Gastartikel: Was ist Canicross und wie geht das?

Gastartikel: Canicross mit Hund

Auf einer Skala der Sportlichkeit von 1-10 wäre ich ungefähr bei -100. Also grob geschätzt. Ich bin froh, wenn ich beim Schuhe schnüren an meine Füße komme und wenn die Treppenstufen, die ich steigen muss, nicht so hoch sind.

Andere sind da anders, interessanterweise. Isabelle zum Beispiel, unsere liebste aller Gastautorinnen, ist eher so die Streber-Sport-Potatoe, im besten Sinne. Weil sie so unheimlich viel ausprobiert, lässt sie uns mal wieder an einer richtig coolen Mensch-Hund-Sportart teilhaben: Am Canicrossen. Was das genau ist und wie man das macht, lest ihr jetzt hier!

Canicross – nur besseres Joggen mit Hund?

„Ohha, da haben wir jetzt die Atombombe des Zughundesportes gezündet, aber seit unserem Start beim Tough Hunter erreichen uns häufiger Fragen, was das Canicrossen denn vom üblichen Joggen mit Wauz unterscheidet. Nun darum geht’s dann wohl heute! 🙂

So kann das aussehen
So kann das aussehen

Gemeinsamkeiten:

Ziemlich augenscheinlich: man läuft mit seinem Hund in schnellerem Tempo als üblich durch die Gegend und trägt im Idealfall Sportklamotten, wobei man versucht innerhalb der  ersten paar Meter kein Seitenstechen zu bekommen.

Unterschiede:

Jogge ich mit Askan, darf er frei laufen. Ich erwarte nichts von ihm. Ob er in der Zeit schnüffelt oder brav bei Fuß läuft, ist mir relativ piepe. Wir haben kein Ziel, sondern bekommen gemeinsam nur den Kopf frei und genießen die Landschaft. Von daher ist seine Ausrüstung auch ziemlich spärlich: nämlich nüscht. Bis zum Wald spazieren wir, dann wird die Moxon vom Hund geschmissen und we are ready to run 🙂 .

Trainieren wir in Sachen Canicross oder auf Deutsch Zughundesport, dann bekommt Askan Kommandos. Die haben wir idealerweise vorher trainiert. Ich habe sogar ein Buch angeschafft und diverse Blogs durchgeackert, das ist also wirklich nicht nur Laufen mit Hund 🙂 .

„Rechts“, „links“, „voran“ und Ähnliches fliegen ihm um die Ohren, während er in seinem speziellen Geschirr vor mir hertrabbt. Und da haben wir aktuell noch nur eine ziemliche einfache Ausrüstung von Ruffwear. Andere haben richtige x-Back-Geschirre und Canicross-Gürtel, die ähnlich wie ein Klettergürtel, an der menschlichen Hüfte befestigt werden.

Bedenkt der Praktiker wie häufig die Joggingleine halb als BH fungieren kann, macht die zusätzliche Sicherung um die Beine definitiv schon allein aus diesem Grund Sinn.

Doch warum überhaupt mit Hund schneller als nötig laufen?

  1. „Keine Zeit für den Weltuntergang, denn ihr müsst eh mit dem Hund raus?“ Perfekt, dann kann man auch direkt
    Auf geht's!
    Auf geht’s!

    gemeinsam joggen und was für das allgemeine Wohlbefinden tun 🙂

  2. Man brauch nicht ewig nach einer Laufgruppe suchen, in der eh irgendwie alle schneller sind als man selbst und man die Hälfte nicht leiden kann, denn man hat den idealen Trainingspartner zuhause 🙂
  3. Grade in der dunklen Jahreszeit vermittelt der Wauzer an der Seite schon eine gewisse Sicherheit beim Laufen.
  4. Es macht einfach unwahrscheinlich Spaß 🙂
  5. Die Motivation steigt, wenn man versucht den Hund einzuholen und an seine Grenzen geht.
  6. Eure Gesundheit von Fitness bis hin zum gestärkten Immunsystem profitiert enorm davon 🙂
  7. Single? Nicht mehr lange J Nicht nur, dass Hundebesitzer attraktiver wirken – auch sportliche Menschen wirken anziehend. Dann seid ihr als joggende Hundemenschen ja gleich attraktiv zum QUADRAT – Stark 🙂
  8. Dein Hund drückt dir keinen blöden Sprüche wenn du abkackst, sondern ermöglicht dir durch Piesel- und Schnüffelphasen sogar noch heimliche Pausen 🙂
  9. Laufen könnt ihr überall ohne Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio oder aber außerhalb der Kurszeiten 🙂
  10. Schon fünf Minuten Joggen täglich erhöhen die Lebensdauer um drei Minuten. Also lauft, lauft, lauft 🙂

Gibt’s eigentlich auch Nachteile?

