Hund mit Handicap – oder einfach nur HD?

Leben mit Hüftgelenksdysplasie

Neulich startete Sabrina von Dietutnichts eine Gastartikel-Reihe zum Thema Handicap-Hunde. Es sollte im Speziellen darum gehen, wie sich die Halter eines Hundes fühlen, die einen kranken Hund zu Hause haben, wie der Halter damit umgeht und welche Möglichkeiten es so gibt.

Die meisten Artikel habe ich gelesen, denn es war eine wirklich spannende Reihe. Sie animierte auch dazu, sich selber zu hinterfragen: Wie würde ich eigentlich damit umgehen, wenn mein Hund dies oder jenes hätte? Könnte ich damit überhaupt umgehen? Wie wäre mein Ansatz – oder würde ich es ganz genauso machen?

Ich habe lange überlegt, ob wir denn auch „dazu gehören“. Habe ich einen kranken Hund? Einen Handicap-Hund? Oder ist Moe eigentlich ganz normal? Denn Moe hat ja nur eine Hüftgelenksdysplasie (neben zig kleinen, weiteren Zipperlein).

Ein Leben mit Hüftgelenkdysplasie – ganz normal oder ganz und gar nicht?

Ein Leben mit HD ist ganz normal - oder?
Ein Leben mit HD ist ganz normal – oder?

Richtig bewusst geworden, dass eine Hüftgelenkdysplasie wohl etwas ganz normales und kein Grund zur Besorgnis ist, wurde mir bei einem Gespräch. „Mein Hund ist krank. Er leidet an Arthrose. Aber bis auf ein paar Schübe geht es ihm eigentlich gut. Und deiner?“ „Moe hat HD.“ „Achso.“

Dieses kleine Wort sagte mir im Grunde alles, was es zu wissen gibt: HD ist mittlerweile so verbreitet, so viele Hunde haben es, dass es nicht mehr zählt. Wenn dein Hund nicht unter einer ganz außergewöhnlichen Krankheit leidet oder irgendetwas hat, dass dich stark in deinem Leben einschränkt – dann ist dein Hund gesund.

Ganz offensichtlich. Klar – wenn man Moe oberflächlich anschaut, dann ist er gesund. Aber: Sein Röntgenbild spricht eine andere Sprache, sein Gang, sein Verhalten. Nur sieht man es nicht direkt.

Was ist HD – Hüftgelenkdysplasie?

Hüftgelenkdysplasie ist fies. Sie kann angeboren sein oder mit der Zeit entstehen. Moe ist damit geboren. Es gibt leichte bis schwere Formen der HD. Moe leidet unter Letzterer. Die Köpfe der Oberschenkel passen nicht in die Hüftgelenkspfanne. Die Folge sind Arthrose, Schmerzen, Lahmheit, ein wackelnder Gang.

Was kann man gegen die HD tun?

Im Grunde nichts, dass die Krankheit heilt. Man kann die Symptome reduzieren, indem man auf gewisse Bewegungsabläufe verzichtet: Treppen laufen, Springen, ruckartige Bewegungen im Allgemein. Dagegen sollte der Hund möglichst auf einem orthopädischen Hundebett schlafen, wenig Gewicht mit sich herumtragen und eine gute Muskulatur besitzen.

Außerdem können unterstützend Nahrungsergänzungsmittel gegeben werden, die den Verschleiß zurückhalten und knorpelaufbauend wirken.

Werden die Schmerzen zu schlimm, können Schmerzmittel gegeben werden, Physiotherapie eingesetzt und diverse Operationen durchgeführt werden, bis hin zum künstlichen Hüftgelenk.

Letzteres ist natürlich eine sehr kostenintensive, aber auch langwierige Methode, denn der Hund muss nach so einer Operation ähnlich wie ein Mensch erst einmal wieder Muskeln aufbauen und langsam „laufen lernen“.

Wie ist es bei Moe?

Stand heute bei Moe ist folgender: Moe wird im Januar 8 Jahre. Seine HD wird schlimmer. Das äußert sich darin, dass er immer länger braucht, um aufzustehen, manchmal knickt ihm dabei seitlich die Hüfte weg.

Durch die lange Verletzungspause hat er viele Muskeln abgebaut, er hat wenig Ausdauer, die jetzt kontinuierlich durch lange Spaziergänge wieder zurück kommt.

