Meine Fehler in der Hundeerziehung

Meine Fehler als Hundefrauchen
Meine Fehler als Hundefrauchen

Als Frauchen habe ich in der Hundeerziehung eine ganze Menge Fehler gemacht. Manche waren mir schnell klar, manche Fehler habe ich bewusst gemacht, andere sind mir über die Jahre erst aufgefallen.

„Da haben wir den Salat.“

Und wie das immer so ist: Manche Fehler beißen einen nach Jahren in den Hintern. Sprich: Das was man falsch gemacht hat, fällt auf einen zurück, die Konsequenzen müssen getragen werden.

Meine Fehler in der Hundeerziehung – ich wusste es doch nicht besser!

Einige Fehler habe ich aus Unwissenheit begangen. Da liest man so viel zum Thema Hundeerziehung und denkt, man weiß doch eine ganze Menge. Und dann kommt das Vier-Pfoten-Tier und belehrt einen eines Besseren. Manchmal ist der Klatscher der Realität ganz schön hart.

Heute möchte ich euch ein paar meiner Fehler in der Hundeerziehung aufzeigen. Nicht, weil ich mich selber besonders gerne an den Pranger stelle oder masochistisch veranlagt bin. Sondern weil ich denke, dass es jedem von euch so geht. Keiner ist unfehlbar. Jeder macht Fehler.

„Der schlimmste aller Fehler ist, sich keines solchen bewusst zu sein.“ (Thomas Carlyle)

Fehler Nr. 1: Mein Haus. Meine Regeln. – Das Alpha-Tier bin ich!

Moe soll bitteschön sozial sein Spielzeug und alles andere teilen. Er soll unsere Regeln im Haus befolgen und AUF KEINEN FALL DENKEN, er wäre der Boss.

Habe ich mich in der Hundeerziehung durchgesetzt? Moe teilt mit mir sein Spielzeug und sein Futter. Ich kann ihm jederzeit alles weg nehmen, er hört auf das kleinste „Aus“. Ich denke, mittlerweile macht er das auch gerne und OHNE eingeschüchtert zu sein.

Unser Spielzeug oder deins?
Unser Spielzeug oder deins?

Mein „Training“: Dafür habe ich Moe immer wieder konsequent den Napf beim Fressen weggenommen, ihm den getrockneten Pansen aus der Schnute gezogen und habe ihn wegen des Ignorierens des Kommandos „Aus“ bei Spielzeug angebrüllt. Ich schäme mich dafür. Jetzt. Damals dachte ich: „Das muss so. Moe muss mich als Alpha wahr nehmen.“ Was war ich dumm, wie naiv, wie bescheuert. Aber das war genau das, was ich in den Büchern las:

„Wenn der Hund nicht weiß, wer der Boss ist, ist er der Anführer!“

Theoretisch könnte ich dieses antiquierte Denken von mir damals mit einem Lächeln abtun. Schließlich habe ich andere Dinge nicht gemacht, beispielsweise habe ich ihm nicht die Nase in seine Pipi gedrückt, als er ein einziges Mal in die Wohnung machte. Ich habe Moe auch nie mit der Leine eins drüber gezogen oder ihn in die Seite geknufft. Aber trotzdem: Ich habe meinen Hund angebrüllt und ihm sein Futter weggenommen. Damit er Respekt zeigt.

Ich kann wohl von Glück reden, dass Moe sich nie gewehrt hat, dass er nicht total eingeschüchtert ist von mir und überhaupt keine Probleme hat, mir seine Sachen zu überlassen, wenn er das entsprechende Wort hört. Moe ist wirklich ein toller Hund, der mir diesen Fehler wohl verziehen hat. Aber erfolgreiche Hundeerziehung sieht anders aus!

Fehler Nr. 2: Falsche Ernährung

Ein Thema, dass einigermaßen schwierig ist. Denn bisher sehe ich die Konsequenzen dieses „Fehlers“ noch nicht und ob sich eine eventuelle Krankheit bei Moe irgendwann einmal auf die Ernährungsfehler, die ich begangen habe, zurück führen lässt, steht in den Sternen.

