Gastbeitrag: Gut Ding will Weile haben

Gastbeitrag: Gut Ding will Weile haben
Gastbeitrag: Gut Ding will Weile haben

Was ich bisher aus den drei anderen Gastartikeln von Sabrina, Diana und Stefanie mitnehmen konnte, war vor allem: Ein Welpe braucht unheimlich viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Egal was er lernen soll: Es braucht Zeit.

Heute berichtet uns die liebe Katharina von hell & blau, wie die erste Zeit mit Milo war und was für Schwierigkeiten die beiden hatten: Milo wollte nämlich nicht apportieren. Aber lest selber, in dem Gastbeitrag: Gut Ding will Weile haben.

„Als wir Milo als Welpe vor fast 2 Jahren zu uns holten, hatten wir hier die unterschiedlichsten Spielzeuge – schließlich musste ja erst herausgefunden werden, was der Welpenpunkt gerne mag und eine gewisse Auswahl sollte ja auch vorhanden sein.

Wer die Wahl hat, hat die Qual – und die hatte Milo gewiss. Und vor allem hatte Milo ziemlich jedes Spielzeug zum Fressen gerne oder zumindest zum Kaputtmachen. Während dessen andere Welpen in seinem Alter schon fröhlich hin und her Apportierten, fraß Milo für sein Leben gerne seine Kuschel- und Spielgefährten.

Schnell begriffen wir, dass robusteres Spielzeug her musste. Und so zog dann auch das erste kleine Welpenfrisbee aus Gummi bei uns ein. Frisbee mit dem Hund – eine geniale Idee und das macht sicher Hund und Halter Spaß, dachte ich damals. Meine Rechnung hatte ich allerdings ohne Milo gemacht, denn der konnte mit dieser blauen, wabbelnden Plastikscheibe nur wenig anfangen.

Apportieren? War nicht ganz so sein Ding, ganz nach dem Motto „Frauchen, wenn du es weg schmeißt, kannst du es gefälligst selbst wieder holen.“ Das Einzige, wozu dieses Frisbee gut war, war um darauf herum zu kauen. Milo hatte als Welpe und Junghund absolut kein Interesse und Spaß am Apportieren, sei es ein Stöckchen im Wald, ein Ball, Frisbee oder oder…

Jetzt klappt es mit der Frisbee!
Jetzt klappt es mit der Frisbee!

Schade eigentlich, oder?! Schade vor allem deshalb, weil wir Milo auf Spaziergängen für nichts begeistern konnten – er war in seiner Schnüffelwelt zufrieden.

Klar, jetzt könnte jeder sagen „ja, ist ja nicht so schlimm“, „wenn er nicht apportieren will, muss er das nicht“, „nicht jeder Hund muss alles können“, „er ist ja ein Laufhund, das liegt nicht in seiner Natur“ etc. pp.

Okay, das mag alles stimmen. Dennoch störte es mich einerseits, dass man Milo nichts werfen konnte und er brachte es von sich aus wieder. Auch Familie und Freunde waren etwas enttäuscht, denn schließlich kennt man es von der Rasse „Hund“, dass JEDER Hund doch gerne Stöckchen spielt. Oder?!

Bei Milo war das nicht der Fall. Und andererseits störte es mich (und das war der Grund, der mich am Allermeisten störte), dass wir als 2-beiner auf Spaziergängen absolut uninteressant waren. Kein Spiel interessierte Milo, solange er in seiner Schnüffelwelt unterwegs war, war alles im Lot –für ihn. Und DAS war für mich eine Sache, die ich eben nicht einfach akzeptieren konnte, egal was andere zu mir sagten. Ich wollte, dass mein Hund mit mir spielt, rauft, zerrt und ja, auch mal etwas wieder bringt bzw. apportiert – einfach mit mir Spaß hat und an mir interessiert ist.

Apportieren im Wasser? Kein Problem für Milo!
Apportieren im Wasser? Kein Problem für Milo!

Wir legten uns also einen äußerst robusten Futterdummy zu und begannen GANZ von Vorne. Nachdem wir bemerkt haben, dass selbst ein Futterdummy mit der besten Geflügelfleischwurst uninteressant sein kann und es für Milo nicht wert war, diesem auch nur hinterherzurennen, ins Mäulchen zu nehmen oder sonst etwas (vorauf man hätte aufbauen können), fingen wir noch weiter vorne an.

