Hundenachwuchs?

Hundenachwuchs?

Das Thema brennt mir schon länger unter den Nägeln, bisher habe ich aber noch keinen Weg gefunden, den Text so zu schreiben, wie er es erfordert. Ihr wisst ja, das dieser Blog hier durchaus persönlich ist und ich nicht nur oberflächlich schreiben mag.

Das bedeutet, dass ich mich manchmal auch mit Themen auseinander setze, die mich beschäftigen und nicht, weil sie zwangsläufig für euch als Leser relevant sind. Nichts mit Mehrwert und so.

Also: Falls ihr heute Mehrwert erwartet, muss ich euch leider enttäuschen. Heute geht es um meine Gedanken zum Thema: Zweithund, bzw. Was passiert, wenn Moe nicht mehr ist?!

„Ersatz“ für Moe

So richtig angeschubst hat das Thema nun noch einmal Sabine von Einfach Socke. Sie beschäftigte sich neulich mit dem Thema, ob sie wohl immer bei der gleichen Hunderasse bleiben würde  – und ob es nach Socke überhaupt noch einen Hund geben soll.

Für mich ist das Thema auch einigermaßen schwierig. Dazu muss man eines wissen: Seit ich denken kann, wollte ich einen Hund an meiner Seite. Durch verschiedene, aber sehr, sehr wichtige Gründe kam es dazu erst relativ spät. Beispielsweise sind sowohl meine Mutter, als auch meine Schwester und damals auch ich schwer krank gewesen.

Wir leiden alle unter allergischem Asthma, das sehr belastend ist, Kraft kostet und viele Medikamente erfordert. Mittlerweile bin ich so gut wie beschwerdefrei, dank einer Hyposensibiliserung (darüber habe ich hier geschrieben: Vom Tierhaar-Allergiker zum Hundebesitzer). Meine Mutter ist aber immer noch schwer krank und kann mit Moe nur zeitweise umgehen.

Darüber hinaus gab es bei uns immer wieder familiäre Probleme, auf die ich nicht weiter eingehen möchte. Fakt ist: Damals wäre ein Hund einfach zu viel gewesen, wir wären ihm nicht gerecht geworden und wahrscheinlich wäre er bei uns wirklich arm dran gewesen.

Ohne Moe ist alles doof
Ohne Moe ist alles doof

Ein paar Jahre nach meinem Auszug, als alles in geregelten Bahnen lief, durfte Moe einziehen. Aber nicht irgendwie und ohne Planung. Nein, ein Jahr habe ich mir Gedanken gemacht. Gerechnet, geplant, mich testen lassen, Dennis und mich vorbereitet.

Denn ich wusste, dass ein Hund mehr braucht als ein Körbchen. Hundehaltung ist nicht immer easy. Manchmal ist es anstrengend (ok, häufiger als manchmal!), es erfordert Zeit, Geld, Geduld, Kraft. Jeder, der etwas anderes erzählt, lügt.

Ich musste sichergehen, dass meine Krankheit mich einen Hund halten lässt. Zum Glück klappt das bis heute. Ich bin immer noch krank, das merke ich in verschiedenen Situationen. Aber ich reagiere nicht allergisch auf Moe.

Ihr seht: Schon bevor Moe eingezogen ist, habe ich mich viel mit der Situation beschäftigt. Dieser Hund bedeutet mir mehr als vieles andere. Ich würde alles aufgeben, um ihn zu halten, ihn glücklich zu machen, ihm das zu geben, was er braucht.

Wenn es finanziell knapp war, haben nur wir zurück gesteckt. Niemals Moe. Und das ist eine der größten Verantwortungen (neben einem eigenen Kind), die man eingeht. Es ist so wichtig, dass man das weiß.

Und genau das ist der Knackpunkt, auf den ich hinaus möchte: Ich glaube nicht, dass ich mich dieser Verantwortung noch einmal stellen kann.

Moe kostet Kraft. Ich bin kein Mensch, der Nachts gut aufstehen kann, wenn etwas los ist. Wenn Moe sich beispielsweise übergeben muss, wenn er mal raus muss, belastet mich das sehr. Ich kann danach lange nicht einschlafen, mache mir Sorgen, liege wach.

Moe kostet Geld. Nein, mir ist das Finanzielle nicht so wichtig und ich habe keine hohen Ansprüche an meine Kleidung oder an mein Äußeres. Das habe ich lange über Board geworfen. Aber ich habe einen Anspruch, dass es Moe immer gut geht.

Ich setze nicht auf teures Equipment für ihn, ich kaufe keine Leine für 130 €. Aber ich kaufe hochwertiges Futter, Snacks, ab und zu ein Spielzeug (und da auch nicht das Billigste), lese Bücher um mich fortzubilden, bezahle den Tierarzt.

Ich weiß, dass Moe immer älter wird. Nächstes Jahr feiert er seinen 8. Geburtstag. Mittlerweile merkt man ihm das Alter an, er wird weiß um die Schnauze, er wird ruhiger. Ich möchte, dass er lange schmerzfrei leben kann und werde alles dafür tun.

Moe kostet Zeit. Jeder Hund braucht Aufmerksamkeit. Ich kann Moe nicht den ganzen Tag alleine lassen, kann ihn nicht ignorieren. Er braucht Ansprache, will gefordert und gefördert werden. Ich möchte nicht, dass er verkümmert. Und das braucht Zeit.

Ich habe mich bewusst gegen ein Kind entschieden. Nun kann man sagen, dass ich mit 29 vielleicht noch jung bin und sich meine Meinung ändern kann. Ich denke nicht, dass das passieren wird. Eben auch aus oben genannten Gründen. Und wahrscheinlich werde ich mich auch nicht wieder für einen Hund entscheiden, nach Moe.

