Hund abzugeben! – Wenn der Hund zur Last wird.

Hund abzugeben

Dinge, die einem keiner sagt, bevor man einen Hund bekommt: Er macht Arbeit. Er braucht Aufmerksamkeit, ein gewisses Grundmaß an Regeln, er ist teuer, er blamiert dich.

Bevor ein Hund einzieht, gerade wenn man keinerlei Erfahrungen hat, denkt man noch, alles wäre gut. Ja, vielleicht rechnet man damit, dass Probleme auftauchen. Das Dinge passieren, die einem vorher keiner erzählt, aber die vielleicht nicht so schlimm sind.

Was einem keiner sagt: Manchmal passieren Dinge, die man lieber niemandem erzählen möchte.

Mir ist es wichtig, dass die Menschen, die noch nie einen Hund hatten, verstehen: Ein Hund ist ein Lebewesen, dass dir an manchen Tagen alles abverlangt. Und das dir Dinge geschehen, die du einfach nicht vorher sehen kannst, auf die du keinen Einfluss hast.

Ein paar unserer Erlebnisse möchte ich euch heute erzählen. Für alle, die neu sind in dem Thema. Und für die, die glauben, sie hätten bereits alles erlebt.

Das Wichtigste zuerst: Aus allem kann man Lernen, aus jeder Situation gestärkt hervor gehen. Gebt euren Hund nicht auf!

Aus und vorbei.

Heute wäre es für mich absolut unmöglich, Moe abzugeben. Das war aber nicht immer so. Manche von euch wissen bereits, dass es mir nicht immer so gut ging wie jetzt gerade. Und ich bin sicher: Das übertrug sich auch auf Moe. So hatten wir damals viele kleine Probleme, die mich echt verzweifeln ließen.

Vor allem, wenn die Ohren mal wieder komplett auf Durchzug gestellt waren, machte mich dieser Hund wahnsinnig. Drei Jahre alt und konnte weder anständig an der Leine laufen noch zurück kommen, wenn man ihn ruft?!

Oh ja, das kratzte an mir. Und wie! Dazu kam die ständige Futtermäkeligkeit, der Trotz beim Lernen an sich, einfach das „Mittelkralle zeigen“.

Moe abgeben? Undenkbar.
Moe abgeben? Undenkbar.

Natürlich war Moe in der Zeit auch ein großartiger Hund, der mir immer zur Seite stand. Und genau das war wohl rückblickend das Problem: Ich verlangte zu viel und gab zu wenig.

In wirklich schlimmen Momenten überlegte ich, Moe ein neues Zuhause zu suchen. Meine Sorge war groß, ihm nicht gerecht zu werden und verdammt, war ich genervt.

Ich bin dankbar, dass wir die Zeit lange hinter uns gelassen haben und ich bin froh, dass wir durchgehalten haben. Beide.

Unfälle passieren.

Ich kann von Glück sprechen und drei Mal auf Holz klopfen: Unfälle sind uns passiert. Aber sie waren bei Weitem nicht so schlimm. Ein paar Unfälle passierten aus Unachtsamkeit. Anderes einfach, weil es uns alle treffen kann.

Wenn der Hund zur Last wird.
Hund abzugeben! – Wenn der Hund zur Last wird.

Was mir am Schlimmsten in Erinnerung geblieben ist und was wirklich gesessen hat: Moe wurde mal von einem Auto erwischt. Bisher habe ich das noch nie wirklich erzählt, weil es mir total unangenehm ist – denn es war meine Schuld.

Wir wohnten an einer vielbefahrenen Straße. Moe musste dort immer Sitz machen, ich hatte ihn immer an der Leine. An dem einen Tag passte ich vielleicht nicht genug auf oder gab Moe ein falsches Signal – wahrscheinlich beides.

Jedenfalls machte er plötzlich einen Schritt auf die Straße – und ein Auto kam natürlich genau in diesem Moment vorbei. Das Auto prallte an Moes Kopf und ab dem Zeitpunkt passierte gefühlt alles in Zeitlupe. Ich riss Moe zurück und dachte nur: Jetzt ist es passiert. Jetzt ist es vorbei.

Glücklicherweise ist tatsächlich nichts passiert. Moe hatte nicht einmal eine Beule am Kopf. Ich sag ja: Der Bollerkopf kann einiges ab – trotzdem hatte ich an dieser Straße lange Angst und hielt Moe nur noch mit beiden Händen im großen Abstand von der Straße fest. Moe hat das alles überhaupt nicht beeindruckt, ich habe noch heute ein schlechtes Gewissen, wenn ich nur daran denke und höre das Geräusch, als wäre es gestern.

Übrigens: Der Autofahrer hat nicht angehalten. Obwohl er es mit Sicherheit gehört hat.

