Liebe unter Hunden

Manchmal mache ich mir Gedanken darüber, ob Moe in seinem Leben etwas verpasst. Ob wir ihm nicht das geben können, was er gerne hätte, was er braucht. Sicher, die Grundversorgung stimmt. Aber gerade jetzt, wo das Thema artgerechte Ernährung immer wieder auftaucht und die generelle Verunsicherung zunimmt, mache ich mir Gedanken:

Lebt Moe eigentlich artgerecht?

Laut der Tierschutz-Hundeverordnung gibt es diese Anforderungen bei der Haltung von Hunden (Auszug, zusammengefasst):

  • Ausreichend Auslauf, ausreichend Kontakt zu dem Halter und Sozialkontakte mit anderen Hunden
  • Ausreichend Wasser und Futter in ausreichender Menge und Qualität
  • Regelmäßige Pflege und Gesundheitscheck

(Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/tierschhuv/gesamt.pdf)

Ausreichend Auslauf? Auch so ein Thema im Internet. Darauf möchte ich hier gar nicht eingehen, Ricarda hat dazu schon einen sehr guten Artikel geschrieben.

Ausreichend Kontakt bekommt Moe zu uns, schließlich ist er sehr selten alleine und wird viel gestreichelt, wir beschäftigen uns mit ihm. Es wird aber auch respektiert, wenn er mal Ruhe haben möchte. Klar, Futter und Wasser hat er, bekommt er und es ist in meinen Augen auch artgerecht. Zur Pflege: Moe wird gebürstet, die Krallen werden untersucht und die Analdrüsen geleert, wenn nötig. Wenn er etwas hat, was uns Sorgen macht, geht es zum Tierarzt.

Die Sozialkontakte sind ja ein Thema für sich. Moe und andere Hunde – geht im Grunde gar nicht. Auch darüber will ich heute gar nicht so viel sagen, ihr kennt ja die Problematik (wenn nicht, könnt ihr hier gerne noch mal nachlesen).

Ich frage mich, ob Moe mal verliebt war und ob er sich vielleicht wieder verlieben könnte. Ob es so etwas wie Liebe unter Hunden überhaupt gibt. Oder ist das zu menschlich gedacht?

Moe und die Liebe

Liebt Moe uns? Vielleicht. Seine Zuneigung, sein Kümmern um uns, das Teilhaben an unserem Leben – da gibt es schon eine innige Verbundenheit. Wie man das nun nennt, ist eine andere Sache. Hunde können sich nicht menschlich ausdrücken. Aber wenn man sein Verhalten interpretieren würde, ist es definitiv nicht nur eine Zweckgemeinschaft zwischen uns, sondern mehr. Andersherum ist die Sache ganz klar: Natürlich liebe ich meinen Hund.

Aber wie ist das unter Hunden?

Als ich damals eine Zeitlang Hunde betreut habe, hatten wir einen ganz besonderen Gast: Die ungarische Straßenhündin Acai. Etwas kleiner als Moe, Pinscher-Ähnlich, pechschwarz, wahnsinnig lieb und immer gut gelaunt. Sie gehörte sofort zu unserem kleinen Rudel dazu und Moe hat sich super um sie gekümmert. Acai war der einzige Hund, mit dem Moe sich wirklich beschäftigt hat und sie durfte in seinem Körbchen liegen, mit seinem Spielzeug spielen und mit seinen Menschen kuscheln.

AcaiSo wie Moe sich gefreut hat, Acai zu sehen, so wie er mit ihr gespielt hat, könnte man vermuten, dass er in sich in sie verliebt hatte. Moe war auch immer sehr traurig, wenn die Woche vorbei war und die Beiden wieder getrennte Wege gingen. Aber: war Moe wirklich verliebt?

Im Internet kursieren unterschiedliche Meinungen zu dem Thema. Von Hunde können gar nichts fühlen, über Zweckgemeinschaften bis zu wahrer Liebe findet man dort alles.

Ich denke, für Moe war Acai eine tolle Freundin, eine Spielkameradin, ein Artgenosse, mit dem er besonders gut auskam. Die Sympathie war auf beiden Seiten sofort da. Aber nachdem Acai verstarb (Juli 2012), hatte Moe nie wieder eine Freundin oder Freund. Ich weiß nicht, ob er sich mal gefragt hat, wo sie denn bleibt und warum sie nicht wieder kommt.

Wenn, dann würde mich das sehr traurig machen. Klar, auch ich denke oft an die Vergangenheit und manche Dinge machen mich traurig, das gehört dazu. Aber leben unsere Hunde nicht im Hier und Jetzt? Sind sie nicht genau aus diesem Grund die besten Freunde des Menschen, weil sie keinen Gedanken an die Vergangenheit verschwenden?

Aber wie kommt es dann, dass Moe danach keine neue Freundin gefunden hat? Das ihm andere Hunde generell unsympathisch sind? Und ist sein Leben dadurch weniger artgerecht, weil er keine Sozialkontakte zu anderen Hunden hat?

Sobald wir umgezogen sind, werden wir uns Hilfe suchen und vielleicht gibt Moe anderen Hunden dann wieder eine Chance. Ich hoffe es so sehr. Aber Liebe unter Hunden? Ich denke, dass ist zu menschlich gesehen.

