Hund einschläfern – Wie weiß man, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist?

Hund einschläfern Zeitpunkt

Er schaut mich an, mit müden Augen. Schwach ist er. Ich sehe keine Lebensfreude. Da, wo vorher ein Lächeln um die Lefzen spielte, nur noch Traurigkeit. Seit Tagen hat er keinen Hunger mehr.

Egal ob Hähnchen, Leberwurst oder seine Lieblingskekse: Alles bleibt unangetastet liegen. Für sein Spieli hat er keinen Blick übrig. Er ist müde, so verdammt müde.

Durch das wenige Trinken und das Nicht-Fressen ist sein Körper eingefallen. Er hat Schmerzen, wenn er sich hinlegt. Seine Beinchen knicken unter ihm weg. Der Schwanz hängt traurig herunter. Sein ganzer Körper ruft: Hilf mir doch!

Ich weine. Jedes Mal, wenn ich ihn ansehe. Meine Gedanken kreisen, wie wir ihm helfen können. Ob wir ihm helfen können. Oder ob es nur den einen Ausweg gibt.

Der Tierarzt hat uns 2 Optionen gelassen. Wir entscheiden uns für die dritte Option: Noch abwarten. Auch, wenn das bedeutet, Moes Anblick noch einen weiteren Tag zu ertragen – immer mit der winzigen Hoffnung, dass es ihm wieder besser gehen wird.

Zwei Mal haben wir die Entscheidung getroffen, Moe einschläfern zu lassen. Zwei Mal haben wir es doch nicht getan.

Der April 2019 war die schlimmste Zeit in diesem Jahr. Es war die Zeit, wo wir nicht mehr wussten, wo oben und unten ist. Monate vorher war ich so rational, was Moes Ableben in ferner, ferner Zukunft betreffen würde und nun – nun wusste ich gar nichts mehr.

Mein rationales Ich.

In meiner Vorstellung war der Gedanke, wann Moe eingeschläfert werden müsste, ganz klar. Wenn es ihm nicht mehr gut geht und er mir eindeutig zeigt, dass er nicht mehr kämpfen will, dann ist es Zeit. Dann würden wir uns verabschieden.

Wir würden zum Tierarzt fahren oder ihn kommen lassen (Idealfall), wir würden es ganz in Ruhe machen und Moe würde friedlich in meinen Armen einschlafen. Ich würde beim Rosengarten anrufen und Moe entweder abholen lassen oder persönlich vorbei bringen.

Seine Asche würde ich haben wollen und an der Ostsee verstreuen – an unserem Lieblingsort, an unserem gemeinsamen Zuhause für so viele Jahre. Ich wäre traurig, aber dankbar, dass wir so eine schöne, gemeinsame Zeit hatten.

Hund einschläfern Zeitpunkt
Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Mein tatsächliches Ich.

Rotz und Wasser weinend lag ich da, neben Moe. Alles an ihm war nass geheult und mein rationaler Verstand ausgeschaltet. Sollten wir oder sollten wir nicht? Alle Anzeichen waren da. Moe war so fertig, hatte keinen Lebenswillen mehr. Wollte nicht mehr kämpfen. Draußen legte er sich einfach hin und ich musste bitten und betteln, damit er wieder aufsteht. Ihm helfen.

Ist das dieses „Nicht mehr Können/Wollen“, wenn man einen Hund einschläfert? Wenn er nicht mehr selbstständig frisst? Nicht mehr selbstständig pinkelt? Nicht mehr freiwillig aufsteht? Wenn es keine reelle Chance auf Besserung durch Medikamente oder Therapien gibt? Soll man dann noch abwarten?

Und falls ja: Wie lange? Wer sagt einem, wann der richtige Zeitpunkt da ist und gibt es diesen überhaupt?

Was ist, wenn ich meinen geliebten Hund umbringen lasse, obwohl die Symptome vielleicht nur eine Momentaufnahme sind (wohlgemerkt in unserem Fall: Ein Zeitraum über mehrere Wochen)?

Das Herrchen und ich wurden selbst krank. Kopf- und Gliederschmerzen. Fieber. Übelkeit. Wir ließen die Arbeit Arbeit sein und verkrochen uns ins Bett – alle 3 ins Hochbett im Wohnmobil. So konnte das nicht weiter gehen.

Wir haben Moe nicht einschläfern lassen.

Alle Zeichen zeigten deutlich auf „Hund erlösen“ – und wir taten es dennoch nicht. Ein paar Wochen später hat sich gezeigt, dass es wirklich die falsche Entscheidung gewesen wäre.

