Klugscheisser-Modus: AN.

Klugscheisser Modus: AN

Vorsicht: Dieser Text enthält unstrukturiertes Gedankenmaterial und die Verarbeitung unseres letzten Tierarzt-Besuches. Er ist keinesfalls sinnvoll, enthält keinen Mehrwert und dient nur mir selbst: Zur Verarbeitung.

Moe hat ein Problem. Nein, genau genommen haben andere Menschen ein Problem, nicht er. Denn Moe trägt mittlerweile ab und zu seinen Maulkorb. Zum Beispiel beim Tierarzt.

Nicht, dass Moe schon einmal ernsthaft irgendjemanden verletzt hätte und ich denke, Moe würde das auch nicht gerne tun. Trotzdem ist es so, dass Hunde, die Schmerzen haben, unsicher sind, vielleicht schon einmal schnappen.

Das muss nicht böse ausgehen, aber es reicht ja aus, dass sich der Tierarzt zum Beispiel einmal erschreckt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Tierarzt jemals einen Hundebesitzer verurteilt, der seinem Hund zum Schutz einen Maulkorb tragen lässt.

So weit, so gut. Wir gehen nun also immer mit dem Maulkorb zum Tierarzt. So bin ich ruhiger, so ist Moe ein kleines bisschen ruhiger – so weit das eben möglich ist.

Tierarzt mit Maulkorb
Tierarzt mit Maulkorb

Münsterländer mit Maulkorb?! Das ist aber unüblich.

Manchmal hat man beim Tierarzt merkwürdige Begegnungen mit anderen Hundehaltern. In unserem Fall fing das Ganze schon draußen an.

Ich stand auf dem Parkplatz und war gerade dabei, Moe die Leine und den Maulkorb anzulegen. Neben mir hielt eine alte Dame, stieg aus und holte ihre Boxerhündin aus dem Kofferraum.

Plötzlich quakte (und ich meine das wirklich so, das war kein netter Tonfall!) sie mich von der Seite an: „Wollen Sie etwa auch da rein?“ – und zeigte zum Tierarzt.

Nein. Normalerweise stelle ich mich immer so auf den Parkplatz des Tierarztes und Moe steigt auch nur „einfach so“ dort mal aus. Weil wir so gerne da sind. Ich antwortete also höflich, dass wir einen Termin hätten und ja, zum Tierarzt wollten.

Ach so“, sagte sie, „Ja, aber warten Sie bitte draußen, bis wir fertig sind. Meine Hündin mag andere Hunde nicht so gerne.

Mal davon abgesehen, dass ich gar nicht gewusst hätte, wie lange genau denn „bis wir fertig sind“ wäre, teilte ich ihr mit, dass wir einen Termin hätten. Und ich durchaus die Absicht hätte, genau jetzt hinein zu gehen.

Fast so sah sie aus. ;-)
Fast so sah sie aus. 😉

Netterweise ließ ich ihr einen Vorsprung, um nicht mit ihr im Treppenhaus kollidieren zu müssen. Mehr kam erst einmal nicht.

Kurze Zeit später war sie wohl fertig und die Hündin wieder im Auto. Sie kam noch einmal in die Praxis, wohl um zu bezahlen. Und dann kam es.

Sie entschuldigte sich für ihren Auftritt, erklärte mir, dass die Hündin so wild sei und sie diese gar nicht halten könnte. Sie wäre ja doch schon etwas älter, aber sie hätte in ihrem Leben IMMER Hunde gehabt. Aber: So ein Boxer hat ja Kraft.

Ich dachte mir insgeheim, dass man so etwas wissen sollte, vor allem, wenn man schon IMMER Hunde gehabt hat. Dann schafft man sich vielleicht nicht einen jungen Boxer an, wenn man ihm nicht gerecht werden kann. Ich sagte aber nichts dazu. Nicht mein Problem.

