Mein Hund, der Stalker

Mein Hund der Stalker

Als Moe damals bei uns einzog, hatte ich mir viele Gedanken gemacht. Die richtige Ernährung, das richtige Körbchen, Halsband oder Geschirr, welches Spielzeug?
Aber auch zum Thema Erziehung waren wir uns schnell einig: Der Hund gehört nicht auf die Couch, nicht ins Bett, soll alleine bleiben können, soll geduldig vor seinem Napf warten, bevor es ans Futter geht und immer hören, wenn man ihn ruft.

Manche Dinge haben super funktioniert. An anderen arbeiten wir immer noch und mittlerweile weiß ich, dass es wohl ein lebenslanges Training- auch für uns- sein wird.

Moe kann wunderbar alleine bleiben, gar kein Problem. Er schläft in der Zeit, wenn wir nicht da sind. Anders sieht es aus, wenn wir da sind. Da möchte er am Liebsten immer und überall dabei sein. Unser Fazit lautete bei Moe also relativ schnell:

Unser Hund ist ein Stalker!

„to stalk“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie jemandem nachstellen, jemanden belauern. Wikipedia beschreibt Stalking sogar als „obsessives und unnormal langes Muster von Bedrohung durch Belästigung gegen ein bestimmtes Individuum gerichtet“. Nun geht das Stalking aber nicht von einer Person, sondern von dem eigenen Hund aus. Da findet man das Verhalten vielleicht noch niedlich, wenn der Hund einem  die ganze Zeit folgt und auf Schritt und Tritt dabei ist. Ich fand das Verhalten ganz und gar nicht niedlich.

Spätestens als Moe immer wieder die angelehnte Badezimmertür aufschob, um zu sehen was da drin eigentlich ohne ihn passiert und er bei geschlossener Badezimmertür anfing, zu fiepen und zu jaulen, wussten wir, dass etwas passieren muss. Da Moe noch nicht lange bei uns war, konnten wir die Weichen für ein zukünftiges entspanntes Miteinander legen.

Das Training

Das bedeutete: immer wieder wurden Türen in der Wohnung vor Moe verschlossen, wir auf der einen Seite der Tür, Moe auf der Anderen. Das war hart, wirklich. Und das Körbchen-Training wurde intensiviert, Moe musste lernen, dass eine Auszeit im Körbchen- und zwar alleine- nicht schlimm war. Unser Glück ist, dass Moe unheimlich verfressen ist und damit war der Kong nach einem langen Spaziergang genau das Richtige. Irgendwann trat dann der Gewöhnungseffekt ein: Moe lernte, es ist gar nicht schlimm, wenn ich mich nach nebenan ins Körbchen verkrieche. Es passiert nämlich gar nichts Spannendes in der Zeit und im besten Fall werde ich noch für das im Körbchen liegen bleiben belohnt.

Rückschläge

Etwas, was zu Hause gut funktioniert, funktioniert nicht unbedingt in einer neuen Umgebung. Das stellten wir fest, als wir umzogen. Neue Wohnung, neue Umgebung, neue Geräusche- da kam der alte Moe wieder durch. Und das Training begann von Neuem. (Fast) alles musste neu gelernt werden, klar, der Schlafplatz hatte sich verändert, die Küche hatte plötzlich keine Tür mehr, also konnte man ja nach Belieben beim Kochen dabei sein. Und Moe wurde wieder unruhig, er schlief wenig, denn er musste ja immer aufpassen. Kurz durchatmen und wieder von vorne. Glücklicherweise dauerte es dieses Mal nicht ganz so lang.

Allerdings: überall, wo Moe zu Gast ist, sei es beim Hundesitter oder zu Besuch bei unseren Familien: er kommt nicht zur Ruhe. Auch im Urlaub in Ferienhäusern, bei denen wir sein Körbchen mit dabei haben, dauert es seine Zeit. Aus dem Grund ist Moe immer total müde, wenn er wieder heim kommt und die „gewohnten Regeln“ gelten. Endlich wieder durchschlafen.
Daran müssen wir noch arbeiten, denn wir sind sehr gerne unterwegs, vor allem in der Camping-Zeit. Aber ich denke, mit ausdauerndem Training wird Moe irgendwann das Zelt auch als einen Ruheplatz empfinden, in den er sich zurück ziehen und entspannen kann.