Natürlich hätten wir das zu dem Zeitpunkt nicht gewusst und auch rückwirkend niemals erfahren. Wir hätten Moe gehen lassen – und irgendwann hätten wir uns wohl mit dem Gedanken getröstet das es besser so gewesen ist. Aber das wäre so falsch gewesen.

Warum haben wir uns eigentlich 2 Mal umentschieden? Beim ersten Mal war es die Hoffnung auf ein Medikament, das wir ausprobierten.

Beim zweiten Mal waren wir sehr sicher, dass Moe vielleicht nicht einmal die Nacht überstehen würde, so schwach war er. Vielleicht war es auch ein winziges bisschen der Wunsch, dass uns Moe die Entscheidung einfach abnehmen würde. Aber: Moe überstand die Nacht. Und fraß am nächsten Tag 3 Stückchen Hühnchen.

Wir fuhren zum Tierarzt, er bekam Schmerzmittel und wir setzten das andere Medikament ab. Ab da ging es wieder bergauf.

Bis heute wissen wir nicht genau, was Moe hat. Es gibt Vermutungen, aber keine Diagnose – dafür müsste Moe ein CT über sich ergehen lassen. Die wahrscheinlichste Theorie nach dem Ausschlussverfahren: Es ist nervlich bedingt und eine OP ist keine Option, da man dort nichts tun könnte.

Seit dieser Geschichte hatte Moe zum Glück keine Probleme mehr. Er hat wieder ein orthopädisches Körbchen und das geregelte Leben in einer Wohnung scheint ihm sehr gut zu tun. Ich hoffe so sehr, dass es so bleibt.

Hund einschläfern Zeitpunkt
Ein Lehrstück in Sachen Demut.

Ein Lehrstück in Sachen Demut.

Für die Zukunft ist unser Erlebnis und die zweimal fast getroffene, endgültige, Entscheidung nun nur umso furchtbarer und gleichzeitig ein perfektes Lehrstück. Wir Menschen maßen uns an, so viele Dinge zu wissen, so viel entscheiden zu können, so viel Macht zu haben. Und dabei wissen wir nichts.

Mir wird übel, wenn ich daran denke, dass wir Moe beinahe nicht mehr bei uns hätten. Es wäre UNSERE Entscheidung gewesen, die die Tierärzte natürlich unterstützt hätten – sie haben bei Moe auch definitiv keine Besserung gesehen in den ersten Wochen – aber wir tragen die Verantwortung für diese Entscheidung.

Wenn ich Moe nun durch das Gras hüpfen sehe, wenn er sich an mich kuschelt, wenn er seinen Napf leer futtert und Nachschlag verlangt, – dann mache ich mir Vorwürfe. Wie konnte ich auch nur in Betracht ziehen, dass dieser Hund kampflos aufgeben würde?

Wir haben zwar um ihn gekämpft, einerseits. Aber – oh Himmel, was waren wir schwach. Dieser arme Hund musste nicht nur seine Krankheit, sondern auch noch unsere Traurigkeit ertragen. Wo war da dieser rationale Mensch?

Ich möchte in Zukunft nicht noch ein einziges Mal darüber nachdenken müssen, ob Moe gehen muss. Ich wünsche mir, dass er sich zwischen uns kuschelt – und für immer einschläft. Gleichzeitig weiß ich, dass das eine sehr romantische Vorstellung ist und so wohl nicht passieren wird. Wir werden uns wohl wieder, früher oder später, Gedanken machen müssen.

Ich werde aber nie wieder einfach annehmen, dass es die richtige Entscheidung ist, Moe zu erlösen. Eine Entscheidung für den Tod kann niemals die richtige Entscheidung sein.

Diese Verantwortung, die wir Hundemenschen in dieser Situation tragen, ist die schlimmste Last, die es gibt. Und ich weiß nicht, ob man mit seiner Entscheidung jemals seinen Frieden machen kann. Ob ich meinen Frieden mit mir machen kann.

Den Gedanken: „Beinahe hätte Moe das alles nicht mehr erlebt – wegen dir“ – es lässt sich schwer ablegen. Und dennoch werden wir damit leben müssen, das Herrchen und ich. Mit dem Wissen, dass wir nie wieder so rational wie früher darüber sprechen können werden.

Wir können und werden nicht wissen, wann es Zeit ist, Lebewohl zu sagen. Und dennoch hoffe ich so sehr, dass uns noch ein paar gute Jahre bleiben. Keine Zeit ist lang genug für ein Hundeleben, es ist immer zu kurz. Und dieses Loch, dass du, mein allerliebster Bollerkopf, hinterlassen wirst, wird sich nicht mehr füllen lassen.

Hund einschläfern Zeitpunkt
Noch nicht heute.