Egal ob Canicross oder gemeinsames Joggen: achtet auf die Bedürfnisse eures Hundes. Für die Zeit des Trainings müssen sie mit ihrer Aufmerksamkeit bei euch sein und sich auf euch konzentrieren oder bei entspanntem Joggen zumindest den Anschluss nicht verlieren.

Konzentration muss sein, Pausen aber auch
Konzentration muss sein, Pausen aber auch

Deshalb ist es nur fair, anderweitig Zeit für Hundekontakte, Schnuppern, und Spiel zu lassen. Zudem kann der Jagdinstinkt einiger Hunde zu rasanten Renntouren führen. Auf lange Sicht gesehen können die falsche Ausrüstung und ein doofer Laufstil sowohl bei Hund als auch bei Halter zu Rückenproblemen und Schwierigkeiten mit den Gelenken führen.

Ruckt ihr beispielsweise den Hund beim Laufen einfach am Halsband mit, weil er zum Schnuppern oder Pieschern stehen bleibt, riskiert ihr die Stauchung seiner Halswirbelsäule. Deshalb solltet ihr da wirklich gut auf euch achten und euch auch mal trauen, ein Fachbuch dazu in die Hand zu nehmen.

Tipps für Einsteiger in Sachen Joggen 🙂

  1. Lasst euch und euren Wauzer vorher gut und gründlich durchchecken, damit der Sport nicht zum Sterben mit Anlauf wird. Hunde mit langem Rücken und kurzen Beinen, so wie Askan, sollten besondere Aufmerksamkeit bekommen. Welpen sind bis sie ausgewachsen sind als Trainingspartner übrigens tabu!
  2. Investiert um Himmels Willen in die richtige Ausrüstung: Sport-BH, Trailschuhe und Co –  alles sollte gut sitzen. Nicht nur an euch, sondern auch am Hund 🙂
  3. Wärmt euch gut auf und vergesst beim Einsteigen das Lauf-ABC nicht.
  4. Verabschiedet euch von unrealistischen Zielen. Ihr seht nach drei mal Joggen nicht aus wie Heidi Klumm, aber mit etwas Ausdauer verändert sich an eurer Figur wirklich was 🙂
  5. Fangt langsam an und steigert euch sukzessive.
  6. Mit Musik geht’s manchmal ein wenig schneller und es fällt etwas leichter in einem Rhythmus zu laufen…
  7. Gut, manche machen das nicht, aber ich habe einen Atemrhythmus auf den ich mich am Anfang konzentriere und zwar so sehr, dass ich die ersten zwei Kilometer meistens gar nicht bewusst mitschneide.
  8. Esst vorm Lauf eine Banane und trinkt etwas, sonst lauft ihr sprichwörtlich Gefahr umzufallen. Außerdem belastet so ein Banänchen euren Körper nicht.
  9. Magnesium und Traubenzucker sind tolle Begleiter auf langen Strecken.
  10. Die Geschwindigkeit ist egal. Vorwärts ist vorwärts!
  11. Damit ihr auch lange was von eurer tollen Funktionskleidung habt, sollte ihr sie nicht mit Weichspüler waschen. Manche stellen sich direkt mit Klamotten unter die Dusche, um die Fasern nicht zu belasten. Sportwaschmittel sollte aber auch gehen 🙂
  12. Beschäftigt euch mit dem Thema und folgt einem Laufblog oder auf Youtube Interviews von Läufern.
  13. Schützt eure Technik. Euer Schweiß macht die nämlich auf Dauer kaputt.
  14. Nutzt eine App. Runtastic motiviert mehr als man vorher meinen mag.
  15. Studien besagen, dass man abends eine bessere Leistung bringt als morgens.
  16. Zieht euch früh schon einen Sport-BH oder eure Sportsocken an – bei meiner Motivation hat das Wunder gewirkt.
  17. Meldet euch für einen Lauf an. Das Rennen wird erst nach einem Monat wirklich zur Routine. So eine Anmeldung motiviert ungemein, um auch bei der Sache zu bleiben. 🙂
  18. Ein bis zweieinhalb Stunden Joggen in der Woche bei circa 8 km/h sind die optimale Dauer für einen Hobby-Sportler um fit zu werden.
  19. Steigert entweder die Streckenschwierigkeit oder aber die Länge. Beides auf einmal führt nur zu Frustrationen.
  20. Trinkt ihr vorher ein Glas Wassermelonensaft, bellt der Muskelrüde im Nachgang nicht so arg. Ein Glas Rote-Beete-Saft erhöht übrigens eure Ausdauer. Genauso wie Sex am Abend vor einem Wettkampf 🙂
Elementar wichtig: Eine gute Ausrüstung
Elementar wichtig: Eine gute Ausrüstung

