Unsere Hundeerziehung: Bitte nicht nachmachen!

Unsere Hundeerziehung
Unsere Hundeerziehung

Keine Sorge: Das wird kein Beitrag zum Thema: „Wie erziehe ich meinen Hund richtig“. Ihr werdet wohl nicht erleben, dass ich darüber jemals schreiben werde. 🙂 Aber ich lasse euch gerne teilhaben, welche Erziehungsansätze ich so verfolgt habe, warum ich das gemacht habe – und ob sie von Erfolg gekrönt waren (Überraschung: Nein!). Manche Tipps habe ich auch nur gelesen und gar nicht erst nachgemacht, aus Gründen.

Ein paar von euch haben vielleicht schon meinen Artikel „Meine Fehler in der Hundeerziehung“ gelesen. Dieser Artikel baut ein klein wenig darauf auf, hat aber doch einen anderen Ansatz.

Was ich euch vor allem mitgeben möchte, und zwar vor allem denen, die planen, sich einen Hund anzuschaffen und auch alle anderen, die vielleicht gerade ein bisschen in der Hundeerziehung verzweifeln: Hört auf euer Bauchgefühl bei der Hundeerziehung, geht zu einem Trainer, dem ihr vertraut und vor allem: Macht nichts nach, was ihr im TV von irgendwelchen Hundeflüsterern seht / hört. Wenn ihr absolut verzweifelt seid, holt euch einen Trainer an die Seite (besser noch: bevor es zu schlimm ist!).

1. Moe wird ignoriert, wenn er mich zum Spielen auffordert.

Bombentipp
. Fragt mich nicht, von welchem Hundeprofi das kommt. Aber ich las einmal, dass der Hund bei Spielaufforderungen keinen Erfolg haben soll, stattdessen soll der „Rudelführer“ derjenige sein, der bestimmt, wann gespielt, gefressen und geschlafen wird.

Versteht mich nicht falsch: Ich finde es richtig, wenn der Hund auch einmal zwischendurch „Ruhepausen“ verordnet bekommt, wenn er von sich aus sonst nicht runterkommt (was bei Moe übrigens sehr selten notwendig ist, aber ich kenne Hunde, die damit ein Problem haben!). Aber stellt euch mal die folgende Situation vor: 2 Personen leben zusammen. Kalle und Wolle. Wolle kommt jeden Tag und möchte mit Kalle Monopoly spielen.

Kalle denkt sich: „Nee. Wenn ich jetzt mit Wolle spiele, dann macht der in Zukunft WAS ER WILL und räumt vielleicht nicht mehr auf, putzt nicht das Bad und ist sowieso komplett respektlos. Ich bestimme, wann gespielt wird!“ – Das Blöde an dieser Situation ist, Kalle will eigentlich mit Wolle spielen. Aber er lehnt aus den oben genannten Gründen ab.

So geht das ungefähr 1,5 Wochen, denn Wolle ist ein sehr geduldiges Wesen. Aber irgendwann hat Wolle auch ein Einsehen und lässt die Spielaufforderungen sein. Kalle denkt sich: „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, Wolle zum Spielen aufzufordern!“ – Leider hat Wolle jetzt keine Lust mehr. Warum sollte er auch? So lange hat er gewartet und nach unzähligen Versuchen kommt Kalle jetzt auf ihn zu? Nö. So nicht.

Ihr könnt euch denken, dass die Situation jetzt ein klein wenig übertrieben dargestellt ist, dennoch ist sie im Kern richtig: Wenn euer Hund euch zum Spielen auffordert, müsst ihr nicht jedes Mal darauf eingehen. Das erwartet keiner, auch nicht euer Hund. Aber so ab und zu tut ein kleines Spiel gut – und ich verrate euch mal ein Geheimnis: Eurer Beziehung schadet das garantiert nicht und der Vierbeiner wird nicht direkt die Weltherrschaft an sich reißen. Versprochen!

2. Ein Tabu wird nach zweimaligem Üben immer beherzigt.

Bottsand

Das ist tatsächlich auf meinem Mist gewachsen. Zu meiner Verteidigung sei gesagt: Moe ist sehr sensibel, was die Körpersprache angeht, also dachte ich, ich könnte ihn notfalls noch mal mit meinem Körper blocken und außerdem hatte er die Übung so schnell verstanden!

Und so war es eigentlich auch. Naschi geworfen, Tabu gesagt, Moe nimmt das Naschi nicht auf. Bei richtig leckeren Dingen, wie zum Beispiel Wurst, hat einfach mein Fuß geholfen, den ich schnell vor oder sogar auf das Leckerchen gesetzt habe.

Es klappte prima  – zu Hause.

Man. Ich konnte doch nicht wissen, dass Moe bei Käse draußen kein Tabu kennt. Und bei Döner. Und… Ach egal. 😉 Mittlerweile sind wir aber auf einem seeehr guten Weg – vorausgesetzt, das Tabu kommt schnell genug aus meinem Mund und nicht erst dann, wenn Moe das „was-auch-immer-da-lag“ bereits aufgefuttert hat.

