Heimat – Was ist das?

Heimat – Was ist das?

Die liebe Andrea von Anwolf hat zu einer Blogparade aufgerufen. Das Thema lautet „Was ist Heimat?“ und da ich über das Thema immer mal wieder nachgedacht, es aber noch nie so richtig niedergeschrieben habe, wird es mal Zeit.

Ob ein Hundeblog der richtige Platz dafür ist, um über Heimat und derlei Gefühle zu sprechen – nun, darüber müssen andere urteilen. Für mich ist es genau der richtige Platz – denn auch Moe spielt dabei eine Rolle. Aber von vorne.

Heimat und Heimweh.

Hätte ich einen indianischen Namen, wäre es wohl etwas wie: „Die mit dem Kopf in den Wolken“ oder „Die mit dem unsteten Herzen“.

Von Kindesbeinen an war ich unruhig, rastlos. Mir war schnell langweilig, ich hinterfragte alles, gab mich nicht zufrieden. Sobald es irgendwo hin ging, die Autotür aufging, war ich drin. Ich wollte erleben, erfahren, sehen, beobachten.

„Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise! Nimm mich mit in die weite, weite Welt!“ – Frei nach Hans Albers

Meine Eltern reisten nicht besonders gerne. In den Urlaub ging es immer in die Heimat meiner Mutter, nach Portugal, in ein kleines Örtchen – Gandufe.

Manchmal waren wir auch zu Mutter-Kind-Kuren an der Nordsee – das war aber schon besonders.

Für mich war der Urlaub in Gandufe toll und ich fühlte mich sehr, sehr wohl – aber die Reise mit dem Auto dorthin, das war das wirklich Spannende.

Zusammen mit meinem Opa, meiner Mutter und meinem Onkel unterwegs in Gandufe.
Zusammen mit meinem Opa, meiner Mutter und meinem Onkel unterwegs in Gandufe.

Fremde Länder, neue Menschen, überall gab es etwas zu gucken. Wir waren meist 2 Tage unterwegs, schliefen auf Rastplätzen – wenn ich denn mal schlief. Denn die meiste Zeit blieb ich wach, aus Angst, etwas zu verpassen.

Heimweh hatte ich dabei nie. Es gab keinen Moment, in dem ich meine Freunde oder mein Zuhause vermisste.

Und dann gab es diesen einen Moment, der mir für immer den Spitznamen „Reisetante“ eingebracht hat: Meine Eltern fragten mich, ob ich mit den Großeltern nach Portugal fahren würde.

„Meine“ Schweinchen in Portugal
„Meine“ Schweinchen in Portugal

Sie würden später nachkommen, aber ich könnte, wenn ich wollte, bereits losfahren. Und wie ich wollte! Ob ich meine Eltern vermisste? Kein Stück, die ganze Zeit über nicht. Ich schaute nicht zurück, wollte nur los.

Heißt das, der Ort an dem ich groß wurde, ist keine Heimat für mich? Stimmt genau. Ich bin dort zwar aufgewachsen, aber mich verbindet so gut wie nichts mit diesem Ort.

Wenn ich jetzt nach Gifhorn fahre, dann weil es irgendeinen Anlass gibt oder ich mal wieder meine Familie besuchen muss – nicht, weil ich den Ort vermisse.

Anders ist es mit Gandufe. Dieser Ort ist für mich mehr Heimat als alles andere. Der Geruch von Mottenkugeln in dem Haus. Die Kühle in der Garage, wenn man aus der heißen Sonne kommt und einen Schattenplatz sucht.

Die vielen Blumen, liebevoll gepflegt von meiner Omi. Die Tauben der Nachbarn. Der Geruch von gebratenen Sardinen.

„A saudade é a nossa alma dizendo para onde ela quer voltar.“ – Die Sehnsucht ist unsere Seele, die uns sagt, wohin sie zurückkehren möchte.

