Entschuldigen Sie meine Paddeligkeit.

Entschuldigen Sie meine Paddeligkeit

Wer mit Moe und mir unterwegs ist, muss eines sein: Ganz tapfer. Und damit meine ich nicht, dass euch Moe bei der nächsten Gelegenheit anfällt und euch anknabbert.

Nein – Moe und ich haben ein ganz anderes Problem. Meines ist sogar noch schlimmer ausgeprägt als bei ihm und genau genommen habe ich davon sogar schon einmal berichtet: Wir sind zwei richtig ungeschickte Individuen.

Entschuldigen Sie meine Paddeligkeit.

Ungeschicklichkeit, kurz: Paddeligkeit, kann, je nach Auffassung des Gegenübers, extrem sympathisch oder extrem nervig sein.

Ungeschicklichkeit, kurz: Paddeligkeit, kann, je nach Auffassung des Gegenübers, extrem sympathisch oder extrem nervig sein.
Entschuldigen Sie meine Paddeligkeit.

Ich verstehe das gut, bin ich doch meist ebenso genervt von mir selbst (bei anderen finde ich es zu 90% sympathisch).

Leider ist die Verletzungsgefahr sehr groß. Ist man paddelig, passieren einem Dinge, die anderen niemals passieren würden – und wenn man davon erzählt, wird einem nur selten geglaubt.

Besonders schön ist es, dass Moe und ich dieses Schicksal teilen. Es wäre so unglaublich demütigend, wenn nur mir diese Dinge passieren würden (das Herrchen steht absolut über allem. Sehr selten nur passiert ihm etwas wirklich Peinliches).

Moe und ich teilen das Schicksal der Ungeschickten. Und genau genommen hat es sogar einige Vorteile, so dösbaddelig zu sein.

Wieso perfekt, wenn es anders geht?

Nehmen wir ein einfaches Beispiel. 2 Menschen treffen sich, der eine stolpert. Oder verschluckt sich, oder was auch immer. Zack, ist die Stimmung aufgelockert.

Es gibt doch keinen besseren Eisbrecher, als jemanden versehentlich im Gespräch anzuspucken. Zugegeben, nicht alle reagieren darauf so locker, aber, wenn man mal ehrlich ist: Jemand, der damit nicht umgehen kann – den will man doch eigentlich nicht als Bekannten. Oder?

Moe probiert das regelmäßig bei neuen Menschenfreunden. Er testet aus, ob das Gegenüber ein Problem mit dreckigen Pfoten, Haaren und Hundeschlabber hat. Wenn nicht – perfekt! Peinlich ist ihm das jedenfalls nicht.

Moe hat aber durchaus „peinliche Momente“. Das glaubt ihr nicht?

Wenn Moe sich an der Leine aufpumpt, um dem anderen Rüden zu zeigen, wie groß er ist – und dann stolpert – dann ist es dahin mit der Männlichkeit. Ich bin mir zu 100% sicher, dass er sich in diesem Moment etwas schämt. Deeskalierend wirkt das auf jeden Fall. 😉

Ups. Das tut mir Leid.
Ups. Das tut mir Leid.

Oder er möchte eine läufige Hündin auf der anderen Straßenseite beeindrucken – und kracht volle Lotte gegen einen Zaun. Da kann ich als Frauchen dann leider auch so gar nicht ernst bleiben…

Natürlich hat die Paddeligkeit auch Nachteile. An schlechten Tagen kann man nämlich wirklich nicht über sich selber lachen.

Es hat weh getan, man selbst oder andere haben einen Schaden davon getragen (ich sag nur: Kopfnuss, blaues Auge!). In solchen Momenten wünsche ich mir, wenigstens ein bisschen weniger paddelig zu sein.

Was Moe sich jedoch dabei denkt, wenn er sich mal wieder versehentlich angepieschert hat? Nun, dass kann ich nur vermuten. 🙂

Ungeschickt und nicht stolz darauf.

Eigentlich stehe ich dazu, dass ich ungeschickt bin. Wie gesagt: Gerade wenn ich mit Moe unterwegs bin, kümmert mich das selten. Aber ohne Hund wäre ich doch so manches Mal gerne perfekter.

