Gastartikel: Trotz Angsthund kann Silvester kommen

Alex und Anni

Anni habe ich ganz frisch erst kennengelernt. Sie bloggt auf Hund im Gepäck über Alex, ihr Vierbein, und über das Wandern. Sehr spannend und ihr solltet unbedingt mal vorbei schauen, wenn ihr sie noch nicht kennt!

Annis Hund Alex ist so ganz anders als Struppi, ihr erster Hund. Sie musste sich damit auseinander setzen, dass ein Hund auch wirklich Angst haben kann, wenn es draußen kracht und knallt.

Wie der Weg von Anni und Alex ist, erzählen sie euch heute hier!

Trotz Angsthund kann Silvester kommen

Früher brauchte ich mir keine Gedanken um unsere Hunde an Silvester machen. Erst war ich noch zu klein und es fiel nicht in meinen Verantwortungsbereich und dann hatte ich einen der coolsten Hunde überhaupt.

Mein letzter vierbeiniger Freund hatte gar kein Problem mit Feuerwerk und Co. Absolut sicher war ich mir in diesem Punkt, als ihm ein Böller genau vor die Pfoten flog und er nicht einmal mit der Wimper zuckte, sondern ganz entspannt weiter ging.

Alex ist anders als Struppi
Alex ist anders als Struppi

Beigebracht haben wir ihm das nicht, Struppi war einfach so und so konnte ich problemlos feiern gehen. Heute sieht das anders aus.

Jetzt habe ich Alex, einen Angsthund. Es gibt eigentlich fast nichts, vor dem er keine Angst hat, doch an Silvester ist es besonders schlimm. Das erste gemeinsame Fest verbrachten wir in unserem damaligen Heim in Bremen. Meine Wohnung befand sich über einer Gaststätte, deren Gäste um 24 Uhr direkt vor unserem Fenster die Raketen stiegen ließen.

Erst ist Alex mit eingeklemmter Rute von Raum zu Raum gelaufen. Selbst in dem von ihm verhassten Badezimmer suchte er Schutz. Alleine fand er es aber dann doch zu gruselig und so setzte er sich neben mich aufs Sofa. Seinen Rücken ganz fest an mich gepresst, beobachtete er mit mir zitternd das Feuerwerk.

Das Jahr darauf wohnte ich schon halb in Hannover. Da sich meine Wohnung in einer ruhigen Straße befand und nicht wie in Bremen über einem Restaurant, entschied ich mich am Silvestertag dort hinzufahren. Erst lief alles ganz. Morgens waren wir noch an einem knallfreien Ort, wo Alex sich austoben konnte, und ich hatte ihm wieder ein paar Notfallglobuli verabreicht.

Am Abend bekam Alex schließlich einen riesigen Fleischknochen, den er trotz Knallerei recht entspannt gefressen hat. Doch um 24 Uhr änderte sich die Stimmung.

Ein Aufenthalt zu Silvester ist nicht zu empfehlen

Da Bremen größer ist als Hannover und da ich dort an einer Hauptstraße wohnte, dachte ich, dass es in Niedersachsen etwas ruhiger ist. Doch weit gefehlt. Hannover ist nicht nur die Hauptstadt von Niedersachsen, sondern meiner Meinung nach auch die Hauptstadt in Sachen Feuerwerk.

Zu jedem Anlass werden Raketen abgeschossen. Und vor allem an Silvester geht es rund. Ab 24 Uhr verging keine Sekunde ohne Knallgeräusche – und das eine Stunde lang. Alex und ich teilten uns das Bett und ich versuchte ruhig Fernzusehen, was in Anbetracht des Krachs nicht so einfach war. Die letzte Minirunde hatten wir glücklicherweise schon hinter uns und am nächsten Tag sollte ja der Spuk eigentlich ein Ende haben, dachte ich zumindest. Dem war aber nicht so.

Eine Woche lang hat es jeden Tag mehrfach geknallt. Und eine Woche lang konnte ich mit Alex nur kurz vor die Tür gehen, weil er solch eine Angst hatte. Nichts hat geholfen, kein gutes Zureden und keine Bestechung. Es ging nur mit starkem Gezitter und Gezerre, sodass ich stets Angst hatte, die Leine könnte reißen, an den nächsten Baum und zurück in die Wohnung.