Ich habe lange überlegt, ob ich meine Gedanken, unser Erlebtes, überhaupt öffentlich machen soll. Ich habe mich dafür entschieden – weil der Tod und auch die Entscheidung darüber, ob der Vierbeiner eingeschläfert werden muss, jeden Hundebesitzer treffen können. 

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21 Gedanken zu „Hund einschläfern – Wie weiß man, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist?“

  1. Meine Liebe, ich fühle so mit Dir und mir kommen die Tränen
    All der Schmerz, das Hoffen und die Qual sind so spürbar.
    Unserem Luri geht es selbst seit ein paar Wochen schlecht und man merkt er baut ab. Mal frisst er nicht, mal nur Leckerlis und dann ist er einfach nur froh da zu sein. Seine Hinterbeine wollen oft nicht mehr so wie er und dann gibt es immer wieder Momente wenn er wie ein Junhhund los springt als ob all die Schmerzen vergessen sind.
    Leider sind meine Gedanken zu dem Thema nie so rational und immer kommen mir sofort die Tränen. Ich weiß nur eins – er soll nicht allein sein wenn es soweit ist.
    Fühl Dich ganz fest umarmt und drück mir Moe ganz lieb.

    Deine Worte berühren und ich finde man muss auch darüber sprechen. Es ist keine Schande es auch nur in Erwägung zu ziehen. Wenn ihr Moe nicht lieben würdet wäret ihr nicht an den Punkt gekommen. Da wo Hunde nur zum Zweck gehalten werden, werden sie oft ihrem Schicksal überlassen, da macht sich keiner Gedanken ob es ihm schlecht geht.
    Ganz viele liebe Grüße und Gesundheit für Euch alle 3

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    • Liebe Anja,

      Worte können da auch nicht trösten, und den Weg müssen wir irgendwie alle ganz allein gehen… Ich wünsche euch noch eine wunderbare Zeit mit Luri!

      Alles Liebe, Nicole

  2. An Deinem Beitrag kann ich alles verstehen – von den verwirrenden Gedanken auf dem Weg zu so einer Wntscheidung, von der Freude sie nicht getroffen zu haben und vom Wunsch, sie nie treffen zu müssen. Ich kann auch vertehen, dass Du überlegt hast, ob Du den Text veröffentlichst.
    Wir haben diese Entscheidung ja leider schon mehrfach getroffen – nur einmal konnten wir es nicht entscheiden und das war furchtbar und mit der Erinerung daran kämpfen wir noch heute.
    Auch wir haben uns die Entscheidungen alle nicht leicht gemacht, verschoben, gehofft … aber irgendwann auch immer ganz bewusst entschieden – und ich glaube, dass ist das Einzige was wichtig ist. Jeder muss diese Entscheidung für sich und seinen Hund treffen – und dann auch damit leben können. Wobei es natürlich auch ein Unterschied ist, ob ich eine sehr endgültige Diagnose habe oder nicht.
    Ich wünsche euch noch wunderbare gemeinsame Erlebnisse und hoffe auf viele weitere schöne Bilder.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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    • Liebe Isabella,

      das stimmt und genau das fehlte: Die endgültige Diagnose. Es gibt so viele Krankheiten, bei denen sicher ist, dass der Hund sich nur noch quälen würde und das eine Verlängerung des Lebens immer auch eine Verlängerung des Leidens wäre. Wir wussten es aber nicht, denn es gab diese Diagnose nicht. Und rein aus dem Bauch zu entscheiden bei so einer wichtigen Sache ist wahnsinnig schwer. Ich hoffe, uns bleibt noch viel Zeit und wir können das verarbeiten…

      Alles Gute für euch,
      Nicole

  3. Liebe Nicole,

    ich musste diese Entscheidung auch schon zweimal treffen. Einmal habe ich mich für den Kampf entschieden und musste mit ansehen, wie meine geliebte Jenny in meinen Armen starb. Schreckliche Krämpfe durchleidend, weil das Medikament doch nicht half. Sie war zwei Wochen vorher bei einem Hundeangriff schwer verletzt worden, ihre Nieren beinahe irreparabel beschädigt. Sie hat es nicht geschafft, obwohl ich so viel versucht habe. Mein allererster Hund starb in meinen Armen, die Nase an meinem Handgelenk, das Fell nass von meinen Tränen. Wir waren auf dem Weg zum Tierarzt, sie hat es nicht geschafft. Dieser Moment – dieser entsetzliche Moment… ich werde ihn nie vergessen, ich spüre heute noch ihren versiegenden Atem an meinem Handgelenk. Es war der 17.09.2003, 8:01 Uhr als meine Welt still stand. Es tut heute noch weh, dass ich mich nicht von ihr trennen konnte und sie gegen Anraten des Tierarztes doch noch eine Nacht bei mir haben wollte, dass ich einen letzten Versuch starten wollte, ihr Leben zu retten.

