Gleichberechtigung in der Mensch-Hund Beziehung

Gleichberechtigung Mensch und Hund
Gleichberechtigung Mensch und Hund

„Mein Hund hat zu Folgen. Er soll gehorchen, wenn ich ihn rufe. Er soll bei mir bleiben. Er soll dies nicht machen und jenes nicht tun. Aber dafür sollte er…“

Das kennt ihr sicherlich so oder so ähnlich. Ein Hund braucht Regeln, ein Hund braucht Grenzen. Ein Hund muss wissen, wo sein Platz ist – und dafür muss er wissen, was erlaubt ist und was nicht. So liest man es in diversen Hundebüchern.

Auch Moe hat Regeln. Regeln, die das Zusammenleben (für uns Menschen) erleichtern. Es ist nicht so, dass ich Moe mit meinen Regeln erdrücken will – es soll ihm Stabilität und Sicherheit geben.

Aber: Was wäre eigentlich, wenn man einem Hund mal mehr Freiraum zugestehen würde als sonst? Was wäre, wenn der Hund ein paar Dinge mehr „dürfte“ – würde dann gleich die Anarchie ausbrechen?

Ist Moe mit mehr Freiraum ein böser Hund?
Ist Moe mit mehr Freiraum ein böser Hund?

Eigentlich war es schon lange an der Zeit. Ich wollte euch schon lange berichten, wie wir Moe Stück für Stück wieder ein bisschen „ihn selbst sein lassen“. Ohne Regeln. Also, warum jetzt? Natürlich ist wieder eine Bloggerkollegin Schuld.

Stephanie von The Pell-Mell Pack hat uns in dem Artikel „Canis Autonomus – Du kannst das“ daran teilhaben lassen, wie ihr Erziehungsstil sich gewandelt hat, wie Enki aktuell geführt wird. Und das ist unheimlich spannend, alles andere als das, was man sonst in Büchern zu lesen bekommt, denn Enki darf sich ausprobieren – so lange er damit keinen nervt oder belästigt. Dass das in der ersten Zeit auch dem Menschen eine Menge abverlangt, könnt ihr dort gut nachlesen, aber eben auch, welche Erfolge sich einstellen (können).

Moe ist (fast) gleichberechtigt.

Eine Zeitlang war ich hin und hergerissen, quasi wie ein Blatt im Wind: Ich wusste nicht so richtig, was ich wirklich wollte. Wollte ich den absoluten Gehorsam von Moe? Oder wollte ich, dass er möglichst selbstständig ist, selber entscheidet? Nee. Irgendwie wollte ich beides nicht. Aber was wollte ich denn von ihm?

Moe ist (fast) gleichberechtigt.
Moe ist (fast) gleichberechtigt.

Mir hat es geholfen, meine Ziele für unsere Beziehung festzustecken. Ich wollte, dass Moe sich auf mich und meine Entscheidungen verlassen kann. Klar kommunizieren. Ich wollte, dass er selbstbewusst ist, ohne dabei aggressiv zu sein. Ich wollte, dass Moe weiß: Wir entscheiden miteinander.

Ich halte nichts davon, Moe Futter vorzuenthalten, wenn es Abend ist und er mich an seine Fütterungszeit erinnert. Hunger ist Hunger, und wenn Moe mich darauf hinweist, jetzt bitteschön in die Küche zu kommen – dann mache ich das. Oh ja, ich kann förmlich sehen, wie manche von euch sich jetzt an den Kopf packen.

Aber mal ehrlich: Was ist so schlimm daran? Es geht nicht darum, dass Moe permanent bettelt – denn das tut er dadurch nicht. Aber er erinnert mich freundlich daran, jetzt seinen Napf zu füllen (das männliche Zweibein macht das so ähnlich übrigens auch, ohne das ich dadurch einen Machtverlust hätte. 😉 ).

Wir haben viele dieser Situationen, in denen Moe mir klar macht, was er möchte und er danach auch ganz einfach seinen Willen bekommt. Oder Moe einfach macht und er machen darf.