Das Gackern der Hühner, das laute Tuten des Brötchenwagens. Das Rufen der Schafe. Die Menschen, die so anders aussehen auf dem Dorf als die Deutschen hier: Gebeugt von körperlicher Arbeit. Braun gebrannt. Mit Lachfalten um die Augen. Kaum Zähne im Mund, freundlich, mit Geschenken für uns „Ausländer“.

Zuhause. Heimat.
Zuhause. Heimat.

In Gandufe habe ich Demut gelernt. Menschen, die nichts haben, teilen mit dir alles. Sie bringen dir Hühner zum Schlachten vorbei, Kartoffeln, Zwiebeln, Kuchen, Wein… An ihrem Tisch ist immer Platz für dich.

Heimat ist für mich dieses kleine Dorf, in dem unser Haus noch steht und das ich in manchen Momenten so sehr vermisse, dass sich alles in mir zusammen zieht. Heimat ist die typische Musik. Ein Glas Wein. Die große Sehnsucht. Saudade.

Ich weiß, dass ich auch in Gandufe nicht ewig glücklich sein könnte. Ich bin nicht für eine große Gemeinschaft gemacht und ziehe mich eher zurück. Bin rastlos, habe das Gefühl, in einen Trott zu verfallen, wenn ich nicht weiterziehe. Aber für eine Weile könnte ich dort meinen Platz finden.

Heimat ist da, wo du bist.

Heimat ist da, wo er ist: Moe.
Heimat ist da, wo er ist: Moe.

Meine Heimat ist aber nicht nur in der Ferne. So was wie ein Heimatgefühl, ein Zuhause – die große „Vermissung“ habe ich auch, wenn ich von Moe und meinem Freund getrennt bin.

Für Moe kann ich vieles aushalten. Würde er aus irgendwelchen Gründen nicht reisen können, würde ich an seiner Seite bleiben – da, wo es gerade richtig für ihn ist.

Ein Gefühl von Zuhause habe ich immer, wenn ich meine Liebsten um mich herum habe. Und dabei ist es egal, wo ich gerade bin.

Deswegen freue ich mich so sehr auf unser Leben im Wohnmobil – unterwegs sein, trotzdem aber immer seine „Basis“ dabei haben. So stelle ich mir einen guten Kompromiss zwischen unstet sein, aber sein Zuhause gefunden haben, vor.

Für Moe wird diese Art zu reisen hoffentlich schöner und angenehmer sein, als nur zwischendurch an einen Ort zu fahren, um dann wieder die Heimreise anzutreten. Er wird seine gewohnte Umgebung immer dabei haben, nur das Drumherum draußen, das ändert sich.

Gibt es eine Heimat für mich?

Ich werde wohl noch lange auf der Suche sein – nach einem Stück Heimat. Diese Sehnsucht ist wohl in jedem von uns. Manche wissen ganz genau, wo Heimat für sie ist und eigentlich, ja eigentlich weiß ich das auch. Nur dauerhaft Leben, das kann ich da nicht.

„Deixou a casa dele e partiu atrás do sol.
Levou tudo com ele e subiu sem hesitar.
Foi à volta do mundo sempre que lhe apeteceu.
Era tudo diferente e andava mais.
Era a voz que dizia: „Anda não olhes p´ra trás!“
E era assim que ele ouvia – e andava mais.“ – Delfins, Ser Maior

Ob ich irgendwann mal mein Stück Heimat für immer finde? Eigentlich wünsche ich es mir. So recht glauben kann ich es aber nicht. Die Sehnsucht ist da – und bis dahin suche ich weiter. Vielleicht finde ich ja den Ort, an dem ich irgendwann ankommen kann.

Was ist Heimat für dich? Schreib es mir gerne in die Kommentare oder beteilige dich an der Blogparade von Andrea. Ich bin gespannt, was für Beiträge zusammen kommen!