3. Wenn Moe bellt, weil es an der Tür klingelt, wird er ignoriert.

Ignoranz ist sowieso immer der beste Tipp für alle Lebenslagen mit dem Hund. Dein Hund macht etwas, das er nicht soll? Ignorier ihn. Dann hört er auf. Ja von wegen! Ich weiß nicht, für welches Exemplar Hund das gilt, aber Moe denkt sich bei Ignoranz: JETZT ERST RECHT! Bedeutet: Es wird noch lauter gebellt.

In ekstatischen Tiefen und Höhen und richtig langanhaltend. Ich bin sehr froh, dass wir mittlerweile auf dem Dorf wohnen und die Leute sowas hier kennen. Nur mein Trommelfell, das leidet richtig.Das war übrigens nicht immer so schlimm: Angeschlagen hat Moe schon immer, wenn es an der Tür geklingelt hat. Anfangs war das aber relativ schnell vorbei. Dann fingen wir an, ihn beim Klingeln ins Körbchen zu bringen.

Da wollte er aber nicht bleiben. Also wurde er angeleint im Körbchen. Fand er doof. Und: Man kann ja wunderbar von da aus Bellen. Also haben wir in guter alter Hundeflüsterer-Manier mit diesen Scheiben geworfen, die so laut klimpern. Moe war eine Sekunde erschrocken, dann wurde weiter gebellt. Mittlerweile sind wir in einem Stadium, in dem er einfach nicht mehr aufhört, bevor wir ihn nicht entweder ablenken oder er mit zum Besuch darf. So ist das eben. Wir haben es verbockt.

Kurzer Tipp am Rande: Es war eine bescheuerte Idee, Moe PET- Flaschen und diese klimpernden Scheiben vor die Füße zu werfen. Tut das nicht! 1. Bringt es absolut gar nichts und 2. Hat der Hund eventuell danach Angst vor PET-Flaschen, mag die also auch nicht mehr apportieren.

4. Der Hund muss viel Spazieren gehen. Ganz viel. Mindestens 4 Stunden am Tag.

In der Ruhe liegt die Kraft
In der Ruhe liegt die Kraft

…und dazu noch Unterordnung, Tricks lernen und so weiter. Ja, sicher. Man liest es leider immer wieder, angeblich braucht der Hund enorm viel Bewegung und jeder, der mit seinem Hund nur 2 Stunden am Tag unterwegs ist, ist ein Tierquäler. Am Anfang habe ich auch riesige Runden in Kauf genommen. Bei jedem Wetter, immer neue Strecken, bis die Beine gebrannt haben und die Füße rund waren.

Moe fand das nicht wirklich schlimm. Trotzdem sollte man auch bei den Spaziergängen realistisch sein: Bin ich ein Tierquäler, nur weil mein Hund nicht so viel läuft? Ganz sicher nicht. Denn stattdessen bekommt Moe immer wieder was für den Kopf zu tun oder darf Apportieren, und, ja, auch das: Er darf einfach nur mal Hund sein.

Denn wenn ich eines von Moe gelernt habe, ist es genau das: Hunde praktizieren auch das „Dolce far niente“ – das süße Nichtstun. Und das mit Genuss! Sie brauchen nicht ständig und jeden Tag bespaßt und beschäftigt zu werden, im Gegenteil!

Sicherlich gibt es auch da Unterscheidungen in der Rasse. Wer seinen Husky auf geringstem Platz hält und nur 10 Minuten am Tag mit ihm rausgeht, der wird wohl keinen glücklichen Hund zu Hause haben. Und auch Hunde aus Arbeitslinien wären bei uns wahrscheinlich mega unzufrieden. Ich behaupte aber mal, bei Moe ist das nicht so.

Die Abwechslung macht es. Moe findet lange Spaziergänge toll, aber er hat auch kein Problem, mal 20 Minuten „um den Block“ zu gehen, um dann noch zu Hause im Garten toben zu können, Leckerlies im Gras zu erschnüffeln oder auch einfach mal nur den Kong ausleeren zu dürfen.

Lasst euch also nicht stressen von solchen „Extrem-Gassigängern“. Vielleicht haben die keinen Job und können das leisten. Wunderbar! Ich hole das lieber am Wochenende ohne Druck nach – eben dann, wenn es passt. Und zwar für alle. 🙂

Könnt ihr noch? Fein. Aber ich nicht mehr. 🙂 Wenn ihr Lust habt, gibt es davon noch eine Fortsetzung, denn wir haben noch so einiges an Schwachsinnigkeiten auf Lager, was wir entweder nur kopfschüttelnd gelesen oder sogar ausprobiert haben. Schreibt uns gerne unten in die Kommentare, ob eine Fortsetzung gewünscht ist. Vielleicht finde ich ja auch noch die ein oder andere Quelle mit Zitat, um das ganze „plastischer“ zu gestalten. 😉

***Ganz offensichtlich passen die Fotos heute mal nicht zum Text – ich hoffe, ihr könnt das verschmerzen. 🙂 ***

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