Das war mehr als ätzend, denn mein Hund braucht ausreichend Bewegung und da er die nicht
bekam, wurde er zusätzlich noch frustrierter. Also Hannover zu Silvester ist für solch ängstliche Hunde wie Alex überhaupt nicht zu empfehlen! Glücklicherweise mussten wir das nur einmal erleben.

Seit letztem Jahr wohnen wir nun in einer kleinen Gemeinde in Baden- Württemberg. Letztes Silvester war das erste, das wir nicht in unseren eigenen vier Wänden verbracht haben, sondern bei Freunden, einen Teilort weiter. Alex kannte das Haus bereits und er hat dort einen Kumpel. Also gute Grundvoraussetzungen. Es lief auch alles ganz gut.

Nur der Fußweg dorthin war schon etwas anstrengend, aber wie jedes Jahr hatte ich Alex doppelt gesichert, am Halsband und Geschirr, und wickelte mir die Leine mehrfach um das Handgelenk (Ja ich weiß, das sollte man nicht tun, weil das zu bösen Verletzungen führen kann, aber lieber verletze ich mich, als das mein Hund ängstlich wegrennt und wer weiß was passiert.).

Der hübsche Alex
Der hübsche Alex

Bei unseren Freunden lag Alex dann recht brav unter dem Tisch zu meinen Füßen und hat zwischendurch etwas zu Essen abgestaubt. Um 24 Uhr sind wir alle in den Wintergarten – außer Alex, der traute sich dort nämlich nicht hin. Das Doofe war, dass ich dachte, dass das nicht schlimm wäre, doch ich hatte mich geirrt und Alex pinkelte bei den ersten Raketen ins Wohnzimmer.

Seitdem ich Alex habe, beschäftige ich mich viel mit Hunden und ihrem Verhalten. Vor allem in dem letzten Jahr habe ich einiges gelernt. Vorher hatte ich ihn immer ignoriert, um seine Angst nicht zu bestärken, und ich habe stets etwas anderes gemacht, um ihm zu zeigen alles ist gut. Doch nun habe ich erfahren, dass Hunde, die zusammen leben, sich nie ignorieren würden. Ein Hund wird nur von seinem Rudel ignoriert, wenn er ausgestoßen werden soll. Deshalb soll Ignoranz für die Tiere besonders schlimm sein.

Da Alex vor fast allem Angst hat, konnte ich es testen. Seitdem ich ihn nicht mehr ignoriere und ihm Halt gebe, beruhigt er sich schneller und unsere Beziehung hat sich noch ein Stückchen verbessert. Vorher habe ich ihn sich nur an mich drücken lassen und habe dann etwas anderes gemacht. Jetzt bin ich voll bei ihm und handle Situationsabhängig.

Manches Mal rede ich ihm mit ruhiger Stimme gut zu und erkläre ihm, was los ist. Manchmal lege ich Alex auch eine Hand auf oder umarme ihn leicht ohne ihn festzuhalten. Um die Angst nicht zu verstärken ist es wichtig, den Hund nicht zu bemitleiden oder über fürsorglich zu sein. Eine ruhige, entspannte Energie ist, meiner Meinung nach, wie in so vielen Dingen der Schlüssel zum Erfolg.

Blöde Angewohnheit der Schwaben sorgt hoffentlich für Gewöhnung

Klar man könnte irgendwohin fahren, wo nicht geknallt wird, aber gibt es so einen Ort wirklich? Außer eine einsame Berghütte vielleicht? Ich denke aber eh, dass wenn ein Hund Angst hat, sollte man ihn auf vertrautem Boden lassen. Auch wir kommen ja am ehesten in unseren bekannten Gefilden zur Ruhe. Deshalb kommt für mich ein Wegfahren an Silvester nicht infrage.

Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr läuft. Es würde mich nicht wundern, wenn Alex etwas entspannter sein wird. Zum einen weil er das Haus unserer Freunde noch besser kennt, da er einen Tag die Woche dort verbringt, und zum anderen
weil ich jetzt mehr für ihn da sein werde.