Es ging aber trotzdem weiter. Kennt ihr diese Menschen, die sich auch zum Reden genötigt fühlen, obwohl sie keine Reaktion vom Gegenüber bekommen? Diese Frau gehörte dazu. Ihr war das nämlich total egal, dass ich mich nur für Moe interessierte und das für mich der Tierarzt nicht der richtige Ort für ein Schwätzchen ist.

Das ist aber unüblich, dass ein Münsterländer einen Maulkorb trägt.“ Nein, das ist kein Münsterländer. „Doch, doch! Ich kenne Münsterländer. Die sehen so aus.“ Ich erklärte ihr, schon relativ stinkig, dass Moe ein reinrassiger Rottweiler-Mischling sei.

Ach, deswegen der Maulkorb. Beißt der?

Mir stieg so langsam die Galle hoch.

Beim Tierarzt bin ich angespannt, obwohl ich versuche, ruhig zu bleiben. Wenn man mir aber so bescheuert kommt, dann reicht es einfach mal. Da ist es mir dann auch egal, ob man 25 oder 75 Jahre ist, manchmal sollte man einfach die Klappe halten. Vor allem, wenn so wenig Sinnvolles dabei heraus kommt.

Sie wollte mir dann erklären, dass so ein Maulkorb absolut keine gute Idee wäre, denn der würde ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln. Außerdem sieht das ja ganz schrecklich aus.

Und überhaupt, *Kopf tätschelnd an Moe gewandt* wären ja die Halter dann inkompetent, wenn der Hund einen Maulkorb bräuchte. Gar nicht inkompetent, einem fremden Hund den Kopf zu tätscheln. Vor allem, wenn der sowieso nicht weiß, wohin mit sich.

Da ich beim Tierarzt keine Szene machen wollte und mir das sowieso zu blöd war, beschloss ich, die Dame zu ignorieren und Moe weitestgehend von der aufdringlichen Alten abzuschotten.

Dann folgte Teil 2.

Wenn Sie den Hund streicheln, dann hat er nur noch mehr Angst.

In dem Moment wünschte ich mir, ich hätte das Knurren gelernt. Oder das Zähne zeigen. Wobei, verstanden hätte sie die Art der Kommunikation wohl nicht.

Ja sicher, wenn Moe sich an mich drückt, weil er Angst hat, wäre es natürlich GENAU RICHTIG, ihn wegzuschieben. Und zu ignorieren. Weil das ja so super funktioniert. Madame hatte wahrscheinlich 50 Jahre Hundeerfahrung, hat jeden ihrer Hunde so klein und gefügig bekommen.

Ich beiße nicht. Ich schlucke im Ganzen.
Ich beiße nicht. Ich schlucke im Ganzen.

Und meinetwegen, es kann ja jeder tun und lassen, was er für richtig hält. Aber verdammt nochmal: Ich behaupte, ich weiß, was gut und richtig für MEINEN Hund ist.

Ich sage nicht, dass ich perfekt bin. Aber wenn sich so ein Häufchen Elend an mich kuschelt und bei mir Schutz sucht, dann werde ich den Teufel tun und ihm das verbieten.

Glücklicherweise intervenierte in diesem Moment die Tierarzthelferin und ließ die alte Dame bezahlen. Ich hätte es wohl keine Sekunde länger mit ihr in einem Raum ausgehalten.

Zu guter Letzt, als ich schon dachte, ich wäre sie endlich los, kam sie aber doch noch einmal zu mir. Ich machte mich schon auf einen weiteren guten Ratschlag gefasst, aber nein. Dieses Mal kam sie mit einer Frage.

Ist Ihre Leine aus dem Reitsport?

Zur Erklärung: Ich hatte unsere Tau-Leine von Sammy’s kleiner Taklerei dabei. Ich knurrte ein Nein.

Ach so. Tja, meine Hündin macht immer die Karabiner auf. Ich weiß leider auch nicht, was ich da machen kann.“ – Ganz ehrlich? Eine neue Familie finden für die Hündin. Aber das sagte ich ihr nicht.

*Fotolia: Angry grandma pointing out something: #75067118 © olly

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