Moes Mitarbeitergespräch

Moe der Bürohund - Mitarbeitergespräch

Ich wusste ja, dass es irgendwann wieder soweit wäre. Jedes Jahr habe ich mit meinen beiden Chefs ein MEG (Mitarbeiter-Entwicklungsgespräch).

Klar: Wir alle wollen, dass ich mich gut fühle. Immerhin bin ich der Feel-Good-Manager und für die Bespaßung der Truppe zuständig. Da sollte ich mich natürlich besonders gut fühlen, sonst kann ich meinen Job nicht machen!

In meinem MEG werden immer ein paar Fragen runtergerasselt, die ich beantworten darf. Also sowas wie „Was an deiner Arbeit ist für dich besonders interessant, fesselnd und befriedigend? Was macht dir besonders Freude?“ und so ein Blabla.

Moe der Bürohund - Mitarbeitergespräch
Ist super interessant hier. Ehrlich.

Das Problem bei diesen MEG’s ist ja, dass sie eigentlich nichts ändern. Auch wenn gefragt wird: „Was müsste an deinem Arbeitsplatz verändert werden, damit du deine Stärken noch besser einsetzen kannst?“ – es ändert sich ja doch nichts.

Beispiel gefällig? Meinen Forderungen nach einer Hängematte mit integrierter Schaukel- und Einstiegshilfe wurde genauso wenig stattgegeben, wie der Ballwurf-Maschine und dem Keksautomaten mit Nasen-ID-Erkennung. Nicht mal einen Frischwasser-Brunnen haben wir!

Dafür glubscht die Chefin immer besonders heftig und atmet nervös, wenn sie die Frage stellt: „Welches Wissen möchtest du dir aneignen?“.

Natürlich erwartet sie dann sowas wie: Ich möchte gerne lernen, wie man den Lichtschalter betätigt / die Post aus dem Briefkasten holt / den Arbeitsplatz aufräumt.“ – aber mal ehrlich: Das will ich gar nicht.

Mein Wissen ist da ja längst vorhanden – ich hab nur keine Lust, dieses Wissen abzurufen. Ich bin ja hier nicht der Oberheini.

Gut also, dass sie mir nicht die Frage stellt: „Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten hast du, die du im Moment gar nicht einsetzt?“ – denn sonst müsste ich ja lügen.

Moe der Bürohund - Mitarbeitergespräch
So ein MEG ist ja toll – bringt nur leider gar nichts.

Mein MEG läuft also in etwa so ab:

„Moin Moe. Schön, dass du da bist.“

„Hmpf.“

„Heute steht dein Mitarbeiter-Entwicklungsgespräch auf dem Plan. Hast du dir die Fragen vorab mal anschauen können, die wir gleich durchgehen?

„Hmpf.“

„Cool. Dann fangen wir doch mal an. Was an deiner Arbeit ist für dich besonders interessant, fesselnd und befriedigend? Was macht dir besonders Freude?“

„Ich mag die Pause. Und den Feierabend. Manchmal auch das gestreichelt werden zwischendurch. Und die Leckerlies. Die mag ich. Freude macht mir, wenn der Postbote kommt und ich ihn verbellen kann. Und die Vögel auf dem Balkon verjagen, das macht mir auch Spaß.“

„Äh, ja. Ok… Damit wäre dann auch meine Frage, in welchem Bereich du dein Bestmöglichstes gibst, beantwortet… Gut. Machen wir weiter. Was müsste an deinem Arbeitsplatz verändert werden, damit du deine Stärken noch besser einsetzen kannst?“

„Können wir die Frage überspringen? Das führt doch zu nichts.“

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Ich wünschte, ich hätte meinen Traumjob: Kekstester oder professioneller Katzenjäger. Das wäre es.

„Och, komm schon. Tu mir den Gefallen.“

„Na gut. Ich möchte meinen eigenen Schreibtischstuhl neben deinem Arbeitsplatz. Der müsste so eine Funktion haben, dass man die Rückenlehne zurück stellen kann, damit ich im Liegen arbeiten kann. Du weißt schon. Mehr so wie eine Couch. Nur halt bequem. So mit einer Matratze, wie mein Bett.“

„Du willst also quasi dein Hundebett auf einem Sockel.“

„Naja, nee. Nicht zu hoch, schon so, dass ich da allein hoch und runter komme. Wäre sonst ja auch peinlich. Wobei, jetzt wo du es ansprichst: Es wäre schon schön, wenn mein Arbeitsplatz etwas höher wäre als deiner.“

„Müssen wir nun wieder die Rangordnung klären? Ich dachte, das Thema gibt es nicht bei uns. Wir sind doch alle gleichberechtigt.“

„Und warum sitzt du dann auf deinem hohen Stuhl und ich unten auf dem Teppich? Na? Naaaa?“

Ok, lassen wir das…“

„Hah! Wusste ich es doch. Es führt zu nichts.“

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Mein Arbeitsplatz: Der Teppich. Eine absolute Zumutung.

„Ach Moe. Komm schon. Dann lass uns eben über deine berufliche Zukunft sprechen. Wie du ja sicherlich mitbekommen hast, geht es für uns demnächst ins Ausland…“

„Ja! Und ich bin nicht einig damit!“

„Was hast du denn für ein Problem damit? Das ist doch auch eine Chance, dass du dich weiter entwickeln kannst! Neue Hunde, neue Umgebung…“

„Und genau DAS ist das Problem: Neue Hunde, neue Umgebung, neues Essen! Was ist, wenn ich das alles nicht vertrage? Man weiß doch, dass man im Ausland nicht alles essen kann, was die da servieren. Schwupps, bist du tot. Und überhaupt: Die Toiletten. Was ist, wenn ich das Gras da nicht mag? Gras ist nämlich nicht gleich Gras. HAH! Und Wind! Im Ausland ist es immer windig. Mag ich nicht. Regen mag ich übrigens auch nicht. Und diese Wärme!“

„Ähm… Da finden wir schon eine…“

„Und wo soll ich überhaupt schlafen? Ich liebe mein Bett. In den Flieger steige ich schon mal gar nicht. Und überhaupt – ich hab auch gar keine ausländischen Papiere. Spreche keine Fremdsprache. Hab ich schon das ausländische Essen erwähnt? Nee. Also ich bleib hier. Ich kündige.“

„Moe! Jetzt beruhige dich doch mal. Wir sind alle mit dabei. Es wird alles gut und du wirst es mit Sicherheit lieben! Weißt du noch, dein Auslandseinsatz in Schweden? Das war doch super!“

„Super? Ja, das war ganz ok, aber da war ich auch noch JUNG! Da macht man dieses im Zelt schlafen locker mit. Aber jetzt, auf meine alten Tage – nee. Also ich weiß nicht. Nee.“

„Wir schlafen doch gar nicht in einem Zelt. Das war ja damals quasi sowas wie ein Teambuilding. Und da wir nu ein Team sind, brauchen wir das nicht mehr. Ich verspreche dir auch, dass du dein eigenes Bett bekommst. Und dass das Essen gar nicht so furchtbar wird. Ehrlich.“

„Hmpf.“

„Kommst du also mit?“

„Hmpf. Mir bleibt ja nichts anderes übrig.“

„Super. Ich freue mich. Das war doch wieder ein tolles Gespräch! Vielen Dank für deine Zeit. Und nu: Weitermachen!“

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Feierabend. JETZT!

Tolles MEG. So geht das jedes Mal.

Ein Hoch auf das Bürohunde-Leben!

Ich bin dann mal lieber arbeitslos.

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