Aber: Ich weiß es. Ich weiß, dass ich mit Moe eine ganze Odyssee an Fehlernährung durch gemacht habe.

Fangen wir direkt an: Wir hatten von Moes Vorbesitzerin Futter mitgegeben bekommen. Wir dachten, ICH dachte, Pedigree ist sicher besser. Die machen ja immer so eine schöne Werbung mit niedlichen Hunden. Hm. Moe ging es mit dem Futter nicht so gut.

Also die nächste Umstellung. Dieses Mal wollte ich es gleich richtig machen. Las ich doch bei Stiftung Warentest, dass das Aldi-Futter perfekt sein soll. Wurde gekauft. Moe machte überdimensionale Haufen, hatte Hunger, war unglücklich und das Futter schmeckte schon nach ein paar Tagen nicht mehr.

Futter formte diesen Körper.
Futter formte diesen Körper.

Weiter ging es, in den Tierfachhandel. Dort bekamen wir erst das Happy Dog Lamm/ Reis-Trockenfutter. Das schmeckte zwar, aber das Fell wurde schlechter. Vielleicht die falsche Sorte? Also munter weitergemacht mit Happy Dog Hüttenkäse. Nee, schlechte Wahl. Das mochte Moe nun gar nicht fressen. Aber es gibt ja noch andere Sorten: weiter ging es mit dem Nature Croq XXL, das ist extra für große Hunde, damit Moe endlich was auf die Rippen bekommt und gerne frisst.

Was soll ich sagen. Auch das endete mit Verzicht von Moes Seite. Dann kam Nassfutter (Rinti) schön unters TroFu (natürlich Lamm und Reis) gemischt. Super gut für die Verdauung. Schließlich, nach diversen Tests mit anderen Futtersorten, landeten wir bei Markus Mühle.

JA, ZIEL ERREICHT! Moes Fell wurde besser, er hatte keine Probleme, das Futter schmeckte. Aber irgendwie war ich nicht besonders glücklich.

„Soll das alles sein, ein Leben lang nur Trockenfutter?“

Endlich fing ich an, mir wirklich Gedanken um Moes Ernährung zu machen. Ernsthaft über das Barfen nachzudenken. Den entscheidenen Schritt haben wir dann allerdings erst gewagt, als Moe das zweite Mal einen heftigen Ausschlag an der Lefze bekam und Antibiotika bekommen sollte. Da war es dann vorbei mit den Ausreden, Frisches sollte in den Napf.

Ehrlich, das ist auch 9 Monate später noch das Beste, was ich Moe geben konnte. Er ist quietschfidel, keine Allergien mehr, kein schuppiges Fell. Leider hat dieser arme Hund erst  über 5 Jahre Quatsch fressen müssen, bis sein Frauchen mal ihren Kopf angestrengt und ihren Schweinehund überwunden hat.

Fehler Nr. 3: Best Buddies mit Jederhund!

Nun kommt mein wohl gravierendster Fehler. Das Schlimmste, was ich Moe vielleicht antun konnte, denn ich habe nicht nur seine Signale ignoriert, die mehr als deutlich waren. Nein, ich habe ihn immer wieder in Situationen gebracht, die Moe so gar nicht abkonnte bis er sich dann schlussendlich gewehrt hat. Und ich habe alle Tipps zur Hundeerziehung, die ich mal gelesen hatte, konsequent ignoriert.

Andere Hunde brauche ich nicht.
Andere Hunde brauche ich nicht.

Die Rede ist davon: Meine Auffassung war, Moe muss sich mit jedem Hund verstehen, immer auf „Best Buddies“ machen und tiefenentspannt mit anderen Hunden sein.

Ich wollte so einen Hund Typ „Labrador“. Ein Schwanzwedeln hier, ein Kopfnicken da, suuuuuper entspannt. Tja. Diese Rechnung hatte ich ohne Moe und Moe ohne mich gemacht.

