Gastbeitrag: Radfahren mit dem Hund

Gastartikel: Radfahren mit dem Hund

Jippie! Es wird endlich Frühling! Die perfekte Zeit, um sein Fahrrad zu entstauben, die Reifen aufzupumpen und mit dem Vierbeiner eine Runde zu drehen. Denn was gibt es Besseres, als bei einem lauen Lüftchen in die Pedale zu treten, der Hund trottet gemütlich neben her…

Das Radfahren mit Hund gar nicht so leicht ist, habe ich euch ja schon einmal erzählt. Wir haben wirklich lange gebraucht und viel falsch gemacht, bis wir an dem Stadium: „Moe läuft entspannt neben dem Fahrrad her“ angekommen sind (zum Artikel: Fahrrad fahren mit dem Hund).

Unsere allerliebste Lieblingsgastautorin Isabelle hat es mit Askan jetzt auch versucht. Interessanterweise hatte sie ähnliche Startschwierigkeiten – aber mittlerweile läuft es auch bei den beiden ganz gut. Wie Isabelle und Askan das Radfahren mit dem Hund gemeistert haben, lest ihr heute bei uns.

Übrigens: Wenn ihr von den beiden nicht genug bekommen könnt, seit Neuestem haben sie auch ihren eigenen Blog! Besucht sie doch mal unter Verwauzt und Zugebellt.

Von Hunden, die einfach in stehende Fahrräder laufen und kehrschaufelförmigen Pöpsen

 

Radfahren mit Hund ist doch ganz leicht - oder?
Radfahren mit Hund ist doch ganz leicht – oder?

In unserem letzten Beitrag zum Thema „Fit mit Hund“ hatten wir ja schon angedeutet, dass uns der Sportvirus vollumfänglich erwischt hat. Wir wollten mehr und da kam doch tatsächlich die Idee auf, an einem Hundetriathlon teilzunehmen oder noch besser einen eigenen in unserer wunderschön hügeligen Heimat zu organisieren.

Dass an die Teilnahme an einem Triathlon perspektivisch aber auch das Radfahren und Schwimmen gekoppelt ist, wurde mir erst im Nachhinein bewusst. Seitdem sehe ich unsere Teilnahme ja massiv gefährdet, aber nun erzählen wir euch erst einmal, wie es uns mit dem ersten gemeinsamen Ausflug auf dem Rad so ergangen ist. Da mein Bub ja bald drei wird, konnten wir auch direkt mit Radeln starten (vor einem Alter von 12-18 Monaten sollte man auf das Radfahren mit Hund verzichten).

Das letzte Mal saß ich mit 16 auf einem Fahrrad und es endete mit einem bösen Sturz, einigen blutigen Kriegsverletzungen und schweren Prellungen. Das ist jetzt knapp zehn Jahre her und um ehrlich zu sein, bin ich seither nicht einmal mehr in Besitz eines Fahrrades. Als nun die Idee geboren war, begann ich also mich nach auszuleihenden Fahrrädern umzuhören. Freunde und Bekannte, die mutig genug waren und das Risiko, mir ihr Fahrrad zu leihen, eingehen würden. So viele waren das überraschender Weise gar nicht. 🙁

Eine Freundin lieh mir dann aber tatsächlich ihr Rad und was noch viel tollerer war: Es war direkt für Hunde ausgestattet. Am Fahrrad hing bereits ein Abstandshalter mitsamt entsprechendem Kurzführer. Es hätte also alles so schön einfach sein können, wenn auf dem Boden der Tatsachen nicht eindeutig zu wenig Glitzer läge. 🙁

Mit dem Geschirr von Ruffwear kann es losgehen
Mit dem Geschirr von Ruffwear kann es losgehen

An einem wunderbar sonnigen Samstag joggte ich mit Askan los – neugeborene Sportbohnen ich sags doch -, um das Rad bei ihr abzuholen. Vorbildlichst hatte ich Askan schon in sein schickes Ruffwear® Geschirr gepackt, das ihm immer ein wenig den Flair eines Rettungshundes vom DRK verleiht – ja wir hatten uns schließlich dank Nicole und Moe belesen.

