Gastartikel: Feuerwerk mit Blindfisch und tauber Nuss – Silvester mit Hund

Feuerwerk mit Blindfisch und tauber Nuss

Silvester ist für die meisten Hundebesitzer vor allem eins: Stressig und nervenaufreibend. Denn viele Fellnasen kommen mit dem Feuerwerk, teilweise schon Tage vorher, überhaupt nicht zu Recht. Manche von ihnen erschrecken sich „nur“, wieder andere verfallen in blinde Panik und sind nicht mehr ansprechbar.

Nicht umsonst wird immer wieder darauf hingewiesen, den Hund zu der Jahreszeit nur noch an der Leine zu führen, um ein Ausbüxen zu verhindern.

Auch dieses Jahr konnte ich wieder einige Bloggerkolleginnen motivieren, mir von ihren Silvester-Erfahrungen zu berichten. Letztes Jahr ging es hauptsächlich um das Thema Angst, dieses Jahr wird es etwas allgemeiner (Hier geht es zu der Serie: Silvester mit Hund).

Wir werden auch den ein oder anderen dabei haben, der es durch Training geschafft hat – denn es gibt tatsächlich Hunde, denen die Knallerei nichts ausmacht.

Starten wird Sandra von dem Blog „dreipunktecharlie“. Sandra lebt mit Lis und Charlie zusammen, die auch an Silvester sehr unterschiedlicher Meinung sind: Während Lis Feuerwerk total egal ist, ist Charlie, ähnlich wie Moe, ein kleines Wrack – was sich aber deutlich gebessert hat.

Feuerwerk mit Blindfisch und tauber Nuss

„Ich bin ein sehr verwöhnter Hundehalter. Ich hatte vor Charlie immer Hunde, die gerne Silvester gefeiert haben bzw. denen Feuerwerk egal war. Mit Lis haben wir schon im Garten gestanden und fast eine halbe Stunde lang Feuerwerk geschaut! Lis ohne Leine, immer in meiner Nähe und tiefenentspannt. Das war sogar, bevor sie alterstaub wurde.

Und mit Charlie änderte sich alles. Durch seine PRA (Progressive Retina Atrophie, beginnend mit Nachtblindheit, endend mit Blindheit) ist er relativ schreckhaft. Und Feuerwerk ist sein liebster Feind.

Die Erkenntnis

Meine Eltern wohnen in der Nähe eines Schlosses, das als Hotel stark für Veranstaltungen gebucht wird. Das bringt mit sich, dass mindestens einmal im Monat dort Feuerwerk veranstaltet wird. (Irgendwie scheint der zuständige Beamte für Sondergenehmigungen hier großzügig zu sein.)

Charlies erste Begegnung mit Feuerwerk fand bei meinen Eltern statt. Wir waren dort zum Essen, unterhielten uns und nahmen eigentlich nur nebenbei zur Kenntnis, dass es mal wieder krachte und knallte. Als Anwohner gewöhnt mich sich an so etwas. Und dann fiel mein Blick auf Charlie: Sabbernd, panisch, außer sich.

Ich habe dieses Verhalten im ersten Moment überhaupt nicht mit dem Feuerwerk in Verbindung gebracht! Ich rief ihn also zu mir um zu schauen, ob ihm schlecht ist oder ähnliches. Negativ. Als der nächste Knall zu hören war, zuckte er zusammen und speichelte noch stärker. Die bittere Erkenntnis: Das Feuerwerk war der Auslöser.

Mein Umgang damit

Da ich nicht viel von Trösten und Ablenken halte, war mein Umgang mit Charlies Verhalten während dieses ersten gemeinsamen Feuerwerks relativ unspektakulär: Ich habe ihn angeleint und ansonsten ignoriert. Meiner Mutter tut so etwas immer leid, sie möchte lieber „richtig helfen“. Da es aber schwer ist, ihm Feuerwerk zu erklären und ich Sorge habe, das Aktionen sein Verhalten (negativ) bestärken könnten, beschränke ich mich auf anleinen, damit er in meiner Nähe ist, und ignorieren. Ich mache ganz normal weiter in der Hoffnung, dass er erkennt, dass keine Bedrohung vorliegt.

