Ich geb‘ dich in andere Hände.

Ich geb dich in andere Hände

Ich reiche dich weiter, weil ich selbst an mir scheiter. Wünsch dir ein besseres Leben, ich kann’s dir nicht geben. Ich wollt‘ es vermeiden, ich musste mich so entscheiden – deine Zukunft soll besser sein als meine. (Alin Coen Band – Andere Hände)

Wie fühlt sich das eigentlich an? Wenn man sich für einen Hund entscheidet, mit Herz, Kopf und Bauch, diesem Wesen aber keinesfalls gerecht wird? Diesen Hund, der so sehr gewollt war, aufgrund von Lebensumständen, äußeren Einflüssen wieder abgeben zu müssen?

Ich habe mir darüber viele Gedanken gemacht. Ich habe mich nicht damit auseinander gesetzt, weil ich Moe abgeben möchte. Aber weil ich Menschen kenne, die aus bestimmten Gründen und unter bestimmten Umständen genau das tun mussten.

Moe ist eine Abgabe. Ein Second-Hand Hund. Die Vorbesitzerin von Moe hat sich viel Mühe gegeben, das richtige Zuhause zu finden, ihn nicht einfach ausgesetzt und begleitet uns auch so immer noch über Facebook.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie viel Kraft sie das gekostet hat. Und ihren kleinen Jungen, der ja mit angesehen hat, wie zwei völlig fremde Menschen einfach so „seinen“ Hund mitgenommen haben.

Darüber habe ich noch nie geschrieben, aber mir hat es in diesem Moment sehr weh getan. Einen kleinen Jungen zu sehen, der das gar nicht richtig versteht, dem einfach nur der Hund weggenommen wird – ich bin wohl zu sensibel dafür.

Dazu muss man aber wissen, dass die Vorbesitzerin Moe nicht „einfach so“ abgegeben hat. Moe hat sich nicht mit dem ersten Familienhund vertragen. Er hat ihm das Futter streitig gemacht und noch viele andere Dinge.

Aber auch andere Gründe können dazu führen, dass der Hund nicht mehr in die Familie passt. Vielleicht überschätzt man sich, die Lebensumstände ändern sich.

Immer wieder sehe ich sie: Die Leute, die andere Menschen verurteilen, weil diese ihren Hund abgeben müssen. Da wird diskutiert, ob es nicht eine andere Lösung geben kann, es wird verurteilt, ohne die Lebensumstände, den/die Menschen geschweige denn den Hund zu kennen.

Ich habs dir geschrieben: Ich werde dich immer lieben. Mir sind die Hände gebunden, hab‘ keinen Ausweg gefunden.
Ich bitte dich, mir zu verzeihen. Ich wünschte, es könnte anders sein. (Alin Coen Band – Andere Hände)

Liebe Menschen da draußen, macht euch doch mal eines klar: Jeder Hund, für den ein liebevollen Zuhause gesucht wird, HAT ES IMMER BESSER, als ein Hund, der einfach ausgesetzt wird.

Überlegt doch mal: Wie viel besser ist es denn, wenn ein zweifelhafter Kompromiss gefunden wird, nur damit der Hund bleiben kann? Ist denn damit wirklich allen geholfen?

Ich kann nur für mich sprechen: Moe hat sich direkt am ersten Tag bei uns eingefunden. Keine Berührungsprobleme, keine Ängste. Er war da und gekommen, um zu bleiben. Sicher, das ist nicht bei jedem Hund so. Manche, viele, brauchen ihre Zeit. Trotzdem: Geht es ihnen wirklich schlechter? Ich denke, nein.

Ein Hund spürt sehr genau, ob er zu seinem „Rudel“ passt oder nicht. Ob er eine Belastung ist oder ein willkommenes Familienmitglied.

Wenn ich mich zerreißen MUSS, obwohl ich das gar nicht kann oder möchte, um meinem Hund gerecht zu werden, nur damit ich gewisse Werte erfülle, dann kann das nicht die Lösung sein.

Ich habe Respekt vor jedem, der sich selber so weit reflektieren kann und für sich und seinen Vierbeiner feststellt: Bis hierhin und nicht weiter.

Eine Lösung zu finden, die für alle passt – und wenn es eine Abgabe ist. Es ist besser. Ein Hund, der nach der Abgabe auf SEINE Familie trifft, bei der er bleiben kann, die ihn so nimmt, wie er ist, schöner kann es doch nicht sein.

Lasst das Verurteilen sein. Jemand, der seinen Hund aus Gründen abgibt und für diesen das beste Zuhause sucht, hat es nicht verdient, an den Pranger gestellt zu werden. Es steht euch nicht zu, über die Gründe dieses Menschen zu urteilen!