Vorbildlichst hatte meine Freundin das Fahrrad bereits entstaubt (offensichtlich war sie ähnlich wie ich passionierter Radfahrer) und Luft aufgepumpt. Da ich ja mit meinen 1,60 auch nur eine Handbreit größer als ein liegendes Hausschwein bin und teils als Bodenfrostmelder missbraucht werde, hatten wir einige Mühe den Sattel auf mein Niveau runterzuschrauben. Aber als schließlich alles saß, nützte es nichts mehr. Das Runde musste ins Eckige oder viel eher die Runde auf den Drahtesel.

Als größtes Radfahrangsthäschen auf Gottes Erdboden wagte ich mich wieder in den Sattel. Um im selbigen auf ebener Straße ganz schön unelegant rumzueiern. Es heißt ja immer man verlerne das Radfahren nicht – das schließt jedoch das massive Einrosten aufgrund des sporadischen Gebrauchs selbiger Fähigkeit nicht aus. Ich entschied mich also erst einmal auf Nummer sicher zu gehen und zu schieben.

Und sowieso sei dies am Anfang, wenn man dem Hund das Laufen neben dem Rad beibringen möchte, das Mittel der Wahl. Und schon hier wurde klar, die ganze Sache bedarf deutlich mehr Konzentration als ein gemütliches „Übers-Feld-und-Wiesen-Schlürfen“. Da war der Verkehr im Auge zu behalten, der Hund sowieso und dann doch die enorme mentale Kapazität, die ich für mich in dieser Situation brauchte.

Siehe da mein Bub, der sich ja sonst mit neuen Dingen so ein wenig schwer tut, hatte mit dem Rad absolut null komma gar kein Problem. Ich war direkt etwas entsetzt, hatte ich mich doch vorher extra bis an die Zähne mit Wissen aufmonitioniert und sah meinen Gastbeitrag direkt den Bach runter gehen. Gedanklich winkte ich ihm noch einmal traurigst hinterher, hatte aber die Rechnung ohne meine Nachbarn gemacht. Die wiederum waren nämlich maximalst belustig als sie mich mit Kind und Kegel oder eher mit Rad und Hund ankommen sahen.

Aber gehässiges Auslachen reichte ja noch nicht, es kamen Hinweise, wie „na aber mit Kurzführer geht das nicht, du brauchst so einen Gurt für die Oberschenkel. Ich sags dir einen Gurt für die Oberschenkel“. Na ja den hatte ich zum Testen jetzt aber auf die Schnelle nicht aus dem Hut zaubern können, sprich Abstandhalter und Leine mussten reichen. Zumal ich mich ja sowieso fragte, ob man den dann um beide Oberschenkel machen soll – was meint ihr? Die Antwort blieb mir der Zaungast jedoch schuldig.

Irgendwie verheddert
Irgendwie verheddert

Allerdings gingen mir Kurzführer und Abstandshalter auch schnell auf den bereits dünnhäutig besaiteten Zeiger und ich warf mir Askans drei Meter Leine einfach über die Schulter. „Freie Fahrt für freie Bürger“ dachte ich mir.

Wie ihr jedoch an folgendem Bild erkennen könnt, war das eine denkbar ungünstige Lösung, denn man kann sich nach einer vierzwölfte Drehung des Hundes, eigenen Koordinierungsschwierigkeiten und massiver Verlangsamung aus Angst vor dem Rad leicht verheddern. Das war für die Nachbarn auch wieder ein herrlicher Anblick und Beweis meiner gänzlichen Inkompetenz. Ich stellte mich bescheuerter an als ein Dreijähriger ohne Stützräder.

Einer hatte es sogar darauf frech wie Graf Protz auf Koks mit seinem eigenen Hund an mir vorbei zu radeln. Nun jaaaa ich ließ Askan also frei, was solange er vor mir lief absolut unproblematisch war. Ließ er sich aber zurückfallen und trottete hinter mir in einem Tempo, dass er um ein Haar in der Zeit zurückgereist wäre, daher wars natürlich schon wieder doof.