    Nicht ganz 9 Jahre später stand ich schon wieder weinend da. Mein Hund sterbenskrank. Nicht nur ein Hund. Mein Seelenhund. Mein Rocky. Er hatte Krebs. Die Medikamente halfen nicht. Ich entschloss mich die letzte Zeit für ihn fröhlich zu sein, viel mit ihm zu unternehmen, so weit er wollte. Er durfte Ball spielen, futterte Pizza mit mir. Saß im Auto vorne und durfte alles, was er wollte. Am 12.05.2012 um 12:05 Uhr endete sein Leben auf meinen Wunsch, da der Glanz aus den Augen gewichen war, er wollte nicht mehr aufstehen, er wollte nicht mehr leben. Er starb in meinen Armen, das Fell klatschnass von meinen Tränen. Bis heute weiß ich, dass es der perfekte Moment war. Am Abend vorher war er noch mit Shiva und zwei anderen Hunden wie irre durch den Wald gefetzt und hatte sich komplett verausgabt. Er strahlte mich an und sein ganzes Wesen sagte: „Danke für dieses tolle Leben!“.

    Liebe Nicole, du wirst den Moment nicht verpassen. Du bist so empathisch, deshalb hast du auch zweimal einen Rückzieher gemacht. Es war nicht der richtige Moment. Ihr werdet es genau wissen, Moe zeigt es euch und tief in euch drin, spürt ihr es, dass es richtig ist. Dann gibt es kein Zögern, kein hätte, wäre, sollte, wollte… Ihr seid euch sicher! Davon bin ich ganz fest überzeugt. Ich wünsche euch noch viele fröhliche Jahre mit Moe. Er ist so glücklich mit seinem kleinen Beamtenleben. Wer weiß, vielleicht zieht ihr ja doch noch ans Meer und er kann wieder durch die Dünen flitzen und einmal die Gischt spritzen lassen.

    Fühl dich ganz doll gedrückt.

    Sandra

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  4. Liebe Nicole,

    den über alles geliebten Freund gehen zu lassen tut einfach endlos weh. Und dies noch selber entscheiden zu müssen macht die ganze Sache eigentlich fast noch schlimmer.
    Unser Hund vertraut uns, folgt uns ohne zu fragen überall hin, egal wo hin wir auch gehen, und dann bringen wir ihn zum Tierarzt und er wird diese Praxis nicht mehr auf seinen eigenen Pfoten verlassen.
    Mir wurde damals die Entscheidung im Grunde genommen. Als ich meinen Dobi Sam zur OP brachte (ich hatte zwei Tage vorher erfahren dass er Krebs hat) war ich absolut positiv gestimmt. Ich war „allein erziehend“, er war 9,5 Jahre das Wichtigste in meinem Leben.
    Ich brachte ihm zum Tierarzt und war bei ihm, als sie ihn für die OP vorbereitet und ihn dann in den OP Saal getragen haben. Er schaute zu mir zurück. Diesen Blick werde ich niemals vergessen.
    Als ich nach Hause fuhr wusste ich, dass Sam nicht mehr sehr lange bei mir sein würde. Vielleicht ein halbes Jahr, hoffentlich etwas länger.
    Ich wartete darauf ihn abholen zu können. Dann kam der Anruf. Die Tierärztin war persönlich am Telefon und erklärte mir seine Situation. Der Krebs war bereits überall in seinem Körper. Sie wollte ihn nicht mehr aufwachen lassen. Ich bat um ein paar Minuten Zeit, da ich gerade nicht mehr atmen konnte.
    Dann fuhr ich zu meinem Sam. Ich war auf einmal total ruhig und hörte nur auf mein Bauchgefühl. Es kam mir vor wie in einem Film, als würde ich nur durch Watte hören. Ich wollte ihn nicht leiden lassen, nicht aus purem Egoismus wieder aufwachen lassen. Wer weiß, wie stark seine Schmerzen gewesen sind? Die Tage zuvor hatte er sich nachts nicht einmal mehr im Körbchen gedreht, nicht mehr am Morgen gestreckt, wollte nicht spielen. Also ließ ich ihn gehen.