Und das klappt sogar: Wenn ich mich richtig konzentriere und anstrenge, schaffe ich es. Wenn ich unkluge Bewegungen meide. Wenn ich nicht aus einer bestimmten Kaffeetasse trinke. Wenn ich nichts Weißes anhabe. Wenn ich auf keinen Fall Alkohol trinke. Und keinen Spaß habe.

Lustig sind wir trotzdem.
Lustig sind wir trotzdem.

Unter diesen Vorraussetzungen kann ich meine Ungeschicklichkeit dann und wann austricksen. Dafür kommt sie an anderen Tagen geballt und ohne Vorwarnung.

Beispiele gefällig?

Erst neulich habe ich Moe eine Zecke entfernt, diese in ein Teelicht gelegt und angezündet (ich weiß, echt fies). Ich tat das mit einem Streichholz und legte dieses zum Abbrennen in das Teelicht. Doof nur, dass die Zecke plötzlich platzte und mir ins Gesicht flog… Mein Gesicht könnt ihr euch sicher vorstellen. Da war mir auch nicht zum Lachen! (Karma, vielleicht?)

Ich renne auch leider sehr häufig Menschen um – die stehen einfach plötzlich im Weg! Ich stolpere mindestens 10 Mal am Tag über Moe, weil der einfach. ständig. im. Weg. liegt.

Es gibt Tage, da lasse ich wirklich alles fallen. Und habe keine Ahnung, woran das liegt.

Als ich meinem Vater mal eine Blume ins Krankenhaus bringen wollte, hatte ich plötzlich nur noch die Blüte in der Hand.

Als ich mich mit einem Filmexperten duellieren wollte, nannte ich Clint Eastwood „Cleast Intwood“ – überhaupt, verbale Spasmen habe ich noch häufiger, als das mir aktiv etwas Schlimmes passiert.

Wenn ich Einkaufen gehe, fällt mir mindestens einmal etwas aus dem Regal. Ich habe auch schon Aufsteller zu Fall gebracht.

Zum Glück sind wir beide paddelig. :-)
Zum Glück sind wir beide paddelig. 🙂

Auf einer Messe, auf der ich mal arbeitete, habe ich dem Menschen im Haribo Goldbär-Kostüm so schlimm auf den Fuß getreten, dass er laut „Aua“ gerufen hat und ein kleines Kind anfing zu weinen. Dabei wollte ich nur ein Foto mit ihm…

Meine Ex-Kollegin und ich haben es durch Zuschlagen der Motorhaube geschafft, das Kennzeichen zu Fall zu bringen. Ich bin mittlerweile sicher, dass das auch an mir lag.

Essen in Gesellschaft kann ich wirklich schlecht, weil ich mich garantiert entweder verschlucke, mich einferkel oder das Besteck runterfällt.

Und so könnte ich stundenlang weitermachen.

Unperfekt und herrlich liebenswert.

Da ich in den meisten Fällen sowieso mit Moe unterwegs bin, kann ich mich herrlich daneben benehmen. Dann gehe ich nicht fein essen, treffe selten andere Menschen und sowieso ist es Moe egal, wenn ich mal wieder über meine eigenen Füße stolpere. Er weiß mittlerweile, dass er einen Sicherheitsabstand zu mir braucht.

Außerdem findet er es herrlich, wenn ich mich auf dem Boden kugele – dann hat es seine Zunge nicht so weit. 🙂

Wenn Moe sich zum Pfosten macht, freut mich das im Gegenzug auch. Neulich habe ich ihm ein Leckerlie ins Meer geworfen. Statt sich das zu Schnappen, verfehlte es und hatte plötzlich lauter Algen im Maul. Das Gesicht war genial!

Unperfekt und herrlich liebenswert: Herr Moe.
Unperfekt und herrlich liebenswert: Herr Moe.

Mir zeigt das: Man muss nicht perfekt sein, um geliebt zu werden.

Manchmal sind es genau diese unperfekten Dinge, die jemanden wirklich liebenswert machen. Moe ist einfach großartig, wenn er sich zum Paddel macht – und ich hoffe, er erträgt es, wenn ich mal wieder neben ihm auf der Nase lande.

Gehört ihr und/oder euer Hund zu den perfekten, Unantastbaren – oder würden wir in euch unsere Leidensgefährten finden? 🙂

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