Isabelle und Askan beim Training
Isabelle und Askan beim Training

Während wir also weiterfuhren und mein Hintern mehr und mehr die Form einer Kehrschaufel annahm, trafen wir ein befreundetes Hund-Halter-Paar. Klar mussten wir da notgedrungen pausieren. Die zwei heizten also – Brüder im Geiste – beide total irrsinnig über das Feld. Und es kam wie es kommen musste: Ich stand mit samt Rad im Weg, wurde lieblos umgekesselt und meine Fellnase hat es geschafft, in ein stehendes Fahrrad zu laufen. Der Senfhund ist eben etwas ganz Besonderes. 🙂

Okay das war also der erste Streich mit Hund, Fahrrad und angehender Triathletin, wobei die ja vielmehr panisch das eigene Überleben im Sinne hatte als irgendwelche sportlichen Bestleistungen, welche ich im Übrigen aufgrund meines eigenen Eingerostetseins noch überhaupt gar nicht erbringen kann. Aber da wir hier sehr hügelig wohnen, hatte ich schon wenigstens mit einigen Bergen zu kämpfen.

Da das ja jetzt zumindest im Kleinen schon geklappt hat, ist unsere Marschrichtungszahl als nächstes den nahegelegenen Radweg bis zu den Nachbardörfern zu erklimmen. Eine Überforderung meines Hundes war also bei unserem ersten Selbstversuch eher unwahrscheinlich. Dennoch kann es bei zu langen oder zu schnellen Touren vorkommen, weshalb man seinen Hund nicht nur während der Tour, sondern auch am nächsten Tag gut beobachten sollte. Auch Hunde können Muskelkater bekommen, den man bspw. mit Globuli lindern kann. Zudem sollte man auf Schürfstellen vom Geschirr achten.

Gemütliches Radfahren geht so.
Gemütliches Radfahren geht so.

Ehrlich gesagt hatte ich anfangs ja doch Angst mit Hund am Rad sei mein Leben massiv gefährdet und habe es deshalb immer vor mir hergeschoben. Nun ja eine gewisse Gefahr geht sicherlich damit einher – insbesondere wenn den Sicherheitsaspekt gänzlich außer Acht lässt, die Leine mit einer Hand am Lenker festhält und dem Hund keine entsprechenden Kommandos wie „links“, „rechts“ oder „langsam“ beibringt – aber es macht auch echt Spaß.

Wir machen also weiter, wobei ich im Sommer darauf achten werde nicht so arg viel mit Rad und Hund auf Asphalt unterwegs zu sein, um Askans Pfötchen und Gelenke zu schonen. Generell sollten Hunde ja keine langen Galoppstrecken auf nichtnachgebendem Asphalt machen. Bei größeren Hunden wiederum liest man häufig, hier verstärkt auf die Gelenke achten zu müssen. Kleinere Hunde hingegen sollten nur im mäßigen Tempo am Rad geführt werden.

Im Allgemeinen sind kurzbeinige Hunde wohl eher weniger zum Radfahren geeignet. Bei kurznasigen Rassen sollte vorher unbedingt der Tierarzt konsultiert werden, um einer lebensbedrohlichen Atemnot vorzubeugen und auch Hunde mit einem langen Rücken benötigen entsprechende Aufmerksamkeit. Offensichtlich also individuell und nicht vollumfänglich eine Sache für Jederhund.

Pausen zwischendurch sind wichtig.
Pausen zwischendurch sind wichtig.

Auch ich halte die Runden bewusst kurz – Hunde werden schließlich auch nicht mega ausdauernd und leistungssportlich konditioniert geboren. Bei längeren Touren sind entsprechende Pippi – aber auch Schnüffelpausen wichtig – wir sind ja alle immerhin nicht auf der Flucht. Diese wiederum sollten mit Kommandos verknüpft werden, sodass dem Pfotenkumpel klar ist, dass wir pausieren oder wieder durchstarten wollen.

Viel befahrene, abgasreiche Straßen sollte man vermeiden, wenn man bedenkt in welcher Höhe sich der sportlich auftourende Vierbeiner befindet. Auch viel befahrene Radwege können zu einem Hindernis werden. Auf der Website von easy-dogs findet man übrigens Lösungsvorschläge für verschiedene Probleme am Rad. Wenn einer weiß wie man mit Hund in der einen und Fahrrad in der anderen Hand elegant mit Haltungsnote B die Tür öffnet, möge er es mir bitte in bunten Bildern mitteilen. Ich konnte das jedenfalls nicht und flog direkt geränzelt und geschnürrt wie ich war die Treppen hoch.