Ich hatte nach diesem Vorfall die Idee, eine CD mit Geräuschen zur Desensibilisierung zu kaufen. Diese lief dann tagelang zu Hause, führte aber zu nichts. Die CD schien Charlie als künstliche Geräuschquelle zu erkennen und nach einer ersten kurzen Unsicherheit reagierte er überhaupt nicht mehr darauf.

Weitere Knall-Erlebnisse

Nach diesem Vorfall blieben wir bis Silvester von weiterem Feuerwerk verschont. Silvester feiern wir traditionell mit unseren Hunden zusammen, ich habe es noch nie über mich gebracht, die Hunde an Feiertagen alleine oder bei unserem Hundesitter zu lassen. Sie gehören für mich zur Familie und ich richte mich so ein, dass sie dabei sein können. Unser erstes Silvester mit Charlie verbrachten wir bei unserem Stamm-Italiener, dort waren wir nur zum Essen und sind vor Mitternacht nach Hause gefahren. Während des Feuerwerks blieben wir im Haus und stießen gemeinsam an. Lis entspannt wie immer, Charlie wieder nervös sabbernd. Ich leinte ihn wieder an und ignorierte tapfer.

Was mir wichtig ist, ist dass Charlie sowohl an Silvester als auch an Neujahr im ersten Jahr von mir wieder doppelt gesichert wurde: Er trug an diesen Tagen Geschirr und Halsband und wurde auf Spaziergängen nicht abgeleint. Das Risiko, dass er sich erschrecken und abhauen könnte, war mir zu groß. Und man kennt es ja zu Genüge, dass vorher und nachher kräftig geböllert wird.

Das Jahr über hatten wir das Pech oder Glück, je nach Sichtweise, immer dann bei meinen Eltern zu sein, wenn im Schloss wieder gefeiert wurde. Und jedes Feuerwerk löste bei Charlie anfangs wieder die Stressreaktion aus. Dadurch, dass es den Sommer über allerdings immer mal wieder passierte, beruhigte er sich schneller und war nicht mehr ganz so panisch.

Gemütlich beieinander
Gemütlich beieinander

Silvester Nummer 2

Unser zweites gemeinsames Silvester verbrachten wir bei Freunden, die selber einen Hund haben und weitere Freunde mit Hund eingeladen hatten. 4 Hunde und eine gut gelaunte Truppe. Um kurz vor Mitternacht passierte jedoch etwas, dass ich so weder erwartet noch eingeplant hatte: Sowohl meine Freundin als auch die weitere anwesende Hundehalterin leinten die Hunde an und gingen in den Keller. Die Männer blieben im Wohnzimmer bzw. gingen nach Draußen.

Ich saß etwas irritiert mit Charlie und Lis herum. Warum in den Keller? Würde das bei Charlie nicht die Panik verstärken? Wenn ich schon bei Feuerwerk in den Keller gehe, dass muss es doch für ihn ein Zeichen sein, dass etwas Schlimmes passiert, oder? Denn sonst gehen wir ja auch nicht angeleint in den Keller. Also Nein! So etwas mache ich mit meinen Hunden nicht. Jeder Hundehalter sollte selber entscheiden, was für ihn und seinen Hund der beste Weg ist, für mich ist es jedoch keine Variante, dem Problem auszuweichen.

Ich setze mich also mit Charlie uns Lis im Wohnzimmer auf den Boden und harrte der Dinge, die kommen sollten. Knallen, Pfeifen, Zischen. Lis kuschelte sich an mein Bein und schlief selig, Charlie lag angeleint neben mir uns sabberte still vor sich hin. Nicht mehr und nicht weniger. Kein Zittern, kein Aufstehen, keine große Panik. Ich war sehr zufrieden mit meinem kleinen Blindfisch.

Und als das Feuerwerk dann vorbei war, folgte eine Belohnung: Die beiden anderen Hunde kamen aus dem Keller zurück und das kleine Rudel begrüßte sich untereinander sehr freudig. Charlie beendete also das Feuerwerk mit einem positiven Erlebnis.