Endlich ist Ruhe!

Stand heute

Zuhause klappt es wunderbar. Moe ist zu Hause sehr entspannt, nur ganz selten (beispielsweise bei Gästen) müssen wir ihn daran erinnern, dass er sich auch zurück ziehen darf und nicht alles kontrollieren muss. Klar, wenn die Tür vom Bad offen ist, kommt er immer noch gerne rein und legt sich auf die Fußmatte (besonders toll, wenn man aus der Dusche steigen will und dann so ein Fellknäuel davor liegt). Das ist der Teil in der Erziehung, an dem wir Menschen uns selber kontrollieren müssen. Aber eine offene Tür macht noch keinen Stalker. Begrenzungen gibt es nach wie vor. Manche Türen bleiben für Moe einfach mal zu, auch wenn er generell in jedes Zimmer darf. Sein Hauptkörbchen steht im Schlafzimmer, dort ist auch sein Lieblingsplatz, wenn er nicht zu uns auf das Sofa darf. Sonst liegt er auch gerne mal im Arbeitszimmer in der Sonne, selbst wenn dort nicht gearbeitet wird.

Allerdings ziehen wir im Juni wieder um. Sicherlich müssen wir dann wieder von Neuem starten, aber: wir kennen es ja bereits. Und ich bin sicher, dass wir es wieder schaffen werden. Stalking wird es bei uns nicht mehr geben.

Habt ihr einen Stalker zu Hause? Wie geht ihr mit dem Thema um?

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14 Gedanken zu „Mein Hund, der Stalker“

  1. Jaja die Stalker 😀
    Da Joko ja ein waschechter Aussie ist, ist uns das stalken und nachstellen wohl bekannt. Klar ist ja auch ein Hütehund der auf seine Herde aufpassen muss *hust* In der Wohnung sich zu bewegen, ohne dass zumindest ein Auge aufgeht, ist schier nicht möglich. Auch wir haben das inzwischen ganz gut im Griff, in dem hier zu Hause einfach Ruhe herrscht und wir auch mal die Türen zu machen – schließlich braucht Mensch ja auch mal Privatsphäre ohne ständig kontrollierende Blicke 😀

    Weiterhin viel Erfolg und liebe Grüße
    Sophia und Joko




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  2. Hallo Nicole & Moe,
    deine Beschreibung kommt uns hier ziemlich bekannt vor!
    Wir haben auch einen kleinen Stalker zu Hause, was auch Rassebedingt ist, ganz haben wir es nicht „weg bekommen“, wollen wir auch nicht.Weil wir sonst ihr ganzes „Wesen“ umkrempeln müssten. ABER auch wir haben Grenzen – vllt. zugegeben nicht viele, aber es gibt sie 😉 Wenn wir mal nicht zu Hause sind, bleibt Molly im Wohnzimmer mit geschlossener Tür. Das übrigens super klappt – von Anfang an! Wenn wir zu Hause sind, fällt es ihr auch schwer zur Ruhe zu kommen, sie schläft viel aber hat immer den Drang uns hinterher zu gehen,wenn wir aufstehen. Schlafen würde sie am liebsten direkt bei uns, immer mit viel Körperkontakt. Wir machen das wie ihr, immer wieder ins Körbchen zurück schicken und ihr signalisieren, wir bekommen das auch ohne dich gut hin. Ich denke auch, dass wir da noch ein bisschen mehr dahinter sein sollten, aber wir sind dran!

    Liebe Grüße, Rebecca mit Molly




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  3. Interessante Theorie, unter anderem auch deshalb, weil Linda, da ja unter furchtbarer Trennungsangst leidet, dieses von Dir beschriebene Verhalten nicht an den Tag legt. Ganz im Gegenteil, manchmal geht sie von sich aus bereits zum Schlafen ins Schlafzimmer, wenn ich noch lange am Computer sitze… 😉

    Trotzdem habe ich meinen Hund gerne um mich, also im gleichen Raum. Das ist natürlich etwas anderes, als dauernd von ihm belästigt zu werden. Das würde ich auch in geregelte Bahnen lenken.