    Wenn der Tag kommen wird, an dem du die Entscheidung treffen musst, wirst du es aus Liebe zu Moe tun. Es kommt sicher völlig anderes als erwartet. Aber du wirst wissen, wann es Zeit ist. Quäle dich nicht damit, dass du schon zweimal fast so entschieden hättest. Das zeigt nur das du realitisch und emphatisch bist, dir Gedanken machst.
    Ich wünsche euch noch viele schöne Momente!
    Liebe Grüße, Bianca

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    • Liebe Bianca,

      genau das war auch der Grund, warum ich ein CT nicht machen lassen wollte. Der Gedanke, ich müsste Moe dann auf dem OP Tisch gehen lassen, war noch schlimmer als die Entscheidung selbst zu treffen. Er hat doch so furchtbar Angst beim Tierarzt und ich möchte ihn einfach nicht mehr allein lassen.

      Ich hoffe, ich werde es das nächste Mal klarer sehen.

      Liebe Grüße und vielen Dank für deine Worte,
      Nicole

  5. Ich bin sehr bestürzt über Deine Worte, denn im April haben wir uns gesehen und es war mir nicht bewusst, dass es so schlimm ist. Ich hatte mich so gefreut, Dich zu sehen, aber wenn ich Deine Zeilen lese, dann muss es für Dich ja sehr belastend gewesen sein. Es tut mir so leid.

    Ich bin auch tief betroffen, weil ich all diese Gedanken auch schon hatte. Ich bin betroffen, weil ich so große Angst vor genau dem Moment habe und mich frage, warum sie nicht einfach einschlafen können.

    Ich möchte die Entscheidung nicht treffen, hoffe aber, dass ich zur rechten Zeit das Richtige tue. Ich hoffe, dass Socke mir zeigt, was zu tun ist und dass mich Menschen, die mich und Socke kennen, unterstützen.

    Ich bin froh, dass Moe noch an Deiner Seite ist und Du ihn hast nicht gehen lassen. Aber wenn es so gewesen wäre, dann wäre es auch eine richtige Entscheidung gewesen. Hinterher ist man immer schlauer und niemand glaubt, dass Du die Entscheidung leichtfertig triffst.

    Ich kenne Frau, die liebte ihren Dackel über alles. Die beide waren ein innig verbundenes Team. Der Dackel war sehr krank und wurde mit Spritzen aufgebaut. Ließ die Wirkung der Spritze nach, ging es im schlecht. Er hatte Lungenkrebs. An einem Nachmittag, die Spritze wirkte noch gut, lief er eine sehr, sehr große Runde durch seinen Wald. Er traf viele Hunde und markierte jeden Baum. Er schnüffelte und hopste fröhlich herum. Niemals dachte man sich, dass der Hund so krank ist. Die Halterin beschloss ihren Freund am nächsten Tag gehen zu lassen. Sie wusste, dass es keine Heilung gab, dass es immer schlimmer werden würde und sie wollte ihn so in Erinnerung behalten. Ich ziehe meinen Hut vor der Entscheidung. Man muss also auch nicht bis zur letzten Minute warten.

    Ich kenne aber auch eine Frau aus unserem Forum, die bereut aus Egoissmus zu lange gewartet zu haben und ihrem Hund und ihr sehr viel Leid beschert zu haben.

    Es ist also schwer den richtigen Zeitpunkt zu finden. Nachher ist man immer schlauer, daher höre auf Dein Gefühl, Dein Herz und auf Moe. Dann wirst Du irgendwann, in langer Zukunft den richtigen Zeitpunkt finden, Euren Zeitpunkt, den niemand bewerten kann und darüber urteilen kann

    Ich wünsche Euch noch eine lange gemeinsame Zeit mit Moe, der sicher auch Ende September an Eurer Seite ist.

    Viele traurige Grüße
    Sabine mit Socke

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    • Liebe Sabine,

      als wir bei dir waren, fingen die Probleme langsam wieder an. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was uns danach erwarten würde – das kam dann in der Woche, als wir wieder zurück waren. Als ich bei dir war, war ich guter Hoffnung das es wieder nur eine kleine Momentaufnahme sein würde und rechnete nicht mit dem, was da noch auf uns zukommen würde – sonst wäre ich längst nicht so entspannt und ruhig gewesen, das kannst du mir glauben.

      So wie ich Socke kenne, wird sie ihre Entscheidung selbst treffen. Da bin ich fast sicher, denn sie ist so ein eigenständiger, lieber Hund, sie wird es euch sehr deutlich zeigen, wenn sie nicht mehr kann. Aber sie ist auch eine Kämpferin, was du ja an jedem Tag siehst.

      Beide Geschichten, die du aufgeschrieben hast, kann ich gut nachvollziehen. Man kann nur verlieren und ja: Vielleicht ist es auch nachher der Egoismus, den man bereut – aber wie soll man es wissen? Wir verbringen so viel Zeit mit unseren Vierbeinern und wollen sie so lange wie möglich bei uns haben.

