Leinen los – Welpen außer Kontrolle

Wir manche von euch wissen, war Moe schon 7 Monate alt, als er bei uns eingezogen ist. Ein Junghund, kurz vor der Pubertät. Schon relativ gut erzogen, wir hatten kaum Arbeit mit ihm. Aber wie ist das eigentlich bei so einem kleinen Welpen? Wie entsteht eine Bindung zwischen Hund und Halter? Und ab wann darf man einen Welpen eigentlich von der Leine machen? Genau auf diese Frage gibt euch heute Sabrina im Gastbeitrag eine Antwort.

 

„Ich möchte zu Anfang ein paar Worte über mich verlieren. Mein Name ist Sabrina von aboutQueen und ich bin 27 Jahre alt. Ich hatte das große Glück mit Hunden – vor allem Schäferhunden – aufzuwachsen. Mein Opa hat mich jeden Tag zu sich geholt und so kam es, dass ich schon als 4-jährige zusammen mit den Welpen im Auslauf saß. Zu der Zeit habe ich mehr Zeit mit Hunden als mit Menschen verbracht und bin daher davon überzeugt, Hunde ganz gut verstehen zu können.

Ich bin weder Hundetrainer noch stütze ich meine Aussagen auf irgendwelche Theorien. Ich kann lediglich von meiner Erfahrung berichten. Meinen ersten Schäferhund hatte ich mit fünf Jahren. Bücher zum Thema Hundeerziehung konnte ich noch nicht mal lesen, also hab ich aus dem Bauch heraus gehandelt. Und das mache ich auch heute noch so. Klar kann ich mittlerweile lesen, aber das mache ich mehr aus Neugierde darüber, was die wahren Profis so sagen. 🙂

Dann mal los:

In meinem Beitrag geht es darum, wie man einem Welpen beibringen kann, ohne Leine beim Zweibeiner zu bleiben.

Dies ist natürlich nicht „die eine“ Methode, sondern einfach eine Methode, mit der ich bis jetzt immer Erfolg hatte. Daher möchte ich meine Erfahrungen gerne mit euch teilen.
Mir ist aufgefallen, dass viele Hundebesitzer Respekt davor haben, ihren Hund das erste Mal ohne Leine laufen zu lassen.

Betrachtet man drei Hundeschulen, so findet man drei verschiedene Ansätze, wie man am besten an die Sache herangehen kann. Am häufigsten habe ich bis jetzt davon gehört, dass die Hundebesitzer das Zurückrufen auf dem Hundeplatz geübt haben. Der Hund sollte jedoch nicht nur auf dem Hundeplatz abrufbar sein, denn der Alltag findet bekanntlich auf Wiesen und im Wald statt.

Leicht schmunzeln muss ich immer, wenn ich höre, dass bei dem Welpen eine Schleppleine von 20 m am Halsband befestigt wird, welche dann jede Woche 1 m kürzer geschnitten wird. Ich habe den Sinn irgendwie nie verstanden, vor allem weil ich noch nie jemanden gesehen hab, bei dem diese Methode zum Erfolg verfolgen hat.

Ich bin der Meinung, dass man den Welpen am ersten Tag schon ableinen sollte. Das Laufen ohne Leine muss genauso geübt werden, wie das Laufen mit Leine – und zwar vom ersten Tag an. Warum sollte man warten, bis der Welpe auf Entdeckungstouren geht? Warum soll man den Hund das erste Mal ableinen, wenn er in die Pubertät kommt und seine Grenzen testen wird?

Als Queen zu mir kam, bin ich am ersten Tag direkt zu einer Wiese gefahren, die groß genug ist, dass man zu allen Seiten hin weit blicken kann. Ich hab Queen auf den Arm genommen und bin mitten auf die Wiese gegangen. Dort hab ich sie abgesetzt – ohne Leine. Ein Welpe wird nicht weglaufen. Erstens wäre er sowieso nicht schnell genug und zweitens ist er zu Beginn viel zu fixiert auf uns Zweibeiner. Und genau das sollte man ausnutzen.

Einfach den Welpen auf dem Boden absetzen und ein paar Schritte weggehen. Kommt der Welpe mit, dann loben was das Zeug hält. Leckerlis, Spielzeug oder Kuschel – Attacken; alles, was irgendwie Freude bereitet und am besten abwechselnd, da wir weder zum Futterautomaten noch zur Ballmaschine werden möchten.

Man sollte sich zudem einen Radius überlegen, in denen wir freie Bewegung und Erkundungen des Welpen tolerieren werden. Ich habe mich hier zu Beginn für einen Radius von ca. 5 m entschieden, da ich diesen für völlig ausreichend halte. Außerdem kann man 5 m ganz gut abschätzen. Natürlich soll der Welpe auch die Natur und Umgebung erkunden können, daher hab ich zu Beginn in zwei Situationen eingriffen. Zum einen habe ich gerufen, wenn Queen den 5 m – Bereich verlassen hat und zum anderen in gewissen zeitlichen Abständen.

Die ersten paar Ausflüge ohne Leine sollten nicht länger als 10 Minuten sein, da der Welpe wach und konzentriert sein sollte. Innerhalb dieser 10 Minuten bietet sich zudem die Möglichkeit, einfach einmal loszurennen. Wir rufen unseren Hund – schaut er zu uns, rennen wir los. Er wird in jedem Fall hinterher laufen. Nach ca. 15 Metern hocken wir uns dann hin und loben unsere kleine Fellnase, sobald sie bei uns eintrifft. Diese Methode wenden auch Hündinnen an, damit die Welpen aufmerksam sind und ihrer Mutter folgen.