    LG Andrea




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    • Ich glaube, Moe hat gar keine Angst in dem Moment. Es geht ihm vielmehr um Kontrolle. Unter Trennungsangst leidet er ja gar nicht.
      Und natürlich habe ich meinen Hund auch gerne um mich, genieße das Kontaktliegen und Kuscheln mit ihm. Aber wenn man merkt, dass der Hund sich nicht entspannen kann und jedes Mal aufsteht, wenn man nur mal ein Glas Wasser holt, ist das schon anstrengend- für beide Seiten.

      LG,
      Nicole




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  4. Ich bin wohl eine Teilzeitstalkerin. Ich bin gerne mit dabei und gerade seit dem das Baby da ist und auf dem Sofa liegt, darf ich (wenn kein anderes 2Bein) dabei ist, auch nicht auf dem Sofa bleiben, sondern MUSS überall mit hingehen. Aber abends, wenn ich nur noch schlafen will, da können die 2Beiner hingehen wohin sie wollen – ich bleibe liegen.

    Liebe Grüße
    Abby




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  5. Socke kann zum Glück entspannen, sich zurückziehen und begleitet uns nicht ins Bad. Sie liegt gerne bei mir, was ich liebe. Ja, ich fühle mich dann sehr mit ihr verbunden, bin total entspannt und glücklich. Wenn ich in die Küche gehe und Sockes Futter zubereite, habe ich auch eine Stalkerin. Für mich nachvollziehbar, denn Futter ist so wichtig für Socke und selber beschaffen kann sie es nicht nicht.

    Ein wirklich schöner und offener Beitrag.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  6. Das ist ja spannend. Ein bisschen Stalker steckt wohl auch in mir. Je nach Tagesform trotte ich meinen Zweibeinern hinterher und will sehen, was sie so treiben oder lasse sie einfach vor sich hinwurschteln und halte lieber meinen Schönheitsschlaf ganz für mich alleine. Problematisch oder anstrengend war es bislang noch für keinen von uns, aber die Zweibeiner haben ein wachsames Auge auf mein Stalking.
    Liebe Grüße
    Lotta




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  7. Das ist aber ein blödes Wort…*pffft* Stalker….
    Ich muss doch immer und überall dabei sein… wer weiß was die Zweibeiner wieder anstellen…. Bei mir dauert es auch bis ich zur Ruhe komme….

    Schlabbergrüße Bonjo




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  8. Ein wirklich sehr interessanter Einblick. Ich habe daheim zwei Teilzeit Stalker, sprich wenn sie fit sind, dann wollen sie immer wissen was ich so treibe. Beide wissen aber auch genau, wann sie müde sind und einfach ihre Ruhe wollen. Deshalb gestatte ich ihnen das Dasein als Teilzeit Stalker auch 😉

    Liebe Grüße
    Anna




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  9. Bei Charly geht auch immer ein Auge auf, wenn einer von uns den Raum verlässt. Ins Bad darf er nicht hinein. Auch wenn die Tür offen steht. Was für ihn aber nicht schlimm ist, dann legt er sich eben davor hin. Wir mussten am Anfang auch immer wieder üben.

    Zur Zeit gibt es keine Probleme. Dass Moe beim Umziehen leicht verstört ist, kann ich gut verstehen. Ich brauche auch ewig, bis ich mich an eine neue Umgebung gewöhnt habe. Bei manchen Hunden ist es eben auch so.
    Aber ihr seid auf einen guten Weg und meistert es in meinen Augen sehr gut.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly




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  10. Wirklich nette Anekdote!

    Ich persönlich fand den zweiten Absatz am besten:
    „Manche Dinge haben super funktioniert. An anderen arbeiten wir immer noch und mittlerweile weiß ich, dass es wohl ein lebenslanges Training- auch für uns- sein wird.“

    Ich glaube das kommt so ziemlich jedem Hundehalter bekannt vor. 🙂
    Immer wieder gut zu lesen, dass man nicht alleine damit steht.

