Der Jahrmarkt-Hund.

Jahrmarkt-Hund

Da geht er. Kopfwackelnd, schwanzwackelnd, gut drauf. Wohin des Weges?

Da, in der Ferne hört er Musik. Er riecht die Leckereien, die sich die Zweibeiner kaufen. Moe möchte Party machen.

Tschwusch – fast 30 Jahre zurück in die Vergangenheit. Ein kleines, blondes Mädchen macht sich auf den Weg.

An der Hand ihres Papas wackelt sie mit dem Kopf, tanzt mit ihren kleinen Füßchen auf dem Gehweg, freut sich schon auf die ganzen Menschen, Musik, Zuckerwatte.

Jahrmarkt-Hund
Auf zum Rummel – ich hab es geliebt.

Das kleine Mädchen war ich. Ich habe es damals geliebt, Musik zu hören – immer, wenn irgendwo Musik war, wollte ich dahin. Party! Menschen!

Das ging lange so. Bis ich das irgendwann nicht mehr mochte. Keine Ahnung, welchen Auslöser es dafür gegeben hat, aber mittlerweile will ich vor allem eines: Meine Ruhe.

Moe sieht das allerdings ein bisschen anders.

Da nimmt man den Hund nicht mit hin!

Diese großen Veranstaltungen sind nichts für Hunde. Rummel, Messen, Kieler Woche – da bleibt der Hund GERNE zu Hause. Hach, wie ich diese Verallgemeinerungen liebe.

Fest steht nur: Ja, es gibt Hunde, die solche Veranstaltungen total doof finden, unsicher sind. Und ich verstehe das gut: Es sind viele Menschen unterwegs, die nicht aufpassen. Mit Pech tritt der Hund in Glas, das herum liegt, laute Musik die ganze Zeit bei so empfindlichen Ohren.

Jahrmarkt-Hund
Da nimmt man den Hund nicht mit!

Ich habe bei solchen Veranstaltungen viele Hunde gesehen, denen es alles andere als gut ging, die gezittert und den Schwanz eingezogen haben. Die sind ganz bestimmt überall anders besser aufgehoben, als an so einem Ort.

Es gibt aber auch genauso Hunde, denen solche Veranstaltungen überhaupt nichts ausmachen, die diese Orte sogar bewusst aufsuchen. Moe ist so ein Party-Hund.*

Moe, der Schausteller-Hund

Als Neu-Hundebesitzer hat man nicht so viel Ahnung. Fest stand für mich nur: Wenn ich das Gefühl habe, das es Moe nicht gut geht, gehen wir wieder. Und wenn ich das Gefühl habe, es ist viel zu voll – dann kommt Moe nicht mit. So haben wir das damals gehalten, so halten wir es noch immer.

Dementsprechend war Moe auch bei ein paar wenigen Veranstaltungen dabei (die Kieler Woche in der Innenstadt hat er übrigens nie mitgemacht – die ist nämlich WIRKLICH zu voll). Jahrmarkt tagsüber, Kieler Woche in Schilksee, Weihnachtsmarkt, Duckstein Festival – Moe war mittendrin.

Jahrmarkt-Hund
Können wir bitte nur kurz gucken?

Und Moe hat es geliebt. Die Stimmung, die streichelnden Hände, die Aufregung, die Bratwurst, den Rest Maiskolben. Er wollte weder nach Hause, noch hat er sich versteckt. Gucken, das wollte er. Naschen. Menschen kennen lernen. Ob er in einem anderen Leben wohl Schausteller war?

Moe fand es toll, zu schnuppern und etwas zu erleben. Da, schau – die werfen Bälle auf Dosen! Und hier – da gibt es Ballons! Und guck nur – hier riecht es total gut!

Nur den Shanty-Chor, den fand er unheimlich. Zu tiefe Männerstimmen, die waren merkwürdig. Gospel dagegen ist super – aber wer mag keinen Gospel!

Auf dem Weg zu solchen Veranstaltungen passiert wirklich jedes Mal genau das oben beschriebene: Moe hört die Musik, riecht die Leckereien. Er schaut mich kurz an – und zieht dann los.

Entweder du kommst jetzt mit oder du hast Pech – so sein Motto. Doof nur, wenn er gerade an der Leine ist und die Zweibeiner andere Pläne haben.