Spielen muss trotz HD sein.
Spielen muss trotz HD sein.

Spielen.

Frisbee spielen wir schon lange nicht mehr. Mein Ansatz war immer, den Hund so lange es geht alles zu ermöglichen, was ihm Spaß macht und was ihm keine Schmerzen bereitet. Da Moe beim Frisbee spielen wenig sprang, war das lange Zeit möglich – mittlerweile machen wir es nicht mehr.

Die Reizangel wurde auch verbannt. Ruckartige Bewegungen habe ich ihn auch dabei nie machen lassen, trotzdem war das „Im-Kreis-wetzen“ irgendwann zu viel.

Nur das Ball spielen und apportieren, das möchte ich ihm nicht nehmen. Wir machen es so lange, bis Moe sagt: Es ist genug. Er legt sich von selbst hin und ordnet das Spielende an. Das kann manchmal nach 2 Mal werfen sein, manchmal ist es öfter.

Sollen wir deswegen auf das Ball spielen verzichten? Auf keinen Fall. Mir ist bewusst, dass es die HD vielleicht etwas verschlimmert, allerdings haben wir das Spielen schon so sehr reduziert, dass ich das Risiko eingehe. Moe ist glücklich dabei und ich möchte ihm nicht etwas nehmen, nur damit er vielleicht etwas länger schmerzfrei ist.

Ich habe irgendwann aufgehört, Moe in Watte zu packen. Klar, wenn er Treppen steigen muss, quietscht in mir drin immer noch eine kleine Stimme, die mich warnt. Wenn er mal wieder volle Lotte von der Couch springt, um als erster in der Küche zu sein, auch.

Aber so lange er diese Energie von sich aus hat, möchte ich ihn nicht bremsen, egal welche Konsequenzen das hat. Das war ein langer Weg.

Nahrungsergänzungsmittel.

Ebenso die Nahrungsergänzungsmittel: Von jedem weiteren, getesteten Mittelchen habe ich mir etwas versprochen. Irgendwann muss doch mal etwas anschlagen! Und ich redete mir ein: Ja, damit geht Moe runder. Damit steht er schneller auf. Damit macht er weniger Pausen.

Alles Quatsch. Bisher hat nichts angeschlagen, selbst wenn der Tierarzt sagte, die Zusammensetzung ist gut, so konnte auch er keinen Unterschied im Gangbild erkennen.

Natürlich könnte ich Moe einfach weiter irgendwas prophylaktisch geben. Aber ich mache es nicht. Ich habe aufgehört, die Lösung in irgendwelchen Kapseln und Pulvern zu suchen.

Lieber hart als weich: Moes Platzwahl ist alles andere als bequem.
Lieber hart als weich: Moes Platzwahl ist alles andere als bequem.

Körbchen.

Wir machen weiter, nach bestem Wissen und Gewissen. Ich brauche Moe kein orthopädisches Hundebett kaufen, denn am Liebsten liegt er auf dem Holz- oder Fliesenboden. Alternativ nachts im Bett oder abends auf der Couch.

Wenn es hoch kommt, trifft man ihn 2 Stunden am Tag in seinem Körbchen. Warum also etwas Teureres kaufen, in der Hoffnung, es könnte Moe überzeugen?

Ein Leben mit HD – irgendwie doch total normal.

Man könnte sagen, bei uns ist ein Gewöhnungseffekt eingetreten. Ja, Moe hat eine Hüftgelenkdysplasie. Moe wird vielleicht irgendwann operiert werden und eine künstliche Hüfte bekommen müssen. Wobei auch das zur Diskussion steht.

Denn ausschlaggebend ist für mich definitiv das Alter: Sollte Moe in den nächsten 3-4 Jahren eine neue Hüfte benötigen und sein Allgemeinzustand ist noch wunderbar in Ordnung, dann wird er operiert. Sollte dem nicht so sein, sollte der Zeitpunkt später sein oder spricht auch nur irgendetwas dagegen, dann werde ich ihn nicht mehr operieren lassen.

Eine OP kann von großem Nutzen sein, aber bei einem alten Hund sollte man meiner Meinung nach immer abwägen. Denn eine Narkose und auch die Zeit danach ist eine große Belastung, die nicht unterschätzt werden darf.