Danach hatten wir zum Glück wirklich nur noch kleinere Unfälle. Gebrochene Krallen, ein Dorn in der Pfote, der wirklich tief drinsteckte, eine umgeknickte Pfote und blutiges Zahnfleisch aufgrund einer billigen Plastikfrisbee. Klar, manchmal stellt sich Moe auch selten dusselig an und haut sich den Kopf an oder läuft irgendwo gegen. Dabei ist aber nie wirklich etwas Schlimmeres passiert.

Und plötzlich ist er weg.

Ich behaupte, es ist der absolute Alptraum eines jeden Hundebesitzers: Plötzlich ist der Vierbeiner verschwunden. Alles Rufen und Suchen nützt nichts. Moe war nie länger als 15 Minuten verschwunden. Die beiden Male, wo es passiert ist, wäre ich aber fast gestorben und ich mag mir nicht vorstellen, wie es Menschen geht, bei denen der Hund länger vermisst wird.

Das eine Mal war in unserem Wald. Damals war Moe mitten in der Trotzphase (wir erinnern uns: Mittelkralle raus!) und probierte sich aus. Worauf ich mich bis dahin aber verlassen konnte: Er blieb in meiner Nähe. Nicht so an diesem Tag.

Und plötzlich ist der Hund weg.
Und plötzlich ist der Hund weg.

Vom einen auf den anderen Augenblick war dieser Hund einfach weg. Rufen nützte nichts. Also machte ich mich auf die Suche, immer mit dem Gedanken, ihn gleich wieder zu sehen. Aber nichts da. Er blieb weg. Und ich suchte, suchte, rief. Moe kam nicht.

Ich bekam es mit der Angst zu tun. Was wäre, wenn er in das Waldstück lief, in dem der Jäger unterwegs ist? Was, wenn er Richtung Straße läuft? Was, wenn er ein Tier hetzt und tötet? Das Herz rutschte immer tiefer und immer noch kein Zeichen von Moe.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam er freudestrahlend auf mich zugerannt. Im Gegensatz zu mir hatte er wohl einen Riesenspaß gehabt. Wo er genau gewesen ist, was er getan hat – ehrlich, ich habe keine Ahnung.

Das zweite Mal passierte erst vor Kurzem, im Sommer. Normalerweise ist Moe trotz Jagdtrieb sehr gut lenk- und abrufbar. Manchmal wetzt er kurz einem Kaninchen hinterher, aber spätestens nach 5 Schritten und einem Rufen steht er wieder, kommt zurück.

Nicht so an diesem Sommermorgen. Irgendwie hat ihn da wohl der Hafer gestochen und mir wurde klar: Egal, wie gut du glaubst, deinen Hund zu kennen, es kommt doch immer anders. Die Kaninchen saßen auf der Wiese. Moe war ansprechbar, deswegen machte ich ihn nicht fest. Wir waren schon an den Kaninchen vorbei, Moe holte sich sein Lob und Keks ab – drehte um, wetzte den Kaninchen hinterher.

Kein Rufen brachte etwas, kein Pfiff. Dumm nur, dass hinter dem Bereich (Gehweg, große Wiese, kleines Waldstück) eine Landstraße führt, die im Sommer gut besucht ist (alle wollen ans Meer… 😉 ). Ich machte mir also zu Recht Sorgen.

Mit der Brötchentüte in der Hand lief ich ihm quer über die Wiese nach. Stellt euch einen Zwerg vor mit wenig Kondition. Zwerge sind bekanntlich Kurzstrecken-Läufer und so kam es, dass ich nach ein paar Metern mit hängender Zunge auf der Wiese stand, weil mir klar wurde: Dem kommst du nicht hinterher.

Zum Glück für mich fand Moe das Waldstück nicht besonders attraktiv (vielleicht hatte er auch einfach Mitleid mit seinem hechelnden Frauchen) und kam endlich wieder zurück. Natürlich war er extrem stolz auf sich – er hatte ja die Kaninchen verjagt.

Ein Leben mit Hund ist manchmal eine Katastrophe.

Gar nicht erwähnt habe ich die anderen Dinge, die im Leben mit Hund passieren. Ich denke aber, ihr könnt euch vorstellen, dass einen Hund zu haben bedeutet, das einem manchmal der Arsch auf Grundeis geht. Das die Nerven drohen zu reißen, dass man an manchen Tagen an sein Limit kommt.

Die kleine Katastrophe
Die kleine Katastrophe

Und trotzdem: Rückblickend möchte ich keinen Tag missen. Wie langweilig wäre es, wenn ich alles das nicht erlebt  hätte. Wie beschaulich.

Ich bin froh, dass Moe so einen unglaublich harten Bollerkopf hat. Dass er Macken hat und nicht glatt ist. Und das ich mich um ihn kümmern muss – denn mit dieser Aufgabe konnte ich überhaupt erst Wachsen.

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