Maulkorbtraining

Maulkorbtraining

Maulkorb. Dieses Ding, mit dem jeder niedliche Hund zum Kampfbeißer stigmatisiert wird. Das Teil, das aus einem Rottweiler-Mischling mit „sowieso-schon-schwarzem-Bollerkopf“ ein Monster macht. Und genau daran sollte ich Moe gewöhnen. Maulkorbtraining für Anfänger stand an, denn: Wir wollten mit der Bahn unseren Urlaub auf Sylt antreten.

Ja genau. Für einen Urlaub stand an erster Stelle das Maulkorbtraining. Die Zielvorgabe: Moe sollte während der Bahnfahrt (ca. 3,5 Stunden) die ganze Zeit den Maulkorb tragen, ohne ihn sich selber permanent ausziehen zu wollen. Im besten Fall würde er entspannt in der Bahn liegen. Wir hatten 2 Wochen zum Üben – sportlich, wenn man bedenkt, dass wir nicht die großen Trickser und alles andere als konsequent sind.

Welcher Maulkorb darf es denn sein?

Böser, böser Hund
Böser, böser Hund

Ich wusste, dieses Mal kann ich mich nicht drücken. Dieses Mal würde es wirklich heißen: Jeden Tag üben, ohne Ausnahme. Vorab musste ich mich aber erst einmal für einen Maulkorb entscheiden, und wie das so ist: Ich hatte die Qual der Wahl.

Da ich zu 90% im Internet kaufe, wurden sämtliche Modelle verglichen. Den von Bumas fand ich schön, aber viel zu teuer für den Anfang. Schließlich wusste ich nicht, ob Moe sich überhaupt von dem Korb überzeugen lassen würde und zweitens hatte ich auch ein bisschen Angst davor, falsch auszumessen.

Ein Maulkorb mit Metall kam definitiv gar nicht in Frage, viel zu gefährlich sah mir das Ding aus und auch gefühlt zu schwer. Eine Maulschlaufe ist kein Maulkorb und kam daher auch nicht in Betracht.

Meine Bedingungen waren also: Relativ leicht vom Gewicht, unauffällig, Moe soll locker hecheln, trinken und Leckerlies futtern können. Außerdem sollte der Maulkorb flexibel und nicht starr sein.

Sehe ich nicht gemein aus?
Sehe ich nicht gemein aus?

Gar nicht so leicht. Nach ein bisschen Recherche fand ich den Baskerville Ultra Maulkorb* von Company of Animals. Ich entschied mich für die Größe 5 für Schäferhunde und Rottweiler, die letztendlich auch passen sollte. In den Bewertungen las ich, dass man vorsichtig sein und den Korb genauestens kontrollieren sollte: Manchmal befinden sich am oberen Teil des Maulkorbs scharfe Kanten, die dann die Nase des Hundes verletzen würden.

Da ich es aber als Versuch betrachtete, wollte ich den einfach mal testen. Denn auch preislich fand ich ihn akzeptabel und er hatte eine Menge guter Bewertungen.

Wiegen sollte der Maulkorb 260 Gramm und durch das Hineinlegen in heißes Wasser kann der Kunststoff so geformt werden, dass er passt.

Der Maulkorb kann durch 3 Verschlüsse am Hund gesichert werden, einmal ganz normal hinter den Ohren, dann zwischen den Augen entlang an den Hinterkopf und einmal unten am Halsband. Wir haben jedoch nur einen Verschluss genommen und alle anderen abgemacht.

Maulkorbtraining: Packen wir es an!

Nachdem der Maulkorb also geliefert und auch sichergestellt war, dass er passt und keine harten Kanten hat, konnte das Training beginnen.

Moe mit Maulkorb
Moe mit Maulkorb

Gerne hätte ich es mit dem Klickertraining versucht, aber da wir das schon mehrfach angefangen und nicht durchgesetzt haben, entschied ich mich aufgrund der Kürze der Zeit (Erinnerung: 2 Wochen!) dagegen. Ich wollte es auf dem klassischen Weg machen: Gaaaaanz viele Leckerlies, Loben und Wiederholungen.

