Gastartikel: Fellwechsel bei Hunden

Der Fellwechsel –manchmal ein guter Grund, seinen Hund kurzzeitig in Pflege zu geben, oder? Zumindest habe ich mir das so manches Mal bei Moe gedacht, wenn das Sofa 10 Minuten Saugen wieder aussieht wie vorher. Unsere heutige Gastartikel-Schreiberin hat sich sehr ausführlich Gedanken über den Fellwechsel bei Hunden gemacht.

Isabelle ist 26 Jahre jung und kommt aus dem schönen Vogtland in Sachsen. Ihr Hund Askan ist 2,5 Jahre alt und ein typischer Senfhund aus dem Ausland (also alle haben mal ihren Senf dazugegeben). Die beiden sind im Hundesport unterwegs (Agility, Begleithund, etc.). In ihrer Freizeit liest sie gern und beschäftigt sich mit Hunden, da ihr das viel Spaß macht. In ihrem Hauptberuf arbeitet Isabelle als Schulpsychologin in der Sächsichen Bildungsagentur. Und nun geht’s los, mit unserem heutigen Gastartikel!

Eine Wohnung ohne Hundehaare ist nicht richtig eingerichtet – herzlich willkommen im Fellwechsel

„Alle heilige Zeit entscheidet sich meine liebe Fellnase sämtliche Haare, welche er bis dahin sein Eigen nannte, von sich zu werfen. Bevorzugt wieder jetzt, da es auf die kältere Jahreszeit zugeht. Da der liebe Herr Hund ja mit auf Sofa und Bett thronen darf, gleicht der Fellwechsel bei uns einer follikularen Kernschmelze.

Eigentlich müsste Askan – so heißt mein Pelzträger –  hinterher total nackt sein vom vielen Haaren. Leider hat er noch nicht herausgefunden, dass es sich bei ihm um einen Hund und nicht um ein Schaf handelt und er seine Wolle durchaus behalten darf. Nun reicht das Leidklagen als solches nicht aus, um die Wohnung, Kleidung, Auto und irgendwie alles wieder haarfrei zu bekommen.

Welche Tipps und Tricks sich bei uns bewährt haben, warum Hunde überhaupt haaren und wie man sie in ihrem Fellwechsel unterstützen kann, erfahrt ihr jetzt:

Warum haaren sich Hunde?

Dass Hunde haaren ist ein ganz natürlicher Prozess, welcher an den Lebenszyklus des Haares gebunden ist. Je nach jahreszeitlichen Einflüssen durch Licht und Temperatur gibt es jährlich zumeist zwei Spitzen des Fellwechsels. So schützen sich unsere Lieben vor dem Frieren im Winter beziehungsweise der Hitze im Sommer.

Wie stark der jeweilige Vierbeiner jedoch haart, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Beispielsweise haaren kastrierte Hunde stärker als unkastrierte oder ältere Hunde stärker als jüngere. Auch die Rasse spielt eine entscheidende Rolle, da Rassen mit dichterer Unterwolle deutlich stärker haaren.

Aber auch Mangelerscheinungen oder Stress können das Haaren beeinflussen. Es heißt ca. vier bis sechs Wochen nimmt der vollständige Aufbau des Haarkleides in Anspruch. Eine Zeit in der man entweder eine Affinität zum Putzen oder eine massive Toleranz gegenüber Fellbüscheln entwickelt.

Wie kann man den Fellwechsel unterstützen?

Wir bürsten, bürsten und bürsten, denn jedes Haar in dem Striegel ist ein Haar weniger an Klamotten, im Auto oder Askan und Isabelleauf dem Sofa. Gleichzeitig hat Bürsten den Vorteil, das Fell von Schmutz, Zecken und andere Mitbringsel zu befreien und gleichzeitig das Fett von den Haarwurzeln über das gesamte Fell zu verteilen. Vor zu häufigen Bürsten wird jedoch gewarnt, da dies den Fellwechsel künstlich verlängern könne.