Danke für meinen Seelenhund.
Danke für meinen Seelenhund.

Liebe Nicole, ich habe es dir noch nie persönlich gesagt und ich bin mir nicht einmal sicher, ob du das hier liest. Ich danke dir für diesen tollen Hund, den du uns anvertraut hast.

Wenn du nicht auf uns aufmerksam geworden wärst, würde ich jetzt nicht hier sitzen und an diese wunderbare Flauschkartoffel denken. Deine Entscheidung war sicherlich unendlich schwer und nach wie vor berührt es mich tief, dass du diese Entscheidung für euch, aber letztendlich für Moe, genau so getroffen hast.

Danke. Danke für dein Vertrauen, danke für den wundervollsten Hund der Welt, danke für meinen Seelenhund.

Du kamst viel zu früh für mich. Ich geb dich in andere Hände, was ich hab genügt dir nicht.
Ich bin kraftlos, denn am Ende ist keiner da, der uns trägt. Ich hab‘ dich in ein besseres Leben gelegt. (Alin Coen Band – Andere Hände)

 

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11 Gedanken zu „Ich geb‘ dich in andere Hände.“

  1. Hallo Nicole, Hallo Moe,
    ich weiss wie es ist, wie es sich anfühlt, denn auch ich bin einer von den Menschen, die den geliebten Hund weiter geben musste…
    Trennung vom Partner, Vollzeitjob. Ein halbes Jahr habe ich gekömpft, Alternativen gesucht. Stunden im Job runtergeschraubt aber dann nicht mehr mit dem Geld ausgekommen.
    Es zerreißt einem das Herz, man kann kaum noch atmen wenn es dann soweit ist. Das schlechte Gewissen, das Gefühl versagt zu haben begleitet einen.
    Aber auch diese Entscheidung war für mich Tierschutz! Nun ist Lucky seit zwei Jahren in einer tollen Familie und er hat ein Leben, das er verdient hat und das ich ihm damals nicht hätte geben können. Mein Leben hat sich wieder verändert aber das konnte ich zum damaligen Zeitpunkt nicht ahnen.

    Liebe Grüsse
    Ela




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  2. Hallo Nicole und Moe,
    niemand wird jemals sagen können, was wird, was in ein paar Jahren ist. Auch wenn ich sage: „Ich entscheide mich für einen Hund und der soll es nun schön im Leben haben und mich – nach meinen Plänen und Wünschen erst nach einem langen und glücklichen Leben wieder verlassen dürfen, wenn er auf seine letzte Reise geht“, so bin ich kein Hellseher. Vielleicht laufe ich morgen vor einen Bus und bin mein Leben lang ein Pflegefall. Vielleicht ist familiär so eine radikale Veränderung, dass es mir schlichtweg nicht möglich ist meinem Wuschelmädchen gerecht zu werden… Mir würde es das Herz zerreissen, aber meinem Hund zuliebe würde ich sie wohl in ein gutes und behütetes Zuhause geben, bevor ich sie aus egoistischen Motiven behalte, nur um sie bei mir zu haben. Zum Glück stellt sich mir die Frage derzeit nicht und ich hoffe in Zukunft auch nicht. Aber genauso, wie ich Rocky über die Regenbogenbrücke gehen lassen konnte, obwohl ich lieber 1000 Tode für ihn gestorben wäre, genauso kann ich früher oder später auch Shiva gehen lassen. Das gehört für mich genauso zur Liebe, Fürsorge und Verantwortung für das Tier dazu, wie alles andere.
    Flauschige Grüße
    Sandra (die ihr Wuschelmädchen jetzt sofort drücken will) & Shiva




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  3. Hallo Nicole, Hallo Moe.
    Das ist ja ein richtiger Gänsehaut Artikel! Generell würde ich schon eher sagen dass ich ein Mensch bin der Vorurteile hat gegenüber anderen Menschen die ihr Tier abgeben. Dein Artikel hat mich zum denken angeregt und ich muss sagen, es kommt wohl auf den Grund an wieso ein Mensch entscheidet sein Tier abzugeben. Es gibt Gründe, da ist es einfach das Beste für ein Tier. Allerdings glaube ich dass einige Menschen es sich auch zu einfach machen und ihr Tier zu voreilig weggeben. Emma habe ich aus dem Tierheim und sie wurde nach 4 Jahren abgegeben weil sie wohl einen anderen Hund gebissen hat. Ja Emma hat Probleme mit anderen Hunden. Aber würde ich sie deswegen abgeben? Nein! Ich arbeite an dem Problem und lebe damit dass es sein kann, dass sie vielleicht nie ausgelassen mit anderen Hunden spielen kann. Aber das ist okay für mich. Ich sage nicht, dass ich kein Verständnis dafür habe wenn man sein Tier abgibt. Aber es sollte zum Besten von dem Tier sein und nicht zum Besten von einem selbst…