Also hielt ich Moe den Maulkorb mit einer Hand hin, in der anderen hatte ich kleine Käsestückchen, die ich ihm durch den Maulkorb anreichte. Nach 2 Tagen legte er ganz selbstverständlich das Schnuti hinein und nahm es auch nicht mehr heraus. Erst wenn der Käse leer war, wurde die Schnauze zurück gezogen. Also gingen wir den nächsten Schritt: Maulkorb zumachen, füttern, Maulkorb abmachen. Der Maulkorb war in dieser Zeit maximal 10 Sekunden drauf, so dass Moe sich in aller Ruhe an das Gewicht gewöhnen konnte.

Für mich, die sich mit der Geduld beim Training schwer tut und auch für Moe, der sehr ungeduldig ist, wenn es um das Fressen geht, war es eine deutliche Umstellung und am Anfang auch nicht so leicht. Aber das Training hat uns gezeigt, dass wir durchaus auch anders können! Der Wille muss nur da sein und daran hapert es manchmal.

In diesem Fall jedoch führte kein Weg daran vorbei: Ich wollte nach Sylt. Und Moe hatte nach Sylt zu wollen. 😉 Also übten wir jeden Tag, jeden Tag blieb der Maulkorb ein winziges bisschen länger dran. Und 3 Tage vor der eigentlichen Zugfahrt ging es dann nach draußen, zum Spaziergang (allerdings erst in der Dunkelheit. Was sollen denn die Nachbarn denken!!! *lach*)

Ja, da kam dann der erste Moment, bei dem ich dachte: Das klappt nie. Moe hatte irgendwie durch den Maulkorb vergessen, wie man läuft und bewegte sich ganz komisch. Auch der Kopf wurde immer wieder hochgerissen und er wusste anscheinend nicht, wie er mit dem Ding gerade aus gucken sollte.

Und so übten wir ganz langsam weiter: Maulkorb ab, Leckerchen. 3 Schritte gehen, Maulkorb wieder an, versuchen, ein paar Schritte zu gehen. Loben, loben, loben.

Und siehe da: Am Ende war ich klatschnass geschwitzt, aber es hatte funktioniert. Moe hat übrigens nicht versucht, den Korb mit der Pfote loszuwerden.

Die Generalprobe war dann aber das Zugfahren selber:

1. Waren wir noch nie Zug gemeinsam gefahren.
2. Noch nie mit Maulkorb.
3. War der Maulkorb noch nie so lange auf dem Schnuti geblieben.

Zugfahren mit Maulkorb - kein Problem mehr.
Zugfahren mit Maulkorb – kein Problem mehr.

Ich mache es mal kurz: Moe hat seinen Job perfekt gemacht. Wirklich. Er hat sich einfach den Maulkorb ummachen lassen, ist ohne zu Zögern in den komisch piependen und merkwürdig geräuschemachenden Zug gestiegen – und hat sich Schlafen gelegt. Ich dachte, ich guck nicht richtig. Da mache ich mir 2 Wochen Gedanken und für diesen Hund ist es einfach das Normalste auf der Welt!

Sicher: Hätten wir kein Maulkorbtraining gemacht, hätte das nicht so gut funktioniert. Von daher war das auf alle Fälle sinnvoll und ich würde es immer wieder so machen (na gut, vielleicht mit etwas mehr Trainingszeit…).

Das Problem sind, wie immer, die Menschen.

Interessant war für mich die Zeit davor. Als ich bei Instagram zeigte, wie das Maulkorbtraining lief, kamen direkt Fragen und Nachrichten, die alle den gleichen Ton hatten: „Hat Moe gebissen?“ Auch von Hundehaltern, obwohl die es eigentlich besser wissen müssten. Ich verstehe nicht, wie ein Maulkorb in unserer Gesellschaft immer noch so wenig akzeptiert ist, vor allem in Zeiten der Giftköder etc.

Ich hatte lange schon vor, Moe an einen Maulkorb zu gewöhnen. Wie immer war es die Faulheit, die dazwischen kam. Jetzt sehe ich es als große Erleichterung und werde den Maulkorb immer wieder mal einsetzen: Bei Tierarztbesuchen (nicht, dass er da mal geschnappt hätte, aber zum Üben ist das nicht verkehrt), unterwegs zum Training und: vielleicht auch mal in einer kontrollierten Situation mit einem anderen Hund.