Jetzt haben wir das Thema „Rad und Hund“ ja eher kurz und an unserem eigenen Chaos und Katastrophen durchgehechelt. Es gibt aber auch Leute, die kennen sich richtig gut aus und zwar so gut, dass sie darüber sogar Bücher schreiben (wie bspw. Marion Fiedler Mit Hund und Fahrrad unterwegs: Vom ersten Training bis zur Radreise mit Hund). Und auch bei Nicole und Moe war das Thema schon mal im Zentrum der mensch-hündischen Aufmerksamkeit. 🙂

Ihr seht: Es ist in aller Munde, grade jetzt wo die ersten Frühlingssonnenstrahlen auch die Nichthundehalter aus ihren Verstecken locken, also probierte es doch selbst mal aus und verratet uns welche Tipps, Tricks und Erfahrungen ihr zum Thema habt. 🙂 Auch ein Fahrradurlaub wäre womöglich mit entsprechendem Hundeanhänger oder Lenkrad-Körbchen eine Überlegung wert. 🙂

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3 Gedanken zu „Gastbeitrag: Radfahren mit dem Hund“

  1. Hier im Münsterland fahren viele Leute mit ihren Hunden am Rad. Bei hohen Temperaturen und ohne Pause rennen die armen teilweise durch einen Pulk von Freizeitradlern…
    Ich suche mir gerade ein Lastenfahrrad aus, damit ich mit Socke im Rad etwas unternehmen kann. Aber das ist ja ein ganz anderes Thema, das ich bestimmt noch einmal aufnehmen werde.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  2. Ich hab das ganze vergangene Woche auch erstmal mit meinem „Pepe“ getestet. 12km auf dem „Mulderadweg“ von Wilkau-Haßlau nach Bahnhof Wiesenburg… Hat recht gut funktioniert. Teilweise mit Leine aber auch freilaufend.




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  3. Ersteinmal finde ich den Text wirklich super schön geschrieben nur im Abschnitt mit den Globuli musste ich etwas lachen. Und da sehe ich auch den großen Nachteil vom Radfahren mit Hund an Leine, es kann für den Hund wirklich sehr anstrengend sein und auch gefährlich werden. Dies musste ich leider selbst vor etwa 3 1/2 Jahren erfahren als ich mit meinem damals 2 1/2 Jahre alten Pitbull eine etwa 12km lange Radtour machen wollte. nach etwa 8km bekam er plötzlich atemnot verhielt sich ganz komisch, gott sei dank passierte dies, wie es das schicksal so will nur 100m von einer Tierarxtpraxis, die sogar noch geöffnet hatte, entfernt ich lief mit meinem pitbull im Arm (weiß heute auch nicht mehr wie ich das geschafft habe) zum tierarzt und er behandelte ihn sofort, der arzt meinte er sei überlastet und habe nicht mehr genug Luft bekommen, irgendwas mit atemnot, kann mich da nicht mehr so genau dran erinnern. Mit glück überlebte mein Rokko, und ich schwor mir nie wieder mit Hund Radzufahren. Doch da ich auch begnadeter Radfan war, dauerte es nicht lange bis ich den Schwur brach und wiedermit Hund unterwegs war. Ein wichtiges Detail hatte sich aber geändert, ich hatte mir einen Hundefahrradanhänger für mein Rennrad (sieht echt lustig aus 😀 ) geholt und fuhr nun so mit meinem Hund rum. Rokko konnte nun entspannen und ich trotzdem Radfahren. Wenn ich heute Radfahrer mit Hund sehe kriege ich meistens kleine Schweißausbrüche weil ich an damals denken muss. Naja um zurück auf den Punkt zu kommen, selbst kurze Strecken können für Hunde, und Rokko war gut trainiert, gefährlich werden. Deshalb bin ich sehr dankbar für die erfindung des Hundefahrradanhängers




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