In Watte gepackt.

Och so ein feiner Hund. Ja mein Kleiner. Das hast du suuuuuper gemacht!

Jetzt mal Hand auf’s Herz: Wer von euch redet auch so mit seinem Vierbeiner? Ich gebe es zu: Moe gegenüber ist der Ton meist von vielen imaginären Luftherzchen und Schmusekussis belegt.

Dabei ist es längst nicht so, dass Moe alles darf – nein. Aber es wird anders artikuliert.

Ich bin in meinem Tonfall oft eher rau. Das merkst du ja auch beim Lesen dieses Blogs – bei mir gibt es selten „Blümchensprache“, ich mag eher die klaren Töne. Und beim Umgang mit Menschen fällt mir häufig genug der übertrieben nette Ton schwer.

Liegt es daran, dass Moe das alles abbekommt?

In Watte gepackt - Hundeerziehung gewaltfrei
Und wenn ich noch nicht aufstehen will?

1. Beispiel: Moe soll aufstehen.

Moe darf bei uns im Bett liegen. Unser Morgen läuft aktuell so ab: Unser Wecker klingelt um 5:30 Uhr. Dann geht es auf Morgenrunde, danach Frühstück für Moe, Kaffee für uns Menschen (im Bett) mit ausgiebigem Kuscheln (wenn Moe mag). Dann geht es gegen 8 Uhr an den Schreibtisch.

Vorher muss aber das Bett gemacht werden. Während wir uns also im Bad fertig machen, darf Moe noch liegen bleiben – dann muss das Klappbett aber auch wirklich zu. Sonst haben wir hier zu wenig Platz.

Moe denkt sich aber: Nö, ich stelle mich schlafend.

Während ich nun zu einem Menschen sagen würde: „Beweg deinen Hintern aus dem Bett, aber zackig!“, wird Moe sanft angestubst, mit Keksen und säuselnden Worten gelockt. Befehlston? Fehlanzeige!

In Watte gepackt - Hundeerziehung gewaltfrei
Wenn ich krank bin, ist das schlimm (fürs Frauchen).

2. Beispiel: Krank sein.

„Stell dich nicht so an. Ist nur ein Kratzer!“ – ich, jedes Mal, wenn mir irgendwer sagt, dass ihm irgendwas weh tut. Dabei bin ich selbst manchmal seeehr wehleidig und mag mich beklagen.

Außerdem bin ich sehr paddelig und habe ständig blaue Flecken oder Verbrennungen. Aber hey: Alles nicht so dramatisch.

ABER WEHE, der Hund ist umgeknickt. Oder auf der Treppe gestürzt. Oder mit dem Bollerkopf irgendwo hängen geblieben. Dann muss ich mich doch kümmern, oder?

Pusten gegen den Schmerz darf ich leider nicht – das kann Moe gar nicht haben. Aber ein bisschen Troststreicheln geht immer. Oder Naschis (du merkst schon: Bei uns wird vieles über Naschis gelöst 😀 ).

3. Beispiel: Nachtragend sein.

Was gewisse Dinge angeht, bin ich ein Elefant. Ich verzeihe schnell, aber ich merke mir ALLES. Und ich sehe den Menschen dann niemals mehr mit den gleichen Augen.

Dem Herrchen zum Beispiel halte ich bis heute vor, dass er meine Videokamera hat fallen lassen (nein, er hat sie nie ersetzt und er hatte damals auch keine Versicherung, die das hätte regeln können). Das war vor 8 Jahren.

Was Moe angeht, ist das alles schnell vergessen. Moe hat mit seinem Eckzahn auf meinen Daumen gebissen? Egal. Er hat sich wieder daneben benommen? Morgen ist ein neuer Tag. Moe hat den neuen Strickpullover ruiniert? Naja, kann passieren.

Es ist wurscht, was Moe macht. Spätestens nach 10 Minuten habe ich es wieder vergessen – und ganz ehrlich: Das ist gut so. Würde ich auch nur ein bisschen länger darauf rumdenken, würde ich mir ja den ganzen Tag versauen! 😉

In Watte gepackt - Hundeerziehung gewaltfrei
Nachtragend? Nö. Zumindest nicht sehr lange.

4. Ich habe eigentlich keine Zeit für dich, aber…

Menschen kann ich wunderbar ignorieren. Aber Moe… Ich versuche es manchmal. Ich halte es aber nicht lange durch.

Natürlich gibt es auch bei uns Augenblicke, in denen ich absolut keine Zeit habe. Dann richte ich mich an Moe, streichele ihm kurz über den Kopf und sage ihm, dass ich mich beeile.

Während ich meinen Partner eher blöd anranze und ihn frage, ob er nicht sieht, dass ich gerade zu tun habe.

In Watte gepackt - Hundeerziehung gewaltfrei
IIICH? In Watte gepackt? Niemals!

Ob ich meinen Hund in Watte packe?

Ja, ganz eventuell tue ich das. Und ich mache das gerne. Weil wer, wenn nicht ich, kann Moe umschmeicheln? Und wer, wenn nicht er, kann das so wunderbar genießen?

