Gastartikel: Fit mit Hund

Gastartikel: Fit mit Hund
Gastartikel: Fit mit Hund

Heute ist wieder Gastartikel-Zeit! Wir haben wieder unsere zauberhafte Isabelle rekrutieren können, die uns ja schon von ihrem Weg zur Begleithund-Prüfung und vom Fellwechsel berichtet hat. Außerdem wird Isabelle nun auch in Zukunft auf ihrem eigenen Blog einiges zu berichten haben, schaut mal vorbei: Verwauzt und Zugebellt.

Gastartikel: „Fit mit Hund – Fitness mit Wau – Effekt“ –  oder wohl eher „Wow ich wusste gar nicht, wo man überall Muskelkater bekommen kann“

Okay wir haben also Februar – Monat zwei nach Weihnachten. Ich weiß das, Askan weiß das, aber die Waage weiß das leider noch nicht. „Hmmnnn“, während ich mir also genüsslichst einen weiteren Frustschokoriegel zwischen die Kiemen schob, blobbte das liebe Facebook eine Werbung auf: „Fit mit Hund“ hieß es da – klingt ja erst einmal prima: Man unternimmt etwas mit seinem Hund, tut etwas für dessen Fitness (was dieser natürlich weit weniger nötig hat als das muffinartig geformte Frauchen) und für die eigene auch gleich mit.

Der Nachsatz „Fitness mit Wau-Effekt“ ließ mich dann überlegen, wer von uns beiden wohl am Ende „(W)Au“ sagen würde. Schließlich habe ich mich bedingt durch Weihnachten und einen Unfall die letzten zwei Monate kaum weiter bewegt als ich meinen Autoschlüssel werfen kann. Und ich bin ein verdammt mieser Werfer. Zudem wusste ich über Sportler nur, dass ich bislang noch kaum einen beim Sporteln hab Lächeln sehen – und das hat mir auch schon gereicht. Sport interessierte mich nicht mehr als Tauchtiefen und Wasserstandshöhen.

Na ja manchmal keimt der Übermut – oder nennen wir es lieber Wahnsinn – ja scheinbar doch auf und ich meldete mich zu besagtem Kurs an. Meine Umwelt, der ich diese Entscheidung jetzt prompt eine mega Sportbohne zu werden – schließlich hatte ich ja sowohl Körper als auch Beine bis zu den Füßen wie jeder anderer Sportler auch – natürlich erst mal total stolz mitteilte, verspottete mich. Das Schlimmste daran: sie taten es nicht einmal heimlich. Offensichtlich schien eine sportliche Betätigung meinerseits so abwegig wie der wirtschaftliche Aufschwung eines verschuldeten afrikanischen Kleinstaates.

Wehret den Anfängen…

Isabelle und Askan werden fitNun denn Sonntags sollte es losgehen – Valentinstag auch gleich noch. „Na prima“ denkt sich der Single – ich habe ein Date mit einem Haufen total verrückter Sportasse, die mich wahrscheinlich während der Trainingseinheit mehrfach überrunden – meinen Askan zählte ich da bereits mit rein.

Der feuchfröhliche Abend in netter Gesellschaft begleitet von genügend Wein, Rum, Zigaretten und wenig Schlaf war dann noch die optimale Trainingsvoraussetzung. Ich war also dermaßen motiviert, dass ich anderen Leuten direkt dabei hätte zu sehen können, wie sie darüber nachdenken, Bäume auszureißen. Es war also naheliegender auf dem Weg zum Sport über meine Sporttasche zu stolpern, in meine schnieke Lümmelhose zu fallen, aus Versehen auf dem Sofa zu landen und von da aus etwas zu Essen zu bestellen – und dennoch haben wir uns aufgerafft.

