar einerseits toll zu Hause (Moe war die ganze Zeit um mich herum, die Zeit konnte ich mir frei einteilen), aber ich musste viel lernen. Wirklich viel. Vor allem auch menschlich.

Denn: So schön es ist, mit dem Partner zusammen zu arbeiten, die wirklichen Macken des anderen lernt man dann so richtig kennen. Und: Moe war zwar um mich herum – aber trotzdem musste ich ja irgendwie arbeiten. Und so vieles neu lernen.

Willkommen in der Realität.
Willkommen in der Realität.

Ich hab Dennis zwar schon vorher immer unterstützt, aber von gewissen Dingen hatte ich einfach keine Ahnung. Und leider bekam ich auch schnell den Eindruck: Von zu Hause aus arbeiten ist fein. Aber Feierabend? Den gibt es irgendwie nicht so richtig…

Und so ist es bis heute geblieben. Es gibt Zeiten, die wirklich hart sind, in denen die Wochenenden keine Wochenenden sind. Und es gibt Zeiten, in denen wir zwar deutlich mehr Zeit haben  – dann aber das Geld ausbleibt.

Obwohl die Motz- Bertha regelmäßig zuschlägt  (davon kann ich mich einfach nicht frei machen), bin ich doch deutlich zufriedener und entspannter.

Ein paar Dinge gelten immer noch. Ich brauche morgens meinen Kaffee. Ich hasse es, aufzustehen. Ich hasse es, morgens reden zu müssen. Aber nach dem ersten Gassi-Gang mit Moe sieht die Welt gleich viel besser aus. Und mal ehrlich: Auch wenn ich Moe nicht von früh bis spät bespaße, alleine die Tatsache, dass ich immer in seiner Nähe bin, ist purer Luxus. Sowohl für ihn, als auch vor allem für mich.

Die Selbstständigkeit mit Hund, aber auch das Mitnehmen des Hundes an den Arbeitsplatz ist der größte Luxus, den es für mich gibt. Zu wissen, man kann mal eben zum Tierarzt fahren, wenn etwas ist. Man kann sich kümmern. Oder sei es nur: Der Hund muss nicht alleine bleiben.

Auch für den Stressabbau gibt es nichts Besseres: Moe zwingt uns zur Mittagspause. Zu gelegentlichen Streicheleinheiten, die nicht nur ihm, sondern vor allem auch uns, gut tun. Oder fordert zum Spiel auf.

Es gibt aber auch Nachteile. In stressigen Zeiten, wenn das Telefon häufig klingelt, bekommt Moe das voll ab. Da denke ich mir, wäre er als „Nicht-Bürohund“ vielleicht besser dran.

Es würde mir sehr schwer fallen, wieder einen Job anzunehmen, der mich an ein Büro kettet. Deswegen hoffe ich, dass es weiterhin funktioniert für uns und ich genieße die Zeit, so weit es geht.

Motz-Moe & Motz-Bertha verabreden sich auch manchmal.
Motz-Moe & Motz-Bertha verabreden sich auch manchmal.

Motz-Bertha hat trotzdem ab und zu Ausgang – und das ist gut so.

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