Meine Menschenerziehung – gescheitert.

Menschenerziehung voll gescheitert

Ich gebe es zu: Meine Versuche, das Frauchen zu erziehen sind gnadenlos gescheitert. Und aus Gründen der Gerechtigkeit berichte ich jetzt auch mal darüber. Frauchen hat ja schon erzählt, was sie so alles in der Hundeerziehung falsch gemacht hat. Aber: Ich leider auch. Mannomann. Ich hab gedacht, ich als Second-Hand-Hund hätte Erfahrung, weil ich schon durch eine Familie durch bin. Mitnichten, meine Freunde, mitnichten!

Das große Thema: Futter und Naschis

Wusstet ihr, dass man Frauchens nicht durch Leckerlies bestechen kann? Also, es sei denn, ihr habt vegane Hundekekse, dann mag das gehen. Aber sonst? Nee. Rinderpansen wird verschmäht, Rinderhufe werden mit einem Stirnrunzeln beäugt und Markknochen mit einem lauten „iiiiih“ in den Garten verfrachtet. So ist sie, mein Frauchen.

Geteilt wird auch nicht. Jedenfalls nicht so richtig, dabei weiß ich, dass sie das Teilen in der Menschenschule eigentlich gelernt hat. Mit anderen Menschen teilt sie schon gerne (also zumindest meistens) und bringt es ihren Patenkindern auch bei. Mit mir teilt sie nur ganz selten. Ab und zu mal eine kleine Salzbrezel oder ein Gummibärchen – aber das war es auch schon.

Mit Diva hat Frauchen meine Leckerchen geteilt...
Mit Diva hat Frauchen meine Leckerchen geteilt…

Sie sagt, ich soll nicht meckern, schließlich bekomme ich immer die Reste, wenn sie Fleisch zubereitet und es Abschnitt gibt. Und ihre Möhren teilt sie angeblich auch mit mir. Na herrlich. Die hat das echt nicht begriffen. Wie wäre es mal mit ein bisschen Bratensoße? Und ab und an ein paar Nudeln? Ach und übrigens: Fischstäbchen schmecken mir auch, nur damit du es weißt, Frauchen!

Die Höhe ist aber, dass sie meine Leckerlies teilt! Ja wirklich!!! Nämlich mit anderen Hunden! Da ist mir wirklich ganz anders geworden, als ich das heraus gefunden habe. Das Frauchen fotografiert jetzt am Wochenende auch öfter mal andere Hunde und da nimmt die sich TATSÄCHLICH NASCHIS VON MIR MIT! *kreisch* Das mit dem „Meins ist Meins“ und „Deins ist Deins“ ist  noch nicht bei ihr angekommen.

Und kommt mir jetzt nicht mit: „Aber sie bezahlt deine Kekse doch mit ihrem hart verdienten Geld.“ Pfft. Das ich nicht lache. Wenn sie mir mal ein ordentliches Gehalt zahlen würde, dafür, dass ich stundenlang mit ihr kuschle und mich antatschen lasse, könnt ich mir meine Naschis selber aussuchen.

Und mit Ruby auch!
Und mit Ruby auch!

Apropos selber aussuchen: Ich hasse es ja auch, wie sie mein Leben, speziell mein Futter, bestimmt. Irgendwer, ich vermute mal das Internet, hat ihr geflüstert, Hunde müssten frisch ernährt werden, viel Fleisch (r0h), wenig Gemüse und Obst und noch weniger Getreide. Ach ja?! Also ich wäre mit einer großen Nudelportion mit Hack sehr zufrieden! Meinetwegen mehr Kartoffen und Nudeln in den Napf!

Und wo wir schon dabei sind: Hör auf, mir diese harten Knochen zum Knabbern zu geben, ich mag das nicht! Angeblich, weil ich Zahnstein habe. Meine Zähne sind so wie sie sind, sehr gut und Zahnstein habe ich nicht! Ich mag den harten Kram nicht futtern! Knuspern darf es ja, aber gepresste Rinderhautknochen schmecken scheiße. So.