Versteht mich nicht falsch: Alles, was wir tun, tun wir gerne. Und ich bereue es kein Stück, dass Moe Teil unseres Lebens ist. Diese Zeit war und ist für mich ein großes Abenteuer, dass ich auch genieße und gerne lebe! Aber ich denke nicht, dass ich das noch einmal mit einem anderen Hund teilen kann.

Der Trend geht zum Zweithund

Ich sehe es mittlerweile so häufig, dass sich viele zu ihrem ersten Hund noch einen Zweiten ins Haus holen. Ich kann das sehr gut verstehen. Zwei Hunde können sich miteinander beschäftigen, das gute Gefühl, dass man mit einem Hund hat, verstärkt sich vielleicht sogar noch mit zweien. Die beiden bilden ein Rudel, es ist niedlich, es ist toll. Wenn man zu einem alten Hund einen jungen dazu holt, erlebt der alte vielleicht die Welt neu, hat Spaß, kümmert sich gerne.

Vielleicht passiert aber auch alles das nicht. Und das findet man dann aber eher selten, zumindest habe ich bisher kaum so eine Geschichte gefunden. Vielleicht, weil für die Hunde wirklich alles in Ordnung ist? Vielleicht möchte man sich aber auch nicht eingestehen, dass es doch nicht passt.

Moe ist so ein Hund, der als Zweithund angeschafft wurde. Und er wurde abgegeben, weil es doch zu viel wurde. Er hat Eigenheiten an den Tag gelegt, die nicht zu dem Ersthund passten. Dem Ersthund ging es nicht gut mit Moe und anders herum auch nicht.

Moe hat angefangen, sich Eigenheiten abzuschauen, wie z.B. Männer generell doof zu finden und anzuknurren. Es wäre natürlich fatal, wenn Moe dort geblieben wäre. Moe wiederum hat dem anderen das Futter streitig gemacht und ihn nicht mehr fressen lassen.

Zweithund?
Zweithund?

Wie würde also Moe reagieren, wenn hier dauerhaft ein zweiter Hund wäre?

Wir standen neulich vor so einer Entscheidung. Ja, ihr lest richtig. Wir wollten helfen. Ein Hund musste aus besonderen Umständen noch am selben Tag abgegeben werden. Bei uns aus der Umgebung. 13 Jahre alt, eine Hündin. Und in meinem Kopf begann es zu rattern. Eine Pflege- oder Endstelle wurde schnellstens gesucht. Ich wollte uns als Pflegestelle anbieten, damit die Hündin erst einmal unterkäme.

Aber hätte ich damit wirklich alles richtig gemacht? Wäre das gut gelaufen? Oder wäre diese Entscheidung so absolut nicht in Moes Sinn gewesen, hätte ich hier nur Unruhe hinein gebracht?

Glücklicherweise musste ich mir die Gedanken nicht mehr machen, bzw. musste ich es nicht austesten. Die Hündin hat nun eine Endstelle bekommen und darf (hoffentlich) für den Rest ihres Lebens in einer Familie leben.

Damals habe ich eine Zeitlang auf Hunde aufgepasst und dort mehrfach die einzigartige Acai zu Besuch gehabt (zu Acai habe ich mal etwas geschrieben: Liebe unter Hunden). Auch über einen Zeitraum von einer Woche.

Für Moe war das zeitweise problematisch: Essen teilt er nicht mit anderen Hunden, er schnappt dann um sich. So mussten wir immer getrennt füttern, und zwar nicht nur die Hauptmahlzeiten, sondern auch Snacks. Spielzeug wird auch äußerst ungern geteilt. Also gab es das nicht.

Acai durfte in Moes Körbchen schlafen, durfte (wenn auch nur maßvoll) von Dennis und mir bekuschelt werden, aber er ist schon generell sehr eifersüchtig auf andere Hunde. Und das ist sicherlich in der letzten Zeit eher gewachsen, als das es sich verringert hätte.

Acai und Moe haben miteinander gespielt und wie ich schon einmal schrieb, war Acai die einzige, richtige Freundin von Moe. Bei ihr wäre ich sicher gewesen: Wir hätten sie jederzeit adoptiert. Trotz der Schwierigkeiten, die man aber vielleicht hinbekommen hätte.

Aber noch einen Versuch wagen? Ich rechne fest damit, dass ich einen zweiten Hund immer mit Moe vergleichen würde, egal ob der zweite Hund noch zu Lebzeiten von Moe käme oder danach. Wäre das gerecht? Habe ich so viel Platz in meinem Herzen für einen zweiten Hund?

Kein zweiter Hund für uns.

Mittlerweile bin ich sicher. Es wird keinen Zweithund geben. Moe ist einzigartig, und er ist glücklich ohne Artgenossen. Warum soll ich ihm das auf’s Auge drücken, nur damit ich vielleicht kurzzeitig ein Bedürfnis befriedige, dass bei genauerer Betrachtung gar kein Bedürfnis ist? Das wäre mehr als unfair.

Zu unserer Lebensplanung passt kein zweiter Hund. Aber es passt auch kein Hund nach Moe. Jedenfalls gerade jetzt nicht. Moe ist so besonders in seiner Art, er ist der liebste, tollste, tollpatschigste, flauschigste Vierbeiner, der mir je untergekommen ist.

Seelenhund
Seelenhund

Moe ist mein Seelenhund. Wie soll da jemals Platz sein für einen anderen?

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