    Viele Grüße von Mone und Emma. 🙂




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  4. Ein Posting, das mir ziemlich an die Nieren geht.
    Ich selbst stand vor einigen Jahren vor dieser Entscheidung. Es handelte sich allerdings nicht um einen Hund, sondern um mein damaliges Pferd. Lange habe ich mit mir gerungen, mir Vorwürfe gemacht (was auch heute noch manchmal der Fall ist) und lange habe ich auch ständig versucht mich vor anderen zu rechtfertigen.
    Heute weiß ich, dass es, auch wenn es eine der schwierigsten und traurigsten Entscheidungen meines Lebens war, ganz einfach die einzig richtige Option war.

    In dem Moment, in dem wir uns für ein Tier entscheiden, und es bei uns aufnehmen, übernehmen wir die volle Verantwortung für dieses Lebewesen. Und Verantwortung heißt doch auch, dass man in schwierigen Situationen abwägt, was das Beste für das Tier ist. Auch, wenn diese Entscheidung vielleicht nicht die leichteste oder schönste für einen selbst ist.

    Es mag viele Leute geben, die es sich leider etwas zu einfach machen. Und dennoch ist es doch so, dass auch der entschlossenste und verantwortungsvollste Hundehalter nicht wissen kann, was das Leben in ein paar Jahren bringt. Auf einige Dinge mag man Einfluss haben, und doch gibt es auch Situationen, die unvorhersehbar sind.

    Danke jedenfalls für diesen Artikel!




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  5. Mit Socke haben wir auch einen Hund, der in seinem alten Zuhause nicht mehr bleiben konnte. Wir sind uns sicher, dass die Vorbesitzerin Socke nicht leichtfertig abgegeben hat und heilfroh, dass wir sie bekommen haben. Und ich glaube auch, dass es etliche Hundehalter gibt, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und dieser gerecht werden.

    Niemand kann sich davon freisprechen, dass sich die Lebensumstände derart ändern, dass man seinen Hund nicht halten kann. Ich habe aber das Gefühl, dass sich so mancher Hundehalter leichtfertig einen Hund anschafft und sich dann auch schnell von ihm trennt, wenn es unbequem oder anstrengend wird. Dafür habe ich kein Verständnis.

    So las ist neulich auf der Notseite der Tibetischen Hunde eine Vermittlungsanfrage für einen Hund. Die Gründe erschienen nicht ganz einleuchtend und so schlugen wir vor, doch erst einmal dies und jenes zu versuchen. Und siehe da es klappte sofort. Ich erwarte eigentlich von einem Hundehalter, dass er erst einmal alle Möglichkeiten für sich auslotet..

    Im Übrigen hoffe ich von ganzem Herzen, dass ich mir niemals diese Fragen stellen muss.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  6. Dr Artikel regt schon zum Nachdenken an. Ich denke mal es kommt auch immer auf die Situation drauf an.

    Solange wir da sind wird auch unser Max bei uns bleiben. Wir haben ihn von Welpen an gross gezogen und möchten ihn heute nicht mehr missen. Er bringt uns viel Freude.

    Aber man kann wirklich mal in eine missliche Lage kommen und was wird aus dem Hund dann? Darüber haben wir uns auch Gedanken gemacht und konnten für sowas gottseidank eine Lösung finden. Unser Max wäre dann in guten Händen.

    Ich wünsche jedem viel Freude mit seinem Tier und das niemand in solch eine Situation mal kommt.




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  7. Wow. Ein wirklich rührender Artikel, der auch zum Nachdenken anregt.
    Es würde mich unendlich viel Kraft kosten, Hazel wieder abzugeben, wenn es mit Emmely plötzlich nicht mehr klappen würde. Obwohl ich Emmely ja sehr sehr liebe.
    Ich kenne zwar niemanden, der seinen Hund abgeben musste, aber viele die einen sogenannten Second Hand Hund haben – und denen es wirklich gut geht.
    Liebste Grüße
    Lizzy mit Emmely und Hazel




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  8. Ich kenne so etwas aber aus einer anderen Perspektive. Unsere Maya , ein kleiner süßer Bolonka Zwetna, ist ursprünglich der Hund von meiner großen Schwester und ihren Freund gewesen. Aber ihr Freund war alleiniger Halter. Ende vom Lied beide trennten sich, er wollte nix mehr mit den Hund zutun haben. Meine Schwester zog in eine andere Stadt und hatte keine Zeit mehr wegen Arbeit und einigen anderen Umständen. Aber abgeben kam nie in Frage, stattdessen sind meine Familie und ich eingesprungen. Wir haben Sie zu unseren Bolonka Rüden dazu geholt, sie kannten sich eh schon seit Maya ein Welpe war und Teddy ein Jahr alt. Sie lebt jetzt schon seit gut 5 Jahren bei uns, sie ist glaube glücklich und meine Schwester sieht sie auch immer mal.