Vom Hören und Sehen eines Zweibeins

Leider hört das ganze Thema nicht beim Futtern auf. Nee. Hören tut sie auch ganz schlecht. Statt mal an die Tür zu gehen, bevor es klingelt! Pustekuchen. Egal, wie laut und ausdauernd ich belle, sie wartet immer ab, bis die Person auch wirklich klingelt. Hallo! Da ist jemand auf unserem Grundstück, du kannst aus Gründen der Höflichkeit gerne mal hingehen! Könnte ja auch wer Doofes sein! Hat sie nicht begriffen. Bis heute nicht. Sie schaut auch noch nicht einmal aus dem Fenster, wenn ich den Nachbarn ankündige, sobald der auf den Hof fährt!

Richtig Glubschen kann sie auch nicht. Im Dunklen hat sie immer eine Taschenlampe dabei. Soll ich euch mal verraten, wie oft ich mich vor meinem eigenen Schatten schon erschrocken habe? Jedes Mal! Da schnüffelt man mal ganz intensiv auf dem Boden und erblickt im Augenwinkel was ganz Monströses. Alarm, Attacke, Nackenhaare hoch! Aber dann ist es nur das Frauchen, dass mit ihrer Taschenlampe nicht klar kommt. Ich pack mir an den Kopp…

Hobbies: Fluchen, Spielzeug und Spazieren gehen

Es ist echt schwierig mit der Tante. Sie hat so extrem viele Macken, ich könnte Bücher füllen (Nee, ich habe keine Macken! Totaler Unsinn, der Artikel neulich von ihr!)! Ich darf andere Hunde nicht anpöbeln. Ok, das habe ich so langsam kapiert. Aber sie darf beim Autofahren fluchen wie ein Kutscher! Unfassbar, oder? Und wehe, ich gebe dann auch meinen Senf dazu, jaha, dann wird aber ganz schnell gemeckert, das sag ich euch!

Sie hat sogar schon einmal angehalten und mich auf einem Rastplatz heraus gelassen, weil sie dachte, dass ich mal ganz schnell muss. Dabei habe ich sie beim Fluchen nur unterstützt (ok, genau genommen habe ich sie die ganze Zeit beleidigt, weil sie so bescheiden fährt. Aber das muss sie ja nicht wissen).

Frauchen kann nicht werfen...
Frauchen kann nicht werfen…

Spielzeug ist noch so ein Thema: Frauchen darf permanent und immer an ihr Spielzeug (Kamera, Bücher, Laptop, Handy) ran. Aber ich nicht! Meines wird weggeschlossen! Ich schwöre beim vierpfotigen Fellgott, wenn ich einen Daumen hätte, ich würde mal für einen Tag ALLES wegschließen! Nur so zum Spaß. Ohne das ganze Zeug wäre sie nämlich total aufgeschmissen.

Apropos Kamera: Seitdem sie das Ding hat, ist sie NUR NOCH AM KNIPSEN. Egal was. Rehe. Pflanzen. Andere Vierbeiner. Mich. Vor allem mich! Nervtröte, dieses Frauchen! Es war die blödeste Entscheidung, Frauchen diese Kamera zu erlauben. Dafür könnte ich mich immer noch in den Schwanz beißen, wenn ich ihn den denn mal zu fassen bekommen würde.

Und hier kommt noch was zum Thema: Wie mein Frauchen mein Leben diktiert. Gassi wird ja nur gegangen, wann sie oder Herrchen das wollen. Und sie bestimmen sowohl die Route, als auch die Länge der Strecke. Sie bestimmen auch, ob wir spielen oder nicht, ob getrickst wird oder nicht und ob die Leine dran bleibt – oder nicht. Stalin wäre stolz auf diese Diktatur.

Spielen kann ich auch nicht richtig mit dem Frauchen, ihr erinnert euch, dass sie da ein bisschen behindert ist. Eine Auffangsstation für solche Menschen habe ich allerdings auch noch nicht gefunden und für das Trainingscamp im Sommer haben sich leider auch nicht so viele angemeldet wie erhofft.

Fazit: Das Frauchen muss weg.

Mir wird wohl doch nur der Rastplatz auf dem Weg in den nächsten Urlaub bleiben – sorry, Frauchen! War schon irgendwie nett mit dir. Aber so kann ich ja nicht ernsthaft dauerhaft mit dir zusammen leben. Du hast so viele Defizite, die bekomme ich in diesem Leben nicht mehr wegtherapiert.