Ich starte also Sonntag (in Worten SONNTAG (!)) früh noch halb verkatert, kaum fahrtüchtig und total übermüdet zur nächstgelegen Jogging-Rennstrecke, auf der der Kurs stattfinden sollte. Und als hätte ich eine große Oper inszenieren wollen, war ich natürlich auch noch Bummelletzte mit nicht einem müden Krümel einer schlarafftastischen Leckerei für meinen caniden Mitsportler in der Tasche. Während meines gemarterten Weges vom Auto zur Trainingsgruppe – quasi mein Gang nach Canossa – halte in meinen Ohren das epische „Düüüm, düm, düm, düm, düm düm düüüüm“ der Eingangsmelodie von Rocky Balboa.

Also fassen wir meine und Askans Grundstimmung mal zusammen bevor wir euch sagen, dass der Kurs eigentlich gar nicht sooo schlimm für uns war:

„Sport doof, weil da muss man sich bewegen. Sonntag doof, weil da muss man früh aufstehen. Frauchen doof, weil Naschkram vergessen.“

Optimal – also konnte es ja auch losgehen, denn schließlich ist uns das Jammern ja mal überhaupt nicht gegeben. Wir klagen praktisch nie, weshalb wir einfach ganz entspannt mit den anderen lostrabten. In einem moderaten Tempo, die unwahrscheinlich liebe Trainerin immer mit den Worten „Jeder macht bitte nur so viel er kann.“, wobei ich mir dachte „Prima ich kann nichts – das kann man nur noch durch gar nichts und überhaupt nichts steigern“ im Ohr.

Und wie wars jetzt eigentlich?

Es wurde schnell gejoggt, es wurde langsam gejoggt, es wurden andere überholt, es wurde sich überholen lassen, es wurde mobilisiert, es wurde gedehnt, gestrecht, gekniebeugt, geliegestützt und geausfallschrittet. Mr. Pfotenschön stets in irgendeiner zuckergoldigen Art mit eingebunden. Alles natürlich begleitet von Fotografen.

Ist ja klar, dass unsere joggende Meute aus Hund-Halter-Paaren kaum auffiel. So vergingen Sekunden, Minuten und am Ende sogar eine volle Stunde straffer körperlicher Betätigung ohne dass ich auch nur einen Funken des gewohnten Unmutes, der Frustration oder des Unwillens empfunden hätte.

„Halt Stopp“ dachte ich – „macht mir Sport jetzt grade etwa wirklich Spaß? Denke ich grade wirklich darüber nach, dass ich fürs nächste Mal lieber die besseren Laufschuhe anziehen sollte?“ – Na da guck nur mal einer an – da wars jetzt wohl Essig mit der Sportmuffelei. Während ich noch so ganz verklärt meinen Gedanken nachhing und mir schon eine Karriere als nächster super Hundesportler von Netzschkau ausmalte, sprach mich eine Dame von der Presse an.

Los Frauchen, mehr davon!

Ja ihr Lieben, offensichtlich schreibe ich jetzt nicht nur Gastartikel für die zauberhafte Nicole und ihren Moe sowie ein paar Artikel für meinen eigenen Blog – meine Meinung wurde sogar gedruckt. Und da ich der Reporterin mit fester Stimme sagte (da hatte mein Kater vom Vortag nochmal kurz am Käfig meiner Selbstbeherrschung gerüttelt), dass sie meine Worte auch ja so drucken soll, da mir der Inhalt meiner Ansprache wirklich wichtig sei, wurden meine Sätze Wort für Wort mitgeschrieben und bekamen im späteren Artikel süße Gänsefüßchen.

Als wir nämlich von einer Stunde abwechslungsreichem Training wieder kamen, wurden wir mit leckeren Smoothies und unsere Fellnasen mit dem caniden Äquivalent – sprich Leckereien – empfangen. Klar, dass das maximal lobend Erwähnung finden musste.

Okay das war also die erste Stunde. Ich hatte die Herausforderung angenommen, den Kurs auf meine eigene Budget-Liste gesetzt, ein wenig Selbstdisziplin aus den Untiefen meiner Selbst zusammengekratzt und war überraschender Weise nicht so arg gescheitert wie eingangs vermutet. Zur nächsten Kurseinheit kam direkt noch eine Freundin aus meiner Begleithund-Gruppe mit.

