Ignoranz in der Hundeerziehung

Ignoranz in der Hundeerziehung

Den Hund ignorieren, wenn er etwas falsch gemacht hat oder wenn man eine Aktion seinerseits nicht gut heißt: Kann das funktionieren? Ist es mit dem Ignorieren wirklich getan?

Vorweg: Ich bin kein Hundetrainer. Alles, was ich im Folgenden schreibe, hat für uns gut funktioniert, bzw. eben nicht funktioniert. Das bedeutet nicht, dass es bei euch genau so klappt oder unser Weg für euch geeignet ist.

Den Hund ignorieren – warum eigentlich?

Es gibt viele Gründe, den Hund einfach mal zu ignorieren. Ein Grund wäre, wenn der Hund ständig etwas einfordert, zum Beispiel durch Anstupsen, Fiepen, Bellen. Manche Hunde wollen gerne immer wieder bespaßt werden, zum Beispiel beim Ball spielen. Durch konsequentes Ignorieren kann man so den Hund zur Ruhe bringen.

Das bedeutet nicht, dass jede Spielaufforderung ignoriert werden sollte! Wenn der Hund „überdreht“, bzw. anfängt, Anzeichen zu zeigen, sollte gestoppt werden.

Ballspielen…

Bei Moe war es damals so, dass wir häufig den Ball oder die Frisbee draußen dabei hatten. Moe ist ein absoluter Kandidat gewesen, beim Spielen keine Grenzen zu kennen. Diese Grenzen mussten wir setzen, da wir wussten, dass Moe durch seine HD eingeschränkt ist – auch wenn er es selbst nicht gezeigt hat.

Das Ball spielen wurde begrenzt
Das Ball spielen wurde begrenzt

Häufig war es in der Anfangszeit so, dass er uns nach dem „Schluss“ (das Wort wurde gesagt, der Ball aufgehoben und weggepackt) ungläubig anschaute und dann anfing, vor uns her zu hüpfen, zu stupsen, zu fiepen.

Für uns war hier der richtige Weg, Moe ein Signal zu geben, wann das Spiel beginnt, wann es aufhört und dann zu ignorieren, wenn er weiter fordert. Alleine Moes Gesundheit zu Liebe!

Betteln…

Wir ignorieren Moe aber nicht nur da. In der Anfangszeit, als viele Regeln in Frage gestellt wurden, wurde er auch ignoriert, wenn er am Tisch bettelte. Und ich bin froh, dass wir das durch gezogen haben!

Gebettelt wird nicht!
Gebettelt wird nicht!

Wer einmal gesehen hat, wie ein Hund über Tische und Bänke klettert um einen Teil des Abendessens zu ergattern, weiß, was ich meine. Moe bekommt manchmal Reste – aber eben nicht vom Tisch. So lautet unsere Regel.

Hinterher laufen…

Manchmal ist Moe einfach auch ein sturer Esel. Es gibt Tage, da läuft er mir auf Schritt und Tritt hinterher. Das ist nicht immer so und manchmal kann ich das haben – manchmal nervt es aber auch extrem, wenn er immer wieder im Weg steht, nicht zur Ruhe kommt.

Bei uns hilft dann tatsächlich auch, Moe ins Körbchen zu schicken, ihm eine Zwangspause zu „verordnen“ und ihn zu ignorieren. Das hört sich gemein an, aber ich finde, auch ich habe ein Recht darauf, mich uneingeschränkt in meiner Wohnung bewegen zu können – ohne Schatten.

Gleiches mit Gleichem…

Neulich wurde mir ein Video von einer Hundetrainerin gezeigt, die meinte, man solle den Spieß einmal umdrehen und genau das tun, was der Hund auch tut. Ich habe das mal in einem Selbstversuch ausprobiert. 🙂

Moe darf bei uns auf die Couch und das Bett. Nicht einfach so, sondern er fragt, wir erlauben es ihm. So funktioniert es für uns wirklich gut, denn wenn wir mal Besuch haben, soll Moe nicht einfach auf die Couch springen und es sich gemütlich machen.