Werbung

Folge uns bei Pinterest

Kommentieren

15 Gedanken zu „In Watte gepackt.“

  1. Danke für diesen niedlichen Beitrag … ich habe mich in manchen doch gleich erkannt – und auch meinen Mann 😉 Wenn der Hund mal außer der Reihe gerne was futtern möchte – kein Thema, Hunger ist schlimmer als Heimweh. Aber wehe das Essen kocht schon und der Partner hat gerade nach einem Schokoriegel gegriffen!
    Wobei ich denke, oft ist es auch einfach die fehlende „echte“ Kommunikationsmöglichkeit, die uns so nachgiebig unseren Hunden gegenüber macht – und sie haben es wirklich verdient 😉

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

    2
    • OHA! Der böse Schokoriegel! Nee, das habe ich schon lange aufgegeben… Wichtiger wäre mir, der Mann würde mir mal auf die Finger hauen, wenn ich wieder nasche. 😀

      Ich denke auch, unseren Hunden soll es ja an nichts mangeln und sie haben es ja schon soooo schwer mit uns – da ist das Säuseln nur recht. 😉

      Liebe Grüße
      Nicole

  2. Danke für den Schmunzler (oder soll ich gleich sagen „Spiegel“) am Abend. Ich glaube, in der Beziehung sind die meisten irgendwie alle gleich 😉
    Und dazu dann noch dem Hund Fragen stellen, sich selber (am besten im Niedlichton für sich hinfaselnd) beantworten… entsprechend handeln… und Naschis hinterher, weil es Hund ja gut gemacht hat. Also das Nichts machen und zuschauen

    1
  3. Die Dame die die Platznachkontrolle bei mir durchgeführt hat, hat das sehr nett ausgedrückt. „Alles wunderbar. Vielleicht ein bisschen verwöhnt…“

    Ich verwöhne Tiffi. Mensch kann wegen mir auf der Isomatte pennen. Für Tiffi kann es nur etwas mit Memoryschaum und extra Isolierung sein.
    Mensch kann im Auto frieren. Tiffi hat eine extra große Kuscheldecke zum einmummeln.

    Beispiele gibt es viele. Aber zum einen hat sie genug auf dem Boden geschlafen, von Abfällen gelebt und gefroren. Zum Anderen entscheide ich für sie. Tiffi kann sich nicht aussuchen ob sie zum Mittelaltermarkt fahren will. Sie muss mit und deshalb soll sie es bequem haben.
    Sie kann sich nicht aussuchen ob sie einen Ausflug mit dem Auto machen will. Wenn ich es so entscheide, dann passiert es eben so.

    Liebe Grüße,
    Karen mit Tiffi

    1
  4. Hach, dazu kann ich nur sagen: genau so ist es, hier auch 🙂

    Ich bin vor ein paar Wochen durch Zufall über Deinen Blog gestolpert und lese seitdem viel hier herum, auch in den älteren Beiträgen – Du schreibst so toll und Deine Fotos von Moe sind wirklich beneidenswert!

    Ich habe am 21.11.2016 meine Mara, meinen Seelenhund, mein Ein und Alles verloren. Sie kam aus Griechenland zu mir, verängstigt und abgemagert, lies sich anfangs von niemandem anfassen und nach und nach ist sie bei mir aufgetaut. Als ich sie das erste Mal in ihrer Pflegestelle besuchte wurde mir gesagt, dass ich sie nicht würde anfassen können. So betrat ich den Raum, sie sah mich, kam zu mir und kuschelte sich an mein Bein – damit war alles entschieden! Sie war einfach alles für mich, sie war immer bei mir, auch auf der Arbeit, wir haben uns wortlos verstanden.
    Nur 5 Jahre zusammen waren uns vergönnt – wir haben so gekämpft, aber kein Tierarzt (auch ich nicht, ich bin Tierärztin), keine Klinik und keine Diagnostik konnte herausfinden, was sie hatte und weshalb ich sie zum Schluss doch über die Regenbogenbrücke hab gehen lassen müssen. Noch jetzt bekommt ihr Bild jeden Abend einen Gute-Nacht-Kuss von mir und noch jetzt kommen mir die Tränen beim Schreiben dieses Textes. Ich vermisse sie so schrecklich, auch nach über einem Jahr! Sie war und ist etwas ganz Besonderes. Umso trauriger bin ich, dass ich nicht auch so wundervolle, detaillreiche und ihr Wesen einfangende Bilder von ihr habe. Und umso wichtiger ist es, von meiner neuen Fellnase (Juna, ebenfalls aus Griechenland und ein großer Sonnenschein) so schöne Bilder zu bekommen. Leider ist es hier in der Region echt schwierig, jemanden zu finden, der das kann oder macht. Wenn man danach googelt bekommt man nur Ergebnisse von Fotografen aus allen Ecken Deutschlands und auch eine lokale Anfrage blieb ergebnislos.

    Darf ich fragen, wie weit Du für Deine Fotos fährst? Wir (meine Mutter, ihre Hündin Klärchen, Juna und ich sind in der Woche vor Ostern in Sankt Peter-Ording. Fotos am Strand von den beiden wären so wundervoll, sie toben und rennen dort immer so viel und sind so glücklich, allerdings befürchte ich, dass das zu weit für Dich ist, oder?

    Ganz liebe Grüße, auch an Moe,
    Christine & Juna

  5. Ooooooh jaaaaaa! Mit Säuselstimme wird mit Shiva geredet. Wobei ich sie auch mal anranze, wenn sie sich entgegen der Etikette benimmt. Aber hinterher habe ich ein ewig schlechtes Gewissen, wenn sie die Ohren hängen lässt…

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*