      Herzlichen Dank für deinen Kommentar!

      Liebe Grüße
      Nicole

  6. Uff, jetzt hab ich mich aber erschreckt! Dachte im ersten Moment deinem Moe wäre es plötzlich wieder schlechter gegangen und ihr hättet drastische Maßnahmen ergreifen müssen. Ich freue mich, dass es nicht so ist und darüber das du deine Gedanken dazu geteilt hast. Meine bisherige Denkweise war nämlich genau wie die deines „rationalen Ichs“. Ob ich in so einem Moment dann wirklich danach entscheiden würde, weiß ich nicht. Aber dein Post hat mir gezeigt, dass es auch gut sein kann nicht nach der Meinung der Tierärzte zu entscheiden & nicht das augenscheinlich richtige zu tun! Danke dafür! Ich hoffe ihr nehmt es nicht mehr zu schwer, dass ihr die Einschläferung in Erwägung gezogen habt. Ihr habt nicht wissen können, dass sich der Gute wieder erholt & einem geliebten Wesen möchte man ja auch unnötigen Schmerz ersparen. Jeder von uns wird wahrscheinlich mal an diesem Punkt landen. Letztendlich kann man dann nur nach bestem Wissen & Gewissen entscheiden und hoffen das Beste damit getan zu haben. Eine pauschal „Richtige“ Entscheidung gibt es wohl in dem Fall nicht.

  7. Hey Nicole,

    Ich habe vor drei Jahren meinen ersten Hund mit nur knapp 5 Jahren gehen lassen. Es war meine Entscheidung ihn einschläfern zu lassen.

    Wir hatten die Diagnose, Lymphdüsenkrebs, ein großer Tumor befand sich in seiner Brust und Tests ergaben das dieser Bösartig war. Weitere Tests und uns wurde gesagt, er hat schon gestreut, alle Lymphknoten die getestet wurden zeigen Kebszellen.

    Alles fing Anfang eines Jahres an. Plötzliche, unerklärliche Fieberschübe. Regelmäßige Übelkeit und erbrechen.
    Das ist nichts, tat ich ab, dem ist heute einfach nur schlecht. In den Sommermonaten wurde es schlimmer. Er konnte es kaum länger als eine Stunde aushalten, bis er zum pinkeln raus musste, zwei Mal hatte er sogar in sein Körbchen gemacht was er sonst wirklich niemals getan hatte.
    Er mochte irgendwann nicht mehr fressen, ließ es stehen, ihm war schlecht und er trank Literweise am Tag obwohl wir frisch fütterten.
    Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich von Woche zu Woche, obwohl wir in ärztlicher Behandlung waren. Seine Tabletten wollte er nicht nehmen, weil er sie nicht vertrug und sofort wieder erbracht. Wir mußten täglich zum spritzen gehen, weil wir ja wollten das es ihm besser geht.
    Dann an einem Tag, schickte uns unsere Tierärztin in die Klinik. Unser Ares hatte in drei Tagen so weit abgebaut, dass sie ihn sofort an den Tropf hängen wollte. Ich also den Hund eingepackt und los.

    In der Tierklinik wurde dann mein Hund auf den Kopf gestellt und beim Röntgenbild der Tumor entdeckt. Weil er so schwach war blieb er da und sie unter suchten ihn weiter, bis wir dann die Diagnose Lymphdüsenkrebs hatten.

    Das alles passierte so unglaublich schnell. An einem Freitag brachte ich ihn weg und am Montag fragte die Tierärztin wie wir weiter vorgehen sollen.
    Heilen können sie den Krebs nicht, sie können nur noch Zeit rausschieben.

    Nur mehr Zeit. Aber für was? Wir sahen schon viele Monate lang die Symptome, die wir nicht ganz zuordnen konnten. Dann wurden sie so stark das mein Hund darunter litt und sich lieber hinlegte und sich ausruhte.

    Mehr Zeit für uns, aber eine längere Leidenszeit für meinen Hund dessen Zustand sich weiter verschlechtert hätte, ohne das wir es aufhalten könnten. Ares hatte schon einige Kilos abgenommen, und dabei war er immer schon schlank gewesen, er war Inkontinent geworden und er fühlte sich sichtlich schwach und erschöpft.

    Wir entschieden unseren Hund nicht bis zum bitteren Ende leiden zu lassen, nur weil wir nicht los lassen konnten. Er hing als Hund, und nicht als Schatten seiner Selbst den der Krebs unübersehbar aufgefressen hatte.