Auch sie war maximal besorgt, dass sie bei der Anforderung zu Joggen kläglich abschmieren würde. Während sie sich also noch meditativ vorsprach, sie könne immer noch laufen, falls es ihr zu schnell ginge, plante ich gedanklich schon meine Teilnahme am nächsten „Dog-Triathlon“ oder  noch besser am „Iron-Dog“.

Genau ihr Lieben: Klein Isa denkt jetzt groß. Klein Askan wahrscheinlich eher „die hat doch nicht mehr alle Plüschies im Körbchen.“ Oben auf dem Zettel steht nun also Schwimmen für den wasserscheusten Hund auf Erden und Radfahren für das größte Radfahr-Angsthäschen unterm Himmel – freut euch also auf viele weitere lustige Geschichten. 🙂

Neben dem sportlich, frech, fröhlichem Rahmen, den das Ganze bietet, spielt aber auch das Vertrauen und die Beziehung zwischen Mensch und Fellnase eine nicht zu unterschätzende Rolle. Auch die Qualität seiner Leckerlis überdenkt man neu, um dem Sportmuffelwölfchen das trotzige Ignorieren selbiger schwerer zu machen. Neben einem Haufen Spaß und Freude bei Partner- und Stationsübungen an der frischen Luft auf tollen Strecken trainiert man auch gleich noch das Köpfchen mit.

Als Körperklaus, Motoriklegastheniker oder einfach nur Tollpatsch sondergleichen war nämlich die getrennte und teils gegenläufige Bewegung von Armen und Beinen für mich nicht so selbstverständlich. Auch mein Herr Pfotenschön trainierte sein stures Schnuzköpfchen – allein das Laufen auf der rechten Seite (gelernt haben wir ja fürs Begleithundtraining nur „auf links“) war für Askan ein einer Aufführung im Staatstheater gleich kommender Akt.

Und auch die Frustrationstoleranz, still liegen zu bleiben, obwohl Mutti grade in froschähnlicher Eleganz und Haltungsnote Hockstrecksprünge fabriziert, wurde trainiert. Nebenbei bemerkt: Es wurden ja sämtliche Dinge in der Landschaft landartgleich in Sportgeräte verwandelt. Kein Baum, keine Bank und auch keine Geländer wurde von uns verschont.

Nachdem man drei Mal teilgenommen hat, hat man schneller Freunde als man eigentlich geplant hat. Es ist also definitiv nicht so deprimierend an einem „Fit mit Hund“-Kurs teilzunehmen wie damals im Schulsport als man sich die Tränen verkneifen musste, weil man als Letzte ins Team gewählt wurde und auch nicht wie im Fitnessstudio, wo ein Chamäleon einen Burn-Out bekommen würde, so aufgebrezelt und restauriert wie manche Mädels dort elfengleich herumhüpfen. Mittlerweile bin ich von dem Konzept so begeistert, dass ich sogar heimlich Flyer mit in Tiergeschäfte trage.

Wehe wenn sie los gelassen:

Und weil „Fit mit Hund“ nicht genug war und ich meinen caniden Mitbewohner ja immer mit allerlei neuem Kram nerve, schrieb ich mich postwendend gleich noch in das Webinar „Fit auf vier Pfoten“ von Imke Niewöhner ein. Wie der Name bereits impliziert, geht es hier vor allem um Übungen, die den lieben Vierbeiner dehnen, mobilisieren und trainieren. Ein völlig überfüllter Stundenplan, der sich „von“ schreibt und der elitären Ausbildung eines japanischen Wundermusikers alle Ehre machen würde, ist dabei definitiv nicht Ziel und Zweck.