Wie neulich in Wismar. Wir waren in einem Park unterwegs, von fern konnten wir eine Frauenstimme hören:

„Einsteigen, einsteigen, neue Fahrt – los geht’s | geht’s | geht’s! (Musik vom Band setzte ein).

Moe war nicht mehr zu bremsen. Der Kopf wackelte, alles wackelte an diesem Hund. Er wollte da hin. Jetzt! Frauchen, nimm‘ die Hufe in die Hände, da gibt es MUSIK!

Dummerweise bin ich, wie ich bin. Ich hab auf Rummel seit einigen Jahren so gar keine Lust – Menschenansammlungen, oh je! An der nächsten Ecke wollte ich also abbiegen, rechts ab, zurück zum Wohnmobil. Aber nix da!

Moe blieb auf dem Weg stehen, stur, wie nur er es sein kann, und schaute sehnsüchtig Richtung Musik, schnupperte in der Luft. Bitte, nur einmal gucken, ja? 

Jahrmarkt-Hund
Ballons mag ich übrigens auch nicht mehr.

Ich dagegen schaute sehnsüchtig in Richtung Wohnmobil. Mittagessen, in Ruhe. Nun ja, manchmal muss ein Zweibein tun, was ein Zweibein tun muss.

Ich überredete Moe, mitzukommen. Und versprach ihm: Beim nächsten Rummel gehen wir vorbei und kaufen ein Eis. Versprochen. 

Ich hoffe, dass der nächste Rummel  noch lange auf sich warten lässt.

*Versteht mich nicht falsch: Das ist kein Plädoyer dafür, Hunde grundsätzlich und überall mit hinzunehmen – macht das bitte von der Veranstaltung und vom Hund abhängig. Im Zweifel lieber den Hund zu Hause / in Betreuung lassen – ihr habt es gelesen, ihr kennt das, ihr habt ein Gehirn zum selber denken. Und nu: Weiteratmen. // Fotocredit: Unsplash

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Kommentieren

6 Gedanken zu „Der Jahrmarkt-Hund.“

  1. Partyhund 😀 vielleicht kann er dich ja auch wieder motivieren 😉
    Wir haben einen Reenactment-Verein und sind viel auf Mittelaltermärkten unterwegs. Mich hat es überrascht wie gelassen Odin dabei bleibt, weil er sonst von vielen Reizen schnell überfordert ist. Überall nehm ich ihn nicht mit, manche Feste sind einfach zu eng, zu laut, zu voll. Da würd ich es gar nicht erst probieren. Aber er findet die Musik auch toll und wenn wir dann tanzen, muss er auch mittanzen, da kann er gar nicht anders. Seine größte Schwäche sind die Stände wo es Essen gibt. Und es ist auch schon oft passiert, dass uns einer von den Köchen gefragt hat, ob der Hund auch ein Stück Fleisch oder eine Wurst will. Und JA der Hund will und sabbert mir schon die Schuhe voll 😀
    Aber generell schau ich mir die Feste gerne zuerst ohne Hund an oder frag bei Bekannten wie es dort so ist. Ich bin schon gespannt wie es unserem Neuling dabei geht, aber die lässt eh alles kalt.
    Liebe Grüße,
    Julia mit Odin und Freya




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  2. Shiva findet viele Menschen oder Gedränge und Krach gruselig… aber Rocky war ein Partyhund. Er musste überall dabei sein und fand das einfach großartig.

    Flauschige Grüße
    Sandra und Shiva




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  3. Haha, Moe ist ja der Knaller! Uns wird auch oft gesagt, dass der Hund mal lieber zu Hause bleiben soll. Dabei sind zum Beispiel Familienfeiern das absolute Highlight. Erst holt man sich überall seine Streicheleinheiten ab und dann setzt man sich für den Rest des Abends zu dem, bei dem es einem am besten gefallen hat! 😉 Ich finde es gut so, wie ihr es handhabt!




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  4. Ich glaube, dass jeder seinen Hund einschätzen kann und danach entscheidet,ob es klug ist den Hund mitzunehmen ,oder besser für 1-2 Stündchen zu Hause zu lassen. Viel schlimmer finde ich im Auto lassen, wo er im Sommer nicht nur Hitze ausgesetzt ist, sondern auch sämtlichen Passanten ,die vorbei laufen. Obwohl 1000-mal erklärt, gibt es das immer noch!!! Gestern erst gesehen:-(




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  1. Die ersten Tage unterwegs | Hundeblog Moe and Me

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