Rezension: Mehr als nur ein Hund. Ein Buch zur Trauerbewältigung

Das Sterben gehört zum Leben untrennbar dazu. Trotzdem: Eigentlich möchte sich keiner so richtig darüber Gedanken machen. Vor allem möchten die wenigsten darüber nachdenken, dass auch ihr Vierbeiner einmal sterben wird.

Wir haben uns darüber Gedanken gemacht. Nicht weil wir denken, dass Moe ganz bald sterben wird, sondern weil ich finde, dass es wichtig ist. Das es genauso zum Thema Zusammenleben mit dem Hund gehört wie alle anderen positiven Dinge (Carola von Deco und Pippa hat sich neulich mit dem Thema Bestattung auseinander gesetzt, ihren Artikel findet ihr hier).

Gemeinsamer Weg
Gemeinsamer Weg

Ich möchte, dass Moe schmerzfrei ist und bleibt. Ich möchte, dass er, wenn er von uns gehen muss, dass nicht in einer Klinik tun muss. Sondern zu Hause, in seiner gewohnten Umgebung. Und ganz sicher wird Moe dabei nicht alleine sein, ich werde ihn immer und auf allen Wegen begleiten. Auch auf seinem letzten.

Wir wissen, dass Moe verbrannt werden soll. Seine Asche möchten wir mitnehmen, diese soll am Strand verstreut werden. Nein, ich werde seine Asche nicht bei mir behalten, denn Moe ist ja nicht mehr da! Aber ein paar Erinnerungsstücke, die werden bleiben.

Mehr als nur ein Hund – Ein Erinnerungsbuch

Dankbare Erinnerung
Dankbare Erinnerung

Es gibt Bücher, nach denen sucht man nicht. Diese Bücher finden einen. Und obwohl das Thema Tod bei uns aktuell überhaupt nicht in greifbarer Nähe ist, habe ich mich doch für dieses Buch entschieden. Anne Seven hat mit „Mehr als nur ein Hund – Ein Erinnerungsbuch“* (Gütersloher Verlagshaus) eine wunderschöne Idee gehabt.

Der Tod seines geliebten Vierbeiners ist sicherlich nicht einfach zu verkraften. Manchmal ist das Umfeld auch wenig verständnisvoll, denn wie oft höre auch ich den Satz: „Es ist ja nur ein Tier, es ist ja nur ein Hund.“ Das dies eben nicht so ist, stößt bei dem einen oder anderen nicht auf Verständnis.

Wie geht man also mit seiner Trauer um, wenn es keinen gibt, der sie nachvollziehen kann? Eine Möglichkeit ist so ein Erinnerungsbuch.

„Manchmal sitzen sie vor dir, mit Augen, so hinschmelzend, so zärtlich und so menschlich,
dass sie dir beinahe Angst machen, denn es ist unmöglich zu glauben, dass da keine Seele in ihnen ist. (Théophile Gautier)

Gefüllt mit vielen Zitaten, Geschichten und Weisheiten von Arthur Schopenhauer, Franz Kafka, Hildegard von Bingen und vielen anderen, lässt es auch jede Menge Raum für eigene Erinnerungen und Geschichten.

Das Buch beginnt natürlich mit dem Namen und dem Foto des Hundes, es folgt die Möglichkeit, die Geschichte zu erzählen, wie der Vierbeiner zu einem kam. Allein für diese Geschichte ist auf 4 Seiten Platz.

Schwere Entscheidung

Es gibt ein Kapitel zum Thema „Einzigartigkeit“ des Hundes, „Gemeinsame Erlebnisse“, Vorlieben, Schwächen, Spitznamen und Lieblingsfressen, bzw. Leckerlies. Aber nicht nur das, es findet sich auch Platz, um einzutragen, welche anderen Menschen ganz besonders wichtig für diesen Hund waren, dem gedacht wird und was diese Menschen über den Hund gesagt haben.

Für die Trauerbewältigung und dem so wichtigen „sich damit befassen und auseinander setzen“ gibt es ein Kapitel zum Thema „Nun bist du fort“. Dort können die Umstände, der Ort und der Zeitpunkt des Todes beschrieben werden. Wahrscheinlich das schwierigste Kapitel, denn dieses ist auch das endgültigste.

Jeder Hund ist einzigartig
Jeder Hund ist einzigartig

Es geht um die letzte Ruhestätte, um Schwierigkeiten, um das Bedauern (Das hätte ich gerne anders gemacht). Aber auch darum, was man dem Hund gerne noch gesagt hätte. Daraufhin folgt Platz für eigene Erinnerungen, für einen letzten Pfotenabdruck, Fotos und / oder ein bisschen Fell…

Fazit: Ein Erinnerungsbuch, dass schon zu Lebzeiten sinnvoll ist

Alle Kapitel des Buchs werden durch wunderschöne Geschichten und Zeilen umrahmt. Die Worte geben einem das Gefühl, nicht alleine zu sein mit seiner Trauer und es ist sehr berührend.