    Es gibt so oft Gründe die man nicht vorhersehen kann. Den besten Weg zu finden ist schwierig aber wenn man sein Tier liebt findet man einen.

    Liebe Grüße
    Sandy mit Maya und Teddy 😉




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  9. Eure Geschichte ist wirklich sehr rührend und Moe ist sicherlich auch total froh bei euch zu sein. Und ich denke auch, dass es viele Geschichten gibt, die ähnlich sind, dass es unüberbrückbare Dinge gibt, wo die Leute nicht in der Lage sind, dran zu arbeiten.
    Allerdings denke ich, dass manche Leute sich anscheinend keine Gedanken machen, dass Hunde nicht nur süße kleine Welpen, sondern den Hauptteil ihres Lebens mehr oder weniger große, erwachsene Hunde sind. Und leider suchen nicht alle Besitzer so verantwortungsvoll nach einem neuen Zu Hause. Man schaue sich nur die unzähligen Kleinanzeigen und die vollen Tierheime an. Und meistens sind die Hunde zwischen 1-3 Jahren abgegeben worden, weil es dann Probleme mit der „Pubertät“ gab und die Leute nicht damit klar kamen, dass es eben kein tapsiger süßer Welpe mehr war, den sie da an der Leine hatten. Dann gibt es noch die Klassiker; Hund kommt nicht mit Katze klar, Hund kommt nicht mit Baby klar, Hund muss täglich 8 Stunden alleine bleiben weil man „auf einmal“ einen Vollzeitjob hat, wo der Hund nicht mit hin darf.
    Mir fehlt da einfach das Verständnis, dass man sich a.) nicht über mögliche Konfliktsituationen informiert und versucht mit professioneller Hilfe dran zu arbeiten und b.) sich überhaupt einen Hund anschafft wenn man denkt, dass es einfach so neben her läuft. Man gibt doch auch sein Kind nicht zur Adoption, nur weil man mehr arbeiten muss. Die meisten Eltern würden da eher den Job wechseln. Oder wenn sich Geschwisterkinder streiten, wenn sie gerade mal in die Trotzphase kommen und denken sie müssten sich mit der Schippe vermöbeln… da wird doch dann auch nicht geschaut: „mhh wer macht weniger ärger/wer ist länger da; der darf bleiben“, oder?
    Man sollte sich auch informieren, dass wenn es Probleme mit dem Hund gibt, immer der/diejenigen von denen man den Hund hat, erste Anlaufstelle sein sollte, wenn es Probleme gibt bzw. die den Hund dann zurück nehmen. Seien es Züchter (ob mit oder ohne Papiere) oder eine seriöse Tierschutzorga. Leider kaufen Menschen immer noch vom Erstbesten, der grad die passende Rasse im Angebot hat oder lassen sich von ihrem Mitgefühl austricksen und holen den süßen kleinen Straßenhund, der sonst am nächsten Tag in die Tötung kommt und die dubiosen „Tierschutzorgas“ machen Gewinn und sind dann über alle Berge, wenn sich rausstellt, dass in dem kleinen leider ein großer Teil Osteuropäischer Herdenschutzhund mitgeschischt hat und der dann mit 9 Monaten den Postboten stellt.
    Wir haben Tino nur, weil wir wussten, was wir uns ins Haus holen und, dass wir beide in Branchen arbeiten wo Hunde im Büro meistens überhaupt kein Problem sind und, dass wenn beide von uns eine Festanstellung haben, mindestens einer den Hund mitnehmen kann. Sonst arbeitet der andere erstmal als Freelancer von zu Hause. Klar ist das ein „Luxus“, aber ohne diese Voraussetzungen wäre hier nie einer eingezogen.




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  10. Ach das muss schrecklich sein, nicht nur für den Besiter sondern auch für den Hund. Mein Hund ist auch ein „second-hand-Hund“ und es hat sehr lange gedauert bis sich der Hund bei mir wohl fühlte uns sich an mein Leben angepasst hat. Ich denke ich könnte nicht damit leben, wenn ich heute meinen Hund wieder hergeben müsste. Das würde mir das Herz zerreissen.




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  1. Feiertag. | Hundeblog Moe and Me

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