    Seine Asche ist bei uns im Garten, genau dort wo er mir täglich drei Mal ein Loch aufgebuddelt hatte und ich mich deswegen immer aufgeregt habe.

    Das alles ist vor drei Jahren gewesen und seit zwei Jahren ist Monty, unser zweiter Hund, bei uns und fordert mit seiner Lebhaften Teenager Zeit so einiges von uns ab.
    Monty ersetzt unseren Ares nicht, dafür sind sie zu verschieden, aber nur weil es schmerzt ein geliebtes Tier gehen zu lassen, war für uns kein Grund nach Ares keinen weiteren Hund in unserem Leben zu haben. Wir sind Hundemenschen und möchten so einen Vierbeiner weiterhin an unserer Seite haben. Monty profitiert von unserem Wissen durch Ares und fordert uns noch mehr zu lernen, weil sie so verschiedene Tiere sind, bei denen andere Trainingsweisen funktionieren.

    Kopf hoch. Deine Tränen für Moe trocknen, auch wenn es ein Jahr dauern soll wenn er Mal nicht mehr ist.

  8. Ich glaube , wir alle Hundebesitzer können die innere Zerrissenheit nachempfinden. Verzweiflung des nicht Helfen könnens und der Schmerz des Loslassens.Was ist der richtige Weg? Bestimmt, wenn die Schmerzen so groß sind und keine Nahrungsaufnahme mehr möglich ist:-( Vermutlich weiß man intuitiv ,wann der richtige Zeitpunkt ist.Euer Zweifeln zeigte euch,da gibt es noch etwas. Ich wünsche euch Drei das Allerbeste-mit viel Liebe und Leichtigkeit!!!

  9. Liebe Nicole,
    ich kann Dich gerade so gut verstehen.
    Mein Ren kämpft auch schon seit einigen Monaten mit dem Alter und der Arthrose… Aktuell bekommt er Schmerzmittel, die er aber leider nicht verträgt.
    Ich habe mich schon damit auseinandersetzen müssen, was mit ihm passiert wenn der Tag X gekommen ist… Heute war ich mit Stimpy in der Tierklinik (unsere Grannenzeit hat wieder begonnen) und habe auch gleich abgeklärt wie ich vorgehen muss wenn ES soweit ist…Letzte Nacht ging es ihm so schlecht dass ich ihn tatsächlich heute erlösen wollte… Da er dann aber so tief und fest geschlafen hat, habe ich ihn zu Hause gelassen.. aber ich befürchte uns bleiben tatsächlich nur noch wenige Wochen 🙁 Es tut so weh ihn so zu sehen… ich würde ihm so gerne die Schmerzen nehmen…
    Dieses Gefühl bohrt mir ein riesiges Loch in die Brust. Ich habe insgeheim noch die egoistische Vorstellung dass Ren mir die Entscheidung abnimmt und morgens einfach nicht mehr aufwacht… aber ich denke das wird so nicht passieren… Ich hoffe dass ich es sehe wenn es soweit ist! Aber der Gedanke daran tut einfach nur weh…. ich wusste auch gar nicht dass ich so einen Nachschub an Tränen produzieren kann…

    Ich wünsche Euch dass ihr noch eine schöne lange gemeinsame Zeit miteinander habt….

    Fühlt Euch ganz doll gedrückt!

    Alles Liebe
    Steffi mit Ren & Stimpy

    • Oh Steffi, mir kommen sofort die Tränen. Es ist so grausam, dass unsere geliebten Vierbeiner so früh gehen müssen… Sie sollten viele viele Jahre mehr glücklich und gesund sein dürfen. Sie geben uns so viel. Fühl dich ganz doll gedrückt.

      Flauschige Grüße
      Sandra & Shiva

  10. Vielen Dank für Deine Geschichte mit Moe.
    Unsere Familie und ich machen gerade das Selbe durch wie Du es hinter Dir hast. Wir wissen nicht mehr weiter. Unsere fast 7-jährige Große Schweizer Sennenhündin hat schon seit 3 Jahren Arthrose, die fortgeschritten und jetzt immer schwerer zu ertragen ist für sie. Hüfte und Gelenke sind betroffen, dazu bekamen wir im Juli d.J. die Diagnose Spondylose im Rücken. Und weil das nicht reicht, dazu noch Mastzelltumore, also Krebs, Grad 3. Nicht mehr operabel, da zu viele.

