Hippie-Hundehalter

Hippie-Hundehalter

Gestern früh fiel es mir wie Schuppen vor die Augen: Irgendwie sind mein Freund und ich schon ziemliche Hippies. Und unser Lebensmodel übertragen wir auch voll in die Hundehaltung. Wie wir darauf kommen?

Unser Hund war nie in der Hundeschule

Welpenstunde, Junghundekurs, Erwachsenen-keine-Ahnung-irgendwas, Agility und andere Beschäftigungen in der Gruppe? Haben wir nie wirklich gemacht. Ich habe es zwar mal versucht, aber nach meinen negativen Erfahrungen schnell entschieden: Die Hundeschule und ich, wir werden keine Freunde.

Ziemlich wahrscheinlich liegt es daran, dass mich bislang die Menschen so gar nicht überzeugen konnten. Entweder fand ich ihre „Erziehungsmodelle“ veraltet (Hund wird weggeboxt) oder nicht praktikabel (Hund wird so lange ignoriert, bis er von selbst aufhört zu bellen).

Manchmal waren die Menschen auch schlicht „nicht nach meiner Nase“. Ich kann nicht mit jedem. (Das unterscheidet mich vielleicht doch vom Hippie.)

Wir kochen unser eigenes Süppchen und legen kein Wert auf irgendwelche Diplome, Zeugnisse, weiteren Kram, den man sich an die Wand hängen und sich darauf etwas einbilden kann.

Allerdings: So richtig antiautoritär wurde Moe auch nicht erzogen. Gewisse Regeln gibt es bei uns, selbst wenn die nicht (immer) mit aller Macht durchgesetzt werden. Eine gesunde Mischung zwischen „Überlebenswichtigen Regeln“ und „Optionale Handlungsanweisungen, die in Frage gestellt werden dürfen“ haben unser Zusammenleben entspannt. Jeder weiß, woran er ist, was geht, und was absolut nicht.

Weg vom Konsum, hin zum Minimalismus

Was in meinem Leben längst praktiziert wird, bekommt Moe nun auch ab. Ausmisten und nicht nachkaufen, lautet die Devise – und wenn doch gekauft wird, dann nachhaltig und robust.

Wir waren nie in der Schule.
Wir waren nie in der Schule.

Ein paar Spielzeuge haben sich für uns da etabliert, weil sie ewig halten, ökologisch produziert werden und vielseitig sind, wie zum Beispiel die Sachen von West Paw. Ganz vorne dabei unser Hurley, der schwimmt, springt und für lange Knabbereinheiten her halten kann. Dazu ist er leicht und schnell verstaut.

Ich bestelle im Monat ca. 2-3 Mal etwas für Moe. Dabei handelt es sich zu 99% um Futter. Spielzeug habe ich erst wieder für das Wichtelgeschenk besorgt.

Es war ein Prozess, vom Gedanken zur Umsetzung: Was brauchst du wirklich? Was brauchst du zum Leben? Was macht dich glücklich? Und was hast du nur um des Habens Willen?

Einkaufen gehen macht mir keinen Spaß mehr. Wo ich damals stundenlang durch Geschäfte pilgern konnte, immer auf der Suche nach den neuesten Stiefeln, Schals, Oberteilen, investiere ich meine begrenzte freie Zeit (also die, die ich nicht aktiv mit Moe verbringe) mit Onlinekursen. Bilde mich weiter in den Themen, die mich wirklich reizen, wie die Fotografie, das Nähen und das Kochen.

Selber machen statt Kaufen: Finde ich tatsächlich spannend. Der Gedanke, irgendwann mal größtenteils unabhängig leben zu können, weil man so viele Dinge selber machen kann, reizt mich sehr.

Bilde dir deine eigene Meinung – aber behalte sie für dich.

Viele Artikel in der letzten Zeit sind entstanden, weil mir die Stimmungsmache und die „ICH HAB RECHT-Brüller“ tierisch auf den Keks gehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich gewisse Dinge hier im Blog ausspare, wie zum Beispiel Kritik an irgendwelchen Hundetrainern.

Das war so gar keine bewusste Entscheidung, ich habe sogar einmal etwas über Maike Maja Nowak und die Rudelstellung geschrieben. Mir geht es nur um das absolute Verteufeln von Methoden, die dem eigenen Weltbild nicht entsprechen. Und das kann gerne auf alle Lebensbereiche ausgeweitet werden.