Glücklicherweise muss ich mir darüber aktuell keine Gedanken machen. Moe ist fast normal. Er braucht länger als andere Hunde, er kann manche Dinge nicht machen, er ist nicht so ausdauernd.

Wir machen weiter - und hoffen das Beste.
Wir machen weiter – und hoffen das Beste.

Trotz kaputter Gelenke schläft er lieber auf dem harten Boden. Moe lässt sich gerne massieren, Moe spielt gerne Ball. Moe bekommt manchmal das ein oder andere Leckerchen zu viel. Irgendwann wird die Hüftgelenkdysplasie ihren Tribut fordern oder auch nicht. Es ist egal. Wir werden damit umgehen.

Moe hat HD. Moe ist gesund. Wir schaffen das, irgendwie.

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11 Gedanken zu „Hund mit Handicap – oder einfach nur HD?“

  1. Liebe Nicole,
    du hast einen tollen Ansatz und HD ist keine Krankheit. Ich kann Dir da aus vollem Herzen beiflichten. Mein Mann hat eine angeborene HD, Paula wurde nach einem Unfall mit 6 Monaten der Hüftkopf entfernt. Damit fällt sie auch in die HD Gruppe. Als dieses Jahr Enki kam und die Diagnose zertrümmerte Hüfte gestellt wurde, mussten wir tatsächlich lachen. Klar landete dieser Hund bei uns.
    Unser Ansatz ist deinem sehr ähnlich.
    Herzliche Grüße
    Stephie




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  2. Einen besonders flauschigen Stups von Shiva und mir. Ihr zwei macht das doch großartig. Lass ihn viel Schwimmen, lass ihn nicht auskühlen. Im Sand laufen fördert wunderbar den Muskelaufbau. Ihr zwei macht das genau richtig! Vielleicht ab und an mal ne Massage und durchbewegen und Moe ist weiterhin superglücklich.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva




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  3. HD ist schon alleine per definitionem eine Erkrankung. Aber nicht jeder Hund ist krank daran.
    Hunde sind sehr anpassungsfähig und gewöhnen sich schnell an unterschiedliche Situationen. Oft vermenschlichen wir unsere Hunde in derartigen Situationen viel zu sehr. Erst unser Mitleid bringt sie oft zu dem Gefühl, dass etwas nicht stimmen würde.
    Moe ist ein glücklicher Hund und das wird auch so bleiben.
    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Physiotherapie super viel bringt. Mein Tierarzt sagt immer „Was du jetzt in die Physio investiert, sparst du später an OP – Kosten.“
    Oft und in vielen Fällen kann mithilfe von Physio eine OP gänzlich vermieden werden.
    Bezüglich der Nahrungsergänzungsmittel würde ich einfach am Ball bleiben. Vielleicht findet ihr ja noch etwas, was Moe hilft.
    Ihr macht das super, aber das weißt du auch!
    Lass dich nicht beirren. Schon allein daran, dass Moe auf hartem Boden liegt, siehst du, dass es ihm gut geht. Er würde sich nicht auf Fliesen & co. legen, wenn er Schmerzen hätte.
    Ich weiß selbst wie verrückt einen das machen und wie man innerlich von solchen Ängsten und Sorgen zerfressen sein kann.
    Du hast einen super Weg gefunden. Weiter so 🙂




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  4. Liebe Sabrina,
    da muss ich mich noch einmal kurz zu Wort melden. Die Hüftdysplasie ist ein pathologischer Befund. Daraus kann eine Krankheit, wie zum Beispiel eine Arthrose des betroffenen oder des anderen stärker belsteten Gelenks resultieren.
    Der Befund HD an sich ist jedoch keine Krankheit.
    Ich finde die Unterscheidung wichtig, um dem Hund (und in unserem Fall auch dem Menschen) ein möglichst normales Leben zu ermöglichen und bei beginnenden Anzeichen einer Folgerkrankung aufmerksam zu sein und einzugreifen.
    Herzliche Grüße
    Stephie