Platz für Geschichten
Platz für Geschichten

Ich musste beim ersten Durchblättern sehr schlucken, denn natürlich denke ich sofort an mein Mufflon und daran, wie es wohl ist, wenn ich seine Pfoten nicht mehr tapsen höre. Es ist ein wahnsinnig schwieriges Thema.

Das Erinnerungsbuch ist für mich toll umgesetzt, ohne dabei allzu kitschig zu sein. Im Gegenteil, gerade das doch sehr schwierige Kapitel „Nun bist du fort“ ist toll umgesetzt.

Für wen ist dieses Buch?

Ich finde, dass es ein Erinnerungsbuch ist, welches durchaus schon zu Lebzeiten teilweise gefüllt werden kann. Vor allem die gemeinsamen Geschichten geraten so nicht in Vergessenheit.

Das ist natürlich auch der Grund, warum es diesen Blog gibt. Trotzdem: So ein Buch ist für mich allemal persönlicher, es ist privater, es ist zum Anfassen. Ich kann kleine Erinnerungsstücke hinein kleben und es ist nicht von einer funktionierenden Internetverbindung abhängig.

Daher bin ich sehr glücklich, dass es dieses Buch zu mir geschafft hat. Das Erinnerungsbuch ist etwas für Menschen, die sich wirklich mit ihrer Trauer auseinander setzen wollen, die sich damit beschäftigen möchten und die sich an ihren Hund erinnern wollen, indem sie dafür dieses Buch in die Hand nehmen.

Und jetzt muss ich mich mal ganz schnell an weiches Hundefell kuscheln.

Trauerbewältigung

*Affiliate-Link, dieses Buch wurde mir freundlich zur Verfügung gestellt vom Gütersloher Verlagshaus

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3 Gedanken zu „Rezension: Mehr als nur ein Hund. Ein Buch zur Trauerbewältigung“

  1. Ich könnte mir jetzt nicht vorstellen dieses Buch zu Lebzeiten von Socke zu füllen. Ich schaffe es noch nicht einmal, die Dinge, die ich für Socke gekauft habe und die ich nicht mehr brauche abzugeben. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas heraufbeschwöre, was bitte noch ganz lange nicht eintreten soll. Aber nach dem Tod des gelibten Tieres ist das sicher eine feine Sache, wenn einem die Erinnerungen, wie der Blog und die Erinnerungen im Herzen nicht genügen.

    Ich wünschte, dass Socke in hohem Alter in meinen Armen einschläft, gerne auch zu Hause. Ich wünschte, wir hätten ausreichend Zeit um Abschied zu nehmen…Socke soll auch verbrannt werden und sie soll immer bei mir bleiben, ob in einer Urne, in einem Schmuckstück oder ähnlichem, das weiß ich noch nicht.

    Ein trauriges Thema, aber wie Du richtig sagst, der Tod gehört zum Leben dazu….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  2. Das Erinnerungsbuch ist eine wunderbare Idee. Leider fällt es nicht immer leicht Abschied zu nehmen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, für meine Fellnase so ein Erinnerungsbuch anzulegen.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

  3. Liebe Nicole,
    wirklich ein ganz, ganz toller Beitrag [auch wenn mir allein beim Lesen schon wieder Tränen über die Wangen kullern] *schnief*

    Aber wie du schon geschrieben hast: Auch das Abschied nehmen und Sterben gehört zum Leben untrennbar dazu und gerade weil Chilli dem Tod ja quasi schon einmal im letzten Moment von der Schippe gesprungen ist, ist dies ein sehr, sehr schweres Thema für mich (für viele andere ohne so eine Vorgeschichte sicherlich auch, keine Frage)

    Oft ertappe ich mich dabei, wie ich versuche das Thema „wegzuschieben“, so ein bisschen nach dem Motto: „Chilli ist wieder fit und so voller Lebensfreude…warum jetzt nicht einfach die gemeinsame Zeit in vollen Zügen genießen?…“
    Für mich ist es einfach nicht vorstellbar, ohne meine über alles geliebte Seelenhündin zu leben, auch wenn mir bewusst ist, dass auch dieser Tag einmal kommen wird… 🙁

    Umso schöner finde ich es, dass du uns auf eurem Blog auf dieses tolle Buch aufmerksam gemacht hast, eben weil man es schon zu Lebzeiten des Vierbeiners mit schönen und unvergesslichen Erinnerungen befüllen kann und es die Trauerarbeit so dann später zu gegebenem Zeitpunkt vielleicht ein Stück weit erleichtern kann.
    Ich werde jedenfalls gleich mal auf die Suche nach diesem Buch im Netz gehen und bin dir sehr Dankbar für diesen wunderbar verfassten Beitrag, welcher zwar sehr ergreifend ist, aber eben wie schon geschrieben auch dazu gehört. 😉

    <3- lichst
    Jule mit Chilli

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