Mittlerweile ist es für Moe so, dass andere Hunde immer böse sind, sobald sie sich nähern. An der Leine ist das kein Problem, da geht Moe vorbei. Aber wenn der andere Hund ein paar Schritte auf uns zu macht, ist es schon kritisch. Hätte Moe einen Maulkorb auf, könnte er sich trotzdem noch gewissermaßen wehren, aber die Verletzungsgefahr für den anderen Hund wäre nicht so groß – und ich könnte in der Situation entspannter sein.

Voraussetzung ist aber, dass ich jemanden finde, der das mal mit Moe ausprobieren würde. Und beim Maulkorb drehen einige ja gleich völlig durch.

Ein Maulkorb ist nützlich!
Ein Maulkorb ist nützlich!

Übrigens, weil viele gefragt haben: Es mag sein, dass ihr auf euren Bahnfahrten nie einen Maulkorb brauchtet (das haben mir auch viele geschrieben). Wir hatten ihn die ganze Zeit dran und es war gut so, denn nicht alle Zugbegleiter, die uns begegnet sind und uns kontrolliert haben, waren hundefreundlich. Bei manchen hatte ich das Gefühl, sie haben nur darauf gewartet, über Moe meckern zu können. Daher haben wir uns an die Regel gehalten und es war für alle entspannter.

Für mich ist es gut zu wissen, dass Moe nun ohne Probleme einen Maulkorb trägt – auch wenn ich sehr wohl weiß, dass wir es immer wieder üben müssen. Aber einer erneuten Zugfahrt steht nichts im Wege und wir können so vielleicht bald wieder nach Sylt. 🙂

Habt ihr auch schon mal mit einem Maulkorb trainiert oder tragen eure Vierbeiner sogar regelmäßig einen? Wie sind eure Erfahrungen damit?

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8 Gedanken zu „Maulkorbtraining“

  1. Charly trägt regelmäßig einen Maulkorb. Wir haben mit dem Training im Welpenalter begonnen. Damals haben uns die Trainer in der Welpengruppe den Tipp gegeben, schon früh mit dem Maulkorbtraining zu beginnen. Und ich bin froh darüber. Denn Charly ist beim Tierarzt so nervös, dass ich ihm einen Maulkorb umlegen muss. Das beruhigt mich und ihn. Ich lege Charly auch bei großen Menschenansammlungen einen Maulkorb an. Genauso, wenn ich mit ihm eine Schule betrete oder einen Kindergarten. Charly ist normalerweise sehr entspannt, aber man weiß nie, was den Kinder so einfällt.

    Schön, dass Moe den Maulkorb so schnell akzeptiert hat.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly




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  2. Ein wirklich toller und vor allem ermutigender Artikel für alle die gerade mit dem Maulkorb Training anfangen.
    Ich habe ja für Lemmy und Iggy auch die Maulkörbe von Baskersville, aus dem selben Grund wie du. Bumas schön und toll, aber einfach ein verdammt stolzer Preis.

    Das mit den anderen Hundehaltern fällt mir auch total auf.
    Da wird man sofort abgestempelt, wenn der Hund einen Maulkorb trägt.
    Wir sind zum Beispiel beim Tierarzt immer die einzigen mit Maulkorb, aber einfach aus dem Grund, dass das für Lemmy mords der Stress ist und er den Maulkorb mittlerweile wirklich mit Ruhe in Verbindung bringt. Aus dem ganz einfachen Grund, weil er gelernt hat, dass wenn er den Maulkorb trägt, dann kümmere ich mich um alles.
    So im Alltag weiß er das auch, kommt dann aber mal eine Situation, die er nicht einschätzen kann, geht er eben ziemlich schnell in eine sehr klare Kommunikation über. Sprich bellen, knurren, Ohren stellen, Haare stellen. Das passiert mit Maulkorb nicht so leicht.

