Gastartikel: Ernährung und Verhalten beim Hund – gibt es da einen Zusammenhang?

Gastartikel: Ernährung und Verhalten beim Hund

Ich darf euch endlich einmal wieder einen Gastartikel präsentieren und das Thema finde ich selber wahnsinnig spannend. Leider fehlen mir die notwendigen Kompetenzen. Umso mehr freue ich mich, dass Kirsty das Wort hat. 🙂

Kirsty ist die Inhaberin von Bello’s Küche, einer kleinen Hundekeksmanufaktur hier im Norden, knappe 1,5 Stunden von uns entfernt. Kirsty backt nicht nur für ihre Hündin Isis, sondern auch für alle anderen Vierpföter. 🙂

Isis ist auch Schuld daran, dass Kirsty nicht nur Hundekekse backt und eine Trainerausbildung bei Ziemer & Falke gemacht hat, nein, Kirsty ist auch Hundeernährungsberaterin.

Und in genau dieser Funktion schreibt sie heute bei uns über das Thema: Welche Auswirkungen hat eigentlich die Ernährung unseres Hundes auf sein Verhalten?

Gastartikel: Ernährung und Verhalten bei Bello – gibt es einen Zusammenhang?!

„Unsere Bellos können wir mit der Ernährung auch etwas im Verhalten lenken. Spezielle Hormone, Vitalstoffe, Aminosäuren und die Höhe des Proteins im Futter können einen bestimmten Einfluss haben.

In diesem Artikel gebe ich einen kleinen Einblick in das komplexe Thema. Man muss natürlich immer das große Ganze betrachten. Es gibt kein allgemeines „Rezept“, jeder Bello ist individuell und sollte auch so betrachtet werden.

Gastartikel von Bello's Küche
Gastartikel von Bello’s Küche

Was in der Ernährung kann das Verhalten von Bello beeinflussen?

Magnesium (Mengenelement):

Magnesium ist das „Nervensalz“ unter den Mengenelementen. Es dämmt die Erregungsweiterleitung der Nerven und mindert daher den Stress. Durch Magnesium kann unser Bello leichter mit Stress umgehen und bleibt gelassener.

Zudem hilft dieses Mengenelement bei der Muskelentspannung- also auch wichtig für die sportlichen Vierbeiner. Magnesium kann im Organismus nur mit Hilfe von Vitamin B6 und B1 aufgenommen werden und benötigt zusätzlich Selen, Zink und Vitamin E.

Vorhanden u.a. in: Quinoa, Hirse, Amaranth, Brennnessel, Haferflocken und Nüssen (die für Bello geeignet sind).

Vitamin B-Komplex:

Diese Vitamine werden in jeder Zelle benötigt, im Gegensatz zu anderen Vitaminen.  Da sie diese Vitamine wasserlöslich sind, können diese kaum gespeichert werde, zudem sind sie auch Kälte-, Hitze- und Luftempfindlich. Daher müssen diese immer ausreichend  verfüttert werden.

Sie unterstützen die Funktion des Nervensystems und wirken positiv auf die Stimmung und Konzentration. Zudem werden die Nerven gestärkt. Bei nervlicher Anspannung oder besonderem Leistungsdruck werden noch mehr dieser Vitamine benötigt.

Ein Mangel kann folgende Symptome verursachen: Störungen des Zentralnervensystems, Nervenerkrankungen, Übersensibilität und Depressionen.

Vorhanden u.a. in: Bierhefe, Feldsalat, Huhn, Pute, Grünkohl, Endiviensalat, Spinat, Weizenkeime.

Protein:

Ein zu hoher Proteingehalt des Futters kann Auswirkungen auf das Verhalten von Bello haben. Dr. Roger Mudford wies nach, dass eine Reduktion des Proteins von 15-18%  im Futter das aggressive Verhalten unserer Vierbeiner reduzieren kann.

Viele Hundehalter können dies bestätigen und wir zählen auch dazu. Oft wird hoher Proteingehalt gleichgesetzt  mit guter Qualität des Futters, was aber nicht der Fall sein muss. Der Gehalt soll individuell auf deinen Bello angepasst werden.

Der Proteingehalt des Futters kann gerne höher als der Erhaltungsbedarf sein. Der Körper benötigt permanent Protein, denn jede Zelle besteht aus Protein bzw. aus deren Aminosäuren. Zudem sollte auf die Qualität des Proteins geachtet werden. Je höher diese ist, umso weniger muss gefüttert werden.

Wie wirkt sich die Ernährung auf das Verhalten unseres Vierbeiners aus?
Wie wirkt sich die Ernährung auf das Verhalten unseres Vierbeiners aus?

Eine Abwechslung der Fütterung von Protein ist auch notwendig, da somit die Versorgung von den 22 Aminosäuren gewährleistet ist. Wenn zu wenig Fett und Kohlenhydrate gefüttert werden, nimmt der Körper die Energie aus Protein.

Zwei Probleme können daraus entstehen: Wenn die Energie aus dem Protein gezogen wird, kann dabei ein Mangel an Protein bzw. an den Aminosäuren entstehen und es fehlt beim Aufbau der Zellen. Zudem kann es zur Gewichtsabnahme kommen, da es den Körper Energie kostet, aus Protein Energie zu erzeugen.