Knalleffekte ohne Leine

In diesem Jahr erwischte uns ein Feuerwerk des Schlosses eiskalt: Während eines Spaziergangs auf den Wiesen bei meinen Eltern, Charlie ohne Leine. Nach 22 Uhr, nahezu dunkel. Die erste Rakete stieg und knallte und ich schreckte kurz auf: „Was macht Charlie?“ Charlie hörte die Rakete genauso wie ich uns unterbrach sofort sein Schnüffeln. Hob den Kopf, drehte ihn hektisch Hin und Her.

Zweite und dritte Rakete, dann weitere, wie bei großen Feuerwerken üblich. Charlie wurde sichtlich nervös, war gute 10 Meter von mir entfernt. Ich pfiff kurz, damit er ran kommt, hatte aber wenig Hoffnung, dass es funktionieren würde, da er bei Stress meist erst zu einer eigenen Erkenntnis kommen muss, bevor er die Beine wieder bewegen kann. Meist bleibt er stehen, dreht hektisch den Kopf, versucht die Bedrohung zu lokalisieren und erst wenn er das geschafft hat, kommt er zu mir. Doch der Pfiff erfolgte zufällig zu einem guten Zeitpunkt, er unterbrach sein Verhalten und kam zu mir.

Ich ließ ihn sitzen und belohnte wie üblich. Er sabberte noch, ansonsten schien er ruhiger zu werden. Da die Wiesen sehr weitläufig sind, keine Bedrohung durch Autos besteht und Charlie blind den Weg zu meinen Eltern findet, entschied ich, ihn dieses Mal nicht anzuleinen.

Ich behielt ihn im Kommando Fuß und wir gingen ohne Leine bis zum Haus meiner Eltern zurück. Charlie war zwar nicht entspannt, aber auch nicht mehr panisch und folgte vorbildlich! Das sind die Momente, in denen ich vor Stolz platzen könnte!

Lis und Chalie
Lis und Chalie

Silvester Nummer 3 steht vor der Türe

Auch dieses Jahr werden wir im kleinen Kreis feiern. Zu Hause oder bei Freunden, gemeinsam mit den Hunden. Und ich bin wahnsinnig zuversichtlich, dass Charlie es gut meistern wird!“

Alle Fotos: ©Sandra Musculus, dreipunktecharlie

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4 Gedanken zu „Gastartikel: Feuerwerk mit Blindfisch und tauber Nuss – Silvester mit Hund“

  1. Wir verreisen dieses Jahr über Silvester und wollen so der Knallerei entkommen. Unsere beiden Hunde verhalten sich komplett unterschiedlich zu Silvester. Einer schläft durch der andere zittert schon Tage davor. Unsere Katze liebt übrigens Silvester und versucht an der Fensterscheibe die Lichter zu fangen 😀

    Haben auch schon alles durch von Silvesterraketenklängen die wir zur Vorbereitung abspielten, Omas Eierlikör bis hin zum eigenen Hundebunker bauen… Mal sehen ob es diesmal mit dem Verreisen klappt ^^




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  2. Armer Charlie, er kann das halt nicht einordnen. Unsereiner sieht so ein Feuerwerk ja und auch andere Hunde sehen es. Dadurch, dass er es räumlich nicht einordnen kann, das knallt ja ordentlich, erschreckt es ihn sicher noch deutlich mehr.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva




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  3. Das klingt doch nach einer guten Besserung 🙂 Ich denke, dass es bestimmt entspannter für ihn wird und drücke auch dafür die Daumen.
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron




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  4. Mein Nike hat ganz schreckliche Angst vor der Knallerei, es ist kaum möglich mit ihm raus zu gehen 🙁 Vor dem anstehenden Jahreswechsel fürchte ich mich schon jetzt 🙁

    Den Artikel hier habe ich sehr gerne gelesen, danke dafür wobei ich die Bezeichnung Taube Nuss unmöglich finde! Wenn dann nennt man einen Hund mit einem solchen Handicap „Täubchen“ aber taube Nuss? Das klingt sehr abwertend dem Hund gegenüber! 😞

    Liebe Grüße und einen schönen zweiten Advent,

    Heike




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  1. Gastbeitrag bei Moe & Me | dreipunktecharlie

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