So weit dazu. Ich habe mir also überlegt: Moe gefällt es gut auf unserer Couch, er kuschelt gerne mit uns. Auch im Bett. Wir haben im Grunde keine Individualdistanz, weil Moe sich einfach hinlegt, wie es ihm passt. Also kann ich mich doch mal zu ihm ins Körbchen legen, richtig?

Gesagt, getan. Ich habe mir eine Decke geschnappt und mich zu Moe gelegt. Was glaubt ihr, was dann passiert ist?

Wenn du springst, spring ich auch. Oder so.
Wenn du springst, spring ich auch. Oder so.

Moe kam nicht zur Ruhe. Kein Stück. Erst schaute er mich mit großen Augen an. Dann legte er seufzend seinen Kopf ab, nur um mich im nächsten Moment wieder anzuglubschen. „Dein Ernst?“ – so sah das aus.

Ich habe ihn nicht überstrapaziert, keine Sorge. Nach 10 Minuten bin ich wieder gegangen. Aber es war schön für mich zu sehen: Moe teilt sein Körbchen absolut nicht gerne – wohin gegen wir ihm unsere Couch und unser Bett auf dem Silberteller serviert haben.

Wann Ignoranz nicht hilft.

Um noch mal auf das Thema Ignoranz zu kommen, bevor ich mich hier komplett verzettele: Es gab Situationen, in denen uns Ignoranz keinen Millimeter weiter gebracht hat.

Es gibt da so einen Hundetrainer im TV, der vieles mit Leckerchen und/oder Ignoranz regelt. Zum Beispiel, wenn der Hund draußen ein Leinenpöbler ist, wird er kurzerhand an einer Laterne angeleint und sich selber überlassen. Oder wenn es an der Tür klingelt und der Hund Radau macht, wird er in sein Körbchen geschickt (oder irgendwo angebunden) und darf dann ignoriert werden.

Wisst ihr was? Damit sind wir kein Stück weiter gekommen. Natürlich haben wir Letzteres versucht. An der Leine haben wir es nicht gemacht, da haben wir einen besseren Weg gefunden, der uns bis heute wunderbar hilft.

Ignoranz hilft nicht immer!
Ignoranz hilft nicht immer!

Aber zu Hause, das ewige Bellen, wenn es klingelt. Es war echt ein Chaos. Und das Ignorieren half gar nicht. Im Gegenteil. Moe bellt einfach noch lauter, heult richtig. Er muss sich schließlich Gehör verschaffen…

Wir sind da so eingefahren, dass Ignoranz das Ganze nicht verbessert. Sicherlich gibt es bessere Methoden. Unsere ist aktuell, dass Moe die Gäste begrüßen darf und alles andere wird eben kurz gehalten. Beziehungsweise wird Moe zwischendurch angesprochen und abgelenkt, dann klappt das auch ganz gut.

Nein, das ist sicher nicht die beste Methode. Aber für uns reicht das gerade aus und wir können damit leben.

Fazit: Ignorieren kann helfen. Muss aber nicht.

Es ist sicherlich nicht für jeden etwas und auch nicht für jede Situation geeignet, aber für uns hat das Ignorieren in einigen Bereichen gut geholfen. Auf jeden Fall gehört einiges an Selbstdisziplin dazu, den Hund einfach mal nicht zu beachten – selbst wenn er niedlich schaut. 😉

Meine Freundin und Bloggerkollegin Sabrina hat übrigens auch schon über das Thema Ignoranz geschrieben, da es oft noch in Hundeschulen vermittelt wird. Ob die 3 großen „A“’s bei ihr geholfen haben, lest ihr hier.

Wie ist es denn bei euch? Ignoriert ihr zwischendurch auch oder kommt das für euch gar nicht in Frage?