Bei meinem Allerweltsmischling haben sich vor allem zwei Bürsten gut bewährt. Die eine greift die Unterwolle (Karlie Flamingo 56614 Perfect Care Entfilzungstrimmer ®) und die andere die ausgefallenen Deckhaare gut auf (Perfect Care Hunde Bürste FURMASTER ®).

Allgemein werden verschiedene Bürsten unterschieden (Bürsten mit Borsten, Striegeln, Hundekämme, Zupfbürsten, etc.). Massagebürsten hingegen haben eher einen Entspannungseffekt, aber zur gezielten Haarentfernung sind sie bei uns nicht wirklich geeignet.

Welche für das jeweilige Fellkleid des eigenen Hundes die beste Lösung bietet, bleibt also leider ein Selbstexperiment. Beim oftmals angepriesenen FURminator ® sollte man sich jedoch nicht zu früh über seinen Bürsterfolg freuen, denn der FURminator ® schneidet auch gleichzeitig das Fell mit, sodass schnell der Eindruck entsteht, man hätte einen zweiten Hund aus seinem eigenen gebürstet.

Die Prozedur des Bürstens an sich findet Askan zumeist ganz okay. Vor allem wenn ich ihm genügend Leckerlis zur Verfügung stelle. Und am Ende hat man auch eine Menge Fell übrig, aus dem sich super Perlen filzen oder Schmuckstücke befüllen lassen kann.

Neben dem Bürsten wird häufig das regelmäßige, aber nicht zu häufige Baden empfohlen, da hierbei lose Haare direkt mit ausgewaschen werden. Dieser Tipp fällt für uns aufgrund der starken Wasserphobie meines kleinen Wollgeistes leider sprichwörtlich ins Wasser.

Aber auch eine Unterstützung über die Ernährung wird häufig angeraten. So sollte vermehrt Eiweiß und ungesättigte Fettsäuren (bspw. Leinöl, Dorschöl, Nachtkerzenöl, Schwarzkümmelöl) gefüttert werden, da dies die Voraussetzung für die Bildung von Keratin (Hauptbestandteil des Haares) darstelle. Auch Biotin, ursprünglich als Vitamin H bekannt, soll den Fellwechsel unterstützen.

Hier gilt jedoch wie so oft auch: die Menge macht das Gift. Bei einer übermäßigen Gabe von Vitaminen besteht bei Hunden die Gefahr einer Hypervitaminose (giftige Ansammlung in der Leber). Auch von der förderlichen Wirkung von Bierhefe liest man in Zusammenhang mit dem Fellwechsel häufiger. Generell gilt jedoch, dass insgesamt auf ein hochwertiges Futter zu achten ist. Askan beispielsweise wird gebarft und seither haben sich auch seine follikulären Ausfälle vermindert.

Was tun gegen die Haare auf dem Sofa?

Wasserratte Askan

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Haare meines Hundes auf Mircofaser besser entfernen lassen. Wie gut man die Haare aus Polstern, Teppichen und Decken wieder heraus bekommt, ist zum einen von ihrer Beschaffenheit (eher weich oder drahtig) und von der Beschaffenheit des Materials abhängig.

Ganz schwer gehen seine Haare beispielsweise aus meiner Lieblingsfleecjacke heraus. Es gibt aber auch spezielle Anti-Haar-Decken, welche man einfach im Garten ausschütteln und man sich sofort über haarfreie Decken freuen kann. Diese Decken sorgen auch bei uns regelmäßig für Begeisterungsstürme. Auch das Vorhandensein eines Wäschetrockners ist natürlich massiv von Vorteil.

Bei allem was sich aber nicht in den Trockner stopfen oder mit Anti-Haar-Decken zuklöppeln lässt, haben sich bei unsAskan-und-Isabelle2 folgende zwei Bürsten als Wunderwaffe bei der Entfernung canidenartiger Fellkränze entpuppt (Wunderbürste ®; Power Carl – Reinigungsbürste ®).

Um die Enthaarungsgeräte selbst wieder haarfrei zu bekommen, habe ich noch so ein kleines Helferlein (Bürstenreiniger und Klettreiniger -Easy Clean- ®). Als Tipp gegen Haare auf dem Sofa, Bett, Auto oder Kleidung wird häufig ein Fensterabzieher angepriesen. Der hatte bei uns leider absolut keinen Erfolg und machte mehr Arbeit als irgendetwas anderes.