An alle Menschenschützer: Ich habe es versucht. Wirklich. Aber nur Blog-Dog sein und Pfotigramme geben, reicht nicht aus. Hinter jedem fabulösen Hund steckt auch ein fabulöses Frauchen, nur in meinem Fall leider nicht. Ich konnte dieses Zweibein beim besten Willen nicht erziehen. Voll resistent gegen alles, was ich tue. Andererseits: Vielleicht kann ich mein Frauchen doch noch irgendwie für Charity einsetzen? Ich denke mal darüber nach.

Solltet ihr eine Verwendung für mein Frauchen haben, damit ich sie nicht aussetzen muss, könnt ihr mir gerne schreiben (sie ist auch stunden- oder tageweise zu mieten, wegen der Preise sprecht mich gerne an!).

Auch wenn ihr ein Pfotigramm haben wollt oder eine „Mein-Frauchen-ist-eine-weltbeherrschende-schlechterzogene-Dosenöffnerin“ Selbsthilfegruppe gründen wollt: Ich bin dabei – natürlich auch, wenn euer Frauchen ganz anders ist und ich bei euch einziehen darf. Ich würde auch nicht ganz so oft pöbeln. Versprochen.

Nimmst du mich auf? Bitte?!
Nimmst du mich auf? Bitte?!
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12 Gedanken zu „Meine Menschenerziehung – gescheitert.“

  1. *tränenlach* oh Moe! So sind die Frauchen… Erziehungsresistent ist glaube in der Jobbeschreibung dabei. Aber sie gibt sich doch Mühe und wenn du ein paar Abstriche machst, ist sie doch sicher ganz brauchbar. Meinst du nicht?

    Flauschige Umpfötelung
    Shiva Wuschelmädchen

  2. Gut, dass du es endlich mal ansprichst. Ich habe auch so ein furchtbares Exemplar Zuhause. Ständig schreibt sie mir vor, was ich fressen soll und wann wir wo spazieren gehen. Neuerdings darf ich noch nicht mal meine Spielis mit rausnehmen. Manchmal lässt sie mich und manchmal nimmt sie es mir noch an der Tür ab. Werfen kann die olle auch nicht.
    Moe, wir sollten eine WG gründen mit Bratensoße, Spielis und Rock’n’Roll <3
    Deine Queen

  3. Wir können nicht mehr! Ach Moe du bist ein echtes Schreibtalent 😀 super lustig geschrieben!
    Und wir können die sooooo gut verstehen!!! Unser Frauchen hat auch den Stempel: „nicht erziehbar“ auf der Stirn stehen! Wir treten schon lange für eine „Der Napf gehört immer gefüllt“ Initiative ein, aber bis jetzt hat sich da noch nichts getan. Außerdem ist sie Abends doch tatsächlich so dreist und will sich zu uns ins Bett legen! Und auch bei sovielen anderen Dingen können wir dir nur zustimmen! Magst du unser Frauchen nicht auch noch nehmen? Du könntest sie zusammen in ein Gatter stecken und Eintrittspreis verlangen für die „dümmsten Frauchen die es auf der Welt gibt“ dann klappts auch mit dem Leckerlie kaufen!
    Liebe mitfühlende Grüße
    Clara und Rico

  4. Oh Moe, ich habe bei deiner Geschichte Tränen gelacht. Mein Frauchen ist auch Erziehungsresisten. Wenn du eine Selbsthilfegruppe gründen willst, ich bin dabei. Du kannst dich aber auch auf den Weg zu mir machen. Beim Fressen ist mein Frauchen nicht so streng. Die läuft mir sogr mit dem vollen Löffel hinterher. *kicher*

    Wuffgrüße Charly

  5. Mmmh, das ist ja ganz schön hart, lieber Moe, wenn auch sehr lustig. Der Gedanke, dass ihr Fellnasen uns Menschen doch so liebt wie sie sind, lässt mich ganz beruhigt sein und ich werde Socke bestimmt nicht fragen, was sie an mir auszusetzen hat. ;o)

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  6. Hallo,
    ich bin zufälligerweise auf diesen Blockeintrag gestoßen.
    Ein sehr unterhaltsamer Artikel^^. Meine Hündin hätte sich wegen der Diktatur auch beschwert *hust*.
    Allerdings glaube ich eher, dass Moe harte Sachen deswegen nicht gerne kaut, weil er Zahnstein hat. Bei meiner Hündin war das auf jeden Fall so. Nachdem ich ihr eine zeitlang die Zähne geputzt hatte und der Zahnstein weniger wurde, kaute sie auch wieder auf härteren Sachen.
    Lg, Desiree

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