Kommentieren

5 Gedanken zu „Ignoranz in der Hundeerziehung“

  1. Find ich super, wie ihr das löst! Hab beim Lesen immer wieder genickt und geschmunzelt, weil es mir auch so bekannt vorkommt. Unserer ist ein Spitzmischling, wenn er meldet, dann weil er uns aufmerksam machen will, dass da jetzt was ist. Ich erkenne es an, quasi ein „Danke für den Hinweis, ich übernehme ab jetzt wieder das Kommando“. Das funktioniert bei ihm als Wachhund echt gut 🙂
    Und ich finde, das ist doch das wichtigste, oder? Dass es für einen selbst und den Hund im Zusammenleben funktioniert. Da gibt’s eben keine Universallösungen 🙂
    Liebe Grüße
    Andrea




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  2. Hallo ihr zwei!

    Jaja, das liebe Ignorieren. Natürlich setze ich auch meine individuellen Grenzen. Manche Dinge lassen sich durch ignorieren lösen. Wie Moe kennt Shiva keine Grenzen, wenn es ums Spielen geht. Daher hab ich ihr das Kommando „Schluss“ nahegelegt. Wenn ich sage, es ist Schluss, dann ist auch Schluss. Ball kommt weg und ich lass mich da auch nicht überreden. Klappt soweit – Hund schmollt etwas, akzeptiert es aber.

    Betteln am Tisch… Mein Hund hat nicht gebettelt. Ich hab das durchgezogen, sie konnte mich auch niemals überreden und erweichen. Wenn ich gegessen habe, lag sie irgendwo und hinterher kam sie mal vorbeigeschlappt und hat geguckt, ob ich großzügig bin. Wenn nicht, dann hat sie sich wieder getrollt. Dann zog ich wieder zurück… Meine Eltern lieben meinen Hund sehr. Mein Vater vergöttert die kleine Maus und hat Shivas braunen Augen nichts entgegenzusetzen. Die terrorisiert ihn regelrecht. Sie bettelt, sie fordert und sie stupst und hat ihn total im Griff. Bei mir macht sie das nicht, bei meiner Mutter auch nicht. An sich würde ich jetzt sagen: Pech für ihn! Aaaaaber, wenn sie meint, dass sie jetzt auf der Stelle Hunger hat und Frühstück oder Abendessen will und ich noch gemütlich beim Essen sitze, nervt sie ihn solange, bis er mir sagt: „Jetzt gibt dem Hund doch endlich sein Futter!“ Tja, somit hat sie mich auch unter Kontrolle. Klar, ignorier ich das auch manchmal, aber immerhin ist er mein Vater und irgendwie fühle ich mich ihm doch noch weisungsgebunden, auch wenn ich längst erwachsen bin.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Kommandant Shiva




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  3. Ich könnte den Text fast genau so für uns nehmen. Manchmal hilft ignorieren aber in den meisten Fällen doch nicht! Wenn ich auf dem Sofa sitze und Bonjo direkt vor mir steht und gekrault werden will….. dann hilft ignorieren sehr gut! Irgendwann zieht er ab und der Blick auf den TV ist wieder frei. (Natürlich bekommt er in 90% sein krauli;)

    Liebe Grüße Vicky




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  4. Nun, ich gebe zu, dass ich Socke ganz selten ignoriere. Eigentlich nur morgens im Bett, wenn ich noch nicht aufstehen möchte und Socke vor der Schlafzimmer -türe steht und raus möchte. Nach kurzer Zeit legt sie sich hin, oft auch ins Bett und lässt sich den Bauch streicheln…. Ansonsten biete ich ihr gerne einen Ersatz an, soll heißen, statt Ball spielen gibt es eine Streicheleinheit, statt Leckerli ein Lob… Da ich auch nicht so gerne ignoriert werde, habe ich es ehrlich gesagt noch nicht probiert. dabei finde ich dies beim Betteln gar nicht so verkehrt. Socke bettelt aber nicht…

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  5. Ich halte es so wie ihr mit Aaron. Ignorieren ist teilweise ein gutes Mittel und dann gibt es Sachen, da hilft eher eine Ansage oder das Lenken in eine andere Handlung 🙂
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron




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