Längst nicht so häufig ist das in neuen Situationen. Dort versichert er sich immer mal wieder, ob das denn in Ordnung ist, was er da tut. Das liegt ganz offensichtlich daran, dass er damals immer für alles Anweisungen erteilt bekommen hat – und dann kurz verwirrt ist, wenn er diese nicht mehr bekommt. Aber wir arbeiten daran – unter anderem auf unseren Spaziergängen.

Geh deinen Weg – ich komme mit.

Ein sehr spannender Ansatz ist, den Hund bestimmen zu lassen, wohin der Weg auf einem Spaziergang führt.

„Wer seinen eigenen Weg geht, dem wachsen Flügel.“

Es war schwer. Moe war es nicht gewohnt. Wie, ich soll jetzt bestimmen? Er schaute mich lange an – und setzte sich dann auf seinen Hintern. Nee, mein Freund, so haben wir nicht gewettet. Ein kurzer Moment des Nachdenkens, Geduldig seins, Wartens. Und plötzlich tippelte Moe los, langsam, immer zu mir schauend. So? Mache ich das richtig?

Der erste Weg war die Morgenrunde. Ab in den Park – nee, nicht wie gedacht, an den Strand oder mal eine neue Runde gehen. Erst einmal das Altbewährte testen. Allerdings im wechselndem Tempo, mal flott unterwegs, mal langsam. Im Naturerlebnisraum angekommen, wusste Moe wieder nicht weiter. Gleiches Spiel von vorne, hinsetzen, anschauen. Warten. Weitergehen.

Moe führte mich unter einen Apfelbaum. Dort schnupperte er sehr lange. Ich weiß ehrlich nicht, wann Moe sich das letzte Mal so ausgiebig mit Schnüffeln beschäftigt hat – denn normalerweise unterbreche ich ihn irgendwann. Mensch will ja weiter. Dieses Mal nicht. Es ging links um den Baum, wieder zurück, immer mit der Nase am Boden. Bestimmt 3 Minuten. Für einen Menschen an der Leine eine extrem lange Zeit. Ich denke, Moe war begeistert. Endlich einmal Zeit!

Mal eine kurze Pause zwischendurch
Mal eine kurze Pause zwischendurch

Es ging weiter. Sehr schnell, plötzlich. An einer Straße musste ich Moe kurz bremsen, er schaute mich an, als wollte er sagen: „Ups, hab‘ vergessen, dass ich hier warten muss!“ Danach ging es direkt weiter. Moe folgte einer Spur. Und ganz plötzlich konnte ich mich einfühlen. Was hatte er wohl entdeckt? Was war so wichtig, dass wir hier fast joggend einer Spur hinterher liefen? Gute 7-10 Minuten ging das so. Ich war am Keuchen, am Schwitzen. Das ist definitiv nicht mein normales Gassi-Tempo!

Wir fanden das Ende der Spur. Eine Katze. Mitten im Gewerbegebiet. Superklasse!

Kurzzeitig übernahm ich wieder die Führung. Einer Katze wollte ich nicht weiter hinter her. Zurück zum Weg, ab da durfte Moe wieder das Kommando übernehmen. Wir gingen weiter, kamen an einer Sporthalle vorbei, die wohl auch sehr spannend roch, weiter, durch das nächste Dorf. Ab da merkte ich: Moe weiß nicht mehr weiter. Er schaute mich bei jeder Straßenüberquerung, Kreuzung an, er wurde immer langsamer. Es war Zeit, nach Hause zu gehen. Als wir den Weg zurück einschlugen, ging Moe wieder in meinem Tempo. Neben mir, wie sonst auch.

„Und Piggeldy ging mit Frederick nach Hause.“

Nein, solche Spaziergänge sind nichts für jeden Tag. Dafür erfordern sie, zumindest bei uns, zu viel Zeit. Aber: Es ist wichtig für uns, diese Spaziergänge genau so beizubehalten. Immer wieder Moe am Gartentor aufzufordern, uns den Weg zu zeigen.

Moe hat mittlerweile richtig Spaß an diesen Spaziergängen. Er ist danach komplett müde, denn Entscheidungen fordern Kraft. Moe ist wie ein anderer Hund, wenn er allein entscheiden darf. Er ist selbstbewusster, aufrechter, ihm ist es egal, wenn andere Hunde an uns vorbei gehen. Als wäre er stolz auf sich. „Seht her, ich habe heute den Bestimmer-Hut auf!“

Autoritätsverlust vs. gesteigertes Selbstbewusstsein

Was ich aus diesen Spaziergängen mitnehme, ist ein Gefühl für Moes Charakter und seine Stärken, aber auch Schwächen. Ich lerne ihn ganz anders kennen, weil ich ihm die Chance gebe, sich auch mal anders zu verhalten! Natürlich muss ich dabei immer wach und aktiv dabei sein, denn trotzdem habe ich die Verantwortung. So wie zum Beispiel an der Straße: Moe führen zu lassen, heißt nicht, den Kopf auszuschalten.

Hört Moe damit im Alltäglichen schlechter? Setzt er öfter seinen Kopf durch, wird er dominant? Ganz klar: Nein. Moe wird durch diese Spaziergänge nicht die Weltherrschaft an sich reißen und die Anarchie ausrufen. Warum sollte er das auch? Würde diese Theorie tatsächlich gelten, hätten wir schon längst einen total verzogenen Hund zu Hause.

Mein kleiner Anarcho.
Mein kleiner Anarcho.

Im Gegenteil: Die Bindung zum Hund stärkt sich. Das Bewusstsein für dieses Tier, für sein ganzes Wesen. Und Moe lernt nach und nach, sich mehr zuzutrauen. Das hört sich vielleicht sehr merkwürdig an, aber ich kann nur empfehlen, es mal selber auszuprobieren und sich darauf einzulassen.

Wir jedenfalls sind froh, diese Art des Umgangs gefunden zu haben. Seitdem machen wir solche Spaziergänge regelmäßig – wenn die Zeit es zulässt. Denn man kann nie sagen, wie weit der Weg uns führt und wohin die Reise geht.

Aber: Wir gehen den Weg gemeinsam.

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18 Gedanken zu „Gleichberechtigung in der Mensch-Hund Beziehung“

  1. Super spannend!
    Moe scheint sich sehr wohl in dieser Rolle zu fühlen und das ist einfach toll!
    Wir machen das schon lange so. Queen ist mit Regeln und Grenzen groß geworden. Irgendwann habe ich meine Sichtweise geändert. Ich wollte schon immer einen Freund an meiner Seite. Einen treuen Begleiter und keinen eingeschüchterten Roboter. Die schönsten Erlebnisse und Momente sind in Situationen entstanden, in denen ich Queen hab machen lassen. Sie meldet sich auch, wenn sie Futtr möchte und dann bekommt sie es auch. Sie sagt Bescheid, wenn sie gern raus möchte und lässt es mein Zeitplan zu dann gehen wir. Wir sind flexibel. Manchmal steht sie im Flur vor ihrer Leckerdosa und in der Regel gibt es dann auch eins.
    Püppi ist von Anfang an so groß geworden. Sie durfte sich ausprobieren, eigene Erfahrungen sammeln und draus wachsen. Das hat super geklappt und hat sie in ihrer Entwicklung so viel weiter gebracht. Püppi ist viel selbstständiger und selbstbewusster als Queen es in dem Alter war.
    Herrscht bei uns Anarchie? Auf keinen Fall. Beide sind perfekt abrufbar, gehen auf ihren Platz wenn man sie schickt und arbeiten im Alltag super mit.
    Manchmal kommt es mir vor als hätten sie verstanden wie ich es meine…




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  2. Großartig!!!
    Ich mache es genauso! Bei den Spaziergängen denke ich nämlich, daß sie so gestaltet sein sollten, daß Sammy etwas davon hat. Ich gehe meistens nicht mit ihr raus, um (möglichst schnell) von A nach B zu kommen, sondern damit sie auch mal Hund sein darf. Das heißt, schnüffeln! Auch wenn das während der Läufigkeit dann auch mal extrem lange dauert und wir gar nicht weit kommen. Na und?! Ich glaube, dass sie nicht nur die Bewegung braucht, sondern auch mal was für’s Hirn und das heißt beim Hund dann gerne auch mal Schnüffeln, Spuren verfolgen und (beim terrier) dann auch mal Buddeln, wenn’s besonders lecker riecht. Natürlich gehen wir auch manchmal zügig zum Bäcker, oder soetwas. Das muss ein Hund natürlich auch können. Aber ansonsten sind unsere Spaziergänge Hundezeit!




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  3. Du hast mir „aus dem Herzen“ geschrieben 😉 . Ich sehe es genauso. Vertrauen entsteht nicht durch permanentes Unterdrücken und Gängeln. Formaler Gehorsam ist nichts, auf das man sich im Alltag in brenzligen Situationen verlassen kann. Hunde, die nur Drill kennengelernt haben fehlt oft die nötige Selbstsicherheit, souverän mit bestimmten Alltagssituationen umzugehen.




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  4. Schöner Blogpost!
    Wir hatten immer alte Hunde aus dem Tierschutz. Nachdem wir an dem ersten Tier herumerzogen haben (mit hundepsychologischer Unerstützung- weil sie zum Schnappen neigte) und dann klar war, das sie schnell sterben wird, haben wir 5e gerade sein lassen und ihr einfach eine schöne Zeit gemacht. Sie drufte (bis auf Schnappen:-)) alles. Und was soll ich sagen: Sie wurde die liebste rauhbeinige Dackeldame der Welt, je nachsichtiger wir wurden. Beim 2. Hund haben wir es genauso gehalten: Fast blind und taub und mit leicht verkrüppelten Füßen: Was soll ich dem noch beibringen? Der hat Jahre auf einer Baustelle in Polen überlebt. Er durfte alles und wollte so wenig. Und nun haben wir einen jüngeren Hund aus dem Tierheim. Er kann auch nix. Er kann nur „Tabu“, dann geht an den Gegenstand oder Menschen nicht ran. Das war mir wichtig, damit er keinen Mist frißt oder aus gefährliche Situationen rausgeht. Was soll ich sagen: Nach 2,5 Jahren Zusammenleben weiß er, ohne „Erziehung“ was wir von ihm wollen. Ich spreche mit ihm wie mit einem Menschen: nicht anspringen /du sollst auf deiner Decke bleiben/ leg dich jetzt bitte hin / geh ins Wohnzimmer / hier nicht pinklen (Wagenräder, Fahrradständer…) / Es gibt kein Essen (Wenn er bei Besuch bettelt) und und und. Es funktioniert zu 95%. Wir hören so oft: ihr Hund ist aber gut erzogen. (Ich erröte dann und schweige:-)) Ist irgendwie passiert. Und es funktioniert. „Bei Fuß“ kann er immer noch nicht. Stört mich aber nicht, hab ich halt ein wildes Eichhörnchen an der Leine! Er wiegt ja nur 4 Kilo…




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  5. Ein schöner Beitrag … und ein schöner Ansatz. Bei uns ist es sehr häufig so, dass die Hunde machen dürfen, was sie wollen. Spaziergänge sind meistens Hundezeit – von kurzen Pipi-Runden abgesehen 🙂 Wir fahren schon seit Jahren gut damit, den Hunden gewisse Freiheiten einzuräumen … so lange es uns und andere nicht stört.
    Bei uns darf jeder entscheiden, wo er gerne liegen möchte, wann er fressen möchte und auch spielen dürfen die Hunde ohne uns.
    Ich glaube, diese Art der Beziehung macht es für uns alle einfacher auch ungewohnte Situationen gelassen zu überstehen – denn die Hunde können ihren Weg finden damit umzugehen.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara




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  6. Cooles Experiment! Im Kleinen machen wir das auch schon so. Wenn wir aus der Haustür treten, können wir nach rechts oder nach links starten und ich lasse oft Panini entscheiden. Meistens will sie nach rechts, aber nicht immer. Wenn sie mir zeigt, dass sie die Abkürzung nach Hause nehmen will, dann nehmen wir die, umgekehrt hat sie mich auch schon „überredet“ eine längere Runde zu gehen als ich eigentlich wollte. Schnüffeln darf sie oft, bis sie an dieser Stelle damit fertig ist. Deshalb sind wir ja schließlich unterwegs. Nur den Weg ganz frei zu entscheiden, das geht bei uns meist schlecht, da man die schönen ruhigen Wege gezielt ansteuern muss. Dass wir an lauten Straßen enden, nur weil sie ein Stück Döner in der Nase hat, will ich dann doch nicht.




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  7. Als Cabo in mein Leben tapste stand für mich fest, dass er bestimmte Kommandos beherrschen muss, abrufbar ist, hört und sich an Regeln hält, die das friedliche Zusammenleben mit Mensch und Hund ermöglichen. Heute bin ich 8 Jahre weiter. Es gibt noch immer Regeln im täglichen Miteinander. Aber ich sehe vieles nicht mehr so verbissen. Früher musste Cabo beim Spaziergang einen bestimmten Radius zu mir einhalten, immer aufmerksam sein und mir folgen. Heute lasse ich ihn auf Spaziergängen sein Ding machen. Er darf schnüffeln, vorlaufen und hinter mir laufen. Dabei achtet er ganz von selbst auf mich. Unsere Spaziergänge sind sehr ruhig geworden. Ich rede kaum mit ihm, weil er machen darf. Es gibt Stellen, da habe ich regelmäßig Leckerlis versteckt oder mit ihm Fangen oder Nachlaufen gespielt. Das habe ich schleifen lassen. Es kommt aber vor, dass Cabo es an diesen Stellen einfordert und dann lasse ich mich darauf ein. Genauso wenn er um 17 Uhr sein Abendessen haben will und danach auf sein Dörrfleisch besteht. Ich komme damit super klar, weil Cabo mir jeden Tag zeigt, wie zufrieden und entspannt er ist. Er darf machen, solange ich weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Damit fahren wir seit einigen Jahren super gut.




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  8. Ein wirklich interessanter Artikel und eine wirklich andere Herangehensweise an die „Hundeerziehung“. Ich finde die Idee sehr gut, da ich der Meinung bin, dass unsere Hunde in der heutigen Zeit ein bisschen das Denken verlernt haben. Wie du schon beschrieben hast, es ist eigentlich nur noch befolgen von Regeln. Tu dies, aber das nicht, dahin oder bis hier und nicht weiter. Ich denke, wenn man seinem Hund Freiraum lässt, vergisst er dadurch nicht „seinen Platz“. Der ist nämlich in seinem Rudel. Einem sozialem Gefüge, in dem man einander vertraut. 😉




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  9. Hallo Nicole,

    ein sehr schöner Artikel, in dem ich Vieles wiederfinde, das bei uns ähnlich abläuft.

    Becky sucht auch oft den Weg aus, Becky bestimmt das Tempo. Auch sonst gibt es kaum ”echte“ Kommandos. ”Sitz“, ”Platz“ und Kommen, wenn sie gerufen wird, reichen uns völlig aus. ”Gesittet an der Leine laufen“ oder ”Warte“ (Bleib) funktioniert einfach. Gezielt geübt haben wir das nie.

    Unsere Regel: ”Mach, wonach Dir gerade ist, solange ich nicht etwas anderes sage (”Nein“).

    So ist, z.B. unser Wäschevideo entstanden. Becky hat die Wasche umgeschichtet und ich habe lediglich darauf geachtet, dass sie die nicht durchschüttelt oder anknabbert.

    Wie Du habe auch ich nicht bemerkt, dass es ein Akzeptanzproblem gibt, im Gegenteil. Wenn ein ”Nein“ kommt, dann wird das ganz selbstverständlich umgesetzt. Es gibt ja genug Anderes, dass Hund machen darf.

    Auch das Spielen macht so noch mehr Spaß, da Becky sich aktiv an der Spielentwicklung beteiligt.

    Ein beliebtes Spiel war von Anfang an, dass ich Leckerchen oder Spielzeug in der Wohnung versteckt habe. Dabei wurde natürlich mit dem gefundenen Spielzeug sofort ordentlich wild rumgetobt, bevor es erneut versteck wurde.

    Nach einigen Tagen hat Madamchen dann ”den Spieß umgedreht“. Sie hat nämlich das Spielzeug versteckt und ich sollte suchen. Ich habe mich erst mal ziemlich dumm angestellt, weil ich nicht wusste, wes sie wollte. Und sie hat mich dann wirklich genau so gelenkt, wie ich das sonst gemacht habe Wenn ich falsch lag, hat sie sich von mir weg in die Richtung gedreht in die ich musste. Je näher ich dem Spielzeug kam, desto mehr Begeisterung zeigte sie mir. Als ich dann es dann endlich hatte, ist sie echt vor Freude fiepend um mich herumgehüpft.

    Liebe Grüße
    Edgar mit Becky




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  10. Klasse Artikel und ich kann dem nur voll zustimmen. Klar hat Aaron alle wesentlichen Dinge gelernt, aber mir war es wichtig, dass es nie ein „Kadaver-Gehorsam“ wird. bzw. das Wort „Gehorsam“ finde ich einfach furchtbar. Ich sehe uns als gleichwertige Partner und wir erleben alles zusammen. Aaron darf aufs Sofa, Aaron darf von sich aus das Spiel beginnen oder auch beenden. Fütterungszeit wird durch Blick signalisiert und Schlafen darf er eigentlich überall im Haus. Und er hat einen riesen Korb mit Spielzeug…neben seinem Schlafkorb stehen.
    Es ist einfach herrlich wenn man entspannt zusammen lebt 🙂
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron




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  11. Fein, dass Du darüber so offen berichtest. Ich finde das sehr spannend zu lesen….

    Auch unser Leben läuft ohne Unterordnung und in einem ausgewogenen Gemeinschaftsgefüge ab. Es gibt keinen Rudelführer und einen Hund, der nur Gewehr bei Fuß steht.

    Aber die Entscheidung so mit einem Hund zu leben, entstand schon bei der Anschaffung eines Tibet Terriers. Diese Rasse ist nicht leicht zu erziehen, er ist kein Befehlsempfänger und kennt kein „will to please“

    Also bei uns war dieses Leben auf Augenhöhe gewollt und es klappt hervorragend. Wir haben kein Problem damit, doch in der Hundeschule konnte man nicht verstehen, dass wir so mit Socke leben wollten und konnten….. Nun ja, dann geht man eben, denn unser Weg ist für uns der richtige Weg….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  12. Super spannender Artikel! Und dabei habe ich nicht mal einen Hund. Ich wusste nicht mal, dass sich Hundehalter so eingehende Gedanken über die Mensch-Hund-Beziehung machen. Ehrlich gesagt habe ich Menschen mit Hund auch immer ein wenig in Verdacht, ihre heimliche Autoritätssehnsucht auszuleben – aber was du da beschreibst, ist viel komplexer.




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  13. Ach Nicole, wieder so ein wunderbarer Denkanstoß! So habe ich das noch nie versucht… ich verlange weder kompletten Gehorsam noch arbeite ich mit Druck. Ich will und wollte immer dass Yosie meine beste Freundin ist. Allerdings bestimme bis jetzt immer ich wo es lang geht, sie ist ja nicht so kinderkompatibel und ich weiß nie was rauskommen würde wenn wir doch mal (ohne Leine, mit klappts super) auf welche treffen… Aber ich denke ich werde das diese Woche, sobald die Zeit es einmal zulässt, gleich ausprobieren!

    Yosie läuft seit ein paar Monaten (seit sie mein Pferd nicht mehr als totales Monster sieht) beim Reiten mit, ca. ein bis zweimal die Woche, nur eine halbe Stunde bis Stunde, wir müssen für diese Art der Bewegung erst Kondition aufbauen, das lastet sie körperlich wie auch vor allem geistig total aus. Und da fällt mir auf dass sie sich viel freier und selbstverständlicher bewegt und auf ganz anderem Niveau auf mich verlässt. Sie bekommt dabei kaum Kommandos von mir, sie schaut von sich aus dass sie den Anschluss nicht verliert und nach den ersten 10 aufgeregten Minuten weil sie mit darf läuft sie meist neben oder knapp vor dem Pferd. Da kann sie aber auch ausgiebig schnüffeln, wir gehen einfach weiter und sie kommt nach wenn sie fertig ist. Während dem Reiten und auch danach ist sie in einer Art und Weise auf mich fixiert wie ich das so nicht kenne von ihr. Sie folgt mir ohne Kommando selbstverständlich überall hin obwohl so viele andere spannende Dinge um uns passieren und andere Hunde zum toben da wären. Sie lässt sich bei Wild abrufen was sonst bei weitem nicht so zuverlässig klappt. Beim Spazieren gehen bin ich immer gefährlich sie vollzuplappern und mit Kommandos zu überhäufen – und mein zweiter Vorname ist Unkonsequent… sie ist wirklich ein absoluter Traumhund und hats nicht leicht mit mir ^^

    Vielleicht sollte ich das alles aber tatsächlich auch bei unseren Spaziergängen probieren… traurig wie man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Ich danke dir von Herzen für den tollen, offenen Artikel der mir wirklich nochmal ganz anders Lust auf unsere heutige Gassi-Runde macht!!!!!!! Ich liebe deine Sichtweisen!




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  14. Liebe Nicole,
    vielen Dank für die herzliche Erwähnung. Ich freue mich, dass mein Beitrag Dich zu so einem schönen Artikel angeregt hat, der im Umkehrschluss auch mir wieder Gedankenfutter liefert.
    Und auch vielen Dank an alle, die hier kommentiert haben.
    Das gibt auch mir das Gefühl, nicht allein dazustehen, mit dem Dickmops einen guten Weg eingeschlagen zu haben.
    Herzliche Grüße
    Stephie mit Enki und Luna




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  15. Hallo, ein schöner Beitrag und wie immer süße Fotos. Ich finde auch das ein permanentes Unterdrücken falsch bei der Erziehung ist. Ich bin zufrieden damit das Lady die Grundkommandos gut beherrscht – und bei einer Bulldogge muss man sowieso damit rechnen das die Sturheit öfters siegt – mit Liebe und Geduld erziehen und ich finde auch hat mein Hund Durst oder Hunger dann soll er was kriegen – ich esse auch nicht nur 1x am Tag. LG und schönen Tag wünscht Claudia




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  16. Bei uns ist das auch so, dass Keana und Joy nur solche grundlegenden Kommandos wie Sitz, Platz, bei Fuß beherrschen müssen und auf alles andere kein besonders großer Wert gelegt wird. Denn wenn ich mal mit meiner blonden Herzensdame unterwegs bin, dann muss nur das hinhauen. Alles andere ist erlaubt. Wenn wir an einer Stelle vorbeigehen, welche gut riecht und Keana noch einmal zum Schnüffeln zurückkehren möchte ist das kein Problem. Oder wenn sie mal wieder einen ihrer Tag hat, an dem sie wieder wie eine Verrückte an der Leine zieht, ist das auch nicht weiter schlimm. Den dann geht sie halt eben auch mal an der kurzen Leine, wenn es mich zu sehr stört.

    Was außerdem unser Problem an der langen Leine angeht, da durfte ich mir auch schon blöde Kommentare wie „Wie ich sehe, gehen sie nicht mit dem Hund spazieren, sondern er mit Ihnen. Das sollten Sie unbedingt in den Griff bekommen“ anhören, welche uns aber auch sowas von gleichgültig sind. Denn auch ich will keinen perfekten Hund haben, sondern einen, welcher glücklich ist 🙂 Und da darf dann auch mal nach Herzenslust ein wenig an der Leine gezogen werden 😉

    Joy war da früher, als sie noch längere Spaziergänge machen konnte, noch um einiges besser. Wenn die irgendwo hingehen wollte, dann war das einfach so, wenn es die Zeit zugelassen hat und nicht anders 😉

    Und ich glaube, dass das wahrscheinlich den meisten Hovawartbesitzer so mit ihren Fellnasen ergeht, da die Hovis von Natur aus äußerst dickköpfig und eigenwillig sind.

    Liebe Grüße,
    Cornel, Joy & Keana




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  17. Ach der Artikel hat mir sehr gut gefallen. Ich mache das schon sehr lange und meine Mädels sind entspannt. Würden alle Hunde sich so entwickeln dürfen, hätten wir bald keine Hunde -Probleme mehr. Ich wünsche mir, das noch viele nach diesem Blog handeln.




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