    Ich kann Ihnen daher ebenfalls als Feedback geben, den meisten Hundehaltern geht es genauso wie Ihnen! Bleiben Sie einfach am Ball. Kontinuierliche, konsequente jedoch ruhige Erziehung, zahlt sich aus. Das merkt man ja, da eben viele Dinge super klappen und bereits auch gar nicht mehr groß trainiert werden müssen.

    Das es Dinge gibt, die ein lebenslanges Training notwendig machen, jedoch wahrscheinlich nie perfekt klappen werden, scheint immer wieder vorzukommen.

    Vielleicht ist es auch einfach nur wichtig am Ball zu bleiben, damit wir (Menschen) uns am Ende nicht vorwerfen können, wir hätten es nicht versucht. 😉

    Ich für meinen Teil muss sagen, ich bin bei meinem Hund mittlerweile sehr glücklich über die verbuchten Trainings- und Lernerfolge, und versuche den wenigen Dingen, die eben nicht so gut funktionieren, nicht überzubewerten.

    Es kommt aber natürlich auch darauf an, um welche Dinge es sich dabei handelt.

    Noch als Anmerkung: Netter Blog! 😉




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  11. Wir haben mit Luri auch so einen Stalker 😀
    Ich konnte uns direkt wiederfinden in Deinem tollen Artikel. Meine Eltern haben Luri daher immer liebevoll Schatten genannt, denn sobald ich irgendwo hin ging Lur sprang auf und tippelte hinter her. Anfangs war das so schlimm, dass er mir sogar innerhalb des Zimmers hinter her lief, ja selbst aufs Klo ging ich nie allein…immer hörte ich meine Eltern „Dein Schatten kommt“ 😀
    Das schlimmste war jedoch in der ersten Woche wo ich wieder auf Arbeit gefahren ist – mein Dad hatte die Bürotür offen gelassen und Lur wollte mir hinter her…zum Glück konnte das Auto rechtzeitig bremsen. Das Positive: Lur hat prompt gelernt an der Türschwelle stehen zu bleiben.
    Mit der Zeit hat er mehr und mehr gelernt, dass ich wieder komme und allein sein nicht schlimm ist.
    Luri ist genau wie Moe nach Urlauben immer total übermüdet. Ich hab das nie in Verbindung gebracht, dass er ja zu Haus in gewohnter „Sicherheit“ ist durch die geltenden manifestierten Regeln, die er natürlich mit seiner Umgebung verbindet.

    Alles Liebe an Euch
    Luri und Anja




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  12. Hallo Nicole!

    Der Beitrag ist schon älter, da wir das gleiche Thema aber aktuell auch haben, dachte ich, ich schreib trotzdem mal einen Kommentar. Lucky hat sich auch angewöhnt, uns (vor allem mich) zu kontrollieren. Das ging in der Wohnung los und äußerte sich draußen, indem er meinte, alles regeln zu müssen und vor allem andere Hunde ordentlich verbellte und aggressiv wurde.

    Also Training. Das Hundekörbchen raus aus dem Flur, eins im Wohnzimmer, eins im Büro. Jetzt soll er auf das gehen, was wir ihm zuweisen und dort bleiben. Ein bleib ist ein bleib. Das dauerte etwas, er hat über ein Jahr immer im Flur gelegen. Küche, Bad und Schlafzimmer sind sowieso tabu, Lucky hat sich dann aber davor gelegt und beobachtet. Auch das gibt es nicht mehr. Er hat gelernt, dass er liegen bleiben kann, wenn wir aufstehen. Natürlich schaut er dann, aber er kann sich immer öfter entspannen.

    An Hundebegegnungen arbeiten wir noch, aber er geht außerdem an der kurzen Leine nicht mehr vor uns und überholt. Dann drehen wir einfach um, bis er wieder an unserer Seite ist. Um Ecken lassen wir ihn nicht zuerst gucken, das machen wir. Und wenn ein Kumpel kommt wird solange gewartet, bis er vor uns steht. Dann kann man ihn begrüßen.

    Wir schauen mal, was es an der Aggression ändert, ich bin gespannt. Auf jeden Fall ist er schon viel entspannter in der Wohnung, das ist gut.

    Liebe Grüße
    Meike und Lucky




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