Ein Hund und seine Würde

Ein Hund und seine Würde

***Achtung: Dieser Text beinhaltet, wie es die Überschrift vermuten lässt, eine eher philosophische Frage und mein Versuch einer Auseinandersetzung damit. Bitte nicht vor dem ersten Kaffee lesen.***

Immer mal wieder kommt es vor, das mir Menschen schreiben. Per Mail, direkt als Kommentar, bei Facebook. Oftmals sind es nette Dinge, manchmal sind es Fragen. Ab und zu kommt Kritik, was ich gut finde. Denn wenn mich jemand kritisiert, kann ich darüber nachdenken, mich hinterfragen und schauen, ob ich was ändern kann/will – sofern es denn konstruktive Kritik ist.

Und manchmal lösen Nachrichten ein Gedankenkarussell aus und ich fange an zu überlegen. So wie bei der letzten Mail. Ich möchte den Absender bewusst anonym halten, trotzdem muss ich das Thema einfach behandeln, weil es mir sonst keine Ruhe lässt.

„Mach mal nicht auf Bild Zeitung“

Die Würde liegt am Boden und heult.
Die Würde liegt am Boden und heult.

Diese Person kritisierte, dass ich Moes aktuelle Verletzung absolut und total ausschlachten würde. Man hätte verfolgt, dass ich bei Instagram, Facebook und auch hier im Blog darüber berichten würde, wie es ihm geht, ich hätte Fotos von dem Verband gepostet, Fotos von Moe, wie es ihm augenscheinlich elend geht und: Ich würde auch noch hier im Blog darüber erzählen, wie schlecht er die Narkose vertragen hätte (siehe hier).

Das wäre der Person nicht nur dieses Mal aufgefallen, sondern auch bereits davor, als ich von Moes Allergie und den Bluttests berichtete. Man wünscht sich, ich wäre da in Zukunft neutraler. Würde nur über das Krankheitsbild schreiben, aber nicht in Bezug auf Moe. Und schon gar nicht sollte ich Fotos von Moe zeigen, wie er mit blutunterlaufenen Augen und mit einem Kragen um den Hals herum liegen würde. Denn:

„Ob du es glaubst oder nicht auch ein Hund hat eine Würde. Und du verletzt die. Meinst du du bist erfolgreich weil du solche Sachen postest? Schlachtest hier die Krankheiten aus nur um mehr Leser zu haben? Ehrlich, ich fand dich ja mal gut aber darauf habe ich kein Bock.“

Darüber musste ich erst einmal nachdenken. Wie oft hatte ich denn die Würde meines Hundes schon verletzt? Sicherlich mehr als einmal. Ich habe über sein Analdrüsen-Problem berichtet. Über peinliche Erlebnisse. Habe seine Krankheiten detailliert beschrieben und bebildert. Und habe nicht so wirklich vorteilhafte Fotos von ihm gezeigt. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch, und noch wichtiger: Hat mein Hund überhaupt sowas wie eine Würde?

Die Würde des Hundes ist unantastbar

Paparazzi überall
Paparazzi überall

Nähern wir uns dem Thema mal anders. Was ist eigentlich „Würde“? Auf den Menschen bezogen, bedeutet es laut Wikipedia: Die Eigenschaft, eine einzigartige Seinsbestimmung zu besitzen. Meist wird dies im moralischen Sinne verstanden. Allgemein kann man sagen: Würde bedeutet, ein anderes Leben wertzuschätzen und seinen Wert anzuerkennen.

Tatsächlich gibt es auch den Begriff der „Tierwürde“. Diese wird im Tierschutzgesetz als der „Eigenwert des Tieres, der im Umgang mit ihm zu achten ist“ umschrieben (Art. 3 TSchG). Und wann wird diese Würde verletzt? Dann, wenn dem Tier Schmerzen, Leiden, Schäden oder Ängste zugefügt werden.

„Die Würde schützt Tiere als Mitgeschöpfe also in ihrem Selbstzweck und verbietet es, sie bloß als Mittel für menschliche Zwecke zu verwenden.“ Quelle: tierimrecht.org

Bedeutet das, dieser Blog und sämtlicher Inhalt verletzt die Würde von Moe? Denn ich verwende Moe damit ja quasi für menschliche Zwecke. Ich fotografiere ihn, teile seine Geschichten und Erlebnisse mit der Welt. Ausschließlich dient Moe jetzt nicht zwingend meinem Zweck, wobei… Kuscheln tu ich ja schon gerne. Und unterhalten lasse ich mich auch gerne von ihm. Die Spaziergänge dienen ja auch meinem Zweck. Sollte ich den Tierschutz anrufen und Selbstanzeige erstatten?

Philosophie vs. Realität

Absolut würdelos.
Absolut würdelos.

Ich behaupte jetzt mal ganz frech: Meinem Hund ist es piepegal, ob ich ihn beim Häufchen machen, strullern, sich schütteln, schlafen oder sonst wie fotografiere. So lange ich ihn nicht dabei störe und ihn machen lasse, ist alles gut. Und mal ehrlich: Was bin ich für ein Mensch, ihn beim Pieschern zu unterbinden?! 😉

Ja, vielleicht gehe ich manchmal zu weit. Vielleicht darf ich nicht alle Fotos zeigen, darf nicht zeigen, wie süß Moe manchmal schielt, wie zauberhaft der Sabber von seinem Schnuti tropft und ja, vielleicht sollte ich mal objektiver und „mit mehr Substanz“ berichten.

Trotzdem meine ich, respektiere ich Moes Würde und verletze diese nicht. Sonst könnte ich diesen Blog ja schließen, wäre ich tatsächlich der Meinung, ich würde Moe mit meinen Artikeln oder mit den Fotos schaden. Wenn Moe sich in einer Situation nicht wohl fühlt, hole ich ihn aus dieser raus und mache mich nicht über ihn lustig.

Geschweige denn, dass ich ihn zu etwas zwingen würde, nur um ein Foto oder einen Artikel daraus machen zu können! Sicherlich hat ein Blog-Dog wie Moe es nicht leicht, aber die Kekse müssen ja irgendwie verdient werden. 😉 Und ja: Wenn Moe lesen könnte, würde er mir vielleicht das ein oder andere Mal eine scheppern.

Erzwungene, gestellte Fotos. Geht gar nicht.
Erzwungene, gestellte Fotos. Geht gar nicht.

Aber genau das ist der Punkt: Wo kein Kläger, da kein Richter. Solange Moe also nicht meine Kamera zertrümmert, den Laptop anzündet und mir einen Anwalt auf den Hals hetzt – solange werde ich weiter machen.

Um das Ganze rund zu machen: Für mich bedeutet Tierwürde, ein Tier zu respektieren, es gut zu behandeln, es nicht zu verletzen, es artgerecht zu halten, keine Experimente zu machen und es nicht zu quälen. Egal welches Tier. Und ja, da geht es auch um Tierversuche, Animalhording, Fleisch aus dem Discounter. Denk mal darüber nach, lieber E-Mail Schreiber, der du vielleicht gerade vor deinem Mettbrötchen sitzt und die nächste Kippe anzündest.

Wie seht ihr das: Verletzen wir die Würde unserer Hunde jeden Tag, indem wir lustige Fotos/Videos posten und Artikel über unseren Vierbeiner schreiben?

***Dieser Text entstand ohne Einverständniserklärung von Moe und auch die Fotos wurden nicht von ihm abgesegnet.***

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