    In den letzten 2 Tagen hatte sie starken gelb, schleimigen Durchfall mit etwas Blut, auch erbrach sie gelben Schleim mit etwas Blut. Fressen wurde nicht verdaut und wurde unverdaut ausgeschieden. Wasser auch, das sie trank. Und heute scheint sie überm Berg zu sein, das Schlimmste hat sie gerade hinter sich. Was tut man in so einem Fall, wenn die Gelenke durch die Arthrose geschwollen sind ? Das Herz schnarrt beim Abhören ? Wenn der Hund in 1 Monat 2 Kilo zugenommen hat, wegen Wassereinlagerungen ? Wenn der Hund immer schwächer wird ?
    Wir haben die Tierärztin kontaktiert und unsere Leni soll am Donnerstag Abend (Morgen) um 18 Uhr eingeschläfert werden.
    Mittwoch-Abend: Leni spielt mit unserem Zweithund, sie bettelt um Leckerli in meiner Tasche, sie bellt, wedelt mit der Rute, fühlt sich soweit ganz gut, hatte Freude beim Spaziergang.

    Es geht nach der Diagnose von Mastzelltumor seit 2 Monaten bei ihr rauf und runter. Guter Tag, schlechter Tag. Sehr schlechter Tag. Dann wieder befriedigender Tag.
    Leni kann noch ins Auto springen und wieder raus. Sie kann auch bös bellen und ihre Hundekumpelin anschnauzen. Sie ist voll da und schaut auch aus ihren braunen Augen wach in die Welt.

    Gestern noch sterbenskrank. Heute wieder lebensfroh. Was kommt Morgen ? Oder Übermorgen ? Oder in 1 Woche ?

    Ich stelle mir die Frage, sollen wir sie Morgen „gehen lassen“ ? Oder wäre das falsch ? Wäre es richtig ? Ihr Leiden ist unheilbar, sie hat Schmerzen, wie groß die sind, wissen wir nicht. Nicht mal die Tierärztin weiß das. Wir können alle nur erahnen und spekulieren. Leni ist eine Kämpferin und sie zeigt Schmerzen nicht, sie zieht sich jedoch öfters zurück. Beim Gassi kommt sie weniger als 50 Meter, dann setzt sie sich hin und streikt.

    Die Entscheidung kann uns niemand abnehmen. Das ist ein sehr schrecklicher und schmerzhafter Zustand. „Sollen wir oder doch nicht ?“

    Birgit

    • Liebe Birgit,

      Worte helfen hier überhaupt nicht und ich bin einfach mit dir traurig. Ich habe keine Ahnung, was ihr in diesem Fall tun könnt, aber ich bin sicher, dass ihr heute eure Entscheidung treffen werdet – für Leni. Ich bin in Gedanken bei euch, fühlt euch aus der Ferne gedrückt.

      Alles Liebe
      Nicole

  11. Hallo Nicole,

    ich bin hier auf deine Geschichte mit moe gestoßen und muss sagen, dass ich sie wirklich sehr schön finde, ja sie gibt mir sogar etwas Kraft. Unser geliebter Hund Balou wird heute Abend bei uns daheim eingeschläfert. Wir haben den kleinen Kerl damals als Welpe aus einer Tierzucht aus Spanien gekauft, ein echter deutscher Spitz. Unser ein und alles. Heute auf den Tag genau ist Balou 9 Jahre und 30 Tage alt. Wir haben vor gut vier Monaten die Diagnose bekommen das er einen Tumor in der Nasennebenhöhle hat und dieser schon recht groß ist, so dass man eigentlich nichts mehr machen kann. Eine Welt brach zusammen. Bis heute haben wir trotzdem einiges versucht sowie verschiedene Medikamente, Naturheilkunde, Futterumstellung etc. Doch Balou ging es nicht wirklich besser, bis es schlagartig richtig bergab ging mit ihm. Er wurde apathisch, starrte nur noch in der Gegend rum, blutete aus Maul und Nase, er hatte gar kein Antrieb mehr sich zu bewegen, er verlor in den letzten drei Wochen mehr als ein Kg an Gewicht. Anfang Mai als wir die Diagnose bekommen haben wog er noch fast sieben Kg, jetzt gerade mal etwas mehr als vier Kg. Er liegt gerade hier neben mir und schnarcht wie ein Grizzlybär, der Tumor hat seine ganze Nase komplett verstopft. Es bricht mir das herz ihn so zu sehen und wenn ich könnte würde ich ihn heute Abend nicht gehen lassen aber ich weiß es wird das beste für ihn sein. Als ich eure Geschichte Gelsen habe, habe ich mich wirklich riesig für euch gefreut. Ich finde es sehr schön das Moe es geschafft hat wieder fit zu werden. Ich würde alles dafür tun damit unser Balou dieses Wunder auch schaffen würde…

    Euch weiterhin alles gute 🍀

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