Unsere Acai

In liebevoller Erinnerung an unsere kleine Acai, die viel zu früh über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Wir denken oft an dich, unser kleiner Herzenshund.

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9 Gedanken zu „Liebe unter Hunden“

  1. Ein schwieriges Thema… aber wem gehen solche Gedanken nicht durch den Kopf…!? Lass dich nicht zu sehr von Anderen verunsichern, du hast dein Leben!

    Liebe Grüße Vicky




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  2. Oh Gott, das ist ja Linda II. Dieselbe Kopfform, der gleiche Blick – da wird mir das Herz schwer, weil sie eines Tages auch nicht mehr da sein wird, schluck…

    Ich glaube, Linda lebt auch sehr artgerecht. Ihr stehen alle Möglichkeiten offen und sie hat selbstverständlich auch ein gewisses Mitspracherecht, soweit möglich. Bislang fühlt sie sich generell mehr zu Menschen hingezogen als zu anderen Hunden. Eine richtige innige Freundschaft zu einem anderen Hund ist deshalb auch noch nicht zu beobachten gewesen. Ich bin gespannt, ob dieser Fall eines Tages noch eintrifft.

    LG Andrea




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  3. Liebe unter Hunden? Schwierige Frage. Also uns liebt Lilly über alles 😉 Ganz klar *haha* Ich denke aber so einfach ist es nicht. Klar möchte man als Besitzer, dass der eigene Hund einen liebt und ich denke auch, dass Lilly’s Zuneigung zu uns sehr, sehr tief ist aber sie trauert zum Beispiel auch nicht groß, wenn sie mal eine Zeit bei meinen Eltern bleiben muss. Zum Glück, denn sonst hätten wir echt ein Problem. Im Großen und Ganzen denke ich aber schon, dass Lilly uns liebt 😉

    Bei anderen Hunden sieht das schon wieder anders aus. Finja liebt sie nicht, die Zwei haben einander aber auch nicht ausgesucht, sondern müssen miteinander klarkommen. Das funktioniert aber ganz gut und ich würde sagen, die beiden Mädels pflegen eine lockere Freundschaft 😉

    Als wir noch in der alten Heimat gewohnt haben, hatte Lilly einen ziemlich guten Freund. Lennox. In den könnte sie „verliebt“ gewesen sein. Die Beiden haben immer so schön zusammen gespielt. Anders als mit anderen Hunden. Da lag einfach was in der Luft. Nachdem wir umgezogen sind, spielt Lilly nicht mehr so wahnsinnig gerne mit anderen Hunden und Lennox geht es ganz genauso.

    Liebe ist ein großes Wort, ich denke tiefe Zuneigung zueinander trifft es da schon eher 🙂

    Liebste Grüße und Danke für die Verlinkung 🙂




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  4. Ich finde Deine Gedanken sehr niedlich. Ich glaube nicht an die Liebe zwischen Hunden, weil Hunde nur einen Trieb haben, nämlich schmerzfrei zu überleben und sich fortzupflanzen. Wie man an der Zucht sieht, ist dazu noch nicht einmal Liebe nötig. Hunde sind egoistisch und Liebe bringt ihnen das Ziel nicht näher. Aber ich hoffe natürlich auch, dass Socke die Verbundenheit und Zuneigung findet, wie sie es braucht.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  5. Das ist eine Frage, die sehr schwer zu beantworten ist. Ich denke, dass wir auch sehr viel in unsere Hunde reininterpretieren. Also sie zu menschlich machen – aber sie drücken sich eben nicht menschlich, sondern „hündisch“ aus. Da könnten sich ja Philosophen mit beschäftigen :-D!

    LG Jérôme




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  6. Deine Frage stimmt mich nachdenklich. Lieben Hunde? Schwer zu sagen, aber Charly hatte eine Freundin in der Hundeschule. Josy. Nach dem Kurs brach der Kontakt leider ab, aber jedesmal wenn ich den Namen erwähne spitz meine kleine Fellnase die Ohren und wedelt mit dem Schwanz. Aber ob das Liebe ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly




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  7. Öhm, tja, also ich glaube Liebe ist zu menschlich, um den Begriff auf Hunde anzuwenden. Aber Sympathie und Zuneigung gibt es bestimmt, zumindest habe ich das so erlebt.

    Auf Moe bezogen kriegst Du von mir ein klares NEIN. Der ist nämlich kastriert. Also gibt es da keine Hormone mehr, die, um es mal menschlich auszudrücken, „in Wallung“ geraten können.

    Bezogen auf den „Baustellenartikel“ ginge das dann in dieselbe Richtung. Moe trifft auf einen anderen Hund, verhält sich wie ein (dominanter?) Rüde, riecht aber nicht danach. Der andere Hund ordnet daher Moe nicht als Rüden ein und verhält sich dementsprechend. Moe interpretiert das wiederum als Fehlverhalten des anderen und es „knallt“. Je öfter das passiert, desto fester wird dieses Verhaltensmuster.

    Mich würde außerdem interessieren, ob Moe schon kastriert war, als Acai da war, wobei ich allerdings immer wieder festgestellt habe, dass es zwischen kastrierten Rüden und Hündinnen weniger Stress gibt, da Hündinnen nicht dieses „Machogehabe“ haben.

    Viele Grüße aus der Nachbarschaft 🙂




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  1. Hundenachwuchs? | Hundeblog Moe and Me

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