Hormone und Aminosäuren:

Dopamin ist eine Art Hormon –Neurotransmitter- und leitet Signale zwischen Neuronen weiter. Zudem ist es für die Steuerung von körperlichen und geistigen Bewegung zuständig. Durch ein hohes Maß an Dopamin werden Empfindungen und Gefühle stärker wahrgenommen und unser Bello kann immer weniger zwischen unwichtigem und wichtigem unterscheiden.

Er wird unruhig, sein Verhalten ist voller Emotionen und Bello verhält sich eher unüberlegt – Reizüberflutung. Dopamin wird aus den Aminosäuren L-Phenylalanin und L-Tyrosin hergestellt. Es ist vor allem in Eiern, Fisch, Fleisch (Rind, Wild, Herz und Innereien), Milchprodukten, Nüssen, Getreide und Hülsenfrüchten enthalten.

Serotonin, die „Glücksdroge“, ist der Gegenspieler von Dopamin und ist auch eine Art Hormon-Neurotransmitter. Ein Mangel kann zu Entstehung von Aggression, Impulsivität, unsozialem Verhalten, Hyperaktivität, Angst und Lernschwierigkeiten führen.

Serotonin, die Glücksdroge
Serotonin, die Glücksdroge

Zum Aufbau von Serotonin wird die Aminosäure L-Tryptophan benötigt, es ist davon eine Vorstufe. Tryptophan hat ein höheres Vorkommen in Lamm, Schaf, Ziege, gekochten Schwein, Dorsch, Seelachs und Banane. Generell sollte das Eiweiß reduziert und auf Futtermittel mit hohen Tryptophangehalt umgestellt werden.

Tryptophan wird über die Blut-Hirn-Schranke aufgenommen, dafür wird aber Insulin, also Kohlenhydrate, benötigt und unter anderem muss genügend Magnesium, Vitamin B6 und Folsäure zur Verfügung stehen. Dann wird das Tryptophan im Gehirn in Serotonin umgewandelt.

Oxytocin ist ein „Kuschelhormon“,  zuständig für Muttergefühl e und für das Gefühl von Geborgenheit.  Es kann Blutdrucksenkend, angstlösend, beruhigend und entzündungshemmend wirkend und  erhöht zudem die soziale Kompetenz, erhöht das Vertrauen und bessert die Verdauung.

Es wird vor allem bei Körperberührungen ausgeschüttet,  wie streicheln und sanften bürsten. Also wenn du deinen Bello in einer entspannten Atmosphäre streichelst, sind du und dein Bello entspannt. Tolle Wechselwirkung. 🙂 Das ist auch der Grund warum das Thundershirt* bei Bello so gut funktionieren kann.

Haltung:

Unsere Bellos benötigen natürlich genügend körperliche, aber auch geistige Auslastung. Er muss genug Bewegung bekommen und natürlich auch der Kopf muss gefordert werden. Wenn er aber zu wenig Ruhe bekommt, kann sich das wiederum negativ auswirken.

Unsere Bellos benötigen genügend Schlaf und Ruhe. Die Rollen in der sozialen Gruppe sollten für Bello auch klar strukturiert sein. Es sollte für Bello klar sein, wer die Führung hat. Wenn diese Führung wackelt oder unkonkret ist, ist Bello ständig im Stress und unter Strom, da er nicht weiß, wo er steht.

Wenn Beschäftigung und Schlaf sich die Waage halten, ist alles in Butter
Wenn Beschäftigung und Schlaf sich die Waage halten, ist alles in Butter

Zudem finden unsere Vierbeiner klare Struktur und Rituale super. Dies entspannt sie und sie wissen am Tag woran sie sind. Das heißt natürlich nicht, dass Urlaub und sonstige Abwechslungen nicht mal super sind. Zu guter Letzt sollte natürlich die Erziehung nicht fehlen. Wenn das alles stimmt, kann dann die Ernährung eine Hilfe sein.

Fazit

Gewisse Futtermittel können einen Einfluss auf das Verhalten haben. Das Thema ist sehr komplex und zudem noch in der Forschung. Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse. Die Hundeernährung  ist extrem spannend und dieser Artikel soll einen kleinen Einblick in das Thema geben.“

Vielen Dank, liebe Kirsty. Das Thema ist wirklich komplex und ich danke dir, dass du uns einen Einblick gegeben hast!

*Affiliate-Link (Was ist das?)
Bildrechte: Bild 1, 3 & 4: Fotolia, Bild 2: Kirsty Lucius

Folge uns bei Pinterest

Kommentieren

1 Gedanke zu „Gastartikel: Ernährung und Verhalten beim Hund – gibt es da einen Zusammenhang?“

  1. Das ist ja mal ein interessanter Ansatz. Hab darüber ehrlicherweise noch nicht nachgedacht… Aber den letzten Punkt, Hunde brauchen viel Schlaf, kann ich bestätigen: Wenn Bobby nicht genug pennt, ist er echt anstrengend. *g*

    Lieben Gruß
    Anika




    0

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*