Lustiger Hausfrauentipp: einfach mal die Hände nass machen und damit über das Sofa fahren – wirkt kostengünstig Wunder. Selbiges soll auch mit Gummihandschuhen möglich sein – die wecken bei mir allerdings eher andere Assoziationen. Natürlich stellt auch eine Fusselrolle eine schöne Alternative dar, wobei man mit so einem Blatt leider nicht besonders weit kommt – grade wenn es um die „Enthaarung“ größerer Bereiche geht.

Auch die Variante mit Klebebandabschnitten über das Sofa zu gehen scheint wenig effektiv. Wir haben uns auch an verschiedenen Gummibürsten versucht. Leider laden sich die damit aus der Couch gebürsteten Haare derart auf, dass sie direkt wieder von der Bürste auf das Sofa springen.

Auch Anti-Haar-Handschuhe mit einer extra Beschichtung haben sich bei uns wenig bewährt. Das einfachste wäre wahrscheinlich gleich auf eine Ledercouch umzusatteln. Nun man könnte auch noch mal die Rudelführertheorie aus dem Hut zaubern und sagen, der Hund habe auf dem Sofa sowieso nichts verloren, da erhobene Plätze nur dem Alphatier gebühren.

Und trotzdem wird man feststellen, dass sich die Haarprobleme nur eine Ebene weiter nach unten – nämlich in Körbchen und auf den Boden – verlagern. Da kann man die Tipps ja auch anwenden, wobei sich bei der Erwähnung des Bodens eine zweite Frage stellt:

Über Sinn und Unsinn spezifischer Staubsauger…

Nämlich die zum Thema Staubsauger. Hier könnte man dann auch gleich eine eigene Abhandlung schreiben. In den zwei Jahren, die das kleine Fellchen nun bei mir wohnt, sind mittlerweile drei Staubsauger – man bemerke Tierhaarstaubsauger (!) – an seinen Haarmassen zu Tode gekommen.

Sicher sind die zum Teil wirklich gut, aber ob die Leistung da den massiven Preis rechtfertig wage ich zu bezweifeln. Seither kaufen wir wieder billigere gebrauchte Modelle. Bei mir fällt die Wahl da meist auf beutellose Sauger. Hier kann man sich in Echtzeit über seine Putzerfolge freuen und hat keine Folgekosten durch teure Beutel. Außerdem hat man so auch nicht Problem der „Scheuerhader“-Geruchsbilder, wenn man mit einem Beutelsauger sehr viele Hundehaare aufsaugt, die dann länger im Beutel verweilen bis zur nächsten Leerung.

Beim Staubsaugerkauf achte ich auch auf die Lautstärke des Gerätes. Weil sich meine Fellnase vor dem Sauggeräusch als solchem fürchtet, kommen auch Saugaufsatzbürsten zur Fellpflege des Hundes, wie kürzlich groß medial beworben, für uns nicht in Frage. Was sich bei uns auch absolut nicht bewährt und somit als Fehlkauf entpuppt hat, sind sämtliche Staubsaugeraufsätze für Möbel und Decken. Dafür ist sein Haar offensichtlich einfach zu drahtig.

AskanFür die schnelle Reinigung zwischendurch greife ich –  wohlbemerkt ich habe Fliesen – gern auf feuchte Bodentücher oder Staubauffangtücher zurück (kleine Anmerkung: Das sollte man das nicht so super oft machen, da in manchen Tüchern manchmal eine Art Enteiser ist, den die Hunde dann an den Pfoten haben wenn sie darüber laufen).

Die ermöglichen es zumindest kurzfristig unangemeldeten Besuch empfangen zu können. In eben einer solchen Situation kam mir einmal der Gedanke, dass es doch auch noch leichter gehen müsste und ich kaufte einen sogenannten Elektrobesen.