Sei es die „Trockenfutter-tötet-Hunde“-Fraktion, die „Ich-lebe-vegan-also-hast-du-das-auch-zu-tun“-Menschen bis hin zu den „Wenn-du-das-und-das-nicht-hast-bist-du-nicht-normal“-Wesen.

In der heutigen Zeit darf jeder eine Meinung haben und die soll er verdammt noch mal nicht nur heraus brüllen, sondern auch sein komplettes Umfeld davon überzeugen. Gerne dürfen dabei auch Beschimpfungen unter die Gürtellinie gehen, wenn der andere nicht sofort die Meinung adaptiert.

Schönes Beispiel dazu: Ich habe neulich in einer Hundefotografie-Gruppe, in der es eigentlich um konstruktive Kritik gehen sollte, ein Foto gepostet. Manche kennen es noch: Ich hatte es „Abandoned Dog“ genannt und es war ein spontanes Fotoprojekt gewesen.

Kritik ist gut - wenn sie konstruktiv ist.
Kritik ist gut – wenn sie konstruktiv ist.

Das dieses Bild nicht jedem gefällt, finde ich nicht schlimm. Geschmäcker sind verschieden. Mir ging es eher um die konstruktive Kritik und die kam – aber eben nicht nur die. Das „kotzende Kaktus-Smily“ war sehr nett (und vor allem wahnsinnig konstruktiv), und die anderen Äußerungen – naja.

Gerade im Internet wird schnell etwas geschrieben, was die wenigsten einem auch ins Gesicht schleudern würden. Facebook und Co. sind voll mit Hasskommentaren, teilweise ohne logische Begründung oder Bezug.

Jeder sollte sich doch mal an die eigene Nase packen, schauen, welcher Weg für einen selber der Richtige ist – und alle anderen machen lassen. Tipps, gut formuliert, sind immer super. Aber: Schreiende, beleidigende Besserwisser sind einfach nur nervig.

Mehr Zeit für die wichtigen Dinge.

Wenn ich aufschreiben würde, was mir tatsächlich wichtig im Leben ist, dann steht Moe sehr weit oben auf dieser Liste. In meinem alten Job habe ich aber eines gemerkt: Moe ist mir wichtig, aber mit einem geregelten Arbeitstag in einem Unternehmen, zu dem ich immer 3 Stunden Fahrtweg hin- und zurück habe, bleibt nicht mehr genug Zeit. Die Priorität war: Geld verdienen, bloggen, Hund. Das wollte ich so nicht mehr.

Die Arbeit steht immer noch weit oben. Aber nicht mehr über Moe. Ich bin in der glückliche Situation, meinen Chef nicht anbetteln zu müssen, wenn Moe zum Tierarzt muss. Nein. Mein Chef fährt einfach mit – weil es mein Partner ist. 🙂

Wenn Moe mich während der Arbeit braucht, sei es, um 10 Minuten zu spielen, weil er mal raus möchte, dann passiert das auch so. Natürlich weise ich ihn ab und zu mal ab, wenn ich gerade konzentriert arbeiten muss. Aber generell hat er da schon das große Los gezogen. 😉

Zeit zu haben, auch das steht weit oben auf meiner Liste. Dabei geht es nicht um freie Zeit, die ich „vergammeln“ möchte. Zumindest nicht nur, denn ein bisschen Gammeln tut der Seele sehr gut! 😀

Es geht um freie Zeit, die ich für das einsetzen kann, was ich gerade tun möchte: Fortbildung, Nähen, Backen, Fotografieren, Spazieren gehen oder eben auch das Bloggen.

Mir ist bewusst, dass ich mich glücklich schätzen kann und das es nicht für jeden funktioniert. Trotzdem: Jeder kann seine Prioritäten festlegen und überlegen, wie er an sein Ziel kommt.

Wir sind Möchtegern-Aussteiger.

Leider kann ich noch nicht „Aussteiger“ ohne den Zusatz schreiben, noch ist es nicht so weit. Wir haben ein anderes Lebensmodell gewählt als unsere Familie, Freunde und meisten Bekannten für sich gewählt haben. Und das ist in Ordnung so – zumindest für uns.

Make love, not war.
Make love, not war.

Zum Hippie-Sein gehört das Aussteigen, das Reisen (zwar im Bus und nicht zwingend in einem Wohnmobil 😉 ). Wir sind bald auf dem Weg und Moe gehört dazu. Moe ist also selber ein kleiner Hippie. 😉

In diesem Sinne: Make love, not war. ♥

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