Ich habe immer wieder beobachten können, wie die Hündinnen um ihre Welpen im Kreis herumrennen, stehen bleiben und sobald die Kleinen bei ihr sind, wieder los rennt.

Natürlich habe ich mich nicht jeden Tag für dieselbe Wiese entschieden, sondern immer andere Orte gesucht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man wirklich immer wieder den Rückruf trainieren sollte (auch wenn man denkt, der Hund hat es längst verstanden). Je älter der Hund wird, umso interessanter wird die Umwelt, umso höher sind die Reize. Und hat der Hund erst die Pubertät erreicht, wird er die Grenzen austesten.

Man bewältigt diese Phase am besten, indem man bereits die ersten Versuche unterbindet und gar nicht erst die Möglichkeit gibt, über das gesamte Feld zu rennen ohne auf den Rückruf reagieren zu müssen.

Alles in allem kann ich nur den Rat geben, direkt am ersten Tag mit den Laufen ohne Leine zu beginnen und wirklich konsequent jeden Tag zu üben. Lieber jeden Tag ein paar Minuten als einmal die Woche für eine Stunde. Euer Welpe verfolgt euch in den ersten Tagen auf Schritt und Tritt und genau das sollte man sich zu Nutze machen. Viel Erfolg!“

Danke für den tollen Gastbeitrag!

Danke für diese tollen Tipps, liebe Sabrina! Ich meine, dass Welpenbesitzer deine Methode auf jeden Fall einmal testen sollten. Hätte ich das nur mal früher gewusst. 🙂

Mit Moe war es so, dass ich ihn das erste Mal nach 2 Wochen abgeleint habe. Ich hatte solche  Angst, dass er mir stiften geht – völlig unbegründet. Moe ist in seinem ganzen Leben nur 3 Mal weggelaufen: Das eine Mal, weil er Angst vor einer großen Hundegruppe hatte und noch kein Vertrauen zu uns (das war so ca. nach 3 Wochen bei uns), einmal im Wald, weil er noch nicht nach Hause wollte und ein drittes Mal, weil er Kaninchen gerochen hatte.

Alle 3 Male kam er nach kurzer Zeit unbeschadet wieder. Wahrscheinlich hätten auch wir Moe viel früher ableinen können – haben uns nur nicht getraut.

Wie war diese Trainingsphase bei euch, wann habt ihr euren Hund das erste Mal abgeleint? Und hat alles so geklappt, wie ihr euch das vorgestellt habt?

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4 Gedanken zu „Leinen los – Welpen außer Kontrolle“

  1. Emmely kam auch im Alter von 8 Wochen zu uns & und ich habe es genau wie Sabrina gehandhabt. Wo soll so ein kleines Fellknäuel schon bei einer ihm fremden Umgebung hinlaufen?
    Für die ersten 9 Monate hat das auch immer super geklappt.. In der Pubertät kam dann zeitweise die Schleppleine zum Einsatz. Ohne abschneiden 🙂
    Liebe Grüße von Lizzy & dem Indianermädchen




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  2. Wir haben sowohl Genki als auch Momo ja schon von Welpenalter an und meiner Erfahrung nach kann man Welpen problemlos sofort von er Leine lassen: Sie kleben ja an ihrem Besitzer. Keiner von beiden hätte sich freiwillig mehr als einen Meter von mir weg bewegt. Irgendwelche Übungen oder ähnliches waren garnicht notwendig. Vor allem Momo war in den ersten 2-3 Wochene in Schatten, der geradezu an meinen Füßen klebte.
    Ich hatte nie Probleme Welpend dazu zu bringen bei mir zu kaufen. Die Probleme habe ich nur mit erwachsenen Hunden. 😉




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  3. Luna kam als Welpe zu uns. Das Laufen ohne Leine hat von Anfang an besser funktioniert, also ohne. Das war eher ein Kampf! Terriersturkopf gegen uns. Aber wir haben Luna (und Sharly) so von der Leine überzeugen können, dass beide jetzt vor Freude ausrasten, wenn wir sagen „Gassi gehen?“ oder die Leine ihn die Hand nehmen.

    Danke für deine Tipps – ich bin ebenso der Meinung, dass Welpen von Anfang an „beides“ lernen sollen. Am Anfang jedoch würde ich das nur weit von Verkehrsstraßen üben – also im Wald.

    LG Jérôme




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  4. Meine beiden waren auch vom ersten Tag an leinenlos unterwegs. Später gab es dann Schleppleine für beide aber da ich mich 2x böse verletzt habe – einmal wickelte sich das Mistding um meinen nackten Knöchel und der Terrier gab Vollgas was eine böse Verbrennung zur Folge hatte und beim zweiten Mal überschätzte ich meine Kräfte, versuchte gegen 40 kg Berner zu kämpfen und schlidderte dabei mit beiden Knien über den Boden – ist das Thema für mich durch. Der Rückruf beim Terrier klappt ganz gut da er verfressen ist, beim Berner muss ich da anders vorgehen da er schlicht zu faul zum kommen ist. Sage ich „Warte“ bleibt er stehen. Ist es allerdings wirklich dringend hört er mir das an und kommt doch oder ich drehe mich mit einem „Schade“ um und bin weg – dann weiß er auch, dass es höchste Eisenbahn ist und kommt angalloppiert




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  1. Gastbeitrag: Gut Ding will Weile haben | Hundeblog Moe and Me

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