Hinzu kommt, dass hier im Ostalbkreis zwar nicht so extrem wie in Hannover gefeiert wird, schließlich wohnen hier auch weniger Leute, aber dafür knallt es hier mindestens einmal die Woche und zwar das ganze Jahr über. Die hier ansässigen Schwaben haben die blöde Angewohnheit zu fast jedem Geburtstag ein Feuerwerk zu zünden.

So hege ich allerdings etwas Hoffnung, dass Alex sich zumindest ein bisschen daran gewöhnt hat. Eine Gewöhnung an Feuerwerk hatte ich auch mit einer Geräusch-CD ausprobiert – doch dieser Versuch war vergebens. Egal bei welcher Lautstärke Alex hat es nicht die Bohne interessiert, nur ich war irgendwann genervt.

Ich weiß, Alex wird nie so cool an Silvester sein wie Struppi, aber ich versuche es ihm so angenehm wie möglich zu machen. Deshalb treffe ich ein paar Vorsichtsmaßnahmen, dazu gehören: Alex wieder doppelt und dreifach sichern, morgens an einen knallfreien Ort fahren, damit er sich körperlich auspowern kann und den Tag über mit Suchspielen, Dummytraining und/oder Trickabfrage für die geistige Auslastung sorgen, damit er gegen Abend etwas erschöpft ist.

Zusätzlich werde ich ein Beruhigungsmittel ausprobieren, das mir mein alter Tierarzt empfohlen hat: Seradom. Dabei handelt es sich um ein Mittel, dass Hunde beruhigen soll ohne sie auszuknocken. Also sie können dann noch klar denken und handeln. Mal schauen, ob es etwas bringt.

Hoffentlich ist es dieses Jahr entspannter
Hoffentlich ist es dieses Jahr entspannter

Falls er doch um zwölf wieder Panik kriegt, versuchen wir es nächstes Jahr wieder zuhause. Ich gehe zwar gerne feiern, aber ich habe das schon so ausgiebig praktiziert, das es für mindestens drei Leben reicht. Außerdem ist das restliche Jahr auch noch dafür Zeit und so macht es mir gar nichts aus, Silvester daheim zu bleiben.

Das Wohlbefinden meines Hundes ist mir wichtiger. Ich bin zuversichtlich, dass es dieses Jahr für ihn angenehmer sein wird und dass wir gut vorbereitet sind. Also Silvester kann kommen!

Fotos: ©hundimgepaeck.de

Folge uns bei Pinterest

Kommentieren

2 Gedanken zu „Gastartikel: Trotz Angsthund kann Silvester kommen“

  1. Hallo Anni
    Meine Mutter hat auch einen Angsthund – Don.
    Von daher kenne ich die Problematik recht gut, als sie Don zu sich genommen hat, hab ich noch zu Hause gewohnt.

    Ich finde es toll, dass du Alex zeigst, dass du für ihn da bist!
    Es ist so schade, ich begegne so vielen Leuten die denken das mache den Hund nur noch ängstlicher.
    Schön das du es anders machst!

    Ich wünsche dir für dieses Silvester mit Alex viel Glück! Er ist ein wunderschöner Hund 🙂

    Ganz liebe Grüsse
    Alina
    (die Homepage unten gibts NOCH nicht. Bin aber dran 🙂




    0
    • Liebe Alina, vielen lieben Dank für Deine Worte und Komplimente!
      Inzwischen finde ich es auch schade und teils traurig, wie viele Leute ihren Hund ignorieren und die Ängste nicht wahrnehmen. Aber genau wie manch andere hatte ich auch einige Zeit geglaubt, die Probleme dadurch zu verstärken. Leider liest man das auch immer wieder in irgendwelchen schlauen Ratgebern, von denen hatte auch ich mich täuschen lassen… Ich hoffe, dass noch mehr Menschen erkennen, dass das Quatsch ist und am besten noch früher als ich! 😉 Alex und sicherlich die meisten anderen Hunde danken es einem!
      Ich wünsche Dir, Deiner Mama und Don auch ein hoffentlich angenehmes Silvester und Dir
      viel Erfolg mit Deiner Seite, bin gespannt!
      Liebe Grüße
      Anni




      0

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*