Milo hat sein Fresschen ab diesem Zeitpunkt nur noch draußen im Futterdummy bekommen – und hat dieser ihn nicht interessiert, gab es eben kein Fresschen auf diesem Spaziergang und Milo ging leer aus. Nachdem Milo geschlagene ZWEI Tage den Futterdummy noch nicht einmal mit dem Punktehintern auf den Spaziergängen angeschaut hatte (er also auch 2 Tage nichts gefressen hat), hatte er am dritten Tag dann umso mehr Interesse und HUNGER. Und plötzlich konnten wir mit dem Training beginnen.

Ente retten
Ente retten

Binnen weniger Tage hatte Milo den Bogen raus und innerhalb weniger Wochen konnten wir von einem Futterdummy auf einen Dummy ohne Futterreißverschluss übergehen und ihn aus der Hand belohnen.

Mittlerweile apportiert Milo wirklich sehr gerne und auch auf Spaziergängen können wir diverse Spielzeuge mitnehmen und Milo weicht uns dann gar nicht mehr von der Seite. Wir haben auch wieder ein Frisbee, zwei um genau zu sein – zwei große und robuste Frisbees für „erwachsene“ Hunde und Milo liebt sie heiß und innig. Auch schwimmt Milo seit (erst) ein paar Wochen (er ist jetzt 2 Jahre) und apportiert für sein Leben gerne aus dem Wasser heraus. Ich bin absolut begeistert, weil er es von sich aus auch fordert. Er bekommt gar nicht mehr genug davon und ich kann immer und immer wieder ins Wasser werfen – er wird nicht müde oder verliert die Lust.

Was ich sagen möchte:

Ja, nicht JEDER Hund MUSS ALLES können!

Aber vieles braucht eben einfach Zeit, Geduld, Reife und Training. Seid nicht enttäuscht oder traurig, wenn euer Hund mit 2 Jahren immer noch nicht schwimmen geht oder euer Welpe nicht gerne von sich aus apportiert (oder, oder, oder).

Ente gut, alles gut. ;-)
Ente gut, alles gut. 😉

Findet heraus, was euer Hund gerne mag, seid kreativ. Übt, trainiert weiter, lasst euch was Neues einfallen und habt Spaß dabei. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem der Hund zeigt „Frauli, jetzt bin ich so weit!“ und springt wie Milo mit 2Jahren ins Wasser und schwimmt und apportiert aus dem Wasser heraus, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht.“

Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Katharina. Du hast absolut Recht: Nicht jeder Hund muss alles können. Moe kann zum Beispiel bis heute nicht in die Hand apportieren, er lässt sein Spielzeug, Dummy, was auch immer in einem 3 Meter Radius fallen. Und wir haben wirklich ALLES versucht. Dafür versuche ich ihn regelmäßig, trotz seiner 6,5 Jahre, mit neuen Situationen zu konfrontieren, so wie das letzte Mal, als er das allererste Mal von einem Bootssteg gesprungen ist. Das hat ihn große Überwindung gekostet aber: Er hat es geschafft. Und ich war stolz wie Bolle. 🙂

Wenn ihr auch Lust habt, einen Gastartikel rund um das Thema Welpe / Junghund zu schreiben, freue ich mich sehr über Mails an me@moeandme.de! Das Thema steht euch frei, ihr könnt uns eure Geschichte erzählen, welche Erfahrungen ihr mit eurem Welpen gemacht habt und was ihr schon immer einmal loswerden wolltet. Ich freue mich auf eure Geschichten! 🙂

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2 Gedanken zu „Gastbeitrag: Gut Ding will Weile haben“

  1. Sehr schöner Artikel – und das mit dem Spielzeug zerkauen kenne ich. Das macht das Hundekind auch fast immer noch mit sämtlichen Spielzeug 🙂

    Wir wünschen euch noch viel Söass beim Apportieren und schwimmen.

    Liebe Grüße
    Abby & Diana




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  2. Ob ich jetzt Linda hungern lassen würde, damit sie mit mir schwimmen geht – ich glaub nicht…

    Aber ansonsten gehe ich mit Dir d’accourt: manches braucht einfach seine Zeit. Bei Kim zum Beispiel hat es 5 Jahre gedauert, bis er sich das erste Mal getraut hat zu schwimmen. Also noch ist nichts verloren…

    LG Andrea




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