Es soll also nicht „herumgehektikt“ werden, sondern vielmehr kontrolliert ange- und entspannt. Bäm klingt schon voll gut für jemanden, der sich eben noch aus einer Torte rausfressen wollte, anstatt freudig aus ihr herauszuspringen. Und als unwahrscheinlich vorteilhaft empfinde ich, dass sich sämtliche Übungen hervorragend in unsere „Trickquatsch“- Zeit einbauen lassen. Weitere Anregungen zur Mobilisierung eures Sofawolfes findet ihr auch bei: „Gymnastricks: Gezieltes Muskeltraining für Hunde“* von Carmen Mayer oder „Dogyoga: Hunde mental und körperlich stärken“* von Jo-Rosie Haffenden.

Mal wieder ein Abgesang meinerseits:

Laufen mit HundDie Moral von der Geschicht? – Muskeln hat man oder nicht. 😀 Wir haben uns ganz viel aus den Kursstunden und Webinarunterlagen mitgenommen. Kleine Übungen, die nun unseren Gassigeh-Alltag und den unserer Hundefreunde aufpeppen. Manche davon findet man auch in unterschiedlichen Büchern („Fit mit meinem Hund: Das Sportprogramm für die Gassirunde“* von Hester M. Eick oder „Fit mit Hund®: Gemeinsam – aktiv – gesund“* von Tanja Petrick, Kerstin Gey, Jan Mohr, Sascha Winkler), wobei ich nicht müde werden kann zu betonen, dass der Spaß wirklich in der Gruppensituation entsteht. Wer würde sich denn sonst sonntags allein aufraffen und konsequent trainieren, wenn er nicht die Selbstbeherrschung eines buddhistischen Mönchs innewohnen hat.

Ich habe gelernt, dass ein Kater auf keinen Fall vor Muskelkater schützt (Es hätte Fitness mit „Miau“ Effekt heißen müssen“ – genau deshalb bin ich übrigens ein Hundemensch), man die schlechte Seite immer doppelt so häufig trainieren sollte und an dem gemeinsamen Sport mit meinem Zwerg so viel Spaß gewonnen, dass ich tatsächlich einen Haufen Pulver in eine gescheite Sportausrüstung investiert habe.

Neben natürlich ganz dringend notwendigen, totschicken Sportklamotten fürs Frauchen zählten hierzu ein wunderherrliches Geschirr von Ruffwear (Ruffwear New Web Master Harness Red Currant Hundegeschirr*) und einen Gurt zum Transport des Kleinkrams inklusive der Naschigkeiten.

Und da wir ja alle – unseren bepelzten Begleiter nicht ausgenommen – nur eine Gesundheit haben und es gleichzeitig massig Spaß macht, scheint mit die zeitliche Investition in ein Workout für uns beide absolut berechtigt.

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3 Gedanken zu „Gastartikel: Fit mit Hund“

  1. Wunderbar geschrieben! Der Artikel macht selbst mir als absoluten Antisportler fast Lust auf Sport 😉 die weiteren Infos werde ich mir auch noch durchlesen und vielleicht auch mal in ein Hundesportbuch investieren! Denn wenn ich Sport treibe, definitiv nur mit Hund! Bis jetzt war das allerdings nur Joggen. Da wären ein paar weitere Ideen wirklich spannend!
    Ich werde mal schauen ob es so einen Kurs auch in unserer Nähe gibt 🙂
    LG Christina

  2. Toll geschrieben. Aber zu viel Bewegung ist auch nicht gut, das schädigt wieder nur die Hüfte, die Gelenke, Patella und Co. Wir haben so eine Operation leider hinter uns 🙁 Inzwischen geht es wieder und wir können wieder richtig rausgehen.

    Aber nichtsdestotrotz… Bewegung ist das A und O und ich bin immer wieder schockiert, wie wenig sich manche Leute mit ihrem Hund beschäftigen und doch nur einmal durch den Park oder um den Block gehen.

  3. fitness mit wau ist ja mal ein klasse slogan 🙂
    super artikel zu dieser thematik, ich gehe selber regemäßig mit unseren hund joggen oder radfahren.

    gemeinsam fit macht eben mehr spaß 🙂

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