… und für Einsteiger im Canicross?

Ein Hund ist in der Lage das Drei- bis Fünffache seines Körpergewichtes zu bewegen. Er hat Allrad, liegt gut in der Kurve und hat eine ziemlich unübertreffbare Bodenhaftung – wieso sollte man das also nicht nutzen? Beim Canicross ist die geleistete Zugkraft des Hundes im Vergleich zu Scootern und Co am geringsten und daher auch für weniger fitte oder kleine Hunde geeignet.

Zughundesport – egal ob Canicross oder Dogscootern – stärkt die Muskulatur und Sehnen des Hundes. In Kombination mit einer schönen Aufwärmung und moderater Belastung wird dies häufig bei Hunden mit HD oder aber Neigung zur HD empfohlen. Schon allein aus diesem Grund macht es Sinn, das soziale Lauf-Raub-Tier Hund entsprechend sportlich auszulasten.

Doch kann die ziehende Hilfe des Pelztieres bergauf noch sehr willkommen sein, kann es bergab zu zusätzlichen Belastungen der Kniescheiben mitsamt Meniskus des Halters kommen. Aus diesem Grund sollte ein guter Blick auf das Training geworfen werden.

Doch wie beginnt mans? Nun ja da gibt’s mehrere Möglichkeiten:

  • Hund an das Geschirr gewöhnen. Einspannen und zu einer Personen laufen lassen, die er gern mag, während das Kommando antrainiert wird.
  • Hund an das Geschirr gewöhnen. Futternapf einige Meter entfernt stellen. Einspannen, laufen lassen und Kommando trainieren.
  • Unsere Variante: mit anderen Mensch-Hunde-Teams joggen, da klappt zumindest das Verständnis von „Zug auf der Leine ist okay“ ziemlich schnell, ziemlich einfach.

Wie so immer führen viele Wege nach Rom oder zu einem ziehenden Hund. Informiert euch, lest und probiert aus 🙂 . Wir können bspw. folgendes Buch empfehlen: „Zughundetraining“ von Brigitta K. Edelmann.

Sollte der Hund so gar nicht zum Ziehen zu motivieren sein, ist es auch möglich, dass die Ausrüstung nicht gut sitzt, drückt oder scheuert. Ihr würdet schließlich auch nicht ziehen wollen, wenn es unangenehm wäre.

Worauf sollte man im Training achten?

Wenn die Mutti mit dem Hundi…
Wenn die Mutti mit dem Hundi…

Da Hunde in der Regel eine schnellere Geschwindigkeit an den Tag legen als wir Menschen auf zwei Beinen, sollten eure Vierbeiner per se erstmal vor Freude jubeln, dass ihr euch schneller bewegen wollt. Ob nun strukturiertes Training in Sachen Canicross oder entspanntes Joggen in beiden Fällen sollte Hund vorher erwärmt werden – man kann es nicht oft genug sagen.

Der Rücken muss gestreckt und gedehnt werden, aber auch die Hinterhandmuskulatur sollte ordentlich warm sein (beispielsweise durch das hoch und runter rennen von kleinen Steigungen). Dann solltet ihr unbedingt auf die Temperaturen achten. Ist es warm, erreichen asphaltierte Böden oftmals unmenschliche und vor allem wenig pfotenfreundliche Temperaturen, sodass oftmals 18 Grad Außentemperatur als magische Grenze zu lesen ist.