Die erste Hundebegegnung im neuen Zuhause hatte Moe mit seinem Herrchen. Diese lief so ab: Herrchen und Moe sind auf einer Wiese. Ein großes Stück weiter weg sind andere Hunde. Herrchen weiß:

„Hundebegegnungen an der Leine sind nicht so gut, also mache ich Moe mal besser los.“

Unsere Flauschkartoffel war damals noch nicht lange bei uns, hatte demnach auch kein großes Vertrauen zu uns. Die Hundemeute kam angelaufen und Moe wusste nicht, wohin mit sich. Erst versteckte er sich noch hinter Herrchen.

Als er aber merkte: „Hey, der macht ja gar nichts, der nimmt mich nicht in Schutz!“ – lief Moe weg. Zum Glück für uns überquerte er nicht die Straße hinter dem Park, aber Herrchen hatte Mühe, unseren völlig panischen Hund einzufangen. Das war Moes erste Erfahrung mit einer Hundegruppe bei uns.

Danach sahen Hundebegegnungen an der Leine so aus, dass Moe sich in einigem Abstand hinlegte und in Ruhe gelassen werden wollte. Und was machten wir? Wir zogen und drückten und schoben unseren Hund hoch!

DER MUSS SICH DOCH BESCHNÜFFELN LASSEN!!!

Was ich über mein Verhalten rückblickend denke, wie ich empfinde, kann ich schwer ausdrücken. Ich schäme mich, gleichzeitig könnte ich mir in den Hintern treten, wie bescheuert ich war.

Wahrscheinlich hätte man genau an dieser Stelle behutsam mit dem Training, mit der „richtigen“ Hundeerziehung anfangen müssen. Stattdessen haben wir abgewartet, bis Moe das Ruder in die Pfote genommen und sich selber verteidigt hat. Ab da ging es schön mit Krawall auf andere Hunde los, vor allem, wenn die auch nur ein bisschen zu nah kamen.

Etwas haben wir an unserer Baustelle mittlerweile arbeiten können. Dies zeigte sich beispielsweise, als Queen zu Besuch war und Moe es gut ertragen konnte, neben Queen spazieren zu gehen. Aber bitte nicht zu dicht heran kommen, danke!

Sicherlich wird das Ganze noch durch Moes Probleme mit der Analdrüse und der Kastration verschärft. Aber:

Wir haben Moe zu dem gemacht, was er heute ist.

Ich bin es, die Schuld an seinem Fehlverhalten ist.

Jeder macht Fehler.
Jeder macht Fehler.

Fazit: Aus Fehlern lernt man.

Alles in allem habe ich einen wundervollen Hund, der mir meine Fehler sicher verzeiht. Zumindest denke ich das, wenn ich mit ihm kommuniziere, er hat keine Angst vor mir, er vertraut mir. Mittlerweile auch bei Hundebegegnungen, weil Moe weiß, dass ich das regele und den anderen Hund wegschicke.

Aber ich kann nicht wirklich damit abschließen. Was wäre, wenn Moe direkt kompetent erzogen worden wäre, wenn ich mir professionelle Tipps zur Hundeerziehung geholt hätte? Wenn ihm die Sicherheit gegeben worden wäre, wenn er jemanden an seiner Seite gehabt hätte, der es einfach besser gemacht hätte? 

Wir sind nicht diese Menschen gewesen, ich bin nicht dieser Mensch, der es richtig gemacht hat. Und so gerne ich die Zeit zurück drehen, mir diesen Hund schnappen und ihn in Schutz nehmen wollen würde, ich kann es nicht. Diese Fehler, die ich aufgezählt habe, sind längst nicht alle. Aber es sind wohl die Schlimmsten.

Ich kann nicht wieder gut machen, was ich verbockt habe, vor allem: Meinen Hund so komplett missverstanden zu haben. Ihn unvorbereitet in Situationen geschmissen zu haben und dann noch ein bestimmtes Verhalten erwarten, war komplett falsch. Sicher, heute würde ich es anders machen. Mehr richtig, weniger falsch. Vielleicht.

Andererseits, es gibt keine zweite Chance. Jeder Hund hat seine Eigenarten, seine Besonderheiten. Moe und ich sind zu einem Team zusammen gewachsen, trotz Fehler. Und wahrscheinlich machen uns genau die aus.

Trotzdem ein Team.
Trotzdem ein Team.
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