Mein Ziel war die Enthaarung meiner gesamten Wohnung in unter 15 Minuten mit möglichst einer Akkuladung ohne den Staubsauger über 80cm² Maisonette schleppen zu müssen. Nur leider ist so ein – wie ich ihn liebevoll nenne – E-Besen dafür nicht die erste Wahl. Er verteilt die Haare nur noch mehr.

Selbiges Problem hat man aber auch mit einem stinknormalen Besen, der die kleinen Haar-Wollmäuse dann einmal mehr quer durch die Wohnung verteilt. Für alle die, deren Vierbeiner vornehmlich auf Teppich haaren: Hier soll das Abreiben des Teppichs mit einem Turnschuh vor dem Staubsaugen phänomenale Ergebnisse liefern. Als nächstes steht die Testung eines Saugroboters oder Saugwischers auf meiner Agenda- vielleicht revolutionieren die ja die hündisch-menschliche Haushaltsführung. 🙂 “

Danke für den ausführlichen Bericht, liebe Isabelle! Wir haben auch regelmäßig ein haariges Problem. Tatsächlich bin ich aber nach wie vor absolut überzeugt von unserem THOMAS Staubsauger, der wirklich bisher jeden Teppich haarfrei bekommen hat.

Zur Unterstützung während des Fellwechsels bekommt Moe den Hokamix. Zusammen mit der Umstellung auf BARF hat und das eine ganze Menge gebracht. Zwar haart Moe nun immer noch – aber eben nicht mehr ganzjährig, so wie früher.

Was sind denn eure Tipps beim Fellwechsel?

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7 Gedanken zu „Gastartikel: Fellwechsel bei Hunden“

  1. Linda ist ja auch so eine Haarbombe, und das ganzjährig! Immerhin schafft ein stinknormaler Staubsauger bei uns für Abhilfe des haarigen Problems…

    Den Furminator kann ich für den Dauergebrauch auch nicht empfehlen, aber wenn Linda besonders stark abhaart und gerade beim Wechsel von Winter- auf Sommerfell benutze ich ihn auch mal. Da entfernt er einfach die sichtbar abgestorbenen braunen Haare besser wie unser Gummistriegel.

    LG Andrea

  2. Sehr schöner und informativer Gastartikel. Ich hole mir gerne Anregungen, um den Fellbergen in meiner Wohnung Herr zu werden. Bisher kommen wir mit dem über 20 Jahre alten Vorwerk Staubsauger, den ich von meiner Mutter übernommen habe, gut zurecht. Hin und wieder swiffer ich den Boden mit den Trockentüchern, aber eher selten. Tja, und das Thema Couch ist auch so eine Sache. Wenn ich sie abgesaugt habe, darf Cabo vllt. 3 Tage nicht mehr hoch und dann war’s das auch schon mit der Konsequenz. Da ich sowieso einmal in der Woche zum Staubsauger greife, ist das alles halb so wild. 😀

  3. Das sind die Beiträge, wo ich mich über Sockes Fell freue. Socke haart nämlich nicht. Den Fellwechsel merken wir nur an der vermehrten Unterwolle, die wir so oder so herausarbeiten müssen….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  4. Richtig schön geschrieben.Werde gleich morgen beginnen einige Deiner Tipps an zu wenden.Wünsche euch weiterhin viel Erfolg beim Kampf gegen die Fellberge 🙂

    Liebe Grüße

  5. Dieser Gastartikel läd wahrlich zum schmökern ein… Musste das ein oder andere mal richtig schmunzeln und die Sache mit den Gummihandschuhen kann ich bestätigen. Wirkt Wunder im Kampf gegen lästige Haare (auch auf Pferdeschabracken… 😉 ) Weiter so, ich würde auch gerne mehr von Dir lesen!!

  6. Hallo an alle ebenso zugehaarten – ich hab hier noch einen Spruch dazu, evtl. ein bisschen unelegant übersetzt aus dem Dänischen:

    „Zuhause ist dort, wo Hundehaare auf allem festsitzen – außer auf dem Hund selbst.“

    Also, ich hab hier ganz viel „Zuhause“ 😀

    LG!

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