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  5. Hallo Nicole,
    ich denke, eine Goldimplantation könnte für euch eine interessante Option sein, um eine OP zu vermeiden. Panini und ich haben ja sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Paninis Ärzte stehen einer OP eher skeptisch gegenüber und raten dazu, frühzeitig zu handeln, um nicht nur arthrotische Schäden an der Hüfte, sondern auch die an anderen Gelenken zu minimieren. Durch die Fehlbelastung und kleine Ausweichbewegungen sind ja besonders Knie, Rücken und „Handgelenke“ strapaziert, so führt die HD zu Folgeschäden. Die Goldimplantation dämmt die rechtzeitig ein. Sie ist sehr schonend und mit der Belastung und dem Risiko einer Hüft-OP gar nicht zu vergleichen. Vor allem aber berücksichtigt sie ganzheitlich den gesamten Bewegungsapparat. Du merkst, ich bin sehr überzeugt! Falls Du Dich einlesen willst, empfehle ich die informative Seite von den beiden Dr. Horch in Schweinfurt, die Panini auch behandelt haben. http://www.dr-horch.de/goldakupunktur-goldimplantation.html
    Viele Grüße
    Heidi & Panini




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  6. Wow, klasse dein Artikel und auch dein / euer Weg. Genauso würde ich es auch machen. Den Lebensqualität (in Form von Spielen und nicht allzu vielen Verboten und Sorgen) ist doch für Hund und Halter viel mehr wert 🙂
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron




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  7. Es ist immer gut, wenn man sich als Hundehalter nicht verrückt machen lässt, zumindest nicht durch die Diagnose. Diese existiert, aber es kommt auf den Einzelfall an, auf das Voranschreiten und die Besonderheiten des Hundes.
    Es ist wichtig, um die Umstände zu wissen, am Ball zu bleiben und den Hund gut zu beobachten. Die Art der Behandlung, OP oder keine OP muss der Hundehalter ganz alleine entscheiden. Da kann Dir niemand reinreden. Und manchmal ist auch weniger mehr. Ich bin in diesen Dingen gerne informiert und interessiere mich sehr für das Thema, ohne alles auszuprobieren.

    Ich finde Deine Einstellung sehr gut, würde auch nicht sofort meinen Hund operieren lassen, ich würde ihn gemäßigt spielen lassen und ihm versuchen ein möglichst artgerechtes und schönes Leben zu bereiten…

    Ich bin ja in ähnlicher Situation und Sockes Befinden und ihre Versorgung ist uns sehr wichtig. Dennoch lassen wir sie Hund sein und sind nicht päpstlicher als der Papst. Daher unternehmen wir ganz viel mit Socke, nehmen sie überall mit hin und lassen sie Teil unseres Lebens sein. Wir hüllen sie nicht in Watte. Damit fahren wir gut…

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  8. Ich kann das nur zu gut verstehen, mein Labrador Max hatte Arthrose. Zusätzlich hatte er dann später noch einen geschwülzartigen Krebs die Medikamente die er gegen den Krebs bekam verstärkte die Arthrose …
    Trotzdem haben wir versucht so viele wie möglich normal Sachen zu unternehmen.
    Ihr schafft das schon und immer dran bleiben 🙂
    Heute Blogge ich auch über meine Retriever Hündin Lilly 🙂




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  9. Polter, Klong, Polter
    Das sind die Steine die mir gerade von Herzen fallen.
    Ich habe eine Golden-Retriver Mix Dame, die laut Tierärzten HD hat. Am 14.6 wird geröngt.
    Vor ein Paat Tagen konnte Ronja nicht mehr aufstehen, nachdem sie mehrere Tage hintereinander Schwimmen war.
    Eine Welt ist für mich zusammen gebrochen als ich HD hörte.
    Natürlich sehe ich jetzt bei allem was Ronja so macht Anzeichen.
    Googlen hätte ich erst gar nicht anfangen sollen.
    Da begebe ich mich nur noch weiter in Studel der Verzweiflung.
    Und dann kam dein Artikel. Der mich aufatmen ließ.
    Ich lasse jetzt die Untersuchúng machen, aber ich werde mich versuchen nicht ganz so verrückt zu machen.
    Ronja liegt ebenso lioeber auf den harten Boden als wie im Körbchen.
    Sie leibt es sich zu Bewegen und hat Spaß dabei. Und Ball spielen wir ehe schon länger nicht mehr, das sie ein Balljunky ist.
    Ich mnuss lernen zu begreifen, das HD kein Todesurteil ist.
    Alles wird gut.
    Liebe Grüße
    Alex




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