    Aber das gute am Maulkorb beim Tierarzt ist. Es setzt sich bestimmt kein anderer Hundehalter neben einen und will seinen Hund mit Lemmy und Iggy spielen lassen – denn die sind ja schließlich böse 😉

    Liebste Grüße
    Anna




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  3. Wir haben auch für das Zugfahren das Maulkorbtraining begonnen, allerdings nicht so intensiv wie ihr und zwischendurch versucht sie den dann doch mit der Pfote abzustreifen..Allerdings mach ich es meistens genau andersrum und lasse den Maulkorb ab und setzte ihn nur drauf, wenn es verlangt wird..Allerdings hat Emmely bestimmt einen Niedlichkeitsbonus „zwinker“.. Moe finde ich auch sehr niedlich, aber so wie du schreibst, scheinen nicht immer alle diese Meinung zu teilen..
    Liebste Grüße




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  4. Wir besitzen keinen Maulkorb, weil wir auch noch nie mit Socke Zug gefahren sind. Im Bus wurde kein Maulkorb verlangt. Ich finde einen Maulkorb auf jeden Fall besser, als von einem Hund gebissen zu werden oder zu sehen, dass Socke gebissen wird. Dennoch gebe ich zu, dass ich das Tragen eines Maulkorbes ungewohnt finde. Auch auf dem Tibitreffen war immer ein Hund mit Maulkorb, zur Sicherheit, weil man nicht weiß…Den Hund hat es nicht stört, der Anblick war halt ungewohnt…

    Ich freue mich aber, dass es so gut geklappt hat….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  5. Ohh ja genau den habe ich auch… aber ich finde den voll blöd! Obwohl es immer ganz viel käseschlabber daraus gab. Und laufen kann man damit auch gar nicht.So !

    Schlabbergrüße Bonjo




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  6. Durch unseren letzen Urlaub in Südtirol waren wir auch gezwungen in den Bergbahnen, Deco und Pippa Maulkörbe aufzusetzen.

    Wir entschieden uns jeweils bei beiden für die BUMAS Körbe.
    Auch wir haben vorher fleißig geübt, sodass Maulkörbe bei uns nun kein Problem mehr sind 🙂

    Aber wie du schon sagt, die Reaktion der anderen Menschen ob Hundehalter Ja oder Nein sind immer wieder erschreckend.
    Warum muss ein Hund der einen Maulkorb trägt direkt ein aggresiver gefährlicher Hund sein ?
    Völliger Schwachsinn…. da würde ich gerne immer mein laut Schreien *AHHHHHH*
    :P.

    Trotzdem toll, das Moe so eine coole Socke ist und ihr die Bahnfahrt gut gemeistert habt.
    Wuff, Deco + Pippa + Frauchen Carola




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  7. Musste erstmal die Bumas -Körbe googlen. Für uns wäre ein hübscher Maulkorb ja vielleicht mal eine Investition wert. (Obwohl ich mittlerweile zu 85% ohne mauli laufe -yeeaaai!)
    Aber obwohl die bunten Körbe auf den ersten Blick sehr hübsch sind, werde ich bei baskerville bleiben. Schwarzer Korb auf schwarzem Hund ist nämlich von weitem erst mal unauffällig. Auf eine gewisse Distanz merken viele Leute gar nicht, dass der Hund was auf der Nase hat. Die blindfische…

    Ich freu mich für euch, dass das Training so gut geklappt hat. Ich mag diese *Na also-geht doch! * -Momente, die man gemeinsam mit dem Hund erlebt, super gerne. Ich kann mir richtig vorstellen wie stolz du gewesen sein musst, als Moe sich als herrlich entspannter Reisebegleiter erwiesen hat.
    Glückwunsch! Ein richtig toller Kerl dieser Moe!
    Viele grüße
    Judith und Fido




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  8. Ich war froh deine Beschreibung zu lesen. Ich stehe dafür „Maulkorb anhaben“ mit meinem Hund zu trainieren, und ich hoffe dass es gut geht.
    Mit freundlichem Gruss aus Dänemark / Birthe




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  1. Im Test: BUMAS Maulkorb | Hundeblog Moe and Me

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