Im Winter sollte der Hund erstmal ein paar Minuten im Garten oder an der frischen Luft verbringen eh es los geht, damit sich die Gelenke an die Temperaturen gewöhnen können. Da sind wir gleich beim nächsten Punkt: lauft bitte über Wiesen, Waldböden und Felder und nicht ständig über Asphalt. Nicht nur für euren Hund, sondern auch für eure Gelenke!

Aber doch noch mehr für den Hund, denn während ihr die schicken Trailschuhe spazieren führt, läuft eurer Partner ungedämpft. Da Hunde kaum schwitzen, überhitzen sie insbesondere bei Anstrengung schnell. Habt deshalb genügend Wasser dabei. Glaubt mir wenn ihr Giardien und die Folgen einer Ansteckung mit diesem Teufelszeug im Kopf habt, wollt ihr nie aber auch wirklich nie wieder, dass euer Hund aus einer Pfütze trinkt.

Übrigens ist beim Trinken aus Pfützen auch die Ansteckung mit Leptospirose möglich. Also Pfoten und Schnauze weg und frisches Wasser einpacken! 🙂 Dass vor allem großen aber insgesamt alle Hunde aufgrund der Gefahr einer lebensbedrohlichen Magendrehung nie mit vollem Bauch und frisch gefüttert rennen sollten, versteht sich von selbst :-).

Mit Blick auf eben diese Gefahr solltet ihr auch eher verbal loben als Leckerlis en masse in das Hundetier zu packen – zumindest, wenn die anfänglich notwendigen Kommandos schon sitzen. Trainiert ihr mit eurem Hund auf Wettkämpfe oder allgemein ziemlich straff, beachtet das bitte auch bei der Futterzusammensetzung, um den gesteigerten Energiebedarf auch zu decken.

Was ist mit den Pfötchen?

Die Pfoten müssen immer gut kontrolliert und gepflegt werden
Die Pfoten müssen immer gut kontrolliert und gepflegt werden

Ähnlich wie bei uns Menschen tragen die Hundepfoten das ganze Gewicht nur mit dem wenig marginalen Unterschied, dass sie nicht durch Schuhe geschützt sind. Zwar ist die Haut an den Pfoten in etwa 50x dicker, trotzdem können Grannen, Scherben, heißer Asphalt oder Streusalz im Winter ihnen leider arg zusetzen.

Aus dem Grund solltet ihr die Pfötchen nach jedem aber wirklich jedem Lauf gut auf Verletzungen kontrollieren, sie mit lauwarmem Wasser sauber machen und vielleicht mit einer kleinen Salbe geschmeidig halten.

Die ist vor allem im Winter Gold wert, um Risse zu vermeiden, und kann ganz einfach aus Kakao-Butter und Bienenwachs selbst hergestellt werden (zum Rezept geht es hier). 🙂

Kontrolliert aber bitte nicht nur die Ballen auf Risse und Schnitte, sondern auch die Ballenzwischenräume.

Hier können Verletzungen durch Wärme und Feuchtigkeit schnell eitern. Bei schwierigen Bodenverhältnissen kann man auch auf Booties zurückgreifen, wobei sich Booties aus Fleece oder dünnem Cordura wohl hinsichtlich der Eigenschaften und Packbarkeit als am günstigsten erweisen können. :-)“

Der lieben Isabelle könnt ihr übrigens auch ganz direkt und ohne Umweg über uns folgen: Auf Verwauzt und Zugebellt bloggt sie über Herrn Pfotenschön und ihre Erlebnisse.

*Fotolia: canicross #100365409 | melounix
Alle weiteren Fotos: © Isabelle Koschek

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2 Gedanken zu „Gastartikel: Was ist Canicross und wie geht das?“

  1. Danke für diesen schönen Beitrag! Eigentlich hab ich rein geklickt, weil mich Canicross für meinen jungen Rüden interessiert und ich eh ganz gerne mal joggen gehe. Ich werde mir mal deinen Buchtipp zu Gemüte führen und schauen, ob das was für ihn wäre 🙂 Und dann entdecke ich das tolle Salbenrezept für die Pfoten ! PERFEKT 🙂 Ich suche nämlich seit einiger Zeit für meine ältere Hündin da etwas auf natürlicher Basis, das auch hilft und die Pfoten (und vielleicht auch Krallen) geschmeidiger macht.




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