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Kommentieren

6 Gedanken zu „Heimat – Was ist das?“

  1. Liebe Reisetante Nicole!

    Du wirst auch noch das Fleckchen Erde finden, an dem du das Gefühl „angekommen zu sein“ spürst und wenn nicht, ist es ja auch egal. Vielleicht ist es genau das… ist Moe und deinem Freund auf Wanderschaft zu sein. Ich reise sehr gerne, bin gerne unterwegs, entdecke neues und lerne Land und Leute kennen, aber dann will ich wieder nach Hause. Ich bekomme tierisch Heimweh und das ist fast wie ein körperlicher Schmerz. Da kann man mir noch so schöne Länder zeigen, tolle Städte vorführen… ich will dann einfach nur noch Heim.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva




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  2. Liebe Nicole, ich freue mich sehr, dass ich dich durch meine Blogparade zu diesem tollen Artikel inspirieren konnte! Mir geht es ähnlich. Ich hatte auch nie Heimweh nach einem Ort. Aber trotzdem ist da immer diese Sehnsucht, die mich auf Reisen schickt… Könnte mir gut vorstellen, dass es mit eurer „Homebase“ Wohnmobil erst mal Richtung Gandufe geht 🙂 ? Viele Grüße von Andrea




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  3. Da geht es mir ganz anders als dir. Ich verbinde Heimat mit dem Ort an dem unser Hächschen steht. An dem meine Kinder groß geworden sind und langsam Flügge werden. Heimat ist ein Ort, wo sich die Menschen kennen und freundlich grüßen.

    Ich hoffe, dass du irgendwann einmal *deinen* Ort findest. Veilleicht musst du erst einmal um die Welt reisen, bis du erkennst, wo dein Platz ist.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly




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  4. Ich gebe zu, dass ich mit dem Begriff Heimat nicht so viel verbinden kann. Ich habe viele Artikel zum Thema gelesen und finde mich irgendwie nirgendwo wieder.
    Ich bin überrascht, dass gerade junge Blogger so tiefe Heimatgefühle kennen. Ich finde das sehr schön.
    Ich bin froh in Deutschland zu leben, einem freien, friedlichen und demokratischen Land, in dem ich als Frau alle Rechte habe. Aber Heimatgefühle? Ich lebe Zeit meines Lebens in einem Bundesland und habe nur einmal die Region gewechselt. Ich habe hier alles was ich brauche, aber ich habe keine besonderen Gefühle im Sinne von Heimat. Müsste ich aus welchen Gründen auch immer wegziehen, könnte ich das. Natürlich würde ich meine Familie vermissen, aber meinen Wohnort. Ich weiß nicht.
    Ich bin nicht reiselustig und fühle mich an der deutschen See sehr wohl ohne zu wollen, dass diese meine Heimat wird.
    Dein Beitrag gefällt mir besonders gut, weil er die herrlichen Kinderbilder von Dir zeigt. Wie süß Du warst und die niedlichen Hütchen…..

    Viele liebe und nachdenkliche Grüße
    Sabine mit Socke




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  5. Sehr schöner und liebevoller geschriebener Beitrag;)
    Vile Menschen sind noch auf der Suche nach Ihrer Heimat. Der Ort an dem sie leben ist dies noch längst nicht…
    Liebe Grüße
    Steffen Kastner 🙂




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  6. Heimat… ist für mich das 120-Seelen-Dörfchen in dem ich aufgewachsen bin. Ich bin so tief verwurzelt und könnte nie von hier fortgehen. Mein Freund, der kleine Reisevogel, wollte immer reisen und die Welt entdecken. Und jetzt fühlt er sich ebenfalls so heimisch hier…
    Unser eigenes Haus entsteht grad, auf einem Baugrund am Rande der Siedlung, mit Blick über Felder, Wiesen und einem großen Garten für unsere Yosie. Ich bin froh, dass „mein“ Daheim auch zu seinem Daheim wurde. Und er sich hier ebenfalls so angekommen fühlt. Mein größtes Glück!
    Ich wünsche dir, dass du auch so einen Ort findest 🙂




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