Gewalt in der Hundeerziehung

Gewalt in der Hundeerziehung
Gewalt in der Hundeerziehung

Gewalt in der Hundeerziehung – was man selber unter Gewalt am Hund versteht, ist mit Sicherheit (gleichgestellt mit der „richtigen Ernährung“) das heiß diskutierteste Thema unter Hundehaltern.

Das Stachelhalsbänder, Leinenruck und Schläge in die Seiten eines Hundes unter Gewalt fällt, sollte jedem klar sein. Und das es der Erziehung mit Sicherheit nicht förderlich ist, hoffentlich auch. Was ist aber mit psychischer Gewalt, wo fängt sie an? Und wie erzieht man einen Hund „richtig“, aber trotzdem so, dass auf ihn Verlass ist?

Wie ich überhaupt zu dem Thema kam, und worauf ich mich im Folgenden beziehe, ist eine Frage in einer Facebook-Gruppe. Diese Gruppenmitglieder tauschen sich zu dem Thema: „Hundeerziehung gewaltfrei“ aus.

Gewalt in der Hundeerziehung - wo fängt sie an und wo hört sie auf?
Gewalt in der Hundeerziehung – wo fängt sie an und wo hört sie auf?

Die Fragestellerin hatte ein, für sie enormes, Problem: Ihr Hund ging Nachts immer auf das Sofa, während sie schlief. Das wollte sie nicht hinnehmen, denn der Hund hat seinen eigenen Platz, auf den er tagsüber auch ohne Probleme geht. Nur nachts wollte er es bequemer haben. Sie hatte schon probiert, große Kartons auf das Sofa zu stellen, diese wurden aber einfach beiseite geschoben.

Nun könnte man sagen: Pech gehabt, lass ihn doch einfach. So schlimm ist das Problem ja nicht, bzw. für viele stellt das wohl einfach kein Problem dar. Aber ich kann es schon nachvollziehen, dass man eben gewisse Dinge nicht möchte.

Es gibt persönliche Regeln, die man sich und seinem Hund auferlegt, bei denen man will, dass sie eingehalten werden. Und ganz ehrlich: Das finde ich absolut in Ordnung!

Gewaltfreie Hundeerziehung: Was mache ich, wenn mein Hund nicht auf die Couch soll?

Ich bin kein Hundetrainer, und ich handele immer nach Bauchgefühl. So auch die Kommentatoren, die ihre Ratschläge verteilten.

Wie löst man das Problem?
Wie löst man das Problem?

Manche rieten ihr dazu, das „auf der Couch liegen“ einfach hinzunehmen. Oder selber ein paar Nächte auf dem Sofa zu schlafen, denn so könnte sie den Hund quasi fern halten – er springt ja in ihrer Abwesenheit nicht darauf.

Andere hatten den Vorschlag, Klebeband oder Topfdeckel auf das Sofa zu legen, zur Abschreckung. Denn so ein Deckel poltert ja ordentlich los und schreckt dann entsprechend ab. Auch ein Klebeband hat diese Wirkung, denn das könnte relativ unangenehm beim Aufstehen oder darauf springen werden.

Und genau aus den letzten beiden Aussagen entwickelte sich ein Streit. Ist es noch gewaltfrei, wenn der Hund sich einmal kräftig erschreckt? Ist das psychische Gewalt, die unter allen Umständen vermieden werden soll? Oder ist es hinnehmbar, da der Hund nicht dauerhaft geschädigt wird?

Wattebäuschchen werfen vs. Gewalt: Wer hat Recht?

Ich kann mich hier nicht ruhigen Gewissens auf irgendeine Seite schlagen, denn ich kenne weder den Hund, noch die Besitzer. Aber eines weiß ich genau: Würden auf dem Sofa Topfdeckel liegen und Moe würde versehentlich einen hinunter werfen, bei dem Versuch auf ebenjenes zu gelangen, würde er doof gucken – und sich hinlegen.

Wattebäuschchen werfen vs. Gewalt: Wer hat Recht?
Wattebäuschchen werfen vs. Gewalt: Wer hat Recht?

Wahrscheinlich würde er auch alle anderen Deckel hinunter werfen, wenn er den Platz brauchen würde. In einem Urlaub hatten wir eine ähnliche Situation: Wir wollten nicht, dass Moe dort auf dem Ledersofa schläft. Also hatte ich meine Handtasche und ein paar Bücher hinaufgelegt. Hat es Moe abgeschreckt? Nein. Er hat sich Platz gemacht, ohne Rücksicht auf Verluste.

Als Moe den großen Topf Chili con Carne vom Herd geholt hat, hat das wohl mehr Getöse gemacht als ein paar Deckel. Hat Moe das irgendwie beeindruckt? Nö.

Könnte das bei einem anderen Hund anders sein? Definitiv ja!

Es gibt Hunde, für die wäre so ein Erlebnis wahrscheinlich höchst traumatisch, eventuell sogar so, dass sie das Sofa und vielleicht auch den Raum, komplett meiden würden. Und das ist sicher der Knackpunkt an der ganzen Geschichte: Kein Hund ist wie der andere. Manche lassen sich leicht beeindrucken, andere gar nicht.

Aber: Wie erkläre ich meinem Hund, dass das Sofa tabu ist – und zwar so, dass er es nicht in Frage stellt, aber auch nicht schwerst traumatisiert aus so einer Situation geht?

Ich bin kein Hundetrainer, ich habe keine Ahnung und darf hier wahrscheinlich nicht den Mund aufmachen. Meine Lösung wäre, das Sofa zu blockieren. Und zwar mit meinem Körper.

Göttlicher Beistand oder was?
Göttlicher Beistand oder was?

Ich würde einfach sehr, sehr lange auf dieser Couch schlafen, wenn sie mir so wichtig ist, dass der Hund dort nicht hinauf darf und keine Tür vorhanden ist, die ihn hindert. Ich würde die Couch in Beschlag nehmen, bis sich der Vierbeiner daran gewöhnt hat. Ohne Strafe, ohne großes Gewese.

Im Urlaub haben wir es übrigens so gemacht, dass wir die Couch mit einem unserer Laken und einer Decke abgedeckt haben, so konnte Moe dann auf die Couch, ohne sie zu zerstören. Aber dadurch wollte er von sich aus nicht mehr hinauf! Er hat einfach die Kühle des Leders genossen. Als das nicht mehr gegeben war, fand er die Couch doof.

Da es aber in dem oben genannten Fall nicht meine Couch ist und unsere Lösung so einfach war, habe ich gut reden.

Mein Rat: Hör auf dein Bauchgefühl oder hol‘ dir Hilfe.

Wenn ich aber der Dame einen Rat geben dürfte, wäre der wohl: Such‘ dir jemanden, der dein Problem Ernst nimmt, der dir helfen kann. Der sich deinen Hund und dich zusammen anschaut und dir dann einen Rat gibt.

Vertrau nicht irgendwelchen Facebook-Gruppen, wo jeder zum Hundetrainer wird und es garantiert besser weiß. Du kennst doch deinen Hund am Besten, nur du und ein sehr guter Trainer kann einschätzen, wie sensibel dein Tier ist.

Hör auf dein Bauchgefühl.
Hör auf dein Bauchgefühl.

Wenn du einen Hund hast, der sehr schwer zu beeindrucken ist und dem das piepegal ist, wenn es irgendwo rumst und kracht, dann bekommst du ihn auch nicht mit Topfdeckeln von der Couch.

Wenn du einen Hund hast, der schon von einer knackenden Plastikflasche mehr als beeindruckt ist, dann solltest du die Topfdeckel höchstwahrscheinlich nicht einsetzen.

Fakt ist, zumindest für mich, ein Hund braucht gewisse Richtlinien im Zusammenleben. Bei uns sind das essentielle Dinge, wie: An der Straße wird sich hingesetzt, es wird nicht ohne Aufforderung aus der Tür gestürmt, Leckerchen aus der Hand werden langsam und ohne zu Kneifen genommen. Ein Spielzeug wird auf Aufforderung abgegeben, ebenso ein Knochen oder Ähnliches.

Wenn Moe auf den Platz geschickt wird, soll er dorthin gehen, ohne Diskussion. Besuch wird erst begrüßt, wenn das „ok“ da ist. Übe ich Gewalt an meinem Hund, weil er diese Dinge befolgen soll? Ich denke nicht. Schließlich durfte er all‘ das sehr langsam lernen und ich fordere es nun ein: Ohne Gewalt, aber durchaus mit Vehemenz, wenn die Ohren auf Durchzug sind. Dann wird eben schon einmal drohfixiert – ja, das kann ich. 😉

Hunde brauchen Regeln.
Hunde brauchen Regeln.

Diese Richtlinien muss ein Hund aber erst einmal kennen lernen: Wie soll der Hund wissen, dass die Couch nicht sein Platz ist, wenn es ihm nicht auf die ein oder andere Art mitgeteilt wird?

**Ganz offensichtlich passen die Fotos heute mal nicht zum Text. Moe hatte keine Lust auf Fotos und ich habe das respektiert